Hersteller_Novation
Test
3
29.08.2017

Novation Circuit Mono Station Test

Paraphoner Analogsynthesizer mit Sequencer

Alles so schön bunt hier!

Die Novation Circuit Mono Station ist ein zweifach paraphoner Analogsynthesizer in einem kompakten Desktopgehäuse. Ihre Synth-Einheit stammt von der beliebten Novation Bass Station II ab, die hier von drei Step Sequencern nach Art der Circuit Groovebox aus gleichem Hause befeuert wird.

Fast scheint es, als wären es Novation leid, das der Circuit seit seinem Erscheinen mitunter als „Spaßbox“ missverstanden wird. Die Circuit Mono Station baut auf den gleichen Strategien auf, setzt aber auf die analoge Klangerzeugung der Bass Station II, die trotz ihres günstigen Preises auch in Profikreisen viele Anhänger hat. So wird das erfolgreiche Konzept weiter gedacht und um echten Analogsound erweitert, bleibt aber präzise umrissen und nachvollziehbar.

Details

Der 24 x 25 x 4 cm kleine Desktopsynth erzeugt seinen Klang mit zwei getrennt ansteuerbaren, analogen Oszillatoren, die monophon oder zweifach paraphon gespielt werden können. Paraphon heißt hier, das jeder der beiden Oszillatoren von einem eigenen Sequencer gesteuert werden kann, wodurch kontrollierte duophone Klänge möglich sind. Beide Oszillatoren können aber auch einer gemeinsamen Sequenz folgen. Der dritte Sequenzer kümmert sich nur um Modulationen.

Der untere Teil des neuen Novation Desktop Synths ähnelt dem Novation Circuit fast aufs Haar, bzw. Pad: vier mal acht quadratische RGB-Pads, flankiert von acht runden und zehn schmalen, hintergrundbeleuchteten Funktionsbuttons. Das ist schon mal ein halbes Launchpad, das ja auch dem Circuit Pate stand. Diese Matrix dient zur Anwahl von Sessions, Patterns und Patches sowie zum Programmieren der Sequenzen und zur Anzeige von Parameterwerten. Je nach Modus wird das Grid in diverse Ansichten versetzt, die durch verschiedenfarbige Beleuchtung unterschieden werden: mal als Stepsequenzer, mal als Patternanwahl-Liste und mal als BPM-Anzeige.

Darüber sind die Bedienelemente der Synthesizer-Einheit angeordnet. Beide Oszillatoren verfügen über die gleichen klassischen Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck, Rechteck und Sample&Hold, wie sie auch in der Bass Station II werkeln, mit getrennt regelbaren Fußlagen und Tuningeinstellungen. Angefettet wird der Sound von einem Sub-Oszillator (der im Gegensatz zur Bass Station II nur eine Fußlage aufweist), einem Noise-Generator und einem Ringmodulator für die beiden Hauptoszillatoren. Der kann via Mixer auch ganz alleine erklingen und bringt dann die Differenz zwischen beiden Oszillatoren zu Gehör, was sehr cool klingt. Auch ein Audio-In steht als Soundquelle zur Verfügung. Das ebenfalls analoge Multimode-Filter bietet Tiefpass, Hochpass oder Bandpass mit einer Flankensteilheit von 12 oder 24 dB pro Oktave an. Ein Distortion-Effekt mit drei Intensitäten sorgt auf Wunsch für den richtigen Biss.

Gute Übersicht dank Farbe

Die Circuit Mono Station bietet eine beeindruckende Vielfalt von Modulationsmöglichkeiten. Damit das Gedränge auf der Frontplatte nicht zu groß wird, hat Novation ein ausgeklügeltes Farbcode-System entwickelt. So gibt es wie bei der Bass Station II nur einen Satz Regler für beide Oszillatoren, aber trotzdem bleibt alles sehr übersichtlich. „Osc 1“ ist „"pretty in pink“" und in dieser Farbe leuchten dann auch die beiden Regler für Grob- und Feintuning, die LEDs zur Anzeige der Fußlage von 16’' bis 2'’ und der Wellenformen, als da ganz klassisch wären: Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck. Wird „Osc 2“ angewählt, wechseln die entsprechenden Parameter zu einer giftgrünen Beleuchtung.

