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Test
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23.04.2015

Olympus LS-100 Test

Mobiler Multitrack-Digitalrecorder

Schwergewicht in der Recorder-Olympiade

Der Handheld-Digitalrecorder Olympus LS-100 im Test bei bonedo – Dass die Firma Olympus nicht nur Fotoapparate herstellt, sondern auch Geräte baut, mit denen man akustische Schnappschüsse von Schallereignissen machen kann, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Immerhin gehört der japanische Hersteller zu den Pionieren des Produktgenres mobiler Recorder und kann sich unter anderem für die Erfindung der Microkassette rühmen, die bis in die 1990er Jahre hinein als Standardmedium für Diktiergeräte genutzt wurde. Die in letzter Zeit erhältlichen Geräte Olympus LS-12 und Olympus LS-14 liegen in Klang und Verarbeitung in einem hochwertigen Bereich, und die Tatsache, dass sich unser Testkandidat mit seiner Produktbezeichnung in den dreistelligen Bereich vorwagt, lässt erahnen, dass der Hersteller hier in Sachen Funktionsumfang noch eine Schippe draufgelegt hat.

Konkreter gesprochen, integriert der Olympus LS-100 vor allem zwei Kernfeatures, die bisher von keinem anderen Gerät aus der LS-Serie geboten werden: XLR-Eingänge mit Phantomspeisung, die sich zur Verwendung externer Kondensatormikrofone eignen, und Multitrack-Recording. Ob eure Westentasche mit dem LS-100 zum mobilen Ministudio wird, erfahrt ihr in diesem Testbericht. 

Details

Die Ausstattung des LS-100

Nach dem Öffnen der Verpackung des LS-100 habe ich zunächst nach einer SD-Card gesucht, die bei vergleichbaren Geräten in der Regel mitgeliefert wird. Nach kurzer und vergeblicher Suche erinnerte ich mich aber, dass auch schon die anderen Geräte aus der LS-Serie zwar über einen Slot für solche Karten verfügen, daneben aber auch einen internen Flash-Speicher bieten. Im Falle des LS-100 liegt dieser bei nutzbaren 3,2 GB, und das macht eine SD-Card zumindest vorerst überflüssig. Da man auf diesen internen Speicher natürlich hin und wieder von einem Computer aus zugreifen wollen wird, ist ein USB-Kabel mit Mini-USB/Standard-USB-Adapter enthalten. Mit einem weiteren Adapter für das Stromnetz kann man dieses Kabel auch zum Netzbetrieb des Recorders oder zum Aufladen des ebenfalls enthaltenen Lithium-Ionen-Akkus nutzen. Dies geht auch ohne die gute alte Steckdose und – wie man das beispielsweise von Mobiltelefonen oder MP3-Playern her kennt – über eine einfache USB-Verbindung zu einem Computer. Gerade da sich die Stromversorgung vieler anderer vergleichbarer Recorder auf AA-Batterien oder entsprechende Akkus stützt und oft keine solchen Adapter oder Netzteile mitgeliefert werden, ist dies ein wirklich erfreulicher Punkt. 

Ein gedrucktes und vielsprachiges Benutzerhandbuch erleichtert den Einstieg in die Welt des LS-100. Weiterhin finden sich im Lieferumfang eine Trageschlaufe und ein hübsches und stabil wirkendes Kunststoff-Etui mit Innenfutter, in das der Recorder zur Aufbewahrung gebettet werden kann. Der LS-100 sieht darin so sicher behütet aus, dass man ihm fast ein Wiegenlied singen möchte. Im Gegensatz zu manchen anderen Olympus-Recordern vermisst man dagegen einen Windschutz und eine praktische kleine Fernbedienung zum komfortablen Fernauslösen einer Aufnahme. Derartiges Zubehör kann zwar optional dazugekauft werden, man sollte aber im Vorfeld mit einberechnen, dass der Hersteller hier gesalzene Preise ansetzt, die in ihrer Unverhältnismäßigkeit ein wenig an den Getränkekauf auf der Frankfurter Musikmesse erinnern. Wenn Windschutz und Fernbedienung einzeln nachgekauft werden, befindet man sich bereits in einem Bereich, der um die Einhundert-Euro-Marke herum angesiedelt ist. Dass der LS-100 keine Bearbeitungssoftware mitbringt, muss man dagegen nicht als Manko empfinden. Wenn man bedenkt, was an Audio-Tools im Freeware-Sektor alles zu finden ist, erscheint ein Programm zum Schneiden und zu weiterer Nachbearbeitung der Aufnahmen am Rechner nicht als überlebenswichtig. 

