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Workshop
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03.07.2018

Gitarre spielen mit dem Wah-Pedal

Tipps und Tricks zum Umgang mit dem Wah-Wah Pedal

Wah-Effekt richtig einsetzen

Seit dem Aufkommen des Vintage-Booms Mitte der 90er Jahre ist das Wah-Wah präsenter denn je, wobei es bereits Ende der 60er seine größten Triumphe feiern konnte. Dieses Pedal gehörte damals neben dem Verzerrer zur Grundausstattung der meisten Gitarristen und wurde dazu benutzt, den Sound in mannigfaltiger Art und Weise zu verändern. Neben Bläsersounds mit Plunger-Dämpfer diente die menschliche Stimme den beliebten Geräten als Vorbild, denn spricht man Wah-Wah im englischen Wortlaut, dann klingt es genau wie der erzielte Effekt, nämlich: "Uuaahh Uuaahh".

Die Entstehungsgeschichte

Maßgeblich an der Entwicklung der ersten kommerziellen Wah-Wah-Schaltung war im November 1966 neben Bradley J. Plunkett auch ein gewisser Del Casher beteiligt. Casher war in den 1960er Jahren als Gitarrist und Berater der Thomas Organ Company tätig, die sich die Rechte für den Vertrieb von Vox für die USA gesichert hatte. Das Wah-Wah entstand eher zufällig, denn ursprünglich ging es überhaupt nicht um ein Effektpedal. Aus Kostengründen sollte der teure Mid-Range-Boost-Switch im Super Beatle-Amp vereinfacht und durch eine billigere, stufenlose Filterschaltung ersetzt werden. Als Casher an dem Projekt arbeitete und den neuen Klangregler am Verstärker betätigte, verliebte er sich in diesen speziellen Sound, der ihn an einen Trompeter mit Plunger-Dämpfer erinnerte. Casher sorgte letztlich dafür, dass die Schaltung für Gitarre modifiziert und in ein Vox-Pedalgehäuse für Orgel-Schweller eingebaut wurde. So konnte er den Effekt während des Spielens mit dem Fuß regeln. Wegen der klanglichen Verwandtschaft zum Plunger-Dämpfer hatte Joe Benaron, der Vorsitzende von Thomas Organ, anfangs nicht Gitarristen, sondern Bläser als Zielgruppe im Auge. Aus diesem Grund wurde das Pedal nach Clyde McCoy benannt, einem in den 1930er Jahren angesagten Swing- und Dixieland-Trompeter. Die Rechte an seinem Namen hat er sich damals mit 500 Dollar bezahlen lassen, aber mit einem Wah-Wah hat er bis zu seinem Tod im Jahr 1990 nie experimentiert

Um Gitarristen das neuartige Pedal näherzubringen, überredete Casher seinen Chef, eine Demo-Schallplatte zu produzieren, die im Februar 1967 in vielen amerikanischen Gitarrenläden verteilt wurde. Der Sound des Pedals war jedoch für die damalige Zeit einfach noch zu abgehoben und die Geräte entwickelten sich zu wahren Ladenhütern. Ganz im Gegenteil wurde der Sound anfangs sogar rigoros abgelehnt. Als Casher den Wah-Effekt bei einer Studiosession für James Brown einsetzen wollte, winkte der King of Soul ab: "Why the fuck would anyone want a guitar to do that?" Das war kein Einzelfall, und als Studiogitarrist durfte Casher das Pedal schließlich bei keiner Session einsetzen. Einer der wenigen Gitarristen, die Casher damals vom Wah-Wah überzeugen konnte, war sein Freund Frank Zappa, der für neue Sounds immer schon ein offenes Ohr hatte. Zappa benutzte den Effekt von da an immer öfter auf der Bühne, und als Jimi Hendrix ihn bei einem Konzert in New York mit dem Wah-Wah spielen hörte, besorgte er sich sofort eines der futuristischen Pedale. Bei den Aufnahmen zu "Burning of the midnight lamp" aus dem Jahr 1967 setzte er den Effekt dann erstmals im Studio ein. Als eine der ersten wichtigsten Kompositionen, die damals für ein Wah-Wah geschrieben wurden, gilt jedoch eindeutig "Voodoo Child" aus dem Jahr 1968. Im Gegensatz zu Zappa, der das Pedal eher als Tone Shaper einsetzte, brachte Hendrix eine rhythmische Komponente ins Spiel, die den Groove der Musik zusätzlich unterstützte.

The Jimi Hendrix Experience Burning of the midnight lamp, Single 1967

 

Jimi Hendrix 'Voodoo Child' (Slight Return)

 

Nachdem Hendrix und Clapton den Wah-Effekt salonfähig gemacht hatten, wurde das Pedal schnell zu einem festen Equipment-Bestandteil vieler Gitarristen. In den ersten Jahren wurde der Effekt auf Gedeih und Verderb verwendet und kam auch bei eher biederen Produktionen zum Einsatz. "Pictures of Matchstick Man" von Status Quo aus dem Jahr 1967 war ein internationaler Hit, bei dem das Wah-Wah den entsprechenden Sound der Gitarre lieferte. Ein Jahr später folgte unter anderem "Black Veils of Melancholy", bei dem es für die Orgel benutzt wurde. Heute stellen Gitarristen immer noch die zahlenmäßig stärkste vom Wah-Wah-Virus befallene Gruppe. Seit Ende der 60er Jahre wird das charakteristische Quaken aber nicht nur von ihnen erzeugt, sondern erfreut sich auch allergrößter Beliebtheit unter Keyboardern, vor allem in Verbindung mit E-Pianos wie dem Fender Rhodes oder dem Wurlitzer. Aber auch Bläser wie die Brecker Brothers und Miles Davis oder der Geiger Jean-Luc-Ponty experimentierten besonders in den siebziger Jahren sehr erfolgreich mit dem Wah-Wah.

