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Test
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09.10.2013

Novation Bass Station II Test

Monophoner Analogsynthesizer

Mit der Bass Station II präsentierte Novation auf der Musikmesse Frankfurt 2013 den Nachfolger der legendären Bass Station aus den Neunziger-Jahren und damit eine der interessantesten Neuerscheinungen dieses Jahres. Die Neue ist in guter Gesellschaft: Viele Synthesizerlegenden erleben nach einigen Jahren oder gar Dekaden eine Reinkarnation, wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen bei der Originaltreue. Im Falle eines Roland Jupiter-80 beschränken sich die Übereinstimmungen im wesentlichen auf den Namen, wohingegen die Neuauflage des Korg MS-20 eine hohe technische Übereinstimmung mit dem Vorgänger hat. Die Novation Bass Station II liegt irgendwo dazwischen, indem sie die Grundzüge der Architektur des Vorgängers übernommen hat, ohne dabei an neuen Features und Klangmöglichkeiten zu sparen. Die Bass Station (I) habe ich zu Zeiten, als die Studios noch von Hardware-Klangerzeugern beherrscht wurden, bei einigen Produktionen eingesetzt, aber der Funke wollte nie so richtig überspringen. Lag es an mir? Lag es am Synthesizer? Klappt es jetzt vielleicht mit uns beiden? Wir werden sehen.

Wie es der Zufall (oder die Fügung) will, streiten sich Bass Station II und der mir ebenfalls zum Bonedo-Test bereitgestellte Moog Sub Phatty um den schöneren Keyboardständer in meinem Studio. Besser geht's nicht, denn meines Erachtens haben wir es hier mit zwei direkten Konkurrenten zu tun, auch wenn der Moog rund doppelt so teuer ist. Die beiden Instrumente haben eine hohe Übereinstimmung bei den klangerzeugenden Features, als da wären: zwei Oszillatoren, Suboszillator und Rauschgenerator sowie Overdrive/Distortion-artige Funktionen. Auch wenn dies kein direkter Vergleichstest ist, habe ich deshalb versucht, die Audiobeispiele so zu gestalten, dass ein Vergleich beider Synthesizer in gewissen Grenzen möglich ist, ohne dabei krampfhaft alle Sounds hundertprozentig einander anzugleichen zu wollen. Aber hört und lest selbst!

Details

Lieferumfang

Ausgeliefert wird die Bass Station II mit einer englischsprachigen Bedienungsanleitung, einem externen Netzteil (9V DC, 500mA), einem USB-Kabel und der Registrierungskarte. Nach erfolgter Online-Registrierung der Bass Station II stehen dem stolzen Besitzer folgende Downloads zur Verfügung:

  • Ableton Live Lite 
  • Loopmasters Novation Pack 
  • Factory Patches

Neben der interessanten Einstiegsversion von Ableton Live ist also die etwa 641MB große Loopmasters Library dabei, die wirklich hervorragend klingende 24Bit WAV-Loops für Dance-orientierte Produktionen enthält. Auch eine ausführliche deutschsprachige Bedienungsanleitung steht auf der Novation Homepage zum Download bereit, was absolut nicht selbstverständlich ist – super! 

Gehäuse

Das Gehäuse des kompakten Synthesizers ist komplett aus Kunststoff gefertigt und wirkt weder besonders hoch- noch besonders minderwertig. Es macht einen zweckmäßigen, sauber verarbeiteten Eindruck. Die verbauten Dreh- und Schieberegler wirken sehr solide und haben bei Betätigung einen angenehmen Widerstand. Auch die weiteren Bedienelemente wie Schalter, Buttons sowie die blau beleuchteten Räder für Pitchbend und Modulation geben keinen direkten Anlass zur Kritik, wobei meine Hände festeren Tastern gegenüber den Drum Pad-artigen Buttons des Novation Synthesizers den Vorzug geben würden. Die Rückfederung des Pitch-Wheels fühlt sich im Vergleich zu anderen Keyboards zwar etwas lasch an, funktioniert aber tadellos. Insgesamt sollte die Verarbeitung der Bass Station professionellen Ansprüchen genügen, wobei Wow-Effekte ausbleiben, was in dieser Preisklasse aber auch vollkommen okay ist. Mit seinen knapp drei Kilogramm Fliegengewicht und den kompakten Ausmaßen ist der Synthesizer äußerst rücken- und transportfreundlich.

