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Feature
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13.04.2017

Interview und Gear-Chat: JJ Johnson und Tyler Greenwell

Ein Gespräch mit den Drummern der Tedeschi Trucks Band

Vor mittlerweile sieben Jahren entschieden sich Derek Trucks und Susan Tedeschi, ihre jeweiligen Solokarrieren zurückzustellen und mit der Tedeschi Trucks Band gemeinsam auf die Bühne zu gehen. Die bereits seit vielen Jahren etablierte Blues-Sängerin heiratete 2010 den für sein herausragendes Slidegitarrenspiel bekannten Derek Trucks. Gemeinsam stellten sie eine insgesamt zwölfköpfige Band zusammen, die unter anderem eine Bläser-Section und drei Background-Sänger umfasst. Mit dieser Band touren sie nun Jahr für Jahr international und spielen auf unzähligen Festivals rund um den Globus. Besonders interessant ist die Rhythmusgruppe, bestehend aus den zwei Schlagzeugern JJ Johnson und Tyler Greenwell.

Während Tyler Greenwell schon Teil der „Susan Tedeschi Band“ war und auch mit Derek Trucks bei „Colonel Bruce Hampton & The Codetalkers“ spielte, stieß JJ Johnson, der sich unter anderem als Tourdrummer von John Mayer und Eric Clapton bereits einen Namen machte, neu zur Band. Mit dem stilistisch unglaublich versierten Bassisten Tim Lefebvre, der beispielsweise das letzte David Bowie Album „Blackstar“ einspielte, bilden sie seitdem eine mächtige Rhythmusgruppe. Das Debüt-Album „Revelator“ wurde 2011 mit einen Grammy Award für das beste Blues-Album ausgezeichnet, bevor der Band das zweite Studioalbum „Made Up Mind“ 2014 zwei Blues Music Awards bescherte. Seit kurzer Zeit ist das zweite Live-Album „Live From The Fox Oakland“ erhältlich und stellt eindrucksvoll den über Jahre gewachsenen Bandsound unter Beweis. Wir trafen die beiden Drummer vor ihrem Konzert im Berliner Tempodrom zum Gespräch.

Wie fing die Zusammenarbeit mit Derek und Susan an?

Tyler Greenwell: Ich habe schon ein paar Jahre mit Susan zusammengearbeitet. Ich glaube, dass die beiden klar vor Augen hatten, dass es eine große Band und eine Art „Wall of Sound“ werden sollte. Es sollten also entweder Drums und Percussion oder zwei Trommler werden. Irgendwie kamen die beiden darauf, dass JJ und ich gut zusammen passen würden, obwohl wir uns noch nicht kannten. Wir haben uns dann tatsächlich erst bei der ersten Probe kennengelernt.

Habt ihr anfangs genau besprochen, wie ihr die Idee des Double-Drummings umsetzt?

JJ Johnson: Nein. Es war alles ziemlich einfach, und wir haben uns direkt gut die Bälle zugespielt. Es gab nie Streitigkeiten, was bei Drummern ja oft passieren kann, weil man gewohnt, ist eine Band alleine anzutreiben. Tyler und ich sind aber musikalisch und auch vom Timing her auf einer Wellenlänge, so dass das Zusammenspiel sofort funktionierte. Wir hören sehr gut aufeinander, lassen dem anderen Platz und können so gemeinsam interessante Grooves kreieren.

Entscheidet ihr von Song zu Song, wer hauptsächlich den Groove spielt und wer die eher perkussivere Rolle übernimmt?

JJ Johnson: Das passiert eigentlich immer ziemlich natürlich. Beim Erspielen von neuen Songs entwickelt eigentlich einer von uns immer eine Idee, die am besten zum Song passt, und der andere bereichert sie mit seinen Sounds.

Tyler Greenwell: Wir diskutieren oder besprechen uns eigentlich nur, wenn sich Songs irgendwie nicht gut anfühlen. Meistens lassen wir die Sachen gemeinsam wachsen.

Live sieht man euch ab und zu auch dieselben Grooves spielen. Wie umgeht ihr Flams bei Snare- und vor allem Bassdrumpatterns? Das könnte ja auch für den Tonmann mit zwei so tieffrequenten Sounds schwierig werden.

