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23.05.2017

In-Ear-Monitoring: Tipps zum Umstieg auf In-Ear-System

Wireless, Splitter, Bluetooth, Mischpult und Mixing – was ist zu beachten?

Mit unseren Tipps steigt ihr richtig um

Es besteht kein Zweifel: Je besser der Monitorsound, desto amtlicher die Performance. Allerdings ist ein guter Monitorsound keine Selbstverständlichkeit, vor allem, wenn sich die Band nicht den Luxus eines eigenen Monitortechnikers leisten will. Zudem überfordert eine große Monitoranlage mit Endstufen, EQs und Floor-Monitoren die Transportkapazitäten vieler Bands. Als Alternative lockt der Umstieg auf In-Ear-Monitoring. Was man dabei beachten sollte und welche Vor- und Nachteile ein Umstieg mit sich bringt, klären wir in diesem Workshop.

Spricht man von In-Ear, denken die meisten an eine drahtlose Lösung. Dabei muss nicht zwangsläufig ein Funksystem zum Einsatz kommen. Gerade hinsichtlich der Kosten ist ein kabelgebundenes System oft eine dankbare Alternative. Bandmitglieder, die auf der Bühne fixe Positionen einnehmen (Drummer, Keyboarder, Backing-Vocals usw.), kommen in der Regel mit einem kabelgebundenen Beltpack oder einem Signal aus dem Kopfhörerverstärker klar. Zudem braucht man sich so nicht den Kopf über Funkfrequenz-Management und Antennenpositionen zu zerbrechen.

Seid ihr generell skeptisch, ob In-Ear überhaupt zu eurer Band passt, ist ein Testlauf im Proberaum mit normalen Kopfhörern (vorzugsweise geschlossener Bauart) und Kopfhörerverstärkern eine gute Möglichkeit, sich mit den Vor- und Nachteilen vertraut zu machen. Eine weitere Alternative zur In-Ear-Funkstrecke bietet sich denjenigen, die bereits einen digitalen Mischer besitzen. Einige Hersteller haben ihre Mixer für das sogenannte "Personal Monitor Mixing" (PMM) vorbereitet.

PMM erlaubt es, behelfs einer kleinen Mischeinheit einen individuellen Monitormix aus voreingestellten Signalen zu erstellen und diesen an einen Kopfhörer weiterzuleiten. Entsprechende Zusatzgeräte sind beispielsweise von Behringer, Roland oder Allen & Heath erhältlich.

More me!

Egal ob kabelgebunden oder drahtlos: Der Umstieg auf ein In-Ear-System bietet Vor- und Nachteile. Professionelle In-Ear-Kopfhörer besitzen eine gute Abschirmung gegenüber Außengeräuschen und bieten daher guten Schallschutz. So kann der Musiker auch leicht kontrollieren, wie laut das Monitorsignal auf seinem Ohr sein soll. Bei einer lauten Band auf kleiner Bühne mit klassischen Floorwedges sind die regulativen Möglichkeiten deutlich eingeschränkter. Darüber hinaus bleibt ein In-Ear-Mix stets gleich, egal wo man auf der Bühne gerade herumläuft.

Der Sound eines In-Ear-Mixes ist zudem transparenter und „näher“ als klassisches Monitoring. Einige Musiker benötigen daher eine Eingewöhnungsphase, um sich mit diesem Sound anfreunden zu können. Manchen gelingt dieser Übergang nie.

Das passiert vor allem altgedienten Musikern aus dem Rock- und Metall-Bereich. Den Haudegen fehlt einfach das physische Element, wenn der 2x12“/2“-Wedge bei jeder Bassdrum das Hosenbein flattern lässt. Zudem beklagen gerade Sänger, dass sie sich vom Publikum akustisch isoliert führen. Das ist nicht von der Hand zu weisen.

Abschwächen lässt sich diese Situation durch Ambient- bzw. Atmo-Mikrofone. Dazu später mehr. Neben den akustischen Besonderheiten gilt es außerdem, sich mit einigen systemimmanenten Hürden auseinanderzusetzen, die den Einsatz von In-Ear-Systemen erschweren.

Welches Setup brauche ich?

Der Einstieg scheint verlockend einfach: Man kauft ein In-Ear-System und steckt das XLR-Kabel, welches bis dato die Endstufe des Floor-Monitors mit Signal versorgt hat, in die Rückseite des Senders und hat sogleich den Mix auf den Ohren anstatt auf dem Wedge. Soweit die Theorie.

