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15.12.2017

Kaufberater Digitalmixer mit Tablet- und Computersteuerung

Digitale Mischpulte mit iOS, Android, Mac und iPad Remote Control

Ferngesteuerte Mixer: Worauf achten bei Software, Features und Preis?

Was geht’s uns doch gut: Digitalpulte für den Live-Einsatz werden nicht nur immer preiswerter, sie passen mittlerweile, Effekte inklusive, in wenige Höheneinheiten. Für noch nicht einmal 1.000 Euro geht so ein 16-Kanal-Mixer bereits über die Ladentheke. Einzige Bedingung: Ihr seid bereit, auf althergebrachte Fader und Potis zu verzichten und euch stattdessen mit einem Tablet oder Notebook als Eingabemedium zu arrangieren. Unser Einkaufsführer zeigt euch, worauf ihr achten müsst.

Was macht ein digitales Mischpult richtig teuer?

Genau, die ganzen beweglichen mechanischen Bauteile. Bei einem voll ausgestatteten Pult mit 24 Eingangskanälen inklusive vierbandigem, semi-parametrischem EQ kommt ganz schön was zusammen. Ach so, echtes Total Recall wäre auch nicht schlecht? Dann bitte eine ordentliche Schippe drauf denken, für die Motorfader nämlich.

Ferngesteuerte Mixer können auf derartigen mechanischen Luxus verzichten. Salopp gesprochen, haben wir es hier mit einer Multi-I/O-Soundkarte (oder einer Stagebox) zu tun, die „einfach‟ per DSP um Mischpultfunktionen erweitert wird. Zur Steuerung aller Funktionen kommt ein per Netzwerk angeschlossener Computer zum Einsatz. Am intuitivsten gelingt dies mit einem berührungsempfindlichen Display, das kommt der Haptik eines echten Pultes deutlich näher als das Hantieren mit der Maus. Aber wie sagt der Kölner: Jeder Jeck ist anders. Und so bevorzugen manche ihre Maus und nicht den Zeigefinger.

Klar, selbst günstige Tablets oder kleine Notebooks kosten Geld, das man fairerweise bei der Kostenplanung mit einkalkulieren sollte. Aber einerseits ist solches Gerät ohnehin schon oft vorhanden und andererseits erfüllen die kleinen Helferlein auch über den Mixdienst hinaus die ein oder andere nützliche Aufgabe.

Für die Auswahl des passenden Pultes gibt es eine Reihe von Kriterien, die bei jedem Mischpultkauf zu berücksichtigen sind, egal ob analog oder digital. Dazu zählt zum Beispiel die Frage nach den Ein- und Ausgängen, Mikrofonkanälen oder Send-Wegen. Auf diese Dinge wollen wir hier nicht weiter eingehen, sie werden bereits in anderen Kaufberatern ausführlich behandelt. Wir konzentrieren uns stattdessen auf die für diese Gerätegattung typischen Knackpunkte.

iPad, Android, Linux, gar nix?

Ferngesteuerte Digitalmischer kommunizieren auf grundsätzlich zwei verschiedene Arten mit ihren Remotes: Entweder der Hersteller stellt im Mixer einen Webserver bereit, auf dem seinerseits eine HTML-Steuerung programmiert wurde. Auf diesen Webserver können sämtliche Devices zugreifen, solange dort ein Webbrowser wie etwa Firefox, Safari oder Chrome installiert wurde. Vorteil: Hersteller und Betriebssystem der Remote spielen überhaupt keine Rolle, außerdem sieht die Bedienoberfläche auf jedem Gerät nahezu identisch aus. Soundcraft verfolgt zum Beispiel mit seinen Mischern der Ui-Serie diese außerordentlich lobenswerte Philosophie.

