Die 7 meistunterschätzten Kondensatormikrofone

Sicher, fast jeder kennt das Neumann U 87 und Schoeps Colette-Mikros.  Das eine ist ein Studiostandard unter den Vocal-Mikrofonen, mit “dem Schoeps” ist meist ein CMC6 mit MK2- oder MK4-Kapsel gemeint – definitiv ein Kleinmembran-Studiostandard. Aber was gibt es noch? Hier kommen unsere Geheimtipps in Sachen Kondensatormikrofon!

Die_7_meistunterschaetzten_Kondensatormikrofone

Horch RM3

Horch RM3 – nicht nur optisch außergewöhnlich.
Horch RM3 – nicht nur optisch außergewöhnlich.

Boutique-Röhrenmikrofone gibt es viele. Horch ist einigen Engineers ein Begriff, doch wird meist über das RM2J gesprochen. Das Horch RM3, klanglich näher am C12 als am U 47, wird von vielen nicht so genau betrachtet, dabei klingt es umwerfend. Abschreckend war bislang der Preis. Doch mit der Version 2 ist dieser nun in bezahlbarere Regionen gefallen, es kostet nun „nur noch“ unter 3000 Euro – was für ein in kleiner Stückzahl gebautes Röhrenmikrofon „Made In Germany“ wirklich nicht viel Geld ist.

Sanken CU-Mikros

Dualkapselmikrofon Sanken CU-51
Dualkapselmikrofon Sanken CU-51

Ein Nierenpattern, das bis annähernd zur Off-Axis fast so stabil ist wie eine Acht, ein sehr geringer Nahbesprechungseffekt und eine atemberaubende Auflösung machen CU-41, CU-44X und auch das neue CU-51 zu unfassbaren Werkzeugen. Dass dies mit einem zunächst etwas schräg wirkenden Doppelkapselsystem erreicht wird, ist interessant, aber für die eigentliche Arbeit unerheblich: Nachteile, etwa durch die Signalübergabe bei 1 kHz, gibt es keine. Leider ist der Preis nicht ganz ohne, was es den „Made In Japan“-Mikrofonen auf dem deutschen Markt schwer macht. In den USA sind Sanken allerdings verbreiteter!

Audio-Technica AT5045

Wird gerne für ein Kleinmembranmikrofon gehalten, ist aber ein Großmembransystem – das wie das AT5040 und das AT5047 in Rechteckmembrantechnik aufgebaut ist.
Wird gerne für ein Kleinmembranmikrofon gehalten, ist aber ein Großmembransystem – das wie das AT5040 und das AT5047 in Rechteckmembrantechnik aufgebaut ist.

Audio-Technica ist bekannt für gute, preiswerte Mikrofone – und das schon seit Jahrzehnten. Dass man sich mit dem AT5040 in die Welt der qualitativ außerordentlich hochwertigen und hochpreisigen Mikros vorgewagt hat, bekommen wohl sehr wenige Leute mit. Bei der Entwicklung des 5040 durften die Ingenieure, allen voran Mastermind Okita-san (hier im Interview mit uns), schlicht und einfach ihr Traummikrofon entwickeln. Das AT5040 ist grandios, wird aber vom sehr kleinen Großmembran-Mikrofon AT5045 noch getoppt. Dank Rechteckmembran ist es schmal, verfügt über eine irre Auflösung, einen hervorragenden Frequenzgang, tolle Impulswiedergabe und eine sehr stabile Niere.

Beyerdynamic MC840

Das Beyerdynamic MC840 fristet ein Schattendasein, ab und an sieht man es als Sprechermikrofon in Radiostationen. Doch für vergleichsweise wenig Geld bekommt man mit dem 840 ein absolut verlässliches, handwerklich hervorragendes Alltagsmikrofon, „Made In Germany“, das jede ihm anvertraute Aufgabe ohne Murren in absolut hoher Qualität erledigt. Arbeitspferd-Geheimtipp!

Pearl-Mikrofone

Vielleicht ist es der Name, der heutzutage etwas klingt, als wäre es ein fernöstlicher, austauschbarer „Me, too“-Hersteller, der vor Kurzem auf dem Markt aufgetaucht ist und wieder verschwindet. Weit gefehlt: Pearl Microphone Labs („PML“) ist mit Neumann, AKG, Sennheiser und Schoeps einer der ältesten Hersteller von Kondensatormikrofonen und stammt aus Schweden! Das kleine Unternehmen (mittlerweile mit Milab “wiedervereinigt”) baut vor allem Mikrofone mit Rechteckmembran, darunter auch solche, die besonders lang sind, wodurch sich interessante Pattern ergeben können. Mikros wie das ELM-A verfügen darüber hinaus über Twin-Outputs, also getrennte Herausführung der beiden Kapselsignale wie beim Sennheiser MKH800 TWIN und dem Microtech Gefell UM 930 twin.

