Gitarre Hersteller_JHS_Pedals
Test
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11.08.2020

Praxis

Wie schon eingangs erwähnt, lässt sich die JHS Pedals Colour Box V2 sehr vielseitig im Studio oder auf der Bühne einsetzen. Ich werde daher das Pedal in verschiedenen Setups mit unterschiedlichen Gitarren und Bässen ausprobieren. Für die Bassaufnahmen unterstützt mich dabei heute mein Kollege Stephan Pfaff, bei dem ich mich an dieser Stelle noch einmal bedanken möchte.

Die JHS Pedals Colour Box V2 als DI-Box

Josh Scotts ursprüngliche Idee war es, ein Pedal zu bauen, das den typischen "Direct In"-Sound der Neve-Konsolen einfängt. Auch wenn man E-Gitarren in erster Linie mit Amps aufnimmt, hat diese Herangehensweise vielen Produktionen das gewisse Etwas verliehen. Besonders clean eingespielte Rhythmusgitarren wurden auf Funk-, Soul- und Pop-Produktion immer wieder auf diese Art aufgenommen und dabei auch gern schon mit dem EQ ordentlich angepackt und hörbar komprimiert. Ein berühmtes Beispiel für verzerrte Gitarren, die direkt ins Pult gespielt wurden, ist der Song "Territorial Pissings" von Nirvana, der auf dem legendären Nevermind Album erschien.
Ich schicke für die folgenden Aufnahmen das Signal über den XLR-Ausgang des Pedals an den Wandler meines Universal Audio Apollo Interfaces. Um ein cleanes Signal zu erhalten, steht der Kippschalter am Pedal in der Lo-Position. Für ein potentes Ausgangssignal kann man anschließend schon das Step-Poti für die Eingangsverstärkung auf die höchste Stufe stellen und auch das Master Poti voll aufdrehen. Das Pre-Vol-Poti zeigt dagegen auf 9 Uhr.
In dieser Einstellung liefert die Colour Box V2 ein sauberes und sehr gut klingendes DI-Signal. Bearbeitet man dieses anschließend mit dem EQ, kommt ebenfalls Freude auf. Wir hören dazu als erstes ein typisches, gemutetes Funk-Picking mit einer Stratocaster. Im ersten Durchgang steht der EQ in Neutralstellung, anschließend erklingt das Gitarrensignal mit EQ-Eingriff.

Für die nächste Aufnahme nehme ich meine ES-335 zur Hand und bearbeite das Signal mit dem EQ noch deutlich offensiver. Dabei drehe ich auch den Hi-Pass-Filter bis zur Mittelstellung.

Auch der Jazz Bass mit Vintage-Style-Pickups in den folgenden beiden Beispielen klingt über die Colour Box V2 wirklich klasse. Ohne EQ-Eingriff tönt das Signal dabei wunderbar knochig. Mit Hilfe des EQs kann der Sound aber im Handumdrehen dem Basssignal einen moderneren und Hifi-artigen Charakter verleihen.

Dem Piezo-Signal einer Akustikgitarre kann man ebenfalls sehr zielführend auf die Sprünge helfen. Wirken die Mitten beim folgenden Akkord-Picking noch etwas nölig, erklingt das Signal nach der EQ-Korrektur samtiger und luftiger.

Die JHS Pedals Colour Box V2 als Pedal vor dem Amp

Nun bin ich gespannt, wie sich die Colour Box V2 als Booster und Zerrpedal vor diversen Amps schlägt. Zunächst geht das Line-Signal aus dem Gerät in den DI-(Hi-Z) Eingang meines Universal Audio Apollo Interfaces. Auf dem Kanal liegt eine Ampeg SVT-Simulation. Wir hören wieder den Jazz Bass, diesmal allerdings rockiger mit dem Plektrum gespielt. Wie sich zeigt, kann das Pedal der Simulation bei Bedarf durchaus die gewisse Portion an Schmutz spendieren. Aber hört selbst.

Weiter gehts vor zwei unterschiedlichen Gitarrenamps, die den amerikanischen und den britischen Amp-Charakter bedienen. Dabei starten wir mit einer Telecaster, die ich durch das Pedal in einen PRS Sonzera 20 Amp spiele. Anschließend nehme ich meine SG zur Hand und schalte das Pedal vor einen Marshall Mini Silver Jubilee. Tatsächlich entpuppt sich die Colour Box V2 als variabler Booster und auch toll klingender Overdrive. Letzterer kommt zum Vorschein, sobald man das Pre-Vol Poti etwas offensiver mit ins Spiel nimmt. Im Zusammenspiel mit der gewählten Vorverstärkung, dem Gesamt-Output und nicht zuletzt mit dem EQ lassen sich verschiedene Schattierungen erzeugen. Dreht man das Pre-Poti außerdem voll auf, produziert das Pedal bei Bedarf auch völlig kaputt klingende Sounds. Steht die Eingangsempfindlichkeit auf "Hi", zieht die Colour Box V2 ein weiteres Ass aus dem Ärmel und tritt mit einem eher fuzzigen Charakter aufs Parkett. Hier kommen einige Einstellungen. Ihr hört im jeweils ersten Beispiel den Amp ohne Einfluss des Pedals. Für einen besseren Überblick zu den Einstellungen, möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal auf das Video verweisen.

Die JHS Pedals Colour Box V2 als Mikrofon-Preamp

Last, but not least, möchte ich auch noch die Eigenschaften der Colour Box V2 als Mikrofon-Preamp beleuchten. Dafür nutze ich ein Neumann TLM 103 Mikrofon, das den Klang einer Larson OM Steelstring Akustikgitarre abnimmt. Nun ist das Pedal zwar nicht in der Lage, Phantomspeisung zu liefern, kann aber in der neuen Version die Phantomspeisung eines externen Preamps zumindest weiterleiten. Das ist natürlich insofern kompromissbehaftet, als dass man einen Vorverstärker durch einen weiteren Vorverstärker schickt. Demzufolge ist das Rauschaufkommen bei hoher Aussteuerung ein wenig prominenter. Nimmt man aber keine Flüsterpassagen oder Instrumente in pianissimo auf, dürfte das dieser Umstand auf einer Aufnahme kein Problem darstellen. Bei den abschließenden Audiobeispielen kann auch noch einmal gut wahrgenommen werden, wie sich der allgemeine klangliche Einfluss des "Neve-Style" Pedals auswirkt. Dafür ist das Pedal auf der ersten Aufnahme noch deaktiviert. Verglichen mit dem sehr neutral klingenden Unison-Preamp des Apollo Interfaces ist der Sound des Pedals in der Tat eine Spur samtiger und gutmütiger. Und auch hier macht der EQ bella figura. Dazu gibts ein Beispiel mit ganz leichtem EQ-Einsatz. Abschließend habe ich das Signal noch etwas mehr mit dem EQ angepackt.

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