Workshop
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02.02.2017

Kompressor im Stereo-Bus? Pro und Contra

Die wichtigsten Argumente für und gegen die Mix-Bearbeitung der Stereosumme

Workshop: Master-Channel-Mix unter der Lupe

Der Mix-Bus ist für viele Engineers unantastbar, wenn es um den Einsatz von Effekten geht. Vor allem Tontechniker der alten Schule bevorzugen ein „reines“ Mixsignal, das ohne Bearbeitung der Stereosumme durch EQs etc. auskommt. In Studios, auf Workshops und in Online-Foren entbrennen immer wieder hitzige Diskussionen um dieses Thema. Wir haben für Euch ein paar der wichtigsten Argumente für und gegen Insert-Effekte im Mix-Bus zusammengestellt. Dabei konzentrieren wir uns im wahrsten Sinne des Wortes auf Effekte – Plug-ins also, die Einfluss auf den Sound nehmen. Daher werden wir uns nicht mit den zahlreichen Formen von Visualizern befassen. Denn Plug-ins wie Spectrum Analyzer, Korrelationsgradmesser oder ein komfortables Level-Meter können euch wunderbar die Kontrolle von Frequenzbild, Monokompatibilität und Dynamik ermöglichen. Das gute an diesen Mix-Hilfen ist, dass sie für eure Abmischungen unproblematisch sind, da sie nicht den Mix-Sound verändern. Warum aber können klangverändernde Effekte im Mix-Bus problematisch sein?

Kompressor in der Stereosumme: Pro-Argumente

Wenn es um die Diskussion für und wider Effekte im Stereobus geht, steht der Einsatz eines Kompressors häufig an erster Stelle. So mancher Produzent schwört darauf, in einen Mix-Bus-Kompressor hineinzumischen. Denn ein Vorteil dieser Technik ist, dass der Mix auf diese Weise im Soundgewand einer „fertigen“ Produktion zu hören ist. Ein Grund, aus dem Einsteiger gerne mit einem Bus-Kompressor arbeiten, liegt darin, dass er Dynamikunterschiede im übergreifend ausgleicht und den Mix insgesamt „zusammenschweisst“. Dadurch können beispielsweise kleinere Schwächen im Balancing – also im Zusammenspiel des Pegel-Management einzelner Kanäle ausgeglichen werden.

Kompressor in der Stereosumme: Contra-Argumente

Damit ist aber auch schon ein wichtiges Gegenargument geliefert. Denn ein Kompressor in der Stereosumme verändert die wahrnehmbaren Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Kanäle zueinander. Ein weiteres Gegenargument ist das mögliche Überkomprimieren durch Doppel-Kompression. Wer im Mix-Bus komprimiert, muss gegebenenfalls in den separaten Kanälen ein wenig zurückhaltender mit der Dynamikverringerung sein, um ungewolltes Pumpen zu verhindern oder den Sound der betroffenen Instrumente nicht zu sehr zu verbiegen. Außerdem kann es bei allzu starker Kompression in der Stereosumme für den Mastering-Engineer unter Umständen schwierig werden, die Dynamik eurer Mixes nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Kompressor in der Stereosumme: Kompromiss

Mein praktischer Lösungsvorschlag ist, dass ihr entweder einen klassischen Buss-Kompressor oder einen ausgewiesenen Mastering-Kompressor einsetzen solltet und dabei am besten eine geringe Kompressionsrate wie 2:1 oder 3:1 wählt. Den Schwellenwert (Threshold) könnt ihr dann beispielsweise so anpassen, dass ihr eine Pegelreduktion von 1 bis maximal 4 dB erzielt. Attack- und Releasezeiten passt ihr entsprechend an das Songmaterial an. Achtet dabei darauf, die Attackzeit nicht zu kurz zu wählen, um der Stereosumme nicht ihre Transienten zu rauben. Gibt es eine Auto-Release-Funktion, so solltet ihr sie am Kompressor einschalten. Auf diese Weise nutzt ihr die Vorteile der Summen-Kompression, ohne das Signal für das spätere Mastering unbrauchbar zu machen.

Bei einem klassischen Buss-Kompressor könnt ihr auf Plug-ins wie den SSL Duende Native Bus Compressor, den Waves API 2500 oder auch die Freeware Stereo Buss Compressor von Minimal System Groups benutzen. Ein typischer Mastering-Kompressor ist beispielsweise der UAD Shadow Hills Mastering Compressor. Welche Erfahrungen habt ihr selbst mit Insert-Effekten im Mix-Buss gemacht? Auf welche Plug-ins schwört ihr und welche nutzt ihr auf keinen Fall, wenn es um eure Stereosumme geht?

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