Violet Design The Atomic

Klein, preiswert, unbekannt: Das "Atomic" von Violet Designs.
Klein, preiswert, unbekannt: Das “Atomic” von Violet Designs.

Das kleine, unscheinbare Mikrofon mit der Mittelmembran und der festen Niere kommt ohne besondere Ausstattung, sieht nicht außergewöhnlich aus – liefert aber hervorragende klangliche und ordentliche technische Eigenschaften zum geringen Preis. Ein Allrounder ist es nicht, denn Schallquellen klingen etwas entfern besser, dann kann das Mikro seine Qualitäten voll ausspielen! Leider kennt kaum jemand dieses gute Werkzeug. Hier ist unser Testbericht zum Violet Atomic.

DPA 4041-SP

Der dänische Hersteller ist ein Begriff, doch das Konzept hinter dem 4041 ist den meisten dann doch etwas zu schräg, das Mikrofon weitgehend unbekannt. Zu Unrecht: Es ist ein Großmembran(!)-Druckempfänger. Diese äußerst seltene Kombination bringt Eigenschaften mit sich, die andere Mikrofone nicht liefern können. Zwar ist das Polar Pattern aufgrund der Kapselgröße stärker richtend als beispielsweise bei den Kleinmembran-Kugeln von DPA, doch sind Reflexionen dadurch höhenärmer, was es als Vocal-Mike geeigneter macht. Weitere Qualitäten könnt ihr in unserem Testbericht zum DPA 4041-SP nachlesen. Und bei meinem Firmenbesuch bei DPA habe ich unter anderem nach diesem Mikrofon gefragt. 

Dänisch-schlicht, aber genial: DPA 4041-SP
Dänisch-schlicht, aber genial: DPA 4041-SP

Alles zu teuer? 

Das hier sind sehr hochwertige Studiomikrofone, die einem lange Freude bereiten werden und als Arbeitstiere auch richtige Investitionen sind. Dabei muss es nicht immer so teuer sein wie unser Kaufberater – Die 3 besten Studio-Gesangsmikrofone unter 200 Euro zeigt!

Und habt ihr auch noch Geheimtipps? Sicher, oder?

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Profilbild von Georg Janser

Georg Janser sagt:

#1 - 12.08.2017 um 09:46 Uhr

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Vanguard V13. Bezahlbarer hi end Röhrensound. Und mein absoluter Geheimtip: Luxusbändchen zum Discountpreis aus Russland. http://www.ebay.com/itm/Han...

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Rumi sagt:

#2 - 23.12.2017 um 11:22 Uhr

0

Guter Bericht! Josephson 700 Series sind in derselben Liga wie Sanken. Milab ist ähnlich wie Pearl, das VIP50 ist ein klar klingeder Allrounder, das VM44 ein super Mittelmembran-Mikrofon mit extrem gut aufgelösten Mitten. Das CAD M179 und vor allem das Rode NT1-KIT sind sehr gute Low-Budget Miks.

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Lecker Pfannkuchen sagt:

#3 - 28.06.2019 um 10:15 Uhr

0

Blue Hummingbird - Hammer Allround mic für akustische gitarre, am Amp, snare und toms ...Neumann TLM 193 - Schon von Meshuggah am gitarrenamp benutzt ists für gitarre und Gesang hervorragend ...Oktava ml52-02 -- Doppelbändchen, ultra warm und extremer nahbesprechungseffekt einfach na an den amp mit einem höhenlstigeren mikro und dann die bässe vom oktava reinmischen = perfekt

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Dieter Draxler sagt:

#4 - 28.06.2019 um 12:49 Uhr

0

naja alles subjektiv, nach einer mischung ist auch ein "billiges" mikro kaum von einem teueren zu unterscheiden. macht mal einen blindtest. ausserdem, mittlerweile hat die generation youtube und mp3 eh keine referenz und kann da nicht mehr mitreden :D
übrigens, rode baut ganz brauchbare, günstig grossmembranmikros zb nt1a oder nt2a

Profilbild von Dirk

Dirk sagt:

#5 - 30.06.2019 um 15:20 Uhr

0

Hallo in die Runde,
hallo Nick,
ich werfe mal das alte CAD E-100 in die Runde.
Klingt gut, verträgt hohe Schalldrücke, funktioniert an Drums, akustischen Instrumenten, Amps und für Gesang. Mein Allrounder.Schönen Sonntag noch.
Dirk Wannemacher

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