Gitarre Hersteller_Guild_Guitars
Test
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08.10.2016

Praxis

Für die Soundbeispiele verwende ich ein Neumann KM 184 als Kleinmembraner und ein Audio Technica AT4060a als Großmembran/Röhrenmikrofon. Beide Mikros sind im ca. 25 cm Abstand auf den 12. Bund gerichtet und werden über einen Great River MP500 NV und einen Sound Sculpture MP573 Mike Preamp verstärkt.

Beim ersten Antesten der F-1512E fällt sofort die sehr bequeme Bespielbarkeit auf. Wer jemals Zwölfsaiter gespielt hat, kann sich lebhaft vorstellen, in welchen Kampf ein schlecht eingestelltes Modell ausarten kann. All das ist hier nicht zu befürchten, denn sowohl hinsichtlich der Saitenlage (die Gitarre ist mit einem beschichteten Satz 010 - 047 Phosphor Bronze Light bestückt) als auch der Verarbeitung gibt es keinerlei Beanstandungen: Alle Bünde sind perfekt abgerichtet und die Bundreinheit ist tadellos.

Werfen wir nun ein Ohr auf einige Strumming-Passagen. Ihr hört alle Beispiele mit zwei verschiedenen Mikrofonen abgenommen und zusätzlich das Piezosystem, auf das später näher eingegangen wird:

Die Guild besitzt ein schönes, voluminöses Klangbild, und alle Saiten wirken quer über das Griffbrett sehr ausgewogen. Der Bassbereich klingt voll und knackig, aber auch sehr klar und aufgeräumt. Der breite Strummingsound, den man von einer zwölfsaitigen Gitarre erwartet und warum man auch oft zu dieser Bauform greift, ist sofort voll da und die Saitentrennung ist klar und deutlich.

Nun ein Strumming in höheren Lagen. Auch dort zeigt sich ein sehr ausbalancierter Klangeindruck. Alle Frequenzbereiche sind sehr präsent und die Höhen haben den klassischen "chime" und die Offenheit einer guten Twelvestring, was natürlich nicht zuletzt auch der Fichtendecke geschuldet ist, die als Weichholz die genannten Klangeigenschaften begünstigt.

Häufig liest man das Vorurteil, dass Gitarren aus Fernost gerne "zu Tode lackiert" und dem Holz dadurch natürliche Schwingungseigenschaften genommen werden -nichts davon ist bei dem vorliegenden Modell zu befürchten. Die Bespielbarkeit in den hohen Lagen bestätigen den Anfangseindruck der Gitarre: Barré-Akkorde jenseits des 5. Bundes bereiten überhaupt keine Probleme und sind ohne Scheppern und Schnarren zu bewerkstelligen.

Der Begriff Jangle leitet sich aus dem typischen Sound einer gepickten zwölfsaitigen Gitarre ab, wie sie häufig in den 60er Jahren von Bands wie den Beatles und den Byrds und gerne auch als zwölfsaitigen E-Gitarre eingesetzt wurde. Die F-1512E bringt schön diesen silbrigen Flair zum Vorschein, den man sich von solchen Passagen erhofft.

Hier ein Beispiel für Flatpicking auf der F-1512E:

Wie man zum Sound von Piezopickups steht, wird wohl immer Geschmackssache bleiben, aber dass man bei einer Gitarre für etwas mehr als 1000 Euro kein hochwertiges Mikrofonsystem erwarten kann, versteht sich von selbst. Insofern kam in der F-1512E ein relativ preiswertes System der Firma Fishman zum Einsatz. Der Sonicore-Pickup samt Sonitone-System macht seinen Job gut, auch wenn die typischen "zirpigen" Eigenschaften des Piezosystems hörbar sind. Durch das Platzieren der Preampeinheit innerhalb des Schalllochs kann man sehr gut alle Regler bedienen, und da keine Fräsarbeiten an den Zargen anfallen, könnte man das PU-System bei Bedarf natürlich auch ohne großen Aufwand durch ein höherwertigeres ersetzen, ohne starke Modifikationen an der Gitarre vornehmen zu müssen.

Hier zwei Beispiele mit dem eingebauten Piezo-System:

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