Oder aber der Hersteller schreibt eine spezielle Remote-Anwendung für Tablet respektive PC. In diesem Fall ist man auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen des Herstellers ausgeliefert, der hoffentlich das eigene Betriebssystem für ebenso relevant erachtet, wie man selbst. Sind also auf den Mixer zugeschnittene Control-Apps nötig, achtet unbedingt vor dem Kauf darauf, ob eure Gerätschaften jetzt schon (!) unterstützt werden. Vorsicht bei Aussagen wie „XYZ coming soon.‟

Einige Hersteller, so etwa Mackie bei der DL-Serie, entwickeln ihre Pulte ganz bewusst für einen einzigen Tablet-Typ, in diesem Fall für das iPad. Bei den kleineren Modellen kann der Mixer daher gleichzeitig als Ablage und Docking-Station für das Tablet dienen. Einen Sonderweg verfolgt die Firma QSC. In ihrem TouchMix 16 ist bereits ein Touchscreen integriert, dennoch lässt sich der Mixer ebenfalls per iPad fernsteuern.

 

Funkenmariechen

Mixer und Remote nutzen zum Datenaustausch in der Regel das WLAN-Protokoll. Dazu sind die Mixer häufig mit einem eigenen Router ausgestattet. Anwender sind gut beraten, sich mit dessen Eigenheiten vor dem ersten Gig intensiv auseinanderzusetzen: Während des Gigs hektisch nach Netzwerkfehlern zu forschen, ist keine besonders clevere Idee. Ein besonderes Augenmerk verdienen die unterstützten Funkbänder: Mag der Router nur im 2,4-GHz-Bereich funken, ist gerade in Ballungsgebieten oder beim parallelen Einsatz von 2,4-GHz-Funkmikros mit Ungemach zu rechnen. Sehr viel sicherer ist (noch) das 5-GHz-Band. Unterstützt der Router im Mixer dieses Band nicht, lohnt sich die Anschaffung eines externen Routers, der dann auch noch den Anschluss mehrerer Rechner per Netzwerkkabel gestattet. Bei einigen Digitalmixern, etwa dem Mackie DL32R, ist der Kauf eines externen Routers ohnehin zwingend erforderlich.

Übrigens: Sich bei einem Gig ganz ohne Fallback auf die Funkverbindung zu verlassen, ist nicht ohne Risiko. Ein per Netzwerkkabel mit dem Mixer verbundenes Notebook kann bei spontaner Funkstille Gig und Leben retten.

See me, feel me, touch me

Über den Erfolg eines ferngesteuerten Digitalmixers entscheidet nicht allein dessen Hardware, sondern vor allem dessen Software: Ist das Routing flexibel? Ist die Bedienung intuitiv gelöst (Stichwort: Hektik beim Gig!)? Kann ich mir Custom-Views zusammenstellen, bei denen ich nur die wichtigsten Kanäle auf dem Bildschirm sehe? Und wie reagiert die Hardware auf die Software-Bedienelemente? Gibt es spürbare Latenzen, lassen sich die Pegel feinfühlig regeln oder springen die Fader? Kann ich schon zuhause mit der Remote einen Job vorbereiten? Wie tief geht die Remote-Integration, lassen sich Preamp-Pegel steuern und speichern? Im Idealfall probiert ihr vor dem Kauf die Remote-App aus und prüft, ob das Bedienkonzept eurer Arbeitsweise entgegenkommt. 

Soundcarft Ui12, Ui16 und Ui24R

Der Englische

Christian Boche war ob der Leistungsfähigkeit des Soundcraft Ui16 von den Socken. Gerade einmal 620 Euro möchte der freundliche Fachhandel für dieses Gerät sehen, das dafür im Gegenzug 16 Eingänge (12 davon mit Mic-Pres) und sechs Ausgänge bietet. Dazu gesellen sich eine Effekt-Engine von Lexicon, ein Feedback-Destroyer von dbx und eine Verstärkersimulation von Digitech.

