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13.07.2019

Pflichtausstattung Gehörschutz für DJs – die wichtigsten Fakten

Schöne Grüße an den Tinnitus – soll bleiben, wo er ist

Wie wichtig die Ohren sind, realisieren manche Menschen oftmals erst, wenn’s eigentlich schon zu spät ist: Hängen ja so schön selbstverständlich links und rechts an der Birne. Und trotz Dauerklingeln und Pfeifen nach dem Job bilden sich manch Gestrige noch immer ein, es sei alles in Ordnung. Das wird sich schon wieder von selbst erholen. Hier kommt die bittere Wahrheit: Leider nein, wird es nicht.

Die möglichen Hörschäden durch Lautstärke mit Presslufthammer-Faktor sind in den allermeisten Fällen irreparabel. Die Lauschlappen sind nun mal Sensibelchen, mit denen ihr vernünftig und vor allem rechtzeitig sorgsam umgehen müsst. Glücklicherweise haben nicht nur professionelle DJs längst begriffen, dass die Ohren gewissermaßen ihre Geschäftsgrundlage sind. Hier ein paar Gedanken zur Thematik, warum der Gehörschutz für DJs zur selbstrettenden Pflichtausstattung gehört.

Hörverlust geschieht schleichend

Ich sag dir, das willst du nicht erleben: Mal wieder dicke Luft daheim. Deine Partnerin regt sich auf, weil du sie nicht verstehst, nicht mal akustisch. Du konterst entnervt, sie säusele immer so unverständlich stimmlos. Soll gefälligst den Mund richtig aufmachen oder zum Logopäden gehen. Vehement behauptest du, dass du jeden verstehst, nur die eigene Frau nicht. Sie sieht das anders. Damit diese dusseligen Diskussionen endlich ein Ende haben, rennst du zum Ohrenarzt und machst einen Hörtest. Und dann sagt dir dieser unverschämte Kerl die ernüchternde Wahrheit direkt ins Gesicht: Wette verloren! Du kannst zwar hören, aber nicht mehr alles.

Als Resultat der jobbedingten Dauerbelastung fehlen dir gewisse Frequenzen im Hörspektrum. Meistens sind das diejenigen, die für die Sprachverständlichkeit zuständig sind. Das Kuriose: Der Prozess des Hörverlustes ist derart schleichend, du hast es selbst gar nicht bemerkt. Wo sind eigentlich die nervigen Vögel am frühen Morgen geblieben? Offensichtlich hörst du schon jetzt das musikalische Gras nicht mehr wachsen. Sei froh, wenn du auf Dauer noch hörst, wenn eine Palme umfällt. Damit du als DJ bei deiner Partnerin nicht irgendwann reumütig und peinlich betroffen um Vergebung betteln musst, gibt es nur eine einzige Lösung: Rechtzeitig mit professionellem Hörschutz arbeiten.

Sehr interessant sind beispielsweise die Custom Made Earplugs von Fischer Amps. Sofern ihr bei der Bestellung Ohrabdrücke mitliefert, wird der Gehörschutz individuell angepasst. Gleich fünf unterschiedliche, wechselbare Filter mit den Bereichen von 6, 9, 12, 18 und 25 dB sind dabei. Neben der Luftdurchlässigkeit das Besondere: Beim Tragen des Filters tritt kein Verschlusseffekt des Ohres auf. Das Modell ist mit knapp unter 150 Euro nicht ganz preiswert, hat sich aber seit vielen Jahren bewährt und erhält immer wieder top Bewertungen. Für den etwas kleineren Geldbeutel bietet sich die Alpine MusicSafe Pro Black Edition an: Ein Gehörschutz aus medizinisch thermoplastischem Material mit zweifachem Lamellen-System, außerdem drei austauschbare Filter mit 16, 15,7 und 14,3 dB. Gerade für DJs eine gute Lösung, zumal kein Druck in oder auf den Ohren entsteht.

