Gitarre
Test
1
09.01.2018

Praxis

Praxis und Sound

Mit dem Cali76 Compact Deluxe als geschrumpfte Version des legendären Urei 1176 geht für viele Soundgourmets ein Traum in Erfüllung. Wer das Original kennt, der weiß, das es fast unmöglich ist, einen unbrauchbaren Sound einzustellen. Klar ist die Stärke der Kompression reine Geschmackssache, aber ebenso wie beim 1176 wirkt auch hier der Ton nie klein und gedrungen.

Anschließend gibt es insgesamt drei cleane und vier High-Gain-Soundbeispiele. Bei den cleanen Sounds habe ich mich dazu entschieden, die Standardeinstellungen des Herstellers zu verwenden. Sie verschaffen einen guten Eindruck, wie das Gerät den Ton modelliert. Damit ihr den Unterschied besser hören könnt, gibt es bei den cleanen Audiobeispielen am Anfang immer zuerst ein kurzes Lick ohne Pedal. Im ersten Beispiel habe ich folgende Einstellungen verwendet: Dry 7 Uhr, Out 15 Uhr, In 15 Uhr, Ratio 7 Uhr, Attack 7 Uhr und Release auf Maximum.

Während das Pedal im ersten Soundbeispiel eher perkussiv gearbeitet hat, geht es im zweiten Beispiel um eine gleichmäßige Dynamik mit weich abgefangenen Transienten. Dank der langsamen Release-Time entfällt hier auch das typische Pumpen und obwohl das Pedal schon mächtig zupackt, ist der Sound nicht flach wie eine Flunder. Hier die Einstellungen: Dry 7 Uhr, Out und In auf 15 Uhr, Ratio 12 Uhr, Attack 13 Uhr und Release auf 11 Uhr.

Im Gegensatz zum originalen 1176 hat man hier noch einen zusätzlichen Dry-Regler eingebaut, mit dem sich komprimierte und unkomprimierte Signale mischen lassen. So kann die natürliche Einschwingphase vollständig erhalten bleiben. Das Ganze nennt sich parallele Kompression und eignet sich besonders für diejenigen, die anstelle des typischen Kompressorsounds eine eher unauffällige Verlängerung des Sustains erreichen wollen. Die Einstellungen: Dry, Out und In auf 15 Uhr, Ratio, Attack und Release stehen auf 13 Uhr.

Weil die meisten Kompressorpedale erfahrungsgemäß nicht gut mit Verzerrern harmonieren, wollte ich zuerst auch keine stark verzerrten Audios aufnehmen. Als ich dann aber mit dem Pedal herumexperimentierte, war ich überrascht, wie gut der Cali76 Compact Deluxe selbst mit sehr hohen Verzerrungen klarkommt. Keine Spur eines leblosen undynamischen Sounds. Stattdessen Sustain bis zum Abwinken. Hier zuerst ein Lick ohne Pedal.

Wenn man alle Regler auf die 12-Uhr-Position stellt, arbeitet das Pedal relativ unauffällig und könnte im Grunde immer eingeschaltet bleiben. Zusammen mit dem High-Gain-Kanal erhält man trotz der Parallelkompression zwar ein dezentes Pumpen. Allerdings gefällt mir dieser Sound fast noch besser als ohne Pedal. Der Ton wird angenehm griffig und erhält eine kleine zusätzliche Schippe Sustain.

Im nächsten Audiobeispiel habe ich die Einstellung nur leicht modifiziert, indem ich den Dry-Regler komplett zurückgedreht habe, sodass keine Parallelkompression mehr stattfindet. Damit wäre es für meinen Geschmack zwar fast schon zu viel des Guten, aber für einige Fusionflitzefinger könnte das Ganze durchaus seinen Reiz haben.

Zum Schluss gibt es noch eine extreme Einstellung, die ich wegen der massiven Soundverdichtung nicht wirklich für bühnentauglich halte. Im Gegensatz zum vorherigen Soundbeispiel habe ich den Inputregler auf 16 Uhr gestellt. Das Ergebnis ist ein fast endloses Sustain, mit dem man auch ohne große Lautstärken sehr lange singende Noten erzeugen kann. In dieser Einstellung macht das Pedal dank der extrem hohen Kompression aus jeder noch so winzigen klanglichen Mücke einen wahren Sound-Elefanten.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare