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5 wertvolle Praxis-Tipps für den Kompressor-Einsatz

1. Kompression: alles Einstellungssache

Anfänger wissen oftmals nicht, wie sie einen Kompressor ohne Hilfe von Presets so justieren können, dass er zu „geschmackvollen“ Ergebnissen verhilft statt zu einem matschigen „Pumpen“. Probiert es doch einmal mit dem folgenden Trick: Zunächst wählt ihr die maximale Kompressionsrate sowie die kürzest-mögliche Release-Dauer und regelt den Schwellenwert per Threshold-Regler soweit herunter, dass der Kompressor praktisch auf alles reagiert. Nun könnt ihr problemlos eine passende längere Attack-Zeit wählen, die beispielsweise bei Drums ausreichend Punch hindurchlässt. Als nächstes solltet ihr die Release-Zeit anpassen, um so quasi die Dauer des Sustains der Drum-Kompression zu bestimmen. (In der Regel könnt ihr die Release-Zeit nicht zu kurz wählen, sondern eher im dreistelligen Millisekunden-Bereich ansiedeln.) Bei Drums könnt ihr auch rhythmisch im Puls des Songs denken. Als nächstes wählt ihr ein geringeres Kompressionverhältnis, so dass ausreichend Dynamik im Signal enthalten bleibt. Zu guter Letzt hebt ihr den Schwellenwert wieder per Threshold-Regler an, damit der Kompressor nur die gewünschten Signalspitzen bearbeitet. Probiert es einmal mit einer Kickdrum aus. Ihr werdet überrascht sein, wie einfach das klappt.

5_Praxistipps_Kompressor_Teaser

Weitere Basics zum Thema Kompressor Einstellen findet ihr hier: #Kompressor-Basics

2. Lasst die Pegel tanzen!

Ganz gleich, ob ihr einen Kompressor mit klassischem VU-Meter oder einer dBFS-Skala nutzt: Pegelanzeigen sind ein hervorragendes Tool, um einen Kompressor musikalisch einzusetzen. Stellt ihr die Kompressor-Werte so ein wie oben beschrieben, dann zeigen sie euch nicht nur das Maß der Pegelreduktion (also beispielsweise wie weit die Nadel ausschlägt). Vor allem bei einer Anzeige auf dBFS-Basis (Stichwort: kürzere Integrationszeit) könnt ihr wunderbar sehen, wie die Kompression greift und loslässt. Lasst die Anzeige zum Beat tanzen! Wenn sich das Gainreduction-Meter etwa bei einer Kickdrum sowohl in puncto Attack (Einsatz der Pegelreduktion) als auch Release (Ablassen der Pegelreduktion) im Groove mitbewegt, dann seid ihr auf einem guten Weg zu einer muskalischen Kompression. Noch mehr Details zur Arbeit mit Kompression lest ihr hier: #Crashkurs Mixing: Compression

3. Gain Staging nicht vergessen

Bei allem Tanzen solltet ihr aber nicht vergessen, dass der Kompressor vor allem die Signaldynamik verdichten soll. In den meisten Fällen soll das Signal am Ende wahlweise dichter oder druckvoller klingen. Falls das auch euer Ziel ist, solltet ihr Pegelverluste und  zugewinne beim Einstellen eines Kompressors stets ausgleichen. Einige Plug-Ins bieten eine automatische Aufholverstärkung, die ihr einschalten könnt, wenn ihr es stressfrei mögt. Achtet auch darauf, mit welchem Pegel ihr den Kompressor füttert. Denn nicht nur Hardware-Kompressoren können hier wählerisch sein. Für so manches Plug-In hat der Software-Entwickler einen optimalen Arbeitspegel eingerichtet, insbesondere wenn es sich um Emulationen von Hardware handelt. Hersteller wie UAD oder Slate Digital weisen etwa in ihren Manualen auf den optimalen Pegel hin, mit dem ihr den jeweiligen Kompressor ansteuern solltet.

Auch Software will richtig gepegelt werden!
Auch Software will richtig gepegelt werden!

4. Böse Mehrfach-Kompression

Wer jedes seiner Audiosignale im Mix ultimativ komprimiert, stiehlt seinem Track ein wichtiges dynamisches Element. Denn nicht nur die maximale Lautstärke eines Elements zählt, sondern auch dessen Verhältnis zu weniger lauten Stellen und Elementen. Erst die leiseren Signalanteile lassen die lauteren … nunja, eben „laut“ erscheinen. Komprimiere ich alle Tracks meines Mix-Projekts bis zum Anschlag, dann hebe ich sämtliche leise Signalanteile an und ebne alle markanten Signalspitzen ein. So sorge ich dafür, dass mein Mix flach und leblos klingt, weil in ihm nur noch geringe Signaldynamiken enthalten sind. Besonders schlimm wird es, wenn sich die Wirkung mehrerer Kompressoren ungewollt addiert, so dass das Resultat ein pumpender, „gesquashter“ Sound ist. Deshalb gilt: Haltet euch mit Mehrfach-Kompression zurück und setzt sie nur dann mit groben Parametern ein, wenn das Signal entweder nicht anders zu retten ist oder aber der Kompressor-Einsatz als hörbarer Sound-Effekt dienen soll.
Weitere hilfreiche Kompressor-Tipps, wie zur Parallel-Kompression oder zur Auswahl des richtigen „Knies“ lest ihr hier: #10 Kompressor-Fehler

5. Gute Mehrfach-Kompression

Aber bitte nicht falsch verstehen: Ebenso wenig spricht gegen einen sinnvollen Einsatz mehrerer Kompressoren in Reihe wie in Serie. Vorausgesetzt das Ganze geschieht mit einem gewissen Plan. Beispielsweise ist es Gang und Gäbe, Vocals mit zwei aufeinander folgenden Kompressoren zu bearbeiten. Vorweg ein Kompressor, der die schnellen Transienten einfängt und so Pegelspitzen abfängt, die sich allzu weit vom Dynamik-Body des Signals entfernen. Und dahinter ein langsamer arbeitender Kompressor, der die Programmdynamik der Vocals in Schach hält. So gelingt euch das Balancing der Vocals im Mix später wesentlich einfacher. Bei Backing-Vocals könnt ihr dagegen jede Stimme mit dem ersten, „schnelleren“ Kompressor dieser Serie bearbeiten, während ihr den nachfolgenden „langsameren“ Kompressor auf den Gruppen-Buss anwendet. Er schweißt dann die Backings per „Glue“-Effekt zu einem einzigen Instrument mit einheitlicher Programmdynamik zusammen. Und genau so könnt ihr natürlich auch bei anderen Instrumentengruppen vorgehen, wie Gitarren und Drums oder auch falls ihr mehrere Bass-Sounds verwendet. Eine Übersicht über Tests verschiedener Kompressoren findet ihr übrigens hier: #Kompressor-Tests

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von Carsten Kaiser

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