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Test
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15.05.2012

Nord Piano 2 HA88 Test

Stagepiano

Nicht alles anders, aber vieles besser!

Immer, wenn ein neues rotes Keyboard aus Schweden auf den Markt kommt, gerät die Tasten-Welt in Aufruhr, denn „die Roten“ können in der Regel was. Besonders unter den Live-Musikern hat die Marke Nord viele Anhänger gefunden. Ein Alleinstellungsmerkmal vieler Nord-Instrumente ist ihr flexibler Samplespeicher bzw. der Zugang zu den beiden großen Libraries „Nord Piano“ und „Nord Sample“. Bisher war die Nord Sample Library, die Klänge verschiedenster Instrumente umfasst, den Serien „Stage“, „Wave“ und „Electro“ vorbehalten. Mit dem Nord Piano 2 gehört nun auch diese Modellreihe dazu. Sogar eigene Klänge kann man mit Hilfe der Software „Nord Editor“ in das Nord Piano 2 laden!

Neben der neuen Sample-Synth-Sektion, deren Klänge flexibel mit den Piano-Sounds kombiniert werden können, bietet der Neuling vor allem eine erweiterte Effekt-Abteilung. Hinzugekommen ist unter anderem ein Delay mit verschiedenen Modi, das über Tap Tempo sowie eine BPM- und Millisekunden-Anzeige verfügt. Als Alternative zu den Amp-Simulationen gibt es einen neuen Tube-Distortion-Effekt. Zudem sind fast alle Effekte nun als Stereo-Ausführung an Bord. Zu guter Letzt bietet das Nord Piano 2 die aus dem Nord Stage 2 bekannte Long-Release-Funktion, die für einen volleren, längeren Ton bei Piano-Klängen sorgt. Gründe genug, sich den Neuling mal genauer anzuschauen!

DETAILS

Das Nord Piano 2 trägt das typische, gedeckte Rot, misst ausgewachsene 1284 x 121 x 340 cm und bringt 18 kg auf die Waage. Die 88 Tasten umfassende Tastatur ist eine Hammermechanik aus dem Hause Fatar (TP40). Das Gehäuse des Stagepianos besteht aus robustem Metall, während die Seitenteile aus rot lackiertem Holz mit durchschimmernder Maserung gefertigt sind. Das Gerät wird serienmäßig mit einem stabilen Dreifach-Pedal ausgeliefert, wie es sich für ein richtiges „Piano“ gehört. Sogar eine ansteckbare Anti-Wegrutsch-Gummimatte für das Pedal ist dabei – toll! Das weitere Zubehör besteht aus zwei DVDs mit Klängen der Nord Library, einer Anleitung in Englisch und einem Kaltgeräte-Netzkabel.

Rückseitig ist das Nord Piano 2 mit folgenden Anschlüssen ausgestattet: Neben dem Netzstecker finden wir zunächst zwei Klinkenbuchsen für Volume Pedal und Sustain Pedal. Daneben folgen ein USB-Port sowie MIDI Out und MIDI In. Der USB Port kann zum Anschluss eines Computers und auch als MIDI Schnittstelle genutzt werden. Auf der rechten Seite der Rückseite befinden sich ein Miniklinken-Eingang namens „Monitor In“, zwei Klinken-Ausgänge sowie ein Kopfhörerausgang. Über „Monitor In“ können externe Signale in das Nord Piano 2 geleitet werden. Hörbar ist das Monitor-In-Signal allerdings nur über den Kopfhörerausgang und eine gesonderte Lautstärkeregelung gibt es dafür nicht. Ein gutes Feature zum Üben!

Die auf dem Bedienfeld mittig platzierten Potis und Druckknöpfe wirken stabil und gut verarbeitet. Viele LEDs und ein beleuchtetes Display mit zwei Zeilen geben Auskunft über angewählte Klänge, Parameter und aktivierte Features und Effekte. Auf ein Pitch- oder Modulationsrad wurde verzichtet. Links und rechts vom Armaturenbereich ist sogar noch jede Menge Platz, um Aschenbecher und Getränke abzustellen... (kleiner Proberaumscherz). Reduktion kann sehr schick aussehen, finde ich!

