Hersteller_Mapex
Test
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01.08.2011

PRAXIS

Beim Test zum Blaster-Drumset hatte ich ja eigentlich versprochen, es nicht mehr zu erwähnen, aber da auch Mapex ganz offen darauf hinweist, mache ich es auch noch einmal. Die Snare ist ein chinesisches Kätzchen. Ich verbinde den Satz “Made in China” – sicher zu Unrecht – noch ein wenig mit gefälschten Turnschuhen und billigem Christbaumschmuck. Letzterer soll laut einer Dokumentation, die letztens im Fernsehen lief, das Fundament des wirtschaftlichen Erfolges Chinas sein. Die einen haben Mercedes Benz, die anderen Öl, China hat Tannenbaumkugeln. Aber auch ziemlich gute Snares, wie die Black Panther hier vor mir ganz klar beweist. Fertigungsmängel kann ich hier lange suchen, denn der Kessel ist gut verarbeitet. Die Nähte zwischen den einzelnen Holzlagen verlaufen schräg und sind sauber verleimt. Auch an der Fellauflagefläche, in der man die Nahtstellen aller Holzlagen sehen kann, gibt es nichts zu beanstanden. Lediglich in den Verstärkungsringen sind die Lagen, in denen die Fasern durch die Kreuzverleimung senkrecht zum Kessel verlaufen, etwas grobporig. Das ist allerdings kein Nachteil. Apropos: Die Walnuss-Verstärkungsringe sind 3,4 mm dick und dazu ca. 3,5 cm breit. Sie machen damit einen beträchtlichen Teil des Kessels aus, was zu einer deutlich “nussigen” Klangnote führt. Jetzt werfe ich mal einen Blick auf die 5:5 Gratungen: Der Name lässt ja vermuten, dass der Grat, auf dem das Fell aufliegt, hier genau in der Mitte des Kessels verläuft. Das ist allerdings nicht ganz der Fall, wie man auf dem Foto zur Rechten ganz gut erkennen kann.

Der Grat liegt tendenziell weiter außen, auf der zweieinhalbten von sechs Holzlagen, um genau zu sein. Die Lagen des Verstärkungsringes sind dabei noch nicht mitgezählt. Der Winkel der Gratungen beträgt 45 Grad, recht modern also.

Nun ein Blick auf die Außenseite des Kessels. Die “Walnut Burst”-Lackierung ist makellos und blitzblank. Sie gibt der Snare in Verbindung mit der dunklen und gebürsteten Kesselhardware einen klassischen Touch, zu dem auch das Design der Anbauteile beiträgt. Die “Sonic Saver”-Spannreifen zum Beispiel erinnern mich stark an die alten Slingerland “Stick Saver”-Hoops. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Reifen durch die nach innen gebogene Oberkante tatsächlich einen Unterschied in Sachen Stickverschleiß bei Kantenschlägen machen. Und Rimshots klingen tatsächlich sehr schön auf ihnen. In der Blaster Produktbeschreibung wird übrigens noch darauf hingewiesen, dass die Reifen handschonend seien.

Die 16 Einzelböckchen haben zwar ein klassisches Design, sind aber ansonsten auf dem Stand der Zeit. Sie sind mit jeweils einer Schraube am Kessel befestigt und von außen mit Kunststoff unterlegt. Letzteres gilt übrigens für alle Hardwareteile, aus deren Kreis ich jetzt die Abhebung untersuche. Als komplexeste Apparatur am Kessel dient die Abhebemaschinerie oft als Statussymbol, habe ich das Gefühl. Obwohl die Snarespiralen ja schon vor ungefähr hundert Jahren mit einfachsten Mitteln ganz ordentlich am Fell saßen, werden hier ständig neue und aufwändigere Mechaniken entworfen. Aber die Abhebung ist nun mal das Teil an einer Snare, das man am häufigsten in der Hand hat. Die Haptik sollte daher natürlich stimmen. Allerdings stimmt bei der Abhebung der Blaster auch der Rest: Die Zylinder- und Kolbenmechanik macht einen sehr hochwertigen und soliden Eindruck, die Verstellmechanik auf beiden Seiten läuft butterweich und ist gerastert, um zu verhindern, dass sich der Teppich beim Spielen löst. Außerdem sind die Mechaniken “self lubricating” (“selbstschmierend”), was wahrscheinlich bedeutet, dass sie so gekapselt sind, dass sie ihr Fett nicht verlieren. Möglicherweise bedeutet das auch, dass sie in der Lage sind, neues Schmierfett aus der Luft zu generieren oder im Baumarkt zu besorgen, wer weiß. Dagegen ist beim Snareteppich alles eher traditionell. Er ist aus Stahl, hat 20 Spiralen und ist so gut verarbeitet, dass alle Spiralen gleich lang und parallel sind. Er liegt zwar in keinem Snarebed, trotzdem lässt er sich das Geraschel anständig kontrollieren.  Das reicht zum Glücklichsein. Apropos glücklich… Besonders im Mittelklassebereich findet man als Werksbefellung häufig Evans. Die Blaster schmückt sich dagegen mit Ambassadors von Remo.

Mapex schreibt, dass die Black Panther Snares noch besser klingen als sie aussehen. Mal hören, ob diese Aussage nachvollziehbar ist. Zunächst wird die Snare gestimmt, und zwar einigermaßen hoch. So bekommt man sofort mit, wie das Plus an Tiefe das Minus an Durchmesser ausgleicht. Das fehlende Zoll zum Standardmaß lässt die Blaster sehr knackig klingen. Sie ist sehr schnell in der Ansprache und schnellere Figuren klingen gestochen scharf und konturiert. Dabei hat sie durch die 7” Tiefe einen unglaublichen Body. Ich habe fast das Gefühl, der Kessel bläst sich bei jedem Schlag ein Stück auf. Das ist ein Phänomen, das sicher auch auf den recht dünnen Kessel zurückzuführen ist. In der Kombination und Ausprägung habe ich das allerdings noch nie bei einer Snare gehört. Dabei ist der Grundsound sehr warm und weich, während der Teppich cremige Höhen dazu liefert. Das klingt wie in einer schlechten Lebensmittelwerbung, beschreibt die Sache aber ganz treffend. Die Blaster klingt unverkennbar modern und sehr hochwertig. In mittleren Stimmungen behält sie die Konturiertheit, der Wahnsinnsbody geht allerdings zurück auf Normalmaß, die Teppichansprache bleibt aber “tiptop”. Die Fellobertöne sind übrigens bei guter Stimmung so schön harmonisch, dass ich sie für die meisten Audiobeispiele in diesem Test nicht bedämpft habe. Dort, wo ich dämpfen musste, habe ich es sehr massiv mit einem E-Ring getan. Trotz des starken Eingriffs bleibt die Blaster frisch, lebendig und durchsetzungsstark. Der Stimmumfang der Blaster ist ok, sie arbeitet auch tief gestimmt auf die beschriebene Art und Weise. Allerdings sind die absoluten Extremstimmungen nicht wirklich ihr Metier. Gesamtnote: astrein!

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