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Test
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28.02.2012

Native Instruments Traktor Scratch Audio 6 Test

DVS-System

Preisgünstiger 6-Gang-Trecker!

Das Berliner Unternehmen Native Instruments ist ein Pionier, was digitale Vinyl-Systeme angeht. Im Frühjahr 2011 kam die aktuelle Traktor-Palette auf den Markt, welche auch die beiden Pakete Traktor Scratch Duo 2 und Traktor Scratch Pro 2 beinhaltet. Bei der kleineren Duo-Variante  handelt es sich um ein Zweideck-System, welches zusammen mit dem Traktor Audio 6 Interface zum Preis von € 350 erhältlich ist. Die Pro-Version kostet etwa € 600 und ist mit vier Decks und dem Audio 10 Interface ausgestattet. Hat man sich für eines der Systeme entschieden, ist in der Regel so schnell keine Neuanschaffung nötig, denn Native-Instruments offene Up- und Crossgrade-Politik macht neue Software-Komponenten auch für Besitzer älterer Produkt-Varianten zugänglich.

Ein paar Worte zur Konkurrenz: M-Audio bietet mit dem Torq Conectiv (UVP € 285) ein Bundle aus Interface und Software an. Die Firma Mixvibes hat mit dem Cross Pack für € 356 eine Komplett-Lösung inklusive U46MK2-Interface im Programm. Ferner muss hier das Rane SL2 Serato Scratch Live System genannt werden, welches eine Preisempfehlung von € 713 aufruft. Im nachfolgenden Bericht nehmen wir Traktor Scratch Duo 2 genauer unter die Lupe.

DETAILS

Der bunt bedruckte Karton bringt folgenden Inhalt zum Vorschein: Ganz oben liegen zwei Timecode-Vinyls, in deren Hülle ich zwei praktische Aufkleber zur Positionsmarkierung auf den Labels ausmache. Zur Steuerung per CD-Player sind zwei Timecode-CDs angedacht. Noch ein Silberling gehört zum Paket: Auf der Installations-CD finde ich die Traktor-Software und ausführliche Manuals im PDF-Format. Ein Setup-Guide in gedruckter Form ist ebenfalls mit dabei. Pluspunkt: Alle Anleitungen sind in deutscher Sprache verfasst.  

Eine Kernkomponente des Pakets ist das neue Audio 6 Interface. Vier Cinch-Kabel zur Verbindung mit einem Standard-DJ-Mixer liegen bei, ebenso ein USB-Kabel. Das Bus-gepowerte Interface kann alternativ auch mit dem Steckernetzteil gespeist werden, das vier Adapter im Gepäck hat (Deutschland, USA, Schweiz, England). Ein Metallhaken schützt bei Bedarf vor versehentlichem Herausziehen des Kabels. Zu guter Letzt bekommt der stolze Besitzer noch ein Sortiment Traktor- und Native-Instruments-Aufkleber. Ein stimmiges Paket.

Audio 6 Interface

Parallel zur Revision der Software hat Native Instruments auch gleich zwei neue Interfaces auf den Markt gebracht. In unserem Paket befindet sich das kleinere der beiden, das Traktor Audio 6. Die Zahl Sechs steht für die Anzahl der analogen Ein- und Ausgänge der Box. Mit seinen Maßen von 44 mm x 137 mm x 134 mm fällt das Audio 6 kompakt aus, was der Mobilität des Systems natürlich zugutekommt. Das 750 Gramm schwere Gehäuse aus Aluminium und Kunststoff wirkt sehr robust und ist einwandfrei verarbeitet, vier große Gummifüße sorgen für einen rutschfesten Stand.  

Am Backpanel befinden sich zwei Stereo-Cinch-Eingänge, es können sowohl Plattenspieler als auch CD-Player als Timecode-Zuspieler dienen –  die Umschaltung erfolgt via Software. Geerdet werden  Plattenspieler mittels einer großen, verchromten Schraube. Für die Umwandlung analoger in digitale Signale und umgekehrt wurden Konverter von Cirrus Logic verbaut, deren mögliche Auflösungen bei 16 oder 24 Bit liegen. Bei der Sample Rate kann der Anwender zwischen 44,1, 48, 88,2 und 96 kHz in der Software umschalten.  

Je ein weiterer Stereo-Ein- und -Ausgang sind am Frontpanel platziert. Der Input lässt sich beispielsweise dazu nutzten, das Ausgangssignal des DJ-Mixers aufzuzeichnen. Alternativ ist er als Effekt-Return einsetzbar. Außerdem hat man die Möglichkeit, den Sample-Player mit einem separat regelbaren Mixer-Kanal zu verbinden. Ebenfalls an der Front ist der regelbare Kopfhörerausgang im 6,3-Millimeter-Stereo-Klinken-Format untergebracht. Zwölf verschiedenfarbige LED-Anzeigen visualisieren den Status und Signalfluss der Anschlüsse auf der Oberseite des Geräts.

Timecode Vinyl/CD

Die beiden Vinylscheiben, die das Timecodesignal mit der Trägerfrequenz von zwei Kilohertz beinhalten, wiegen jeweils 120 Gramm und sind beide äusserst plan. Seite eins hat eine Spielzeit von zwölf Minuten bei 33 RPM, Seite zwei hingegen 17 Minuten (auch bei 33 RPM). Damit das Playback beim Erreichen der vollständigen Spielzeit nicht abbricht, verfügen beide Seiten über eine Auslaufrille. Die Timecode-CDs sind mit drei Tracks ausgestattet: Nummer eins dient zum Zurückspringen an den Anfang des geladenen Tracks, Nummer zwei beinhaltet ein Playback von 25 Minuten Länge. Nummer drei ist ein fünfminütiger Browse-Track zum Scrollen durch die Playlist.

