Software
Test
10
01.05.2013

Praxis

Installation

Zur Installation der Software lege ich den Silberling in das DVD-Laufwerk meines Rechners und klicke auf die entsprechende Datei. Bei meinem Computer handelt es sich um einen iMac mit einem 2,4 GHz Intel Core 2 Duo Prozessor und 4 GB RAM. Das verwendete Betriebssystem ist OS X, Version 10.6.8. Nachdem sich das Installations-Fenster geöffnet hat, muss ich wie gewohnt erst einmal den Lizenzbedingungen zustimmen. Danach wähle ich das Zielvolume und den Installationstyp aus. Ich gehe auf Nummer sicher und wähle die empfohlene Standardvariante. Und schon beginnt der Installationsvorgang der zum Testzeitpunkt aktuellen Version 2.0. Bereits nach wenigen Minuten ist der Vorgang abgeschlossen und ich starte den Rechner neu.

Raum/ Mess-Vorgang

Vor der Beschreibung des Messvorgangs erst noch ein paar Informationen zum Testraum: Dieser hat eine Deckenhöhe von 2 Metern, ist 2,9 m breit und 3,3 m tief. Die glatten verputzten Wände, die ebenso beschaffene Decke, ein Glasfenster sowie der Laminat-Boden machen den Raum akustisch problematisch und somit zur idealen „Teststrecke“ für das ARC 2-Paket.

Da zum Betrieb der Mess-Software keine Autorisation erforderlich ist, lege ich gleich los. Ich suche im Programm-Ordner die entsprechende Datei und öffne die Software durch Doppelklick. Es erscheint ein Fenster, in dem leicht verständlich die fünf zur korrekten Messung erforderlichen Schritte nacheinander erklärt werden. Hier erübrigt sich ein Blick ins Manual. In Schritt 1 muss man das entsprechende Mikrofon selektieren. Zur Auswahl stehen das aktuelle Modell des ARC 2-Paketes sowie das alte Mikrofon der Vorgänger-Software ARC 1. Wer die alte Hardware bereits besitzt, erhält zum Preis von 125 €  die Option, ein Software-Upgrade zu erwerben. Im zweiten Schritt wird der User aufgefordert, das verwendete Audiointerface sowie dessen In- und Outputs auszuwählen. Verwendet habe ich das Motu 828 MKII USB 2.0 Interface. Um die Messung durchführen zu können, benötigt das Messmikrofon eine Phantomspeisung von 48 Volt. Also verbinde ich das Mikrofon über ein XLR-Kabel mit der Motu-Soundkarte und aktiviere den 48 Volt-Schalter. Befestigen soll man das Mikro laut Bedienungsanleitung an einem Galgen-Stativ, damit der Ständer selbst die Messung nicht beeinflusst. Das Mikrofon wird bei der Messung vertikal ausgerichtet, wobei die Kapsel in Richtung Decke zeigt. Nach der vertikalen Entfernung der Ohren zum Boden richtet sich die Höhenposition der Mikrofonkapsel. In meinem Fall habe ich eine Höhe von 1,19 Meter ermittelt. In Schritt 3 des Messvorgangs aktiviert man den sich immer wiederholenden Testton (Frequenz-Sweep). Nun soll man die Abhörlautstärke auf das gewohnte Niveau einstellen. Anschließend justiert man den Mikrofon-Input am Audiointerface derart, dass der in der Software angezeigte Eingangspegel im „OK“-Bereich liegt. Hat man diese Arbeitsschritte abgehakt, kann man mit Schritt 4 fortfahren. Nun beginnt die eigentliche Messung. Abhängig davon, ob man nun einen Sweet Spot für eine oder mehrere Personen einmisst, werden 7-16 verschiedene Punkte im Raum eingemessen. Da es mir nur um meinen Arbeitsplatz geht, wähle ich die Option mit 14 Messpunkten. Ausgehend von einer zentralen Position im Messfeld, kommen in symmetrischer Anordnung weitere Messpunkte in immer größerer werdender Entfernung zur Mittelposition hinzu. Um ein möglichst genaues Messergebnis zu erzielen, markiere ich die entsprechenden Punkte auf dem Boden. Im Manual des ARC 2 sind die verschiedenen Messpositionen genau abgebildet. In Schritt 4 der Messung kann nun ein Messpunkt nach dem anderen angewählt werden. Also bewege ich das Mikrofon immer wieder zu einer neuen Position und wähle in der Software die entsprechende Nummer. Bei jeder Messung erklingt der bereits erwähnte Frequenz-Sweep viermal hintereinander, abwechselnd aus jedem der beiden Stereo-Kanäle. Der eigentliche Messvorgang ist somit kinderleicht durchführbar.