In der Praxis erlebt man indes erste Überraschungen. Gerade im Proberaum werden eher selten alle Signalquellen abgenommen. Wenn daher der Sänger neben seiner Stimme auch noch die komplette Band auf seinem In-Ear hören möchte, müssen tatsächlich alle relevanten Signale am Mischpult anliegen.

Außerdem: Von der Low-Budget-Lösung, nur einen Hörer zu verwenden, muss ich dringend abraten! Dieser muss, gerade in Proberäumen und auf kleinen Bühnen, so laut gefahren werden, dass Gehörschäden vorprogrammiert sind. Wenn In-Ear, dann bitte richtig und für beide Ohren!

Mit den reinen In-Ear-Strecken ist es außerdem selten getan. Die Infrastruktur rund um das System muss ebenfalls vorhanden sein. Bitte bedenkt: Jedes In-Ear-System belegt mindestens einen Aux-Weg am Mischpult. Die klassische Coverband mit fünf oder sechs Musikern braucht daher wenigstens sechs Aux-Wege, wenn alle In-Ear nutzen. Da kommen die meisten Proberaummischpulte oder Powermixer schnell an ihre Grenzen.

Das gleiche gilt für die tourende Band, die in Clubs, auf Stadtfesten oder Festivals auftritt. Man kann nicht davon ausgehen, dass die örtliche Technik hinreichend Aux-Wege für alle In-Ears bereitstellen kann. Nutzen die anderen Bands herkömmliche Floor-Monitore, herrscht schnell Aux-Knappheit. Ein oder zwei In-Ear-Strecken für die Sänger lassen sich in der Regel noch unterbringen. Will aber die ganze Band versorgt werden, ist der nächste Schritt unumgänglich.

Um sich unabhängig von örtlicher Technik zu machen, bringt man am besten alles selbst mit. Neben den In-Ear-Strecken habt ihr also ein passendes Mischpult im Gepäck sowie einen Splitter, um alle Signale sowohl ins eigene Pult als auch ans FOH-Pult schicken zu können. Im Idealfall gehören auch sämtliche Mikrofone in den Reisekoffer. Dieses Szenario ist zwar teuer, hat aber Charme: Ihr seid unabhängig von der örtlichen Technik, habt euren gewohnten Monitorsound auf den Ohren und Stage-Manager bzw. FOH-Betreuer freuen sich, weil ihr in kürzester Zeit spielbereit seid.

In-Ear für Selbstversorger

So ein System kann in jeder Situation eingesetzt werden: im Proberaum, in kleinen Clubs oder auf einer großen Open-Air-Bühne. Die Zahl der Bands und Künstler, die mit solchen Komplettlösungen anreisen, steigt stetig. Das erlebe ich auf Festivals und Clubs seit einigen Jahren.

Mit aktuellen digitalen Rackmixern wird diese Lösung zudem bezahlbar. Je nach Besetzung reicht oft ein Digitalmixer im Stagebox-Format, beispielsweise ein Soundcraft Ui16 oder ein Behringer X-Air XR18. Benötigt man 24 bis 32 Eingänge, greift man zu Digitalmixern wie dem Behringer X32 oder Presonus RM32. Diese bieten, wie viele Digitalmixer, den Vorteil, dass jeder Musiker mit einem Tablet oder Smartphone seinen Monitorweg selbst steuern kann, wenn man einen W-LAN Router andockt.

So kann der Musiker während des Gigs seinen In-Ear-Sound ohne großen Aufwand nachjustieren. Um die Eingangssignale sowohl in den eigenen Mixer als auch in das FOH-Pult zu routen, benötigt man einen Splitter. Auch hier gibt es für jeden Geldbeutel eine Lösung. Von einfachen Y-Kabeln über günstige, passive 19-Zoll-Splitter (z. B. the t.racks Eight, Thomann Artikel Nummer 221024) bis hin zu teuren Aktivsplittern – die Auswahl ist groß. Ein einfacher passiver Split reicht in der Regel völlig aus und kann mit etwas Geschick selbst gebaut werden.