Software

Traktor Scratch Duo Die im Lieferumfang enthaltene Software Traktor Scratch Duo ist in kontraststarken Farben gehalten und bietet dem Anwender zwei virtuelle Abspieleinheiten. Zwei rotierende virtuelle Schallplatten visualisieren die Bewegung der Timecode-Vinyls oder -CDs. Neu ist die Wellenform-Darstellung der Songs im sogenannte TruWave-Modus. Hierbei werden verschiedene Klänge (Kick, Snare, Bass, Hi-Hat und Co.) in unterschiedlichen Farbtönen dargestellt. Wie bereits beim Vorgänger erscheinen die Wellenformen sowohl in ihrer gesamten Länge als auch als Ausschnitt in bewegter Form. Insgesamt gibt es vier Darstellungsmodi mit verschiedenen Schwerpunkten (Essential, Extended, Browser oder Mixer). Neben Standards wie BPM, Pitch, Gesamt-, und Remain-Zeit, wird im Player-Fenster auch das Cover-Artwork der Musik-Datei angezeigt. Die Software-Decks können auf drei verschiedene Play-Modi zurückgreifen: Der Realtime-Modus, bei dem der Zeitwert des Timecodes exakt auf das Soundfile übertragen wird, der Relative-Mode, in welchem lediglich die Bewegung des Timecodes ausgewertet wird sowie der interne Modus, welcher –wie man anhand der Bezeichnung schon erahnen kann – unabhängig vom Timecode arbeitet.  

Kompatible Audioformate sind MP3, WAV, AIFF, Audio-CD, FLAC, OGG Vorbis, sowie nicht DRM-geschütztes WMA und AAC. Neben eigenen Ordnern – sogenannten “Crates” – zeigt Traktor Scratch auch die iTunes-Struktur an. Zum Vorhören von Soundfiles steht ein Preview-Player bereit, dessen Signal auf den Kopfhörerausgang des Audio 6 geschickt wird. Wer mit externer Mixer-Hardware arbeitet, wird dafür natürlich seinen Mixer nutzten. Externe Controller lassen sich ebenfalls einbinden – zum Beispiel über den Setup Wizard, per MIDI-Learn-Funktion oder über das Preferences-Menü.

Als Kreativ-Tool steht bei jedem Player eine Loop-Sektion bereit, in der Song-Parts als Wiederholschleifen in vorbestimmter Länge (1/16, 1/8, 1/4...) deklariert werden können. Auch eine freie Positionierung der Loop-Punkte ist vorgesehen. Mithilfe der Move-Funktion ist es außerdem möglich, in einem ebenso vorbestimmten Zeitraster innerhalb eines Songs hin und her zu springen. In diesem Modus lassen sich wahlweise ganze Loops oder deren Start- oder Stop-Punkte verschieben. Acht Hotcues eröffnen die Möglichkeit, bestimmte Songpositionen zu markieren und anschließend gezielt anzufahren. Diese Marker dürfen als Cue, Fade-In, Load, Grid oder Loop markiert, abgespeichert und benannt werden. Allerdings ist eine Quantisierung bei der vorliegenden Duo-Variante nicht angedacht.

Die beiden Sample-Player sind mit jeweils vier Slots ausgestattet, deren jeweilige Lautstärke sich separat bestimmen lässt. Audioschnipsel können als One-Shot oder Loop abgespielt werden.Traktor Scratch Duo kommt mit einer eigenen Loop-, Track- und Scratch-Fx-Library in Form von 40 Loops und 10 Demo-Songs.

Traktor-Duo bringt zwei Effekt-Sektionen mit, welche den jeweiligen Decks fest zugeordnet sind. Als Klangverbieger stehen Delay, Reverb, Flanger, Gater, Beatmasher 2 sowie ein Filter zur Auswahl. Ein separater Regler bestimmt das globale Dry/Wet-Verhältnis, während sich bei den einzelnen Effekten jeweils ein Parameter verändern lässt. Der Software-Mixer bietet neben der Key-Anpassung außerdem Dreifach-EQs, Gain-Regler, Stereo-Panorama sowie Line- und Crossfader.  

Zum Beibehalten der Tonhöhe bei unterschiedlichen Pitch-Werten ist für jedes Deck eine Keylock-Funktion implementiert. Selbst bei relativ extremen Pitch-Werten im Bereich von +/- 8 % ist man – je nach Basismaterial – recht gut vor Artefakten geschützt. Nachstehend gibt es ein paar Hörproben. Im Mixer-Menü der Software gibt es außerdem die Option, den aktuell spielenden Song in seiner Tonhöhe um eine Oktave anzuheben oder abzusenken. Verschieden schnelle Musikstücke lassen sich durch die so genannte SoftSync-Beatmatching-Funktion synchronisieren, welche sowohl den Pitch als auch die Position der Songs angleicht. Voraussetzung für die exakte Synchronisation sind Titel, die ein stabiles Tempo vorweisen (in der Regel also elektronische Musik).

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