JJ Johnson: Das kann natürlich zum Problem werden, und das ist es in der Vergangenheit auch immer mal. Allerdings umgeht man vieles auch, indem man den anderen genau anguckt. Daraus ergibt sich meistens ein homogener Spielfluss. Ich muss aber auch sagen, dass Flams, gerade bei Snares, auch einen interessanten, breiten Sound kreieren können, den wir durchaus auch gewollt so spielen. Mittlerweile kennen wir uns aber nach über sieben Jahren einfach sehr gut.

Tyler Greenwell: Ich mag es aber auch sehr, Sachen zu umspielen und auszuschmücken, wenn JJ einen klaren Groove vorgibt. Oft gibt es dann für mich auch keinen Grund, überhaupt eine Note auf der Bassdrum zu spielen.

JJ Johnson: Wir nehmen uns häufig selbst zurück, weil abgesehen von den zwei Drums ja auch noch zehn andere Musiker auf der Bühne stehen und es einen Song mit einem dynamischen Bogen gibt. In manchen Songs können wir richtig Gas geben und die gesamte Power von zwei Drumsets nutzen, in anderen Songs spielt einer von uns auch nur ganz wenig oder gar nicht.

Tyler Greenwell: Es geht beim Double-Drumming meines Erachtens nicht darum, was man spielt, sondern was man nicht spielt. Es bedarf wirklich einer anderen Einstellung zur Musik. Normalerweise bedient man als Drummer viele Sachen und erfüllt mehrere perkussive Aufgaben auf einmal. Beim Double-Drumming muss man sich zurücknehmen und als Rhythmusgruppe denken, bei der zwei Leute mit der gleichen Soundpalette spielen. Man kann aber durch die zwei Instrumente auch wesentlich facettenreicher und breiter agieren. Ich habe mich mittlerweile so daran gewöhnt, dass ich mich umstellen muss, wenn ich mal wieder einen Gig mit einem anderen Künstler spiele und alleine am Drumset sitze. (lacht)

JJ Johnson: In dieser Konstellation habe ich unglaublich viel über mein Spiel und das Drumming an sich gelernt. Man wird sich zwangsläufig viel stärker darüber bewusst, was man eigentlich wann und wie spielt.

Wie gestaltet sich das Zusammenspiel mit Tim Lefebvre, immerhin ist er ja als Bassist ja auch Teil der Rhythmusgruppe.

JJ Johnson: Das hängt wirklich sehr vom Bassisten ab. Mit Tim zusammen zu spielen ist wirklich großartig, weil er das Konzept von Anfang an verstanden hat und sich auch darüber bewusst ist, dass man mit zwei Bassdrums und einem Bass auf die Frequenzen acht geben muss. Gleichzeitig spielt er einfach wunderbar musikalisch.

Stimmt ihr eure Drums sehr unterschiedlich?

JJ Johnson: Es gibt keine drastischen klanglichen Unterschiede. Wir haben beide Drumsets relativ offen gestimmt und die Bassdrums auch nicht zu sehr gedämpft. Die Toms stimmen wir tonal jeweils unterschiedlich, und bei den Bassdrums entsteht naturgemäß durch den Größenunterschied von 20“ und 22“ ein anderer Sound. Die Snaredrums stimmen wir jedoch wirklich anders, und ich tausche diese auch im Konzert relativ häufig aus. Das hängt dann jeweils vom Song, dem Tempo und der Tonart ab. Ich kann aber auch einfach nicht den ganzen Abend denselben Snaresound hören, sondern versuche, für jeden Song den passenden Sound parat zu haben. Die Stimme und der Snaresound sind so präsent im Mix, dass man das beachten sollte. Also wähle ich zwischen fünf oder sechs Snares aus.

Tyler Greenwell: JJ hat mich eigentlich erst darauf gebracht. Früher hatte ich nur eine Snare dabei, aber habe dann gemerkt, was für eine Erweiterung der eigenen Soundpalette durch die Auswahl möglich ist. Ich tausche ab und zu Snares, werde aber auch selbst sehr davon beeinflusst, wenn JJ das tut. Der Unterschied zwischen einer offenen, hohen und einer tiefen, nassen Snare ist wirklich drastisch, und es beeinflusst unsere Spielweise und den Gesamtsound immens. Ich wechsle während des Konzerts zwischen einer super tief gestimmten Snare und meiner Hauptsnare, die ich mit verschiedenen Auflagen modifiziere, um so unterschiedliche Sounds zu erzeugen.