DJ- und Musiker-Realität: Gehörgefährdende Dauerbelastung

Die Zahlen sind beeindruckend. Als DJ ballerst du die Mucke mit etwa 100 bis 120 dB in die Menge. Stellt sich die Frage, warum die Menge nicht schon längst einen Kollektiv-Tinnitus hat. Immerhin ist das locker mal die Lautstärke eines Presslufthammers. 20 dB mehr und du kratzt sogar an der menschlichen Schmerzgrenze. Die tanzende Crowd setzt sich diesem Schall-Gewitter im Normalfall kaum dauerhaft oder gar täglich aus. Die Intuition wird den meisten sogar signalisieren, dass sie sich zwischenzeitlich mal nach draußen oder in ruhigere Ecken verziehen sollten. Tückisch ist, dass die Ohren keine wirklichen Warnsignale abgeben. Sie bluten nicht, nur weil’s zu laut wird.

Ganz anders bei Dir. Dein Kalender ist prall gefüllt, wöchentlich bist du mehrere Nächte im Einsatz. Einfach mal vom Pult verschwinden, funktioniert auch nicht. Tatsache ist: Bereits bei einer Dauerbelastung von vier Stunden bei ca. 90 Dezibel sind bleibende Gesundheitsschäden geradezu vorprogrammiert.

Und das hat noch nicht mal etwas mit Krankheiten, Unfällen oder Knallschall zu tun. Wer sich nicht konsequent schützt, geht fahrlässig mit der eigenen Hörgesundheit um. Aber runter mit dem mahnenden Zeigefinger. Die allermeisten Aufleger sind dafür längst sensibilisiert und statten sich entsprechend aus.

Logik versus gefühlte Hörrealität

Ein grundlegendes Problem für die realistische Einschätzung der Lautstärkeverhältnisse ist der Gewöhnungseffekt. Das wohltemperierte Gehirn lässt sich gerne mal betrügen. Man kennt das von Live-Gigs, bei denen die Fader mit fortschreitender Konzertdauer kontinuierlich hochgeschoben werden. Die Ohren des Publikums werden unter Last immer träger. Die Sensibilität ist nicht mehr gegeben. Es wird immer lauter, aber du nimmst es nicht wahr.

Wichtig zu begreifen: Das ist das ausschließlich ein Selbstschutzeffekt deiner Sinne. Was du weniger deutlich hörst, ist keinesfalls weniger schädigend. Eher im Gegenteil, zumal die menschlich instinktive Rückzugsfunktion damit unterdrückt wird. Hörzellen überleben keinesfalls deshalb, weil sie die Lautstärke nicht real ans Gehirn übermitteln. Seit geraumer Zeit setzen DJs daher auf Monitorsysteme, die mit einer Lautstärkeanzeige ausgestattet sind.

Eine optisch sehr präsente Variante ist das fast einen halben Meter lange, im 19-Zoll-Format gefertigte DBMeter von the t.racks mit seinen zahlreichen, ampelfarbcodierten (gelb, grün, rot) LEDs. Eine andere Möglichkeit sind die USB-MIDI Touchstrips von VMeter. Diese Touch-Panels könnt ihr frei belegen, sie also auch als Lautstärkeanzeige nutzen und ganz nach Setup und Bedarf auf dem DJ-Pult, als Erweiterung des Controllers oder auch direkt an den Monitorboxen platzieren.

Man muss sich unbedingt dieser immanenten Selbstlüge der rasant ermüdenden Ohren bewusst sein. Zeigen Fader und Monitor einen Pegel, den die Ohren in dieser Form nicht mehr wahrnehmen, ist nicht das Equipment im Eimer. Die Lauschlappen haben sich in apathische Abwehrhaltung begeben. Sie suchen sich situativ ihre eigene Hörumgebung und sind in diesem Augenblick bereits ermattet wie ein Marathon-Läufer bei Kilometer 43.

