Test
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16.02.2018

Ludwig Heirloom Stainless Steel Snare Drums Test

Snare Drums mit Stahlkessel

Erben aus Stahl

Ludwig Metall-Snaredrums sind seit über 100 Jahren das Aushängeschild der amerikanischen Firma, man denke nur an die Black Beauties mit Messingkesseln oder die nicht minder legendären Supra Phonics, die mit ihrem Aluminium-Sound der Musik mehrerer Generationen ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt haben. Der Werkstoff Stahl als Kesselmaterial fand bei Ludwig über viele Jahre kaum Verwendung, das änderte sich allerdings schlagartig mit der Einführung der mittlerweile recht erfolgreichen Supralites und setzt sich nun mit der Heirloom-Reihe fort. 

Heirloom – das H am Anfang wird übrigens nicht gesprochen – bedeutet übersetzt „Erbstück“, und wer oder was da beerbt wird, kann ich zwar nicht herausfinden, aber bei einer Firma, die mittlerweile 109 Jahre auf dem Buckel hat, liegt der Begriff dann doch recht nahe. Der niederländische Fentex Vertrieb schickte uns zwei Modelle in den Größen 14x5,5 und 14x7 Zoll, und wir haben die Trommeln im bonedo Testlabor selbstverständlich eingehend beäugt und auf ihre Klangqualität, Verarbeitung und Performance geprüft.

Details

Die Kessel der Ludwig Heirloom Snare Drums sind laut Herstellerangaben einen Millimeter stark und aus Stainless Steel, also rostfreiem Stahl, gefertigt. Meine Messungen haben allerdings 1,2 Millimeter ergeben, was einer gängigen Materialstärke für Metallkessel-Snaredrums entspricht. Eine Mittelsicke, wie sie typisch für die meisten Ludwig Metall-Snares ist, fehlt hier, und im Gegensatz zu den Supra Phonic Snares sind die Kessel der Heirlooms nicht nahtlos gezogen. Eine Gemeinsamkeit mit den Supras ist das zwei bis drei Millimeter tiefe Snarebed, welches beidseitig über eine Strecke von etwa 25 Zentimetern verläuft. 

Der verzierte Kessel erinnert an alte Zeiten

Auffälligstes optisches Merkmal der Heirloom Snares ist die umlaufende Laser-Gravur des matt gebürsteten Kessels, die den traditionellen 60er Jahre Ludwig Schriftzug sowie das bekannte Keystone Logo beinhaltet. Auch beim Badge mit integriertem Luftloch greift man auf die Keystone-Variante zurück, im Unterschied zu den goldenen Schildern der Supra Phonic Snares allerdings hier in silberner Farbe. Der „Made in U.S.A“-Zusatz weist auf die Fertigung im Hauptwerk in Monroe/North Carolina hin. 

Ebenso klassisch wie das Badge muten die zehn Imperial Lugs an, die in ähnlicher Form seit Jahrzehnten auch die Supra Phonic Snares zieren. Wie heutzutage meist üblich, sind die Lugs mit Gummiunterlagen versehen, um sie akustisch vom Kessel zu isolieren. Die Stimmschrauben sind mit jeweils zwei Unterlegscheiben, eine aus Kunststoff und eine aus Metall, versehen. 2,3 Millimeter starke, verchromte Spannreifen aus Stahl halten die mit einem zusätzlichen Ludwig-Logo versehenen Remo Felle – Ambassador White Coated oben und Ambassador Snare unten – in Position. 

Den berühmt-berüchtigten P85 Snare Strainer gibt es inzwischen in einer modernisierten Variante. Das an den Heirlooms montierte Modell P85AC mit dem dazu gehörigen Butt End PC35AC funktioniert wie das Original nach dem herkömmlichen Throw Off Prinzip mit seitlich klappbaren Hebel, ansonsten handelt es sich um ein deutlich verändertes Design. Die Rändelschraube zur Einstellung der Teppichspannung – hier kommt ein dem Gesamtpreis der Snares kaum angemessenes 20-spiraliges Modell aus taiwanesischer Fertigung zum Einsatz – ist neuerdings gerastert. Die Klemmen zur Teppichaufnahme sind mit Vierkantschrauben versehen – ein Feature, auf das man bei der P85 Abhebung verzichten musste. Ich finde das Design des neuen Strainers und des Butt Ends gelungen, da es auf mich eigenständig, klassisch und doch gleichzeitig modern wirkt. Allerdings wundert es mich, dass der Strainer sich auf der rechten Seite befindet, wenn die Trommel mit nach vorne zeigendem Badge positioniert ist. Bei allen Ludwig Snares, die ich kenne, ist es genau anders herum. Möchte man den Strainer auf der linken Seite haben, ist von vorne der gravierte Ludwig-Schriftzug zu sehen, der auf mich etwas pompös wirkt. 

„Made in U.S.A.“ – ein Garant für Qualität?

Auf den ersten Blick gibt es an der Verarbeitung der Heirloom Snares nichts auszusetzen. Sowohl die Spannreifen als auch die Böckchen und die Abhebung sind sauber verchromt und hinterlassen einen ordentlichen Eindruck. Auch die Gravur wurde sorgfältig ausgeführt. Weniger ordentlich sieht, vor allem bei der 14“x5,5“ Snare, die Kesselnaht aus. Von außen ist sie zwar nicht sofort erkennbar, allerdings hat der Schweißvorgang bei beiden Modellen auf der Außenseite eine Verfärbung verursacht, die den optisch ansonsten guten Eindruck etwas stört, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Preis für diese Trommeln oberhalb der 600 Euro-Marke liegt. Noch deutlicher zeigen sich die Verarbeitungsschwächen auf der Innenseite. Wir hatten in der Vergangenheit bei bonedo Snares für unter 300 Euro im Test, deren – in China hergestellte – Kessel weitaus sauberer verschweißt waren. Und auch das Snarebed an der 14“x7“ Snare lässt Unregelmäßigkeiten erkenen. Da fragt man sich schon, ob der saftige Preisaufschlag für das „Made in U.S.A.“-Etikett in diesem Fall gerechtfertigt ist. Aber genug gemäkelt, widmen wir uns nun dem Praxistest, der Aufschluss über die Performance sowie die klanglichen Qualitäten der Ludwig Heirloom Snares geben soll.

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