JJ Johnson: Er verfolgt dasselbe Konzept wie ich, ist aber einfach nur stinkfaul. (beide lachen)

Anders als auf der Bühne sind im Studio den verschiedenen Variationen des Drumsounds keine Grenzen gesetzt. Verändert ihr dort komplett eure Setups von Song zu Song?

JJ Johnson: Nicht wirklich. Meistens haben wir ein Grundsetup, das wir nur teilweise verändern. Aber ich habe große Lust, da noch mehr zu experimentieren und denke beispielsweise ernsthaft über den Einsatz von Concert Toms nach.

Tyler Greenwell: Ich habe ihm schon angedroht, dass ich mir dann Rototoms besorge und ein zwanzigminütiges Solo darauf spiele.

JJ Johnson: Dann möchte ich aber einen Gong haben, den sechs Leute tragen müssen.

Tyler Greenwell: Und Feuer. Wir brauchen Feuer!

Nehmt ihr im Studio auch im selben Raum auf?

Tyler Greenwell: Bis jetzt war das immer so. Entweder saßen wir wie auf der Bühne nebeneinander oder die Drumsets standen sich mit größerem Abstand gegenüber. Wir probieren da aber immer wieder verschiedene Sachen aus.

JJ Johnson: Wir sprechen viel mit dem Engineer und versuchen, die beste Position für den Song zu finden. Es gibt dabei für uns keine Regeln, aber zwei Drumsets zu mixen, ist nicht einfach. Die Studioaufnahmen machen großen Spaß, da wir anders als heutzutage üblich alle im selben Raum aufnehmen und nur die Sänger und Bläser in Kabinen sind.

Spielt ihr live mit Klick?

JJ Johnson: Ja, da laufen ja noch so unglaublich viele Spuren von den Backingtracks mit. (lacht) Nein, im Ernst: Wir haben jeweils ein Metronom auf der Bühne, damit wir die Songs im richtigen Tempo beginnen. Ich habe zu oft erlebt, dass man je nach Tagesform oder Adrenalinspiegel einen Song viel zu schnell oder zu langsam einzählt. Da wird es dann für den Gesang unglaublich schwierig, noch wie gewohnt zu phrasieren. Gerade wenn wir aus einem schnelleren Song kommen und den vielleicht richtig gestreckt haben, fällt es aus dem Stegreif manchmal schwer, das exakte Tempo einer Ballade zu treffen. Da hilft es, wenn man sich einen Einzähler vorgeben kann. Nach den ersten paar Takten stellen wir den Klick aber sofort wieder ab, damit der Song atmen kann. Wenn ein Song aber doch mal zu schnell oder zu langsam ist, versuche ich das langsam zu korrigieren und keine abrupte Änderung vorzunehmen.

Werdet ihr auch bewusst schneller, wenn ein Song Fahrt aufnimmt?

Tyler Greenwell: Ja sicher! Songs von den Stones oder Earth Wind & Fire werden teilweise um bestimmt fünfzehn BPM schneller. Das ist das Schöne an der Musik, und niemand hört doch ernsthaft eine Platte und kritisiert, dass der Song schneller wird, es sei denn, man analysiert das wirklich genau.

JJ Johnson: Das sogenannte „perfekte Timing“ kann auch echt statisch werden. Es hängt natürlich von der Musik ab, aber wenn mehrere Leute zusammen spielen, einen Vibe erzeugen und gemeinsam Musik machen, ist das die Time und nicht eine Zahl auf dem Metronom. Solange sie es zusammen machen, wird es immer gut klingen.

Vielen Dank für's Gespräch!

  • JJ Johnsons Equipment:
  • Drums: Sakae Trilogy
  • 20“ x 14“ Bassdrum
  • 13“ x 9“ Tom
  • 14“ x 14“ Floortom
  • 16“ x 16“ Floortom
  • unterschiedliche Snares
  • Becken:
  • 22" K Custom Special Dry Crash
  • 24" Avedis Ride
  • 16" Avedis Hi-Hat (Zwei Topteile)
  • Tyler Greenwells Equipment:
  • Drums: Sakae Trilogy
  • 22“ x 14“ Bassdrum
  • 13“ x 9“ Tom
  • 16“ x 16“ Tom
  • Snare: 14“ x 6,5“ Trilogy Snare
  • Becken:
  • 23" K Custom Special Dry Ride
  • 22" Kerope Ride
  • 17" A Custom Crashes als Hi-Hat
  • Sticks: Vic Firth
  • Felle: Remo
  • Percussion: LP Percussion

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