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Test
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29.03.2018

Korg Pa1000 Test

Portable Keyboard

Der kleine Große

Korg hat im Bereich der Arranger-Keyboards mit dem Pa1000 die Lücke zwischen dem Flagschiffen der Pa4X-Serie und dem Mittelklasse-Arranger Pa700 geschlossen. Mit dem Pa1000 ist ein 61-Tasten-Keyboard auf dem Markt, das mit einem Straßenpreis von rund 2.000 € preislich in der gehobenen Mittelklasse angesiedelt ist und das Nachfolgemodell des fünf Jahre alten Pa900 darstellt. Auf der Rückseite des Korg Pa1000 prangt der Schriftzug „Professional Arranger“. Das ist ein hoher Anspruch. Ob diese Bezeichnung zutrifft, soll in diesem Test untersucht werden.

Korg bietet mit den Instrumenten der Pa-Serie ein sehr erfolgreiches Portfolio im Segment der Entertainer-Keyboards in einem hart umkämpften Markt. Somit hat Korg mit Yamaha einen starken und direkten Konkurrenten. Das direkte Vergleichsprodukt zum Korg Pa1000 ist das etwas günstigere Yamaha PSR-S975 Keyboard. Optisch ist das äußere Erscheinungsbild des Pa1000 sehr ähnlich zum Pa700. Die Abmessungen sind exakt gleich. Betrachtet man das Bedienfeld genauer, erkennt man dann beim Pa1000 zusätzliche Funktionen. Er hat mehr Sounds, Styles und zusätzliche Features im Vergleich zum kleinen Bruder. Vor allem die vielen Auswahltaster für die Style-Kategorien, die Bedienelemente für die Audio-Eingänge und der aufwändigere Dual-Player mit Überblend-Regler pflastern das Frontpanel zu.

Details

Erster Eindruck

Beim Auspacken ist man erfreut über das relativ geringe Gewicht von 10,75 kg. Das Gehäuse ist in einem eleganten Bordeaux-Rot gehalten, nur die Lautsprecher-Verkleidungen und seitlichen Aluminium-Zierblenden sind in mattem anthrazit bzw. silber gehalten. Das Front Panel ist durch die beiden verbauten Lautsprecher rechts und links relativ voll mit Tastern und Reglern. Das 7“ Touch-Display ist – im Gegensatz zum Pa700 - hochklappbar und der Neigungswinkel kann verändert werden. Links neben dem Display befindet sich eine mechanische Arretierung, um den Bildschirm aus seiner liegenden Position herauszuholen. Auf der Rückseite fallen unterhalb der Anschlüsse zwei Bass-Reflex-Öffnungen auf, die für den Druck im unteren Frequenzbereich sorgen sollen. Korg-typisch besitzt der Pa1000 einen Joystick für Pitchbend und Modulation.

Fotostrecke Korg Pa1000 Vorderansicht. (Fotos: Bonedo)

Anschlüsse

Auf der Rückseite des Pa1000 befinden sich die wichtigsten Anschlüsse des Instruments. Zu meiner Freude gibt es ein internes Netzteil mit einem stabilen Kaltgerätekabel-Anschluss. Neben den üblichen AUDIO OUT R/L Klinkenbuchsen gibt es zusätzlich AUDIO IN R/L Anschlüsse, um eine externe Klangquelle, ein Mikrofon oder eine Gitarre anzuschließen. Ein kleiner Gain-Regler verändert die Eingangsempfindlichkeit. Separate Audio-Ausgänge sind nicht vorhanden, alle Signale werden über den Summen-Ausgang geschickt. Das obligatorische MIDI-Paar wird durch einen USB-Device und einen USB-Host-Anschluss ergänzt. Die Bezeichnungen finde ich irreführend. An die Host-Buchse schließt man ein Device USB-Stick an und umgekehrt. Nunja, die Bezeichnungen sollen verdeutlichen, dass das Pa1000 beim Einstecken eines Sticks der Host ist und bei der Verbindung mit einem Computer die Device. Auf der Frontseite befindet sich zusätzlich ein zweiter USB-Slot rechts neben dem Display, welcher vertieft ins Bedienfeld eingelassen ist und wesentlich besser erreichbar ist, als das Pendant auf der Rückseite. Korg erwähnt in der Bedienungsanleitung, dass man diesen Port auch als Stromlieferanten für einen „USB-Strahler“ verwenden kann, um das Bedienfeld oder Noten zu beleuchten. Es gibt selbstverständlich auf der Rückseite auch einen Damper-Pedal-Anschluss und die Buchse ASSIGNABLE PEDAL für ein Volumenpedal oder ähnliches. Ein Video-Ausgang dient zur Übertragung von Texten und/oder Akkorden an einen externen Monitor oder Fernseher. Daneben findet man eine kleine Klappe, die mit einer Schraube verschlossen ist. Hinter dieser Klappe befindet sich einerseits die Pufferbatterie der integrierten Uhr und andererseits ein microSD-Kartenschacht, über den man den Pa1000 mit zusätzlichem Futter versorgen kann. Vielleicht wird ja bald die microSD „Musikant“ auch für den Pa1000 angeboten. In der Pa4X-Serie erfreut sich die Ausführung "Musikant" größter Beliebtheit. Ein Kopfhöreranschluss liegt ergonomisch sinnvoll vorne links unterhalb des Joysticks.