Anschlüsse

Rückseitig finden wir folgende Anschlussmöglichkeiten:

  • Power In 
  • USB MIDI IN / OUT 
  • Sustain-Pedal 
  • Line-Eingang Mono (6,35mm Klinkenbuchse, unsymmetrisch) 
  • Line-Ausgang Mono (6,35mm Klinkenbuchse, unsymmetrisch) 
  • Stereo-Kopfhörerausgang (6,35mm Klinkenbuchse) 
  • Öffnung für Kensington-Kabelschloss

Der Stecker des externen Netzteils ist von rechtwinkliger Bauform, wodurch ein unbeabsichtigtes Herausziehen erschwert wird. Die USB-Buchse ermöglicht sowohl die MIDI-Verbindung (IN und OUT, Class Compliant) zu einer DAW sowie die Stromversorgung, alternativ zum mitgelieferten Netzteil. Mit dem ebenfalls auf der Rückseite befindlichen Power-Schalter kann zwischen beiden Versorgungsarten ausgewählt werden.

Bedienfeld

Die Bedienelemente der Bass Station II sind übersichtlich und tendenziell dem Signalfluss entsprechend in die Bereiche Master, Oscillator, Mixer, Filter, Arpeggiator, Porta, LFOs, Envelopes und Effects aufgeteilt. Hierzu einige Anmerkungen:

Master: Neben der Lautstärkeregelung befindet sich hier die Möglichkeit, Soundprogramme anzuwählen und zu speichern. Die Anwahl der Patches erfolgt über die beiden mit großen Pfeilen versehenen Patch-Tasten, die außerdem der Einstellung diverser Parameter im „Function-Mode“ (Zweitfunktion nach Betätigung des „Function“-Buttons) dienen. Ein kleines LED-Display gibt Auskunft über Patch-Nummer und den Wert von Klangparametern, die sich in Bearbeitung befinden. Des Weiteren sieht man anhand der beiden, den zwei kleinen Pfeilen (links/rechts) zugeordneten LEDs, in welcher Richtung der Wert eines momentan bearbeiteten Parameters im gespeicherten Patch liegt. Erreicht man den ursprünglichen Wert, erlischt die LED – sehr praktisch!

Oscillator: Hier befinden sich die grundlegenden Einstellmöglichkeiten der drei Oszillatoren inklusive Suboszillator. Die Bearbeitung von Oszillator 1 oder 2 erfolgt nach entsprechender Anwahl durch den Schalter „Osc Select“.

Mixer: Vier Drehregler ermöglichen die Lautstärkeregelung der drei Oszillatoren und des Rauschgenerators, welcher sich zusammen mit dem externen Eingang und dem ringmodulierten Signal aus Oszillator 1 und 2 einen Drehregler teilen muss. Die Zuweisung der drei Quellen erfolgt über einen Schalter.

Filter: In diesem Modul befinden sich sämtliche Filter-relevante Einstellmöglichkeiten, auf die ich später noch genauer eingehen werde. Positiv anzumerken ist der große, griffige Drehregler für die Filterfrequenz.

Arpeggiator: Wie Blitzdenker bereits vermuten, finden wir hier die Bedienung des Arpeggiators sowie auch des 32-Step Sequencers. Der hier befindliche „Latch“-Button bewirkt, dass angeschlagene Keyboardtasten gehalten werden, was auch bei der Verwendung des externen Audioeingangs sehr nützlich sein kann, da das Signal nur bei Tastenbetätigung bzw. geöffnetem VCA hörbar ist. Somit hat man beide Hände frei, das Signal mit Filter etc. zu bearbeiten.

Portamento: Der Drehregler „Glide Time“ regelt die Intensität des Portamento-Effekts.

LFOs: Beide LFOs verfügen über einen eigenen Drehregler zur Einstellung von Speed oder Delay (Auswahl per Schalter) sowie jeweils einen eigenen Button zur Anwahl der Schwingungsform (Dreieck, Sägezahn, Rechteck, Sample&Hold).

Envelopes: Die Bass Station II bietet zwei ADSR-Hüllkurven, wovon eine fest dem VCA zugeordnet ist und die zweite verschiedenen Modulationen zugewiesen werden kann. Diese können hier je nach Schalterstellung unabhängig oder auch gemeinsam (top!) mit vier Schiebereglern für Attack, Decay, Sustain und Release bearbeitet werden. Über einen weiteren Schalter lässt sich das Trigger-Verhalten der Hüllkurven bezüglich Legato-Spielweise und Portamento festlegen.