Das Ui16 ist mit einem eigenen HTML5-Server bestückt, über den der Mixer seine Benutzeroberfläche an jeden Webbrowser sendet. Der Soundcraft lässt sich also mit jedem webfähigen Device sofort nutzen, ungeachtet des Betriebssystems. Zum Testzeitpunkt noch nicht in der Firmware verankert war die äußerst sinnvolle Funktion, den Mixer per USB- und HDMI-Port direkt bedienen zu können, die notwendigen Anschlüsse sind bereits vorhanden.

Als Kritikpunkte nannte Christian den nur auf 2,4 GHz sendenden WiFi-Router sowie die bei aktivierter Phantomspannung leicht rauschenden Mikrofonvorstufen. Davon unberührt blieb der hervorragende Gesamteindruck und Christians finales Statement: „Egal ob Proberaum, Kneipe oder Schule – das Ui16 gibt dem Anwender alle Mittel an die Hand, schnell und unkompliziert einen guten Mix zu erstellen.‟

Falls man es doch etwas größer benötigt, empfiehlt sich der UI-24R, für das schmalere Budget oder hat Soundcraft zudem noch den UI-12 im Sortiment. Hier findet ihr unser Special zu den Soundcraft-Pulten.

Der Vielseitige

Behringers X Air XR 18 ist ein Tausendsassa. Er bietet 18 Inputs, 16 davon sind mit Midas Mikrofon-Preamps ausgestattet. Sechs Aux-Sends und zwei Main-Outs notieren wir ausgangsseitig. Behringer bietet Remote-Apps für Android, iOS, Windows, OSX und Linux – und lässt damit nichts anbrennen. Bonedo-Autor Frank Pieper lobte die übersichtliche Software und zeigte sich vom internen Routing äußerst angetan. Lediglich das für professionellere Anwendungen gelegentlich wichtige Verzögern der Aux-Sends (Stichwort: Delay Line) vermisste Frank.

Dafür gefiel ihm die vollständige Kanalausstattung mit Dynamics (Parallelkompression inklusive) und vierbandigem, vollparametrischem EQ sowie die gut klingende Effektsektion mit vier Slots. „Ein Mischpult, handlich und leicht zu transportieren, überall einsetzbar und im Funktionsumfang mit einer aufwendigen Studiokonsole vergleichbar‟, resümierte Frank und lobte im selben Atemzug die USB-Recordingfunktion, mit der sich sämtliche Eingangssignale auf Festplatte sichern lassen. Für Netzwerker gut zu wissen: Der Behringer bringt seinen eigenen WiFi/LAN-Access-Point mit, funkt aber nur auf 2,4 GHz. Der empfohlene Verkaufspreis von 1.071 Euro wird übrigens von den meisten Musikhäusern deutlich unterboten. Ein gutes Angebot für viele Bands und Ensembles mit mittlerer Besetzung. Wer Wert auf bessere Preamps legt, greift stattdessen zum Midas MR18.

Mackie DL32R (Produktseite auf thomann.de)

Soundcraft Ui16 (Produktseite auf thomann.de)

Behringer X Air XR 18 (Produktseite auf thomann.de)

Der Kompakte

Schon früh hat Mackie das Talent von iPads für die Mischpultsteuerung erkannt und mit dem DL1608 einen echten Klassiker im Programm. Der DL1608 verkörpert Digitalpult-Tugenden im kleineren Format und ist eine echte Standalone-Lösung. Die gelungene „Mackie Master Fader App“ verkürzt die Einarbeitungszeit auf ein Minimum. Im „Normalbetrieb‟ wird das iPad in den DL1608 eingeschoben, das Mischpult fungiert also gleichzeitig als Docking-Station. Soll das iPad den Mixer drahtlos steuern, muss ein externer Router hinzugekauft werden.