Bei den sechs Mixer-Potis setzt sich der Farbcode fort. Hier sind die volca-mäßigen Potiachsen farblich beleuchtet: pink für Osc 1, grün für Osc 2, orange für Suboszillator, Rauschgenerator, Audio in und den Ringmodulator. Je heller, desto lauter. Und leuchtet einer der Regler mal nicht, ist er einfach auf Null-Position. Das ist sehr praktisch beim Umschalten von Patches mit nicht übereinstimmenden Reglerpositionen und da kann man auch auf einer dunklen Bühne nicht viel falsch machen.

All diese Signale werden dann vom gleichen Klangbearbeitungsarsenal bearbeitet, als da wären: das erwähnte Filter, eine ADSR-Hüllkurveneinheit mit vier 3cm langen Fadern, ein synchronisierbarer LFO mit vier Wellenformen (Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Sample & Hold) sowie eine Modulationsmatrix mit Quellen wie Hüllkurve, LFO, Sequenz und Velocity sowie folgenden Zielen: Tonhöhe, Pulsbreitenmodulation, Verstärker, Filter, Distortion und den rückwärtigen Aux CV-Ausgang. Ein Endlosregler besorgt die Intensität der Modulationen.

Zehn größere Potentiometer mit metallischer Oberfläche und griffigem Gummischaft laden zum Schrauben ein. Der Cutoff-Regler des Filters ist standesgemäß das größte Poti. Links daneben findet man den Resonanzregler und noch weiter links die Overdrive-Stufe des Filters, nicht zu verwechseln mit der zusätzlichen Distortion-Unit, die einen Regler und drei Intensitätsstufen anbietet. Außer dem Verzerrer gibt es keine anderen Effekte, da gibt sich die Circuit Mono Station puristisch.

Oben links gleich neben dem Volumen-Knopf wird das Tempo des internen Sequencers eingestellt. Wenn man daran dreht, verändert sich das RGB-Grid in der unteren Hälfte recht merkwürdig in zwei weiße und eine türkis-farbene Pad-Kolumne. Erst aus einiger Entfernung erkenne ich, dass die RGB-Pads die BPM-Zahl in überdimensionalen Ziffern darstellen. Coole Idee! Klar, die Circuit Mono Station hat ja kein Display und muss sich daher zur Darstellung relevanter Informationen etwas anders behelfen, und dafür haben die Novation-Ingenieure einige smarte Lösungen gefunden. Je nach dem Bedienmodus bietet die RGB-Matrix andere Ansichten an und man findet sich wirklich schnell zurecht. Der per SHIFT + Tempo stufenlos einstellbare Swing-Faktor wird ebenfalls numerisch dargestellt. Mit Swing Sync Control (SHIFT + Tap) lassen sich die Sync-Intervalle in acht Stufen verändern.

Lost in Modulation

Der Farbcode setzt sich bei der Modulationsmatrix fort, die trotz nur eines Endlosreglers und sieben Schaltern eine hohe Komplexität aufweist. Tonhöhe, Pulsbreitenmodulation, Verstärker, Filter, Verzerrer und der Aux CV Out können von Hüllkurve, LFO, Mod-Sequencer und Anschlagdynamik als Modulationsquellen stufenlos geregelt werden, und zwar für Oszillator 1 und 2 jeweils separat. Da ist richtig viel Modulation möglich und auch nötig, denn über den Weg der Modulationsmatrix wird kompensiert, dass Bedienelemente wie LFO-Regler und ADSR-Hüllkurvenreglersatz nur einfach vorhanden sind. Dank der Modulationsmatrix stehen diese aber als in der Intensität regelbare Quelle für alle genannten Modulationsziele zur Verfügung.

Die Novation-Produktexperten vergleichen die Möglichkeiten bei Präsentationen mit einem Modularsystem. Der Unterschied ist natürlich, dass man da einfach schnell wieder die Strippen herausziehen kann, wenn man sich mal komplett verheddert hat. Bei der Circuit Mono Station muss man alles wieder fein säuberlich zurückdrehen, oder den „Total Recall“ machen und wieder den letzten gespeicherten Zustand der „Session“ oder des „Patches“ aufrufen.