Nachdem ich meine 14 Messungen abgehakt habe, klicke ich „Next“ und komme zum finalen Schritt 5. Hier bekomme ich die Möglichkeit mein Messergebnis in ein Preset mit eigenem Namen zu speichern. Darüber hinaus kann man ein entsprechendes Symbol, passend zu dem gemessenen Boxen-Modell aussuchen. Im Angebot sind Grafiken nahezu aller gängiger Studiomonitore. Nachdem ich die Messung für meine aktiven Behringer Truth B2031A Lautsprecher abgeschlossen habe, wiederhole ich den Vorgang mit meinen passiven Tannoy Reveal. Erwähnt werden muss, dass ich die Behringer-Speaker zusammen mit dem Subwoofer B2092A (ebenfalls von Behringer) betreibe.

Das Plugin im Einsatz

Da die beiden Messungen nun abgeschlossen sind, geht es weiter zum wichtigsten Teil, nämlich dem Einsatz der erzeugten Presets im ARC-Plugin. Ich erstelle also in Logic 8 ein neues Projekt und importiere nun Wav-Files von mir klanglich sehr vertrauten und professionell produzierten Songs. Im Insert-Menü des Master-Channels finde ich unter IK Multimedia dann auch gleich das Plugin. Ich öffne es und klicke laut Manual auf den Button mit dem Schlosssymbol. Nun erscheint das Fenster des Authorization Managers, mit dessen Hilfe ich mich zunächst durch die Eingabe meiner Daten bei IK Multimedia registriere. Nach der Bestätigung per Mail kann ich nun im nächsten Schritt die Software durch Eingabe der Seriennummer autorisieren. 

Im Play-Menü lade ich die erstellten Presets nacheinander in das Plugin. Hierfür gibt es das Untermenü „Measurement“, welches im linken Teil des Fensters platziert wurde. Drei verschiedenfarbige Kurven visualisieren die frequenzmäßige Anpassung des Sounds. Diese sind der gemessene Frequenzgang (Before/ Farbe Orange), die finale Korrektur des Klangbildes (Target/ Farbe Grün) sowie die daraus resultierende Kurve (After/ Farbe Grau). Zuerst lade ich die Voreinstellung für meine Behringer-Monitore.  

Und siehe (bzw. höre da) der Klang gewinnt umgehend an Direktheit und Details im Mix sind besser wahrnehmbar als zuvor. Getestet habe ich das mit dem Funk-Klassiker „One Nation under a Groove“ der Gruppe „Funkadelic“, aus dem Jahre 1978. Dieser Song zeichnet sich besonders durch seinen komplexen „Multi-Layer-Groove“ aus. Simultan wurden hier u.a. verschiedenste Rhythm-Guitar-Spuren, diverse Percussion-Tracks, Synth-Licks, sowie eine Bassgitarre und Handclaps, eingesetzt. Während das gesamte Klangbild vor der Aktivierung des Plugins, ziemlich breiartig daher kam, sind nun dank der ARC-Software, die einzelnen Instrumente wesentlich klarer und separat wahrnehmbar. Auch die Tiefenstaffelung des Mixes, besonders hinsichtlich der Background-Vocals, ist dank des Plugins, besser erkennbar. Kurzum: Der Sound wirkt insgesamt aufgeräumter als zuvor.

Doch ist auch ein anderer Effekt hörbar, denn das Plugin sorgt für eine deutliche Überbetonung der oberen Mitten und des gesamten Höhenbereiches.  

Als Referenz-Kopfhörer zum klanglichen Vergleich habe ich den Sennheiser HD-25 verwendet. Die hier erwähnte Problematik ist IK Multimedia wohl bekannt, und daher empfiehlt der Hersteller den Einsatz der Target Curve zur finalen Klanganpassung. Mit dem Preset „HF Rolloff 1 MidComp“ komme ich recht schnell zu einem akzeptablen Ergebnis. Insgesamt stehen vier Presets zur Auswahl:  

1. Flat

2. HF Rolloff 1

3. Flat MidComp

4. HF Rolloff 1 MidComp

Kommen wir nun (meiner Ansicht nach) zum Knackpunkt der Software. Natürlich möchte ich das gewählte Preset nun „feintunen“ und den Sound somit meinen Hörgewohnheiten anpassen. Doch leider lassen sich diese Presets weder ändern, noch kann man sie in die vier frei konfigurierbaren Custom-Presets kopieren. Die EQs haben zwar sechs frei wählbare Frequenzen (zwei davon High- und Low-Shelf-Filter) mit einem Boost/Cut von +/- 12 dB, doch handelt es sich hierbei um semiparametrische Filter, deren Güte fix ist. Für eine wirklich genaue klangliche Anpassung des Mastersignals arbeiten mir diese EQs dann doch ein wenig zu grob. Schade!