Der Außenseiter

Im Prinzip gehört der QSC TouchMix-16 nicht so recht hierher, denn er besitzt seinen eigenen Touchscreen, kann also autark genutzt werden. Dennoch: Über den mitgelieferten WLAN-Adapter lässt sich ein iPad als Remote verbinden. Und siehe da, unserem Tester Stempel Steinmetz gefiel diese Form Mixersteuerung deutlich besser: „Die Regelstrecke auf dem iPad ist im Vergleich zum TouchMix-Display fast doppelt so lang, so dass ich mit der Remote eine feinere Abstimmung erzielen konnte als am Mixer selbst.‟

Die Ausstattung des äußerst kompakten Mixers, er ist kaum größer als ein DINA4-Aktenordner, ist eindrucksvoll: 20 Eingänge und 16 Ausgänge wurden verbaut, jeder der 16 Mischpultkanäle ist mit Dynamics (Gate, Kompressor) sowie einer vierbandigen Klangreglung ausgestattet. Vier gut klingende Effektprozessoren sorgen dafür, dass sperriges Effekt-Equipment zuhause bleiben kann.

Stempels Resümee über den gut 1.400 Euro teuren TouchMix-16 ist eindeutig „Die Benutzerführung ist hervorragend gelungen […] Obwohl der Mixer nur 3 kg wiegt und extrem kompakt ist, bietet er nahezu alle Features eines großen Digitalpults. Bedenkt man zudem, dass 16 AD- und 8 DA-Wandler verbaut sind, bleibt nichts anderes übrig, als ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis zu attestieren.‟ Wir meinen: Ideal für den nicht ganz so großen Gig und auch fürs ambitionierte Heimstudio eine sinnvolle Anschaffung. Gibt´s übrigens auch mit 32 Kanälen und USB-Speichermöglichkeit. Zum QSC TouchMix-30 Pro Test.

Der Große

Mit 32 Eingängen, samt und sonders mit Mikrofonvorstufen ausgerüstet, und 16 Ausgängen streicht der StudioLive RM32AI von Presonus (Ladenpreis unter 2.000 Euro) selbst bei größeren Gigs nicht so schnell die Segel. Auch hinsichtlich der Soundqualität gibt sich der 4-HE-Mischer keine Blöße. Die verbauten Burr-Brown-Wandler liefern 118 dB Dynamikumfang und arbeiten immerhin mit 24 Bit bei 96 kHz Abtastrate. Schick ist ferner die eingebaute 52/34-Kanal-Firewire-Karte mit Firewire-800-Ports. Sie lässt sich gegen Aufpreis durch eine Dante-Karte ersetzen.

Die Remote-Software „Universal Control‟ hält Presonus für Mac, PC und iOS vor, alternativ lässt sich die Hardware-Remote StudioLive CS18 AI nutzen. Bonedo-Tester Christian Boche urteilt an dieser Stelle: „Es zeigt sich, dass Presonus eine Menge Gehirnschmalz in die UC-Software investiert hat. Sie ist einfach zu bedienen und bietet einen guten Funktionsumfang. Die Meteranzeigen für sämtliche 32 Kanäle liegen stets im Blickfeld, alle Funktion sind am richtigen Ort.‟ Allerdings empfiehlt Christian, nicht vom mitgelieferten Wireless-Dongle Gebrauch zu machen, sondern lieber in einen externen Router zu investieren.  

Mackie DL1608 (Produktseite auf thomann.de)

QSC TouchMix-30 Pro (Produktseite auf thomann.de)

QSC TouchMix-16 (Produktseite auf thomann.de)

Nicht vollständig überzeugt war Christian von den fehlenden Inserts in den Kanalzügen und die vierfache FX-Engine schien ihm etwas mager: Sie kann nämlich lediglich Hall und Delay. Dennoch ist sein Fazit eindeutig: „Presonus StudioLive RM32 ist ein Rackmixer mit schicker Hard- und Software sowie hervorragender Audioqualität. Die Karten unter Mixern dieser Preisklasse dürften neu gemischt werden.‟

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