Fotostrecke Korg Pa1000 Rückansicht. (Fotos: Bonedo)

Bedienfeld

Im Zentrum des Front Panels thront das berührungsempfindliche 7“ Farbdisplay. Der Bildschirm reagiert sehr exakt. Er ist empfindlich – ungefähr wie ein Smartphone – was ich als sehr angenehm empfunden habe. Er könnte etwas größer sein, aber die Treffsicherheit ist auch bei kleinen Feldern noch im grünen Bereich. Links vom Display befinden sich vier Drehregler. Die oberen beiden Potis sind für das MASTER VOLUME und für die BALANCE-Regelung zwischen dem Arranger und den Keyboardsounds zuständig. Die unteren beiden Regler sind frei zuweisbare ASSIGNABLE KNOBS. Die Auswahl an möglichen Zuweisungen ist zwar nicht besonders groß, aber trotzdem sehr praktisch. Beispielsweise können diese Knobs global als Volumen-Regler für bestimmte Parts eingesetzt werden, z. B. für alle Drums eines Styles. Oder man kann die Cutoff-Frequenz und Resonanz des Filters der Upper Parts beeinflussen, was bei modernen Synthesizer-Sounds sehr effektvoll sein kann. Diese Zuordnungen werden global festgelegt und können leider nicht für ein Keyboard-Setup oder einen Songbook-Eintrag abgelegt werden. Gut gefällt mir, dass die Regler einen rot beleuchteten „Zeiger“ besitzen, sodass man auch im Dunklen die Stellung des Potis erkennen kann. Neben diesen Reglern liegen die vier MODE-Taster, mit denen die augenblickliche Betriebsart des Instruments ausgewählt wird: STYLE PLAY, SONG PLAY, SEQUENCER und SOUND. Obwohl der Pa1000 mit einem Touch-Display ausgestattet ist, und die meisten Auswahl-Aktionen direkt am Bildschirm durch Antippen der entsprechenden Felder erledigt werden können, hat Korg dem Pa1000 zur Auswahl der Styles und Klangfarben hardwaremäßige Auswahl-Tasten spendiert. Auf der linken Seite wählt man die Style-Kategorien über zwölf Taster aus, von POP über JAZZ bis WORLD. Über GLOBAL und MEDIA gelangt man in die Menüs für die globalen Einstellungen des Instruments und in den Bereich der Speichermedien.

Fotostrecke Korg Pa1000 Bedienpanel. (Fotos: Bonedo)