Apropos Modularsystem: Auch mit dem kann die Circuit Mono Station über die CV/Gate-Ausgänge anbandeln. Ausgegeben werden– die Noten des Sequenzers ebenso wie die Fußlage und der Pitch des Oszillators mit 1V/Octave. Wird der Pitch von Oszillator 1 verstellt, wird auch der angeschlossene CV/Gate-Synth detuned. Cool. Zusätzlich kann über den Aux CV-Ausgang auch eine Modulationsmatrixquelle und via Clock Out ein Triggerimpuls an die angeschlossenen Geräte gesendet werden. Im Settings-Menü Clock kann man Rates von 1 bis– 24 ppqn anwählen. Meine Roland SH-101 verstand sich jedenfalls in Sachen Pitch wie Clock gleich in der Grundeinstellung auf Anhieb prima mit der Circuit Mono Station.

Allein der ausgefuchste Sequenzer macht richtig Spaß. Es ist schon fast schade, dass sich der Modulation-Sequenzer-Track nicht als zusätzlicher Step-Sequenzer für externe Synths nutzen lässt. „Nur“ als Sequenzer für Modulationen finde ich ihn fast verschenkt, zumal sich auch sämtliche Reglerveränderungen in den beiden Oszillatorensequenzern aufzeichnen lassen.

Sämtliche Sequenzen, Modulationen und Sound-„Patches“ der Circuit Mono Station werden in 32 „Sessions“ gespeichert. Die Klangpalette ist bereits mit 64 Patches gefüllt. Diese lassen sich bearbeiten, löschen und überschreiben, Sessions wie Patches können in der kostenlosen Software „Components“ bequem gespeichert und verwaltet werden.

Anschlüsse

Die Rückseite ist gut bestückt. Über zwei große Monoklinkenstecker geht Audio raus und rein. Der USB-Anschluss dient zur Kommunikation mit der Components-Software und als USB-MIDI. Dazu gibt es acht Miniklinkenanschlüsse: drei für MIDI In, Out und Thru, zwei für Clock In und Out und drei für CV, Gate und einen weiteren Aux CV-Ausgang, um z.B. Modulationen an ein Modularsystem weiterzureichen.

Der allgemeine Trend zur Miniaturisierung befördert das allmähliche Aussterben des guten alten MIDI-Kabels zugunsten kleiner Stereo-Miniklinkenbuchsen, deren Signale dann per Adapter wieder in die MIDI-5-Pol-DIN-Welt gewandelt werden müssen. Drei quietschgelbe Adapter sind im Lieferumfang der Circuit Mono Station, aber man sollte sie auch dabei haben, wenn man mit solch einem Gerät auf Tour geht. Glücklicherweise verstehen sich Miniklinken-MIDI-Geräte verschiedener Hersteller mittlerweile auch untereinander. So konnte ich den britischen Novation-Desktop-Synth und die französischen Arturia-Geräte Beatstep Pro und Audiofuse jeweils ohne jegliche Adapter und nur mit einem beidseitigen Stereo-Miniklinkenkabel verbinden und per MIDI synchronisieren. Die Circuit Mono Station braucht dazu nicht in einen MIDI-Slave-Mode versetzt werden. Empfängt sie MIDI-Clock, dann startet sie automatisch und kann auch stets gestoppt und wieder auf die laufende MIDI-Master-Clock eingestartet werden, dann natürlich bitte mit Taktgefühl.

Unter der Circuit Mono Station klebt eine dicke, gelbe Gummisohle, die dem Gerät einen unglaublich festen Halt verleiht. Auf meiner Tischplatte steht das Teil quasi rutschfest. Und anders als bei Geräten mit vier aufgeklebten Gummifüßchen, wo irgendeins immer irgendwann abfällt und das Gerät daraufhin wackelt, wird dies bei der Circuit Mono Station niemals vorkommen. Ein wenig Skepsis mischt sich in meine Begeisterung über den Gummisockel dann aber doch: Wie wird das Gerät in einigen Jahren von unten aussehen, wenn sich Staub und Dreck in das Gummi gefressen haben? Time will tell!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

Novation Circuit Test

Der Novation Circuit verbindet zwei Synthesizer und eine Drum-Machine zu einer Groovebox und setzt bei der Bedienung ganz auf Pads und Echtzeit-Controller. Alle Details im Test!

Novation Bass Station II Test

Die wilden 90er schlagen zurück! Mit der Bass Station II beschert uns Novation die überarbeitete Wiederauflage des legendären Synthesizers von 1993. Wie das Teil klingt, erfahrt ihr hier.

Dreadbox Abyss Test

Nach Murmux, Hades, Erebus und Nyx beleuchtet Dreadbox mit "Abyss" die Schattenseiten der griechischen Mythologie. Wir haben nachgeschaut, ob das stimmt.

User Kommentare