Ein wahrhaft großer Bruder – Design, Bedienelemente und Anschlüsse

Die Fotos lassen es erahnen: Der LS-100 ist ein echter Hingucker und setzt sich schon in den reinen Äußerlichkeiten klar von seinen Geschwistern ab. Bei Maßen von 15,9 x 7,0 x 3,3 cm darf man ihn im wahrsten Sinne des Wortes als „großen Bruder“ bezeichnen, was zumindest teilweise auf die beiden XLR/Klinke-Kombibuchsen zurückzuführen ist, die an der Unterseite des Recorders angebracht sind. Diese beanspruchen natürlich ihren Platz, trotzdem liegt der Recorder mit seinem mittleren Gewicht von 280 g aber noch ausreichend gut in der Hand. Das Gehäuse wirkt, wie man das von Olympus gewohnt ist, sehr hochwertig und stabil, und vor allem im Vergleich mit günstigeren Angeboten von manch anderem Hersteller geradezu edel. Die beiden internen Kondensatormikrofone, die ganz traditionell am Kopfende angebracht sind und dort ein Stück weit aus dem Gehäuse herausragen, werden von einem Rahmen aus Kunststoff geschützt und sitzen sicher und unverrückbar an ihrem Platz.

Die Größe des Gehäuses bietet natürlich ausreichenden Raum für ein angemessen großes Display, und tatsächlich ist der LS-100 in dieser Hinsicht ein Lichtblick seiner Zunft, denn der kleine Bildschirm erfreut nicht nur mit einem vergleichsweise hohen Umfang und einer hohen Auflösung. Nachdem es bisher bei den wenigsten anderen mobilen Digitalrecordern etwas Hübscheres als eine schlichte hintergrundbeleuchtete Monochrom-Anzeige zu sehen gab, versteht sich der LS-100 darauf, dem Auge mit einer gestochen scharfen Farbdarstellung zu schmeicheln. Es ist wohl nicht untertrieben, hier von einer Art optischem Luxus zu sprechen. Wenn man an teilweise schon sehr günstig zu habende MP3-Player oder gängige Smartphones denkt, wurde es aber auch wirklich einmal Zeit, dass sich in dieser Hinsicht etwas tut. Das Auge hört nun einmal mit. 

Abgesehen vom Display beherbergt die Vorderseite des Gehäuses eine relativ hohe Anzahl von Bedienelementen. Neben einem Steuerkreuz zur Navigation durch das Menü und einzelnen Tastern für die grundlegenden Transportfunktionen (Aufnahme, Wiedergabe etc.) finden sich drei zusätzliche Navigationstaster, zwei Buttons, die vorrangig zum Ändern der Wiedergabegeschwindigkeit genutzt werden, sowie drei frei belegbare Funktionstaster. Auch wenn grundlegende Aufgaben recht einfach zu bewerkstelligen sind, empfiehlt sich ein Blick in das Benutzerhandbuch, um mit dem LS-100 warm zu werden. 