Effects: Zwei separate Drehregler dienen der Einstellung des Distortionanteils und der Oszillator Filter Modulation, doch dazu später mehr.

Oberhalb der Pitchbend- und Modulationsräder befinden sich die Buttons zur Oktavverschiebung der Tastatur, deren genaue Oktavlage bei Betätigung im Display des „Master Moduls“ angezeigt wird. Direkt darüber hat der Transpose-Button Platz gefunden, der im Zusammenspiel mit den Patch-Tasten (Master) die Transponierung in Halbtonschritten ermöglicht. Links davon liegt der Function-Button. Dieser korrespondiert mit den Beschriftungen oberhalb der Keyboard-Tastatur und ermöglicht die Auswahl weiterer Parameter zur Bearbeitung, was dann über die Patch-Buttons vorgenommen wird. Im Gegensatz zur Bedienung etwa des Moog Sub Phatty ist diese Art der Editierung sehr angenehm und problemlos, da man auch ohne Editor-Programm/Plug-in oder eine Liste versteckter Funktionen sofortigen Zugriff und Überblick über sämtliche Gerätefunktionen hat.

Insgesamt ist die Bedienoberfläche der Bass Station II sehr übersichtlich. Die kontrastreiche Beschriftung ist trotz des kleinen Formats noch gut lesbar und die markanten roten LEDs geben einwandfrei Rückmeldung bezüglich Schalterstellungen, Tempo und LFO-Geschwindigkeiten, indem sie entsprechend pulsieren. Ganz ohne Doppelbelegung bzw. Funktionszuweisung durch Schalterstellung kommt man bei einem derart kompakten Gehäuse nicht aus, worin ich allerdings kein Problem sehe, da die Bedienung einer eindeutigen Logik folgt und man sich schnell zurechtfindet.

Keyboard

Die 25 anschlagdynamischen Fullsize-Tasten der Novation Bass Station II sind von ausgezeichneter Bespielbarkeit und mit monophonem Aftertouch ausgestattet. Die Rückfederung ist angenehm stramm und die Tasten wabbeln nicht durch die Gegend wie bei manch einem Konkurrenzprodukt. Top!

Klangerzeugung

So langsam können wir uns dann über den Körper Richtung Herz vorarbeiten. Was hat Novations neue Bass Station im Inneren zu bieten?

Oszillatoren/Mixer: Zur Klangerzeugung stehen drei analoge Oszillatoren zur Verfügung. Die Oszillatoren 1 und 2 sind identisch aufgebaut und haben folgende Einstellmöglichkeiten:

  • Oktavlage: 16', 8', 4', 2'
  • Schwingungsformen: Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck (variable Pulsbreite) 
  • Intensität der Tonhöhen-Modulation durch Mod Env und LFO1 
  • Pulsbreiten-Modulation der Rechteckschwingung durch Mod Env, LFO2 oder manueller Wert

Der Oszillator 1 zugeordnete Suboszillator ist mit folgenden Parametern erfreulich flexibel gestaltet:

  • Oktavlage: -1 / -2 
  • Schwingungsform: Sinus, schmalbandige Pulsschwingung, Rechteck

Die Oszillatoren 1 und 2 speisen konstant einen Ringmodulator, dessen Ausgangssignal im Mixer separat regelbar ist. Weiterhin ist über die Keyboardtastatur im Function Mode der Osc 1-2 Sync aktivierbar, um die typischen schneidenden Sync-Sounds zu erzeugen. Zu guter Letzt steht ein Rauschgenerator zur Verfügung, wodurch sich die Bass Station II auch zur Gestaltung von Drum- und Effektsounds eignet.

Filter: Anhand des Blockschaltbildes ist ersichtlich, dass das Signal direkt hinter der Mixer-Sektion gefiltert wird. Hierzu stehen zwei übergeordnete Filtertypen zur Verfügung. Das als „Classic“ bezeichnete Filter der Bass Station (I) sowie der Filtertyp „Acid“ – hier muss man nicht Sherlock Holmes sein, um eine Anspielung auf die Roland TB-303 zu erahnen. Das Acid-Filter (ausschließlich Low Pass) arbeitet mit einer Flankensteilheit von 24dB/Okt. und klingt zu meiner Überraschung um einiges zahmer als das bei hohen Resonanzwerten brachiale Classic Filter – ein kleiner semantischer Widerspruch! Als Multimode Filter bietet das Classic Filter eine Fülle weiterer Einstellmöglichkeiten:

  • Shape: Low Pass, Band Pass, High Pass 
  • Slope: 12 und 24dB pro Oktave

Allen Filter Modes und Filtertypen stehen fünf Drehregler für Frequenz, Resonanz, LFO2 Depth, Mod Env Depth und Overdrive zur Verfügung. Letzterer Parameter ermöglicht ein „Anfetten“ des Sounds vor dem Filter.

