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Workshop
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02.07.2014

Keyboard Masterclass Workshop #10

Der Einsatz von Licks in der Improvisation (Teil 2)

Licks für die II-V-I Verbindung

Nachdem wir uns im letzten Teil des Keyboard Masterclass Workshops vor allem mit Blueslicks beschäftigt haben, bewegen wir uns in dieser Folge ein wenig auf den Jazz zu. Mit den zehn Licks dieser Folge könnt ihr eure Improvisationen würzen und sie als Startpunkt für eigene Kreationen verwenden.

Die häufigste Akkordverbindung im Jazz ist ja bekanntlich die II-V-I (Zwei-Fünf-Eins). Einige gebräuchliche Voicings für diese Akkordverbindung findet ihr übrigens in dieser Folge der Masterclass. Ich habe für euch ein paar Licks zusammengestellt, die über die Kombination Dm7 / G7 funktionieren, also die II-V einer II-V-I Verbindung in C-Dur. Probiert die Licks auch wieder in anderen Tonarten aus – der angegebene Fingersatz kann sich beim Transponieren allerdings natürlich ein bisschen verändern.

Swingphrasierung

Beginnen wir mit dieser Phrase. Vom Tonmaterial her ist sie recht simpel, sie besteht fast ausschließlich aus der Bluestonleiter (D-Moll Pentatonik mit der Blue Note „Ab“). Interessanter ist der rhythmische Aspekt, denn wir spielen die Achtel nicht gerade, sondern jazztypisch geswingt, das heißt das erste Achtel ist immer länger als das Zweite, und zwar ungefähr im Verhältnis 2:1. Die erste Achtel hat die Länge von zwei (übergebundenen) Triolen, die zweite die Länge einer Triole.

Triolen kommen im Jazz oft vor, wie z.B. in diesem Lick:

Diese Phrase ist nun nicht mehr pentatonisch, sondern basiert auf der Tonleiter D dorisch (die zweite Stufe in C-Dur).

Verzierungen und Umspielungen

Die zentralen Noten in der nächsten Phrase sind das D auf der „Drei“ im ersten Takt und das H auf der „Eins“ des zweiten Taktes. Die Töne davor umspielen diese Zielnoten. Der Sechzehntelschlenker am Anfang erinnert an Verzierungen, die wir aus der Klassik kennen. Solche Umspielungen von Zielnoten sind ein wichtiges Stilmittel bei der Jazz-Improvisation. 

Dürfen es auch ein paar mehr Sechzehntel sein?

Chromatische Durchgänge

Das nächste Beispiel ist mit ein paar tonartfremden Noten, sogenannten chromatischen Durchgängen, angereichert. Diese finden wir vor allem im Bebop. Wichtig ist, dass diese „falschen“ Töne nur kurz angespielt werden, nicht auf zentralen Zählzeiten liegen und dass zu skaleneigenen Noten hin aufgelöst wird.

Arpeggios

Das nächste Beispiel enthält neben Umspielungen und chromatischen Durchgängen auch ein kleines Arpeggio. Auf der „Drei“ im ersten Takt wird der Dm7-Akkord arpeggiert.

Solche kleinen Arpeggios klingen vor allem dann schön, wenn man die None des Dm7/9 Akkords mitbenutzt:

Zweihändige Licks

Arpeggios funktionieren auch zweistimmig, mit beiden Händen gespielt. Dieses Dezimenlick etwa könnte von Bill Evans stammen:

Man kann die Akkorde auch zerlegen und dabei jeden Akkordton chromatisch umspielen:

Und das funktioniert auch zweistimmig in Dezimen:

So, das waren meine zehn Licks für die II-V Verbindung. Ihr könnt sie in euer Repertoire aufnehmen und sie nach Lust und Laune transponieren und zerlegen. Und wenn ihr die Licks in allen Tonarten drauf habt, gibt es auch schon die nächste Folge, in der wir uns um die häufig vorkommende Progression I-VI-II-V kümmern werden. 

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