Der LS-100 kann über mehrere Wege mit der ihn umgebenden Audio-Peripherie verbunden werden. Die beiden XLR/Klinke-Kombibuchsen auf der Unterseite des Recorders können über zwei separate XLR-Power-Schalter auf der linken Flanke mit Phantomspeisung belegt werden, um so die Versorgungsspannung für externe Kondensatormikrofone bereitzustellen. Da sich manche Schallwandler bereits mit einer Spannung von 24 Volt zufriedengeben, lässt sich im Menü eine entsprechende Einstellung tätigen, die sich im mobilen Betrieb natürlich als stromsparend erweist. Nicht mit dieser echten Phantomspeisung zu verwechseln ist dagegen die sogenannte Plug-In-Power, eine Stromversorgung mit wesentlich geringerer Spannung, wie sie von manchen im Multimedia-Bereich zu findenden Elektret-Kondensatormikrofonen benötigt wird. Auch diese Art der Stromversorgung ist beim LS-100 möglich, läuft aber über den zusätzlichen Mic-Eingang im Miniklinken-Format, der sich in direkter Nachbarschaft mit dem Kopfhörerausgang (ebenfalls Miniklinke) auf der linken Seite des Gehäuses befindet. Die beiden Buchsen liegen recht nahe aneinander, hier kann es schon einmal ein wenig eng werden. Tragisch ist das allerdings nicht, und solange keine 6,3mm-Klinkenstecker mit Adaptern auf 3,5 mm verwendet werden, sollte es keine Probleme geben. Der auf der Rückseite verbaute Mono-Speaker lässt sich wie bei allen Geräten dieser Art als Alternative zum Kontrollhören mit Kopfhörern verstehen. Ein wirklich angenehmer Klang ist der kleinen Membran des Lautsprechers natürlich nicht zu entlocken, dafür ist er aber natürlich auch nicht konzipiert.

Aufnahmeformate

Der LS-100 speichert eingehende Audiodaten direkt im unkomprimierten Wav-Format ab, wobei hier natürlich zwischen verschiedenen Auflösungen gewählt werden kann. Die höchste Qualitäts-Stufe liegt, wie in diesem Preisbereich üblich, bei 24 Bit und 96 kHz. Wer auch mit einer niedrigeren Aufnahmequalität zufrieden ist, dem bietet sich die Möglichkeit, die Sample-Rate (auf 44,1 kHz, 48 kHz oder 88,2 kHz) und/oder die digitale Wortbreite (auf 16 Bit) zu reduzieren oder Mono-Files (nur auf niedrigster Qualitäts-Stufe) zu erzeugen und auf diesem Weg Speicherplatz zu sparen. Die mögliche Aufnahmedauer für Wav-Dateien im internen Speicher liegt somit zwischen gut eineinhalb Stunden (24/96) und etwa zehn Stunden (16/44,1 mono). Mit dem MP3-Format erhöhen sich diese Werte natürlich drastisch. Der LS-100 lässt sich wahlweise auf Abtastraten von 64 kbps (mono), 128 kbps, 256 kbps oder 320 kbps schalten und speichert in diesen Formaten Audiomaterial mit einer maximalen Gesamtdauer von gut 22 Stunden bis zu etwa 114 Stunden.

Wer wirklich Großes vorhat, der ist (wie bereits angedeutet) nicht auf die Nutzung des internen Speichers beschränkt. Mit optionalen SD/SDHC-Karten, die bis zu einer Größe von 64 GB unterstützt werden, lassen sich die obigen Eckdaten auf 30 Stunden (Wav, 24 Bit/96 kHz), 196 Stunden (Wav, 16 Bit, 44,1 kHz mono) oder sogar satte 1081 Stunden (MP3, 128 kbps) erhöhen. Ein geradezu epischer Wert, der einer gesamten Dauer von etwa eineinhalb Monaten entspricht. Einzelne Files sind jedoch einer Größenbeschränkung unterworfen, die Grenze für Wav-Dateien liegt bei 2, für MP3-Files bei 4 GB. Eine solche Beschränkung ist aufgrund des Dateisystems mobiler Digitalrecorder nicht ungewöhnlich. Wird eine maximale Dateigröße erreicht, dann muss man sich allerdings keine Sorgen machen, denn der LS-100 setzt die Aufnahme ohne auch nur mit der Wimper zu zucken in einer neuen Datei fort. Wird bei der Aufnahme kein Netzteil verwendet, dann empfiehlt es sich für längere Mitschnitte jedoch, die mögliche Betriebsdauer mit einzuberechnen, die je nach Anwendung variiert. Während ein voll aufgeladener Akku bei Aufnahmen mit den internen Mikrofonen etwa zehn bis zwölf Stunden durchhält, verlangt der Recorder bei aktivierter Phantomspeisung naturgemäß nach deutlich mehr Energie, was die Betriebsdauer natürlich deutlich kürzen kann.

In den Gerätedetails macht der LS-100 bislang einen sehr ordentlichen Eindruck. Auf der nächsten Seite wollen wir herausfinden, ob er sich auch im alltäglichen Praxis-Einsatz behaupten kann.

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