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Test
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17.08.2012

Numark Mixdeck Quad Test

DJ-Workstation und Mixer

Eierlegende Wollmilchsau?

Wenn ein DJ mit dem Gedanken liebäugelt, sich eine neue Workstation anzuschaffen, spielen viele Aspekte eine Rolle. Schließlich sind Deejays gemeinhin als Individualisten bekannt, und diese Individualisten haben alle ihre eigenen Präferenzen, wenn es um das Equipment geht. Die Party über Stunden zum Kochen bringen zu wollen indes, dürfte ihnen gemein sein. Und genau das ist es, was das Mixdeck Quad aus dem Hause Numark unterstützen will. Als jüngster Spross der von uns bereits mehrfach zum Test eingeladenen Mixdeck-Familie (Test: Mixdeck oder Test: Mixdeck Express) präsentiert sich die Schaltzentrale als Rundum-Sorglos-Lösung für Discjockeys, deren Musikalien von unterschiedlichen Tonträgern und Hardwarequellen kommen. 

Das Fundament bilden ein Standalone-Vierkanal-Mixer, zwei integrierte CD-Player mit Scratch-Wheels und zahlreiche Ein- und Ausgänge. On-Top gibt es ein integriertes USB-Audio-Interface, MIDI-Controller-Funktionalität, die Software Serato Intro und einen iOS-Geräte-Dock. Ist dies das Rüstzeug, mit dem sich unser Testkandidat in die Herzen des beschallenden Völkchens spielen kann? Immerhin sind 1119 Euro (UVP) kein Taschengeld! Im Nachfolgenden wollen wir daher begutachten, wie partytauglich das System tatsächlich ist, wie es um den propagierten Media-Mix und Workflow bestellt ist, wie die Kiste klingt, wer damit gut beraten ist und wer vielleicht nicht.

DETAILS

Das Mixdeck Quad konnten wir bereits auf der Frankfurter Musikmesse am Numark-Stand bestaunen, seinerzeit noch mit silberfarbenen Player-Einheiten. Nun haben sich die Verantwortlichen für ein stylisches Anthrazit entschieden, was mir persönlich gut gefällt, auch wenn die optische Trennung von Laufwerken und Mixer beim Messemodell stärker ins Auge sprang. Aber gut, hier hat jeder seine eigenen Idealvorstellungen. Nichts eingebüßt hat das finale Modell an der Qualität der Gehäusekonstruktion und der haptischen Steuerelemente: Keine Spur von Stoßkanten, Graten, überstehenden Schrauben und dergleichen. Die Buchsen sitzen fest, die Teller laufen rund, Fader und Potis bringen mir praxisdienliche Widerstände entgegen. Acht fette Gummifüße sorgen für sicheren Halt und heben den Geräteboden etwa 30 Millimeter über den DJ-Tisch, was in Anbetracht der unterseitigen Belüftungsschlitze sehr sinnvoll ist. Dass der Hersteller hauptsächlich auf Kunststoff setzt, ist, vergleicht man mit dem edlen Metall-Chassis eines NS7, schon etwas schade. Doch kann ich den nicht unwichtigen Mobilitätsfaktor bei 5,6 Kilogramm mit Dock durchaus verstehen. Hätte Numark das Gehäuse komplett aus Aluminium oder Stahl gefertigt, würde das Gesamtgewicht im ersten Fall schon um fast 10 Kilogramm zunehmen, im Zweiten sogar je nach Dichte deutlich mehr. Wer will das schon schleppen? Ich jedenfalls nicht. Aber eines ist ebenso klar. Wirft man das Mixdeck einfach so ohne Schutz-Case auf die Ladefläche oder in den Kofferraum, könnte es zu ungewollten Materialbrüchen kommen. Ergo ist zu empfehlen, die Investition in ein Case wie das Numark Mixdeck-Case (Streetpreis etwa 150 Euro) gleich einzuplanen.

Neben dem Mixdeck konnte ich übrigens noch ein Connection-Kit für Apfel-Peripherie, einen Kunststoff-Ständer, eine Serato Intro Software-CD, einen Stromadapter und den erforderlichen USB- und Cinch-Kabelsatz im Paket ausmachen. Dazu gibt’s eine Schnellstartanleitung und ein Faltblatt. Ein iPad war, wer hätte dies gedacht, nicht dabei. Gleiches gilt auch für die auf dem Kartonaufdruck ersichtliche Software Algoriddim djay, die separat zu erwerben ist. Und so sieht der Lieferumfang, befreit aus seiner Umverpackung, aus.

Anschlussfreudig
Konzeptioneller Kern des Mixdeck ist die simultane oder alternative Signalübertragung und Steuerung diverser Zuspieler auf kompaktem Raum. Am Backpanel finden sich daher zwei paar Cinch-Anschlüsse samt Erdungsschrauben und Dip-Schaltern für ebenso viele Line- oder Phono-Zuspieler ein. Sind demnach zwei zusätzliche Plattenspieler angestöpselt, ist hier Ende-Gelände. Daneben gastieren auf der rechten Seite der USB-Anschluss für den Rechner, die Buchse für das externe Steckernetzteil und der Einschaltknopf. Links sitzen die Ausgänge in Form dreier Stereo-Cinch-Wege für Master, Booth und Record, wobei der Master auch symmetrisch als XLR vorliegt, was einen professionellen Verwendungszweck mit einer PA-Anlage sicherstellt. Der Booth-Out ist getrennt regelbar, allerdings ist es nicht möglich, ihm ein separates Signal zuzuordnen, sodass beispielsweise Tanzflur und Lounge mit unterschiedlicher Musik beschallt werden können. Dabei wäre das in manchen Etablissements oder auf manchen Veranstaltungen gar nicht so verkehrt. Dann folgen zwei Deck-Outs, die sich für Timecodes in Verbindung mit einem externen Interface empfehlen. Eine weitere Aux-Schnittstelle ist für iOS-Geräte gedacht. 