LFO: Zwei LFOs, deren maximale Frequenz mit 190 Hz im hörbaren Bereich liegt, stehen als Modulationsquellen bereit und bieten die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn, Rechteck sowie Sample & Hold. Der im Function Mode verfügbare „Slew“-Parameter ermöglicht eine Glättung der Schwingungsformen, um beispielsweise eine Rechteckschwingung in Richtung Sinus zu glätten. Damit sollten dann auch so ziemlich alle Wünsche diesbezüglich abgedeckt sein. Abgerundet wird das Ganze durch aktivierbaren Key Sync, ein einstellbares LFO Delay und die Möglichkeit der Synchronisierung zur MIDI Clock (intern/Arpeggiator und extern). Als Modulationsziel ist LFO1 fest der Tonhöhe der Oszillatoren zugeordnet – okay, genaugenommen kann er auch über den Umweg Oszillator 2 / Osc Filter Mod (Effects) Einfluss auf das Filter ausüben. LFO2 dagegen kann direkt das Filter sowie die Pulsbreite der Oszillatoren modulieren. Zusammenfassend kann man sagen, dass die LFO-Sektion gut ausgestattet ist und absolut nichts vermissen lässt.

Osc Filter Mod: Dieser Parameter bewirkt eine Modulation der Filterfrequenz durch Oszillator 2. Hierdurch werden unter anderem schneidende und obertonreiche Klänge ermöglicht.

Distortion: Der Distortion-Effekt sorgt für eine obertonreiche Verzerrung des gefilterten Signals. Dies geschieht sinnvollerweise vor dem VCA, wodurch die Verzerrung unabhängig von der Amp Envelope konstant bleibt.

VCA: Neben der bereits erwähnten ADSR-Hüllkurve bietet die VCA-Sektion eine kleine Besonderheit, die mir persönlich bisher nicht über den Weg lief: Der per Function Mode einstellbare VCA Limiter macht genau das, was sein Name vermuten lässt – nett!

Mod Env: Diese zweite ADSR Hüllkurve kann die Oszillator-Tonhöhe, die Pulsbreite sowie das Filter modulieren.

Controller-Zuweisungen: Streberalarm! Die möglichen Zuweisungen von Modulationsrad und Aftertouch sind auf der Novation Homepage nicht ganz korrekt und auch unvollständig dokumentiert. Sie können im Function Mode folgendermaßen zugewiesen werden:

Aftertouch: Filter-Frequenz, LFO1 zu Osc-Pitch, LFO2-Speed
Modulationsrad: Filter-Frequenz, LFO2 zu Filter-Frequenz, LFO1 zu Osc-Pitch, Osc2-Pitch

Arpeggiator / Step-Sequencer: Der Arpeggiator bietet 32 Arpeggio-Sequenzen mit diversen Einstellmöglichkeiten bezüglich Oktavbereich, Richtung und Swing-Faktor der Arpeggien. Das Tempo ist über einen separaten Regler von 40 bis 240 BPM einstellbar. Der Step-Sequencer ermöglicht das Erstellen und Speichern von vier Sequenzfolgen mit bis zu 32 Schritten (inklusive Pausen), wobei auch Legato möglich ist.

Sonstiges: Die Bass Station II bietet 128 Speicherplätze für Patches, laut Bedienungsanleitung sollen 64 davon Werks-Presets sein und die weiteren 64 als Speicherplätze für Anwender-Patches zur Verfügung stehen. Bei meinem Testexemplar waren allerdings bereits die Speicherplätze 0 bis 82 mit tollen Sounds belegt. Na egal, jedenfalls ist die Anzahl der Speicherplätze ein praktikabler Wert, ein Patch Dump per MIDI ist möglich und auch die Speicherplätze 0 bis 63 sind überschreibbar (um keine Missverständnisse hinsichtlich der Herstellerinformationen aufkommen zu lassen).

Schluss jetzt mit Theorie! Wer wissen möchte, wie die neue Bass Station klingt, der möge mir unauffällig in den Praxisteil folgen.

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