Umgewöhnung von Ohren und Hirn

Das Wissen, dass sich das Gehirn auf die Signale der Sinne einstellt, kann auch im Umkehrschluss begriffen und genutzt werden. Sobald du den Gehörschutz eingestöpselt hast, fühlst du dich möglicherweise abgeschirmt, geradezu wie in einen akustischen Schuhkarton gesperrt. Vermutlich hast du im ersten Moment sogar das Gefühl, die Umgebung sei plötzlich meilenweit entrückt. Ebenso wie die Lauscher – bzw. die Rezeptoren für die Signalübertragung ans Gehirn – sich bei Dauerlautstärke immer träger verhalten, ist das auch umgekehrt. Die Ohren benötigen einen Moment, um sich auf die ungewohnte Umgebung einzustellen.

Weil du das weißt, gehst du entsprechend sinnvoll damit um und nutzt das zu deinem Vorteil. Du setzt die Ohrstöpsel nicht direkt vor den ersten Tracks, sondern ungefähr eine halbe bis ganze Stunde vorher ein. In diesem Zeitraum stellen die Ohren sich auf ihr neues akustisches Biotop ein und erklären das zum Normalzustand. Auch daran, dass der Gehörschutz unter den eigentlichen Kopfhörern getragen werden muss – so du denn kein komplettes InEar-System verwendest – gewöhnst du dich relativ schnell. Der typische Aquarium-Effekt gibt sich schnell, der physische Druck im Gehörgang ist bald nicht mehr vorhanden. Erstaunt wirst du vermutlich darüber sein, dass du die Leute mit Hörschutz sogar besser verstehst als ohne.

Qualität des Gehörschutzes

Der Anspruch an das Hörgefühl ist die Authentizität über sämtliche Frequenzbänder hinweg. Minderwertiger Hörschutz sorgt für ein dumpfes Klangbild. Professioneller Hörschutz – und das kann, darf und muss die einzige Antwort darauf sein – dämpft Höhen, Mitten und Bässe gleichmäßig. Das reale akustische Geschmackserlebnis bleibt erhalten, nur eben – je nach Filter – deutlich leiser. Dafür existieren am Markt die unterschiedlichsten und wirklich auch empfehlenswerten Varianten, darunter Produkte von Elacin, Hearsafe oder eben auch Alpine MusicSafe.

Für DJs und Musiker sollten grundsätzlich solche mit Filter genutzt werden. Schließlich heißt die spezielle Anforderung nicht ausschließlich Lärmsenkung, sondern Schallschutz unter Beibehaltung der dynamischen Hörqualität. Nun ist bekanntlich kein Gehörgang wie der andere. Von Person zu Person ist er enger, weiter, tiefer, was auch immer. Zugleich ist der optimale Sitz des Gehörschutzes ausschlaggebend. Wer sich also wirklich durchdacht ausstatten will, lässt sich sinnvollerweise beim Hörgeräteakustiker eine Otoplastik fertigen.

Zugegeben, das ist relativ aufwendig, gibt aber eine gewisse Sicherheit. Inklusive Beratung, Ohrabdruck, Anfertigung, Anpassung usw. seid ihr dabei vermutlich im Bereich von etwa 150 bis 300 Euro oder mehr dabei. Absenkende Filter gibt es auch hier üblicherweise mit 9, 15 oder 25 dB Weiterer Vorzug: Die Frequenzen werden über den Frequenzbereich zwischen 125 und 8.000 Hz gleichmäßig abgesenkt, aber in ihrem Obertonverhalten nicht gedämpft. Ein unbedingter Unterschied für Menschen, die auf professionelle Weise Musik hören und präsentieren. Verschweigen darf man an dieser Stelle auch nicht, dass der Gehörgang sich auch bei längst erwachsenen Personen permanent verändert. Pauschal kann man davon ausgehen, dass die Otoplastik nach etwa vier Jahren kontrolliert und gegebenenfalls nachgearbeitet oder ausgetauscht werden muss.

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