Wo anders sollten die zwei Slot-Ins für Silberlinge beheimatet sein, als an vorderer Front? Die von Numark verbauten Laufwerke lesen Audio- und MP3-CDs ein. Andere Formate werden nicht unterstützt. In der mittleren Aussparung wandert der Blick zuerst auf die 6,3-Millimeter-Mikrofonbuchse MIC(1), der ein Gain-Regler zum Einpegeln und ein Treble-Bass-EQ mit einem erklärten +/-12dB Cut/Boost zur Seite gestellt ist. Der Sound spielt direkt auf den Master und erfüllt in qualitativer Hinsicht den Zweck einer Moderation durchaus, jedoch mangelt es an einer Talkover-Funktion und einem Einschaltknopf, der das Signal von der Summe trennt. Daher ist Mike1 immer aufs Neue einzupegeln. Schade, doch es gibt ja noch einen zweiten Eingang oben auf dem Gerät. Bevor wir uns jedoch der Draufsicht widmen, möchte ich noch die kleinen Stellschalter unten links erwähnen, welche die Ausprägung der Crossfadercurve bestimmen sowie eine Umkehrung der Blendrichtung vornehmen können. Zwei Kopfhörerbuchsen (Mini, Standard) ermöglichen auch DJ-Teams an diesem System zu arbeiten, was grundsätzlich sehr zu begrüßen ist. Im Praxistest stellte sich heraus, dass der Kopfhörerausgang für die meisten Einsatzszenarien laut genug sein dürfte. Auf dem letzten Meter neigt der Verstärker zwar leicht zum Zerren, aber da haut er eh schon einen respektablen Pegel raus, der auf Dauer sicherlich nicht gut fürs Gehör wäre. Anders ist dies jedoch, wenn zwei Einheiten zum Anschluss kommen. Mit einem ATH700 und einem TMA1 gab es zwischen 13-14 Uhr schon deutliche Verzerrungen. 

Aufbau
In den Decksektionen springen als Erstes die großen, berührungsempfindlichen Jogwheels ins Auge. Sie sind den NDX-900er Modellen zum Verwechseln ähnlich, was sich bei genauer Betrachtung eigentlich für das fast komplette Deck-Layout sagen ließe. Mal abgesehen davon, dass es leichte Abwandelungen in der Farbgebung, beim Bleep-Kippschalter und bei der Positionierung einzelner Teile gibt, gewinnt der Autor hier den Eindruck, dass Numark nahezu die gesamte Funktions-Bandbreite seines Tabletop-Flaggschiffs ins Mixdeck gepackt hat: Dies beinhaltet kontraststarke, gut ablesbare Displays, variable Anlauf- und Bremszeiten, mehrstufiges Pitching, lange Pitchfader, Bends und einen USB-Schlitz Typ-B für Wechseldatenträger. Dazu eine Prise synchronisierbare DSP-Effekte, gesteuert mit einem Dry-Wet-Fader und Parameter-Encoder sowie Loops mit Cutter, Sampling und Hot Cues. Genug Zutaten, um ein kreatives Süppchen anzurühren. 

Der Mixer verfügt über vier vollausgestattete Kanalzüge, von denen jeder mit einem Dreiband-EQ plus Gain, 45-Millimeter-Channelfadern sowie einer Vorhörfunktion ausgestattet ist und dem Crossfader frei zugewiesen werden kann. Die beiden linken Signalpfade geben in Stellung MIDI/USB1 das Softwaredeck A aus, die zwei rechten Busse Softwaredeck B (MIDI/USB2). Kanal 1 kennt zudem die Stellung DECK1 und MIC2, dessen Kombo-Buchse auf 12 Uhr thront. Die restlichen Kanäle bedienen statt MIC2 von links nach rechts die Zuspieler AUX1-3, wobei Channel 2 ebenfalls auf das CD/USB-DECK1 geroutet werden kann und die beiden anderen auf DECK2 - so wie es auch im USB-Modus der Fall ist (siehe Foto). Über den Schaltern bestimmen CUE MIX und CUE GAIN, was und wie laut dies auf dem Kopfhörer ausgegeben wird. Cuemix ermöglicht dabei ein stufenloses Blenden zwischen Ausgabesignal und ausgewählten Vorhörquellen. Daneben folgen zwei Lautstärke-Potis und ein Stereo-Mono-Switch, um Master und Booth abzustimmen. Im folgenden Praxisteil wollen wir uns mit Äpfeln, Zeitgeistern, Workflow, Latenzen und fertig kompiliertem Code rumschlagen und euch vor Ohren führen, wie das Teil an sich und seine Track-Verwurstungsmechanismen klingen.

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