Weiter geht’s mit dem Preset für meine passiven Tannoy-Monitore.  

Hier ist die klangliche Verbesserung noch einmal wesentlich deutlicher als bei den Behringer-Lautsprechern auszumachen. Während sich die Tannoys vorher im Raum sehr verloren und sie wenig klangliche Details erkennen ließen, ist der Sound nach der Bearbeitung sehr präsent und detailreich. Klangbeispiel ist für mich u.a. der Rock-Song „Johnny the Fox“, von „Thin Lizzy“, aus dem Jahre 1976. In diesem Lied wurden die dominanten Lead- und Rhythm-Gitarren, mit offensichtlich relativ schwach komprimierten und teilweise gesprochenen Lead-Vocals kombiniert. Vor dem Einschalten der Software gingen die leiseren Passagen der Vocals im Soundteppich unter. Aktiviere ich aber das erstellt Tonnoy-Preset, so wirken die Lead-Vocals wesentlich direkter und sind so besser verständlich.  

Aber auch in diesem Fall muss das finale Klangbild korrigiert werden. Der gesamte Höhenbereich ist auch hier stark überbetont. Doch erste Abhilfe schafft das Target-Curve-Preset „HF Rolloff 1“.  

Bei beiden Monitorboxen sorgt die Korrektur von ARC 2 für einen sehr aufgeräumt wirkenden Bassbereich. Dies bedeutet u.a., dass die oberen Bassfrequenzen nun nicht mehr von einem verschwommenen Subbass verdeckt werden. Besonders deutlich zu hören, war das bei dem Disco-Funk-Song „The Glow of Love“ der Band „Change“. Dieses Lied hat einen ähnlich komplexen Groove wie das bereits erwähnte Stück der Band „Funkadelic“. Ohne den Einsatz des Plugins, wurden die Obertöne des ansonsten sehr markanten Funk-Basslaufs von den übrigen Instrumenten ziemlich verdeckt. Die Software sorgt dafür, dass der gesamte Bassbereich viel „aufgeräumter“ wirkt. Die Bassmelodie ist so dank der deutlicher wahrnehmbaren Obertöne nun viel besser zu erkennen. Auch die übrigen Soundquellen (Synths, Kickdrum, etc.), welche ebenfalls tiefere Frequenzen innehaben, sind nun klarer und separat wahrnehmbar.    

Außerdem ist eine deutliche Vergrößerung des Sweet Spots wahrnehmbar. Und das sorgt bei der Arbeit für mehr Bewegungsfreiheit.  

Im Traget-Curve-Menü finden sich außerdem diverse „Virtual Monitoring“ Presets, die verschiedenste alternative Abhörsituationen emulieren. So soll dem User z.B. der Gang zum Auto erspart werden, um dort den erstellten Mix anzuhören. Mein Test der verschiedenen Presets lieferte allerdings sehr gemischte Ergebnisse. Während das Preset „Laptop Speakers“ durchaus realistisch klang, waren Klangkurven, wie „Car Speakers“ oder „TV Set“ meiner Meinung nach eher unzufriedenstellend.

Die folgenden Klangbeispiele dienen lediglich dazu, zu demonstrieren, welchen klanglichen Einfluss das ARC-Plugin auf ein Musiksignal haben kann. Eine Soundoptimierung ist natürlich nur im jeweiligen Testraum wahrnehmbar. Zur hören sind das unbearbeitete Original sowie die Presets der beiden Monitor-Modelle. Einmal ohne finale Target Curve (Flat) und jeweils einmal mit den erwähnten Presets - außerdem die Virtual-Monitoring-Presets „Car Speakers“, „TV Set“ und „Laptop Speaker“.

Anmerkung

Sowohl die Mess-Software wie auch das Plugin haben ein klar gegliedertes Layout und sind dadurch entsprechend leicht und intuitiv zu bedienen. Auch der virtuelle Monitor-Controller erweist sich dank der MIDI-Fähigkeit der virtuellen Controller als sehr praktisch. Doch leider sind meiner Meinung nach die wichtigsten Parameter nicht über einen MIDI-Controller steuerbar. Diese sind der „Correction On/Off“-Button sowie das Wechseln der Presets.

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