Hersteller_Mackie
Test
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15.03.2017

Praxis

Aufstellung

Zum Praxistest habe ich das Paar Mackie XR624 Monitore in meinem Studio freistehend von Wänden auf den Boxendrehtellern meines Studiotisches vertikal positioniert, selbstverständlich auf den Isolations Pads! Eine horizontale Aufstellung wird gemäß Manual nicht ausgeschlossen, hierbei ist aber darauf zu achten, dass die rückseitige Öffnung des Bassreflex-Systems jeweils innen liegt, was klangliche Vorteile gegenüber der umgekehrten Positionierung bieten soll. 

Zum Vergleich habe ich die Mackie Monitore im Wechsel mit meinen Low-Budget Koaxial-Monitoren von Prodipe (TDC 5) und meinen am Markt etwas höher positionierten Neumann KH 120 angehört. Als Audiomaterial habe ich einen stilübergreifenden Mix vetrauter Fremd- und Eigenproduktionen verwendet sowie diverse Hörproben mit Rauschgeneratoren und Sweeps durchgeführt. Als D/A-Wandler kam das Apollo 8 Interface von Universal Audio zum Einsatz. Den überwiegenden Teil des Tests habe ich Vovox-Kabel (link direct S XLR) zum Anschliessen der Mackie Monitore benutzt, beim kurzen Check mit Standard-XLR-Kabeln eines großen Musikalienhändlers habe ich keinen Unterschied bemerkt. Was hat der Hörtest denn nun ergeben?

Der erste Eindruck

Es rauschen die Wälder am Stadtrand von Hamburg… oder doch die Mackies? Auch ohne anliegendes Signal ist von den XR624 Monitoren ein deutliches Rauschen zu vernehmen. Das machen andere Monitore teilweise auch und daher möchte ich es nicht überbewerten, dennoch ist es bei Nahfeldmonitoren definitiv ein Nachteil in manchen Editing- und Mix-Situationen. Meine beiden Vergleichsmonitor-Paare (identische Bedingungen) rauschen übrigens nicht hörbar! Weiterhin empfinde ich die unteren Mitten spontan (und dann auch nach längerem Einhören) als sehr dick, leider gibt es für diesen Frequenzbereich keine Korrekturmöglichkeit.

Frequenzgang

Der Übertragungsverlauf der Mackie XR624 wird mit 45 Hz bis 22000 Hz (-3 dB) angegeben, wie wirkt sich dies auf das Hörempfinden aus? Durch die freistehende Positionierung belasse ich den Acoustic Space Filter grundsätzlich in der Einstellung „Whole Space“ (=Flat). Die Basswiedergabe des Nahfeldmonitors wirkt mühelos und ist wirklich praktikabel, sodass mit Hilfe von ein wenig Erfahrung und grafischer Analyse des Subbassbereiches, welcher von Speakern dieser Größe nie optimal abgebildet wird, richtige Mischentscheidungen auch mit dem kleinen XR-Modell möglich sind. Dennoch wäre vielleicht eine etwas feinere Regulierung tiefer Frequenzen als die vorhandenen 2dB-Schritte des Acoustic Space Filters vorteilhaft zur Anpassung an andere Räume und Aufstellpositionen. Wie bereits erwähnt, sind die unteren Mitten sehr prominent, wodurch beispielsweise menschliche Stimmen häufig dicker erscheinen, als sie eigentlich sind. Um eventuelle Mischfehler zu vermeiden, sollte man sich sehr gut einhören und mit Referenzproduktionen vergleichen – das sollte man natürlich generell bei allen Monitoren tun. Im weiteren Frequenzverlauf empfinde ich die Mitten und oberen Mitten als etwas zu fleischlos und unausgewogen für professionelle Studiomonitore, vorausgesetzt, man bevorzugt oder benötigt eine analytische Frequenzabbildung. Die Höhen wiederum lassen sich per Shelving EQ bei 10 kHz anpassen, wodurch sämtliche Bedürfnisse und Hörgewohnheiten in diesem Frequenzbereich befriedigt werden sollten. Zusammenfassend hinterlassen die Mackie XR624 in dieser Testkategorie ein etwas durchwachsenes Bild. 

Impulsverhalten

Dank der Verwendung steifer Werkstoffe in beiden Membranen erfolgt die Wiedergabe von Transienten sehr akkurat, wodurch sich der XR624 Monitor gut zur Dynamikbearbeitung und zu Schneidetätigkeiten eignet.

Räumliche Abbildung

Die räumliche Abbildung und Tiefenstaffelung erfolgt auf mittelmäßigem Niveau. Die XR624 scheint Hallräume zu verschlucken und wirkt sehr „flach“ und eindimensional in der Wiedergabe. Das habe ich von anderen Monitoren dieser Preiskategorie schon besser gehört, selbst meine deutlich günstigeren Prodipes übertreffen in (nicht nur) dieser Teildisziplin die neuen Mackie-Monitore! Die Tiefenstaffelung, Lokalisation und Separierung meiner „nur“ etwa 200 Euro teureren Neumann KH120 ist um Welten von den XR624 entfernt. Ich würde hier gerne etwas Netteres schreiben, aber von einem professionellen Studiomonitor der 500-Euro-Klasse habe ich etwas mehr erwartet!

Sonstiges

Manche Speaker tun es, andere nicht: Das Produzieren surrender und tackernder Geräusche während der Verwendung von Mobiltelefonen. Die XR624 Monitore tun es, dementsprechend sind sie nicht oder nur unzureichend gegen elektromagnetische Einflüsse abgeschirmt.

Konkurrenz

Wie ich bereits in der Einleitung dieses Testberichts erwähnt habe, bewegt sich der Mackie XR624 Studiomonitor in illustrer Gesellschaft. Ich möchte daher auf den Testmarathon „Aktive Nahfeldmonitore zwischen 200 und 700 Euro Stückpreis“ hinweisen.

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