Das Panel ist in verschiedene Sektionen unterteilt. Die Blöcke „Piano“ und „Sample Synth“ dienen der Steuerung der entsprechenden Komponenten der Klangerzeugung. Hier nimmt man grundlegende Einstellungen bezüglich der Klänge vor oder justiert die Ein- und Ausschwingphasen von Klängen des Sample-Synths. Piano und Sample Synth können gleichzeitig erklingen, entweder um Layer zu erzeugen oder – sofern der Tastatursplit gewählt ist – um zwei Klänge im Dual Mode zu spielen. Der Tastatur-Splitpunkt ist dabei frei wählbar und mit jedem Programm individuell speicherbar. Ich würde mir allerdings wünschen, die Pianos um mehr als eine Oktave nach oben und unten transponieren zu können. Besonders im Dual Mode, wenn man auf der Tastatur durch die Teilung mit weniger Platz auskommen muss, wäre man so noch flexibler mit den „bequemen Lagen“.

Die weiteren Sektionen bieten Zugriff auf die Effekte. Als da wären:

Effects 1: Auto-Pan, Tremolo oder Auto-Wah (je drei Intensitätsstufen, regelbare Geschwindigkeit)

Effects 2: Flanger, Phaser oder Chorus (je drei Intensitätsstufen, regelbare Geschwindigkeit)

Stereo Delay mit Mixregler, drei Feedback-Modi und Delay-Zeiten von 20 bis 750 ms. Das Einstellen der Delay-Zeit wird per Up/Down Taster oder Tempo-Tap-Button vorgenommen. Im Display wird neben der Delay-Zeit auch der entsprechende BPM-Wert angezeigt. Grundsätzlich kann man zwischen Analog- oder Normal-Modus wählen. Im „Analog Mode“ verändert sich die Tonhöhe der Echos, wenn man die Delay-Zeit manuell verändert. Einen Ping-Pong-Modus wie beim „Nord Stage“ gibt es nicht.

Equalizer: 3-Band EQ mit parametrischem Mittenband

Amp/Comp: 3 Ampsimulationen, Tube Distortion, Kompressor (Regler für Drive bzw. Kompressions-Intensität)

Reverb: sechs verschiedene Modi (2x Room, 2x Stage, 2x Hall)

Bis auf den Reverb, der als Mastereffekt arbeitet, stehen die Effektsektionen immer nur für einen Klang – also entweder für die Piano- oder Sample-Synth-Sektion – zur Verfügung. 

Die nicht weiter betitelte Sektion ganz links dient der Programmauswahl und globalen Einstellungen wie Anschlagsempfindlichkeit, MIDI-Kanal, Lautstärke von String Resonance und Pedal Noise, um nur einige zu nennen. 240 Speicherplätze gibt es insgesamt, verteilt auf 5 Bänke, die jeweils eine A- und eine B-Sektion mit 24 Plätzen beinhalten. Auch ein sogenannter „Live Mode“ ist integriert. Dahinter verbirgt sich ein Programmspeicher mit 5 Plätzen, der alle Parameteränderungen immer sofort in den Flash-RAM schreibt. In kreativen Live- und Studiosituationen, in denen man viel zwischen Sounds hin- und her springt, kann das sehr praktisch sein.

An Klängen bietet das Nord Piano 2 verschiedene Flügel, Klaviere und Rhodes-E-Pianos, ein Wurlitzer, Clavinets und Cembalos. Im Bereich „Sample Synth“ gibt es Streicher, Akkordeons, Bläser, Marimbas, Orgeln und vieles mehr. Wem das nicht genug ist, der kann sich auf www.nordkeyboards.com in der kostenlosen Nord Sample Library umschauen oder sich selbst Klänge zusammenbasteln. Der interne Flashspeicher für Klänge des Sample Synth beträgt 128 MB, für Pianos stehen 500 MB bereit. Die maximale Polyphonie des Sample Synth beträgt 15 Stimmen, während die Piano-Sektion 40- bzw. 60-stimmig polyphon ist (bei Stereo- bzw. Mono-Sounds).

Zwei weitere „stille Features“ sind die kostenlosen Programme „Nord Manager“ und „Nord Editor“. Der Nord Manager ermöglicht das Laden von Samples, das Umbenennen von Programmen oder das Umstrukturieren des Programmspeichers per Drag&Drop. Mit der Software „Nord Editor“ kann man eigene Sounds so aufbereiten, dass man sie mit dem Nord Piano (und auch mit vielen anderen Nord-Keyboards) als polyphone Multisamples spielen kann. Der Vollständigkeit halber sei allerdings erwähnt, dass sich damit leider keine Mappings mit Mehrfach-Velocity-Layern erstellen lassen.

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