Die Steuerung des Arrangers geschieht über die üblichen Taster, die direkt über der Klaviatur gut erreichbar sind. Die Styles besitzen drei Intros, vier Variationen und drei Endings. SYNCHRO START und STOP, TAP TEMPO und FADE IN/OUT liegen praktischerweise um den mittig liegenden START/STOP-Taster, der durch seine rote Farbe auffällt und so schneller gefunden werden kann. Die Sache mit dem Finden ist auch nicht unwichtig, denn das Bedienfeld des Pa1000 ist beim Erstkontakt unübersichtlich und mit sehr vielen kleinen Tastern versehen. Direkt über den Steuerungen für die Styles sind die vier Pads platziert, mit denen musikalische Phrasen, Loops und Effekte abgefeuert werden können. Rechts daneben befinden sich die Taster und der Cross-Fader für die Steuerung des Dual-Players, bei dem zwei Songs parallel laufen können. Zusätzlich sind noch ein paar wichtige Taster für den Arranger geboten: MEMORY hält den gespielten Akkord bis er gewechselt wird, BASS INVERSION spielt immer den tiefsten Ton des gespielten Akkords als Basston und die MANUAL BASS Taste schaltet den automatischen Bass ab und lässt uns mit demselben Bass-Sound Left-Hand-Bass spielen. Eine sehr praktische Funktion! Der CHORD SEQUENCER ermöglicht es, während der Performance eine wiederkehrende Akkordfolge aufzuzeichnen und dann bei Bedarf abzuspielen, damit man sich voll auf die rechte Hand konzentrieren kann. So kann man ein Solo besser spielen und hat die linke Hand frei für den Joystick. Die unscheinbare kleine Taste STYLE TO KBD SET verknüpft den laufenden Style mit passenden Klangfarben, den sogenannten Keyboard Sets.

Unterhalb des Displays befinden sich vier Tasten, mit denen man die zum Style gehörenden  Keyboard Sets manuell abrufen kann. Man kann sie natürlich auch im Display anwählen. Auf der rechten Seite des Front Panels findet man alle Bedienelemente, mit denen man Sounds auswählen und beeinflussen kann. Direkt oberhalb der Klaviatur sind neun Kategorien-Taster für das Auswählen von Keyboard Sets platziert. Von PIANO & EP über STRINGS bis hin zu ETHNIC. Damit werden komplette Klang-Registrierungen abgerufen. Diese Tasten können auch bei der Songbook/Setlist-Funktion benutzt werden, um Komplett-Registrationen anzuwählen. Und weiter geht’s mit der Taster-Flut: Über den Register-Tasten liegen weitere Tasten zur Einstellung des Splitpunktes, der Oktavlage der Upper Sounds, des Tempos, der Transponierung des gesamten Instruments und der Akkorderkennung. Im Gegensatz zum Pa700 gibt es beim Pa1000 einen TC-Helicon Vocal Prozessor, um Chöre und Stimm-Effekte einzusetzen. Die Bedienelemente zur Einstellung dieses „Vocalisten“ und der Audio-Eingänge allgemein befinden sich rechts vom großen Endlosregler und unterhalb des gut versteckten Einschaltknopfes. Zwei Potis und drei kleine Taster beeinflussen die Stimmen- und Gitarreneffekte, die Harmoniestimmen sowie die Gesangsdopplung. In unserem Workshop Korg Pa4X-Serie OS 2.0 #9: TC-Helicon Vocalist wird die Funktionsweise des Vocal-Prozessors genau erklärt und kann teilkompatibel auch mit dem Pa1000 verwendet werden.

Schließlich seien noch die drei ASSIGNABLE SWITCH Taster erwähnt, die über dem Joystick von der linken Hand bedient werden. Sie lassen sich mit wirklich vielen Funktionen belegen und mit dem Keyboard Set abspeichern. Hiermit können beispielsweise auch Scroll-Befehle für Lyrics gegeben oder ein Ritardando ausgeführt werden.

Tastatur

Die 61-Tasten Klaviatur ist leicht gewichtet und besitzt Aftertouch. Ich empfand die Tastatur angenehm und gut spielbar. Auch Klaviersounds lassen sich damit ordentlich spielen, aber natürlich nicht so gefühlvoll wie auf einer Hammermechanik-Tastatur. Die Tastatur soll besser sein als beim Pa700, der allerdings nicht mit Aftertouch ausgestattet ist.

Lautsprecher 

Das verbaute Verstärkungssystem ist mit zweimal 33 Watt kraftvoller als das des Pa700. Durch die beiden 100 mm-Tieftöner im Bassreflexgehäuse und die beiden 25 mm Kalottenhochtöner wird ein druckvoller, ausgewogener Gesamtklang erzeugt, der mich beeindruckt hat. Dabei gibt es auch ordentlich Reserve nach oben. Wenn das Display ganz versenkt ist, neigt es bei starken Bässen zum Klappern, die durch die Vibrationen entstehen. Stellt man das Display auf, verschwinden die Geräusche nicht ganz.

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