Mikrofon
Test
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04.01.2011

Praxis

Lebenslange Garantie

Mit diesem Mikrofon zu arbeiten ist wirklich spaßig, denn welchen Großmembran-Kondenser kann man schon komplett mit der Hand umschließen? Die Verarbeitung des nordischen Schallwandlers wirkt ordentlich und weckt eher Assoziationen zu schwedischen Automobilherstellern denn zu schwedischen Discounter-Möbelhäusern. Allerdings ist der Drehschalter zur Anwahl der Richtcharakteristik etwas wackelig. Schön, dass sich Milab vor vielen Jahren dazu entschieden hat, auf alle Produkte eine lebenslange Garantie zu geben, denn bei intensivem Gebrauch könnte ich mir vorstellen, dass das Testobjekt auf “Staatskosten” in ein paar Jahren wieder seine alte Heimat besuchen darf. Der Pad-Schalter lässt sich – einige Kleinmembran-Mikrofone waren da offenbar schlechtes Vorbild – nur sehr schwer betätigen, da er als kleiner Schiebeschalter ausgeführt ist, der im Grunde nach einem Kugelschreiber oder sonstigem Werkzeug verlangt.

Frickelige Angelegenheit

Warum die elastische Aufhängung von vielen weiterhin “Spinne” genannt wird, könnte ich meinem Biologie studierenden ehemaligen WG-Mitbewohner bestimmt nicht verständlich machen. Sie sieht eher aus, als habe man in kindlicher Gefühllosigkeit einem armen Achtbeiner seine Beine … Aber lassen wir diese Grausamkeiten: Im Grunde sind es zwei kleine Gummiwülste, in die das Mikrofon hineingedrückt wird. Diese Bauform hat sich bei vielen Kleinmembranmikros bewährt. Dadurch ist die Aufhängung schön klein, doch ist eben dieser Vorgang des “Bestückens” der entbeinten Spinne mit dem DC-196 eine frickelige Angelegenheit für ungeduldige Grobmotoriker wie mich. Außerdem sollte man sich vorher überlegen, ob man die ebenso frickelige Operation des Schaltens der Dämpfung vornehmen möchte oder nicht – die elastische Aufhängung verdeckt diesen Schalter nämlich. Und das ist nämlich dämlich.

Der Klang ist...nun ja,...irgendwie "anders"

“Aha!” ist das erste Wort, das ich nach dem ersten Soundcheck von mir gebe, “Interessant!” das nächste. Ihr merkt: Überschwänglich geht irgendwie anders. Allerdings treffen diese beiden Worte im Grunde schon in das Bull´s Eye der Soundbeschreibung, denn der Klang des DC ist wirklich in erster Linie “anders”. Vor allem in den oberen Mitten zeigt sich ein unüblicher Charakter, den man vor allem bei Stimmen wie eine Textur wahrnimmt. Äußerst leichte, harmonische Verzerrungen sorgen dafür, dass wir einen Sound bekommen, den wir so noch nicht kennen. Sicher ist die Ursache dafür das rechteckige Häutchen, auf dem die modale Verteilung gänzlich anders ist als auf den üblicherweise runden Vertretern. Ringmodi wird man hier logischerweise kaum finden. Dieser Zusammenhang alleine macht das Milab zu einer möglichen Alternative im Studioalltag: Manchmal passt ein “Paradiesvogelsound” ja ganz genau!

Der Sound klingt sehr verhalten

Allerdings gibt es durchaus Einschränkungen: Die oft gebrauchte Aussage “klingt größer als es ist” trifft hier nicht zu, denn das Milab wirkt trotz seiner eigentlich großen Membranfläche nicht wirklich ausgewachsen. Im Gegenteil: Im Vergleich zu den vielen anderen Mikrofonen, die wir in unserer Teststrecke vor Sänger und Sängerin gestellt hatten, klang das DC mit Abstand am verhaltensten. Bei gleichem Abstand scheint es indirekter und “weiter weg”, eine Eigenart, die auch per Gain nicht auszumerzen ist. In den absoluten Höhen ist es schwach und geradezu lustlos. Bei höheren Pegeln – auffällig im Nahbereich – fängt es zu stark und plötzlich zu verdichten an. Immerhin ist es sehr unanfällig für Popp-Laute.

Tendenziell für Akustikgitarren zu empfehlen

Es scheint also seine Gründe zu haben, dass alle anderen Großmembran-Kondenser mit runder Membranform arbeiten. Obwohl ich gestehen muss, dass ich bei der Arbeit mit Mikrofonen durchaus ein Freund von allem bin, was unüblich und quasi “off-the road” ist. Vielleicht würde ich in manchen Recordingsituationen das DC-196 einfach aufstellen wollen, vielleicht ist es dann genau der Sound, den der Mix braucht. Allerdings ist diese Chance verhältnismäßig gering und das Mikro für diesen Einsatz auch nicht preiswert genug. Mir ist außerdem nicht ganz klar, wieso dieses Gerät auch als Gesangsmikrofon beworben wird. An Instrumenten, die klanglich nicht absolut pur übertragen werden müssen, kann es bestimmt eher ein gute Figur machen. Und dabei denke ich ganz deutlich an Akustikgitarren.

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