Kleine Zusammenfassung

Wenn ihr beim Monitorsound die Zügel jederzeit in der Hand behalten möchtet, stehen folgende Dinge auf eurer Einkaufsliste: Digitalmischer, In-Ear-Strecken (Funk und/oder kabelgebunden) sowie ein vernünftig dimensionierter Splitter. Das alles passt problemlos in ein großes 19-Zoll-Rollrack, das sich am Bühnenrand parken lässt. Wollt ihr die Aufbauzeit abermals verkürzen, sind die Ausgänge fürs FOH-Pult bereits auf passenden Subcores gesteckt und beschriftet. Diese Inputs steckt die Bühnencrew auf ihre Stagebox, während die Band ihre Signale mit dem Splitter verbindet. Der Einsatz eigener Mikrofone hat den Vorteil, dass der gewohnte Sound ohne große Kurbelei an EQs und Gain-Potis in kurzer Zeit steht. Die Investition in eigene Mikrofone ist also keine schlechte Idee. Um schnell einen guten Monitorsound auffahren zu können, solltet ihr außerdem eine passende Mixszene bereits im Pult haben.

Mix Rules

Dass professionelle Ohrhörer inklusive Abdruck durch einen Hörgeräteakustiker (Otoplastik) ihr Geld durchaus wert sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Neben Top-Sound und sicherem Sitz des Hörers ist auch die Isolierung der Umgebungsgeräusche deutlich besser.

Die gute Schallisolierung schont zwar das Gehör und ist dem Sound des eigenen Mixes zuträglich, bringt aber einen Nachteil mit sich. Dichtet der Hörer sehr stark ab, muss man als Band über Mikrofone miteinander kommunizieren oder die Hörer ständig rein- und rausfummeln. Zusätzliche Ambient-Mikrofonen erleichtern zwar die Kommunikation und fangen auch das Publikum ein. Allerdings sorgen sie oft auch dafür, dass der eigentliche Monitormix verwaschen klingt. Hier hilft nur experimentieren. Ein guter Mittelweg ist es, die Atmo-Mikrofone mit Ducker, Expander oder Gate zu zähmen, sodass die Mikrofone nur bei leisen Songstellen oder nach einem Song geöffnet sind.

Was ist die erste Amtshandlung, bevor man die Ohrhörer einsetzt? Richtig! Wir überprüfen, ob ein Limiter aktiviert ist. Fast alle höherwertigen In-Ear-Systeme besitzen so einen Begrenzer, der bei Mixunfällen, Defekten oder unabsichtlichem Ausstöpseln eines Instruments Pegelspitzen abfängt und so einem Gehörschaden vorbeugt. Andernfalls sollte man zumindest im Mischpult im Aux-Master einen Limiter aktivieren. Sicher ist sicher.

Ist der Pegelbegrenzer aktiv, steckt ihr beide (!) Ohrhörer ein und erstellt euren Monitormix. Die meisten In-Ear-Funkstrecken bieten drei Modi: mono, stereo und Mix. Falls euer Monitormischpult genügend Aux-Wege besitzt, nutzt ihr die Stereo-Variante oder den Mixmode. Damit lassen sich deutlich aufgeräumtere Mixe erstellen. Der Mixmode ist im Grunde ein Dual-Mono-Betrieb. Auf einem Weg liegt der Mix der Band an und auf dem anderen das eigene Signal. Am Taschenempfänger kann man dann das Verhältnis zwischen Bandmix und eigenem Signal anpassen.

Amtlich was auf die Ohren

Gebt zunächst nur die Signale in den Mix, die ihr unbedingt braucht. "So einfach und leise wie möglich!" lautet die Devise. Starten wir mit der Bassdrum, drehen wir sie gerade so laut, dass sie vernünftig zu hören ist. Das reicht erstmal, denn es kommen ja noch Signale dazu. Liegen alle notwenigen Signale im Mix, kann man diesen mit gezieltem Equalizing entschlacken. Dabei könnt ihr gerne viel High- und Low-Cut verwenden.

Vorsichtig mit Kompression

Gerade Sänger kämpfen nicht gerne gegen eine Wand von Gain-Reduction. Das eigene Instrument oder die Stimme sollte daher nach Möglichkeit nur wenig in der Dynamik begrenzt werden. Aufmüpfige Signale der Bandkollegen können dagegen ruhig komprimiert werden. So liegt das eigene Signal über dem Mix und ist stets gut hörbar. Stehen Mix und Grundsound, hilft eine Priese Hall, alle Signale gut mit einander zu verbinden, so dass alles wie aus einem Guss klingt.

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