Status Quo - Pictures of Matchstick Men (Studio-Stereo 1968)

 

Funktionsprinzipien

Der einzige Effekt, der so heißt, wie er klingt, funktioniert technisch im Grunde sehr einfach. Beim Wah-Wah handelt es sich um einen stimmbaren Filter – ähnlich einem parametrischen Equalizer – dessen Einsatzfrequenz verändert wird. Mit dem Fußpedal wird der Bandpassfilter innerhalb eines festgelegten Bereichs nach Bedarf verschoben. Diese Eigenschaft machen sich viele Gitarristen zu Nutze, indem sie ihr Wah-Wah in einer bestimmten Position stehen lassen, um einen cremig-nasalen Klang zu erhalten. Neben Michael Schenker ist auch Mark Knopfler ein Paradebeispiele für diese Anwendung. Wer kennt nicht das berühmte Intro von "Money For Nothing". Hier hat Mr. Knopfler sein Wah Pedal auf etwa halber Höhe einfach stehengelassen um diesen "ÖÖÖ"-Sound zu erzielen. Der Bandpassfilter beim Wah-Wah lässt nur ein Frequenzband passieren. Frequenzen unter und oberhalb der Einsatzfrequenz werden herausgefiltert. Dabei sind die Bandbreite und der Frequenzgang bei den klassischen Geräten fest eingestellt, während viele der neuen Modelle mehr Eingriffsmöglichkeiten bieten.

Dire Straits - Money For Nothing

 

Neben dem eingebauten Booster erlauben einige Pedale dem Benutzer, den Einsatz des Pedalweges per Stufenschaltern zu manipulieren und den Frequenzgang mit Trimmpotis an seine persönliche Spielweise anzupassen. Der elektronische Aufbau moderner Pedale unterscheidet sich also teilweise sehr stark von den klassischen Geräten. Während die Silver Machine mit einem Präzisionsfilter arbeitet, findet man bei Morley-Pedalen Lichtsensoren. Der Vorteil dieser Konstruktion sind eine lange Lebensdauer und kratzfreie Soundergebnisse. Eventuelle klangliche Unterschiede lassen wie jetzt einmal außen vor.

Bei den klassischen Pedalen kommt ein staubgekapseltes Potentiometer zum Einsatz, das mit einer Zahnstange, die unter der Wippe angebracht ist, angetrieben wird. Hier liegt auch die Schwachstelle der Geräte: Wessen Wah-Wah öfter mal im feuchten Proberaum liegen bleibt, weiß, wovon ich spreche. Gevatter Rost nistet sich besonders gerne dort ein, wo man ihn nicht braucht, unter anderem in Potentiometern. Dann hilft in der Regel auch kein Kontaktspray mehr, weil die Schicht im Inneren des Potis von der Feuchtigkeit aufgeraut wird und beim Bewegen ein unbrauchbares Grollen an den Gitarrenamp weiterleitet. Kauf und Einbau eines neuen und nicht gerade billigen Ersatz-Potis sind die Folge. Bei den Bleigießern unter den Lötkolbenlinkshändern kommen dann noch die Reparaturkosten hinzu.

Praxis und Sound

Alle Wah Wah Modelle und alle Sound- und Einsatzmöglichkeiten des klassischen Effektes zu demonstrieren würde den Rahmen dieses Workshops bei weitem sprengen. Darum habe ich stellvertretend für klassische Pedale mein Cry Baby Wah und stellvertretend für moderne Modelle, die sich besser für hohe Verzerrungen eignen, meine Silver Machine aus dem Effektschrank rausgeholt und einen kurzen Song aufgenommen. Bis auf den Bass und die Schlagzeugtracks wurden alle Gitarrenspuren mit einem der beiden Wah Pedale eingespielt. Hier zuerst einmal der kleine Song.

Der Song ist zugegebenermaßen ganz schön vollgepackt, aber ich wollte ja möglichst viele Wah-Wah-Sounds und Klischees in dieser 50-Sekunden-Bagatelle verbraten. Also splitten wir die einzelnen Sounds noch einmal auf. Das Intro ist gedoppelt und wurde mit dem Cry Baby eingespielt. Im weitesten Sinne hat man es hier mit dem zu tun, was viele als Shaft Gitarren bezeichnen. Diese perkussive Art und Weise, den Wah-Wah-Effekt einzusetzen, war ab 1971 ein wichtiges Stilmittel beim sogenannten Philadelphia-Sound. Der Effekt entsteht dann, wenn man die Saiten mit der linken Hand mutet und mit der rechten Hand im 16tel Rhythmus über die Saiten schrabbelt. Erst in Kombination mit dem rhythmischen Betätigen der Wippe erhält man dann diesen typischen Sound. Ein sehr gutes Beispiel für diese Technik ist die Titelmusik aus der 70er-Jahre-Serie von "Die Straßen von San Francisco".

Kommen wir zum ersten Thema, bei dem die Silver Machine zum Einsatz kommt. Die verwendete Gitarre ist meine Stratocaster mit dem Halstonabnehmer. Als Amp kommt mein leicht gesättigter Marshall zum Einsatz. Eine dezente Anzerrung sorgt bei diesen 70er Jahre Sounds, die in Richtung Funk und Soul tendieren, für eine gewisse Rotzigkeit, ohne die es einfach zu brav und uninspiriert klingt.

Beim Übergang des Hauptthemas in den zweiten Teil läuft der Amp auf Hochtouren. Trotzdem ist von Metall nichts zu spüren. Der Grund ist die starke Fokussierung durch den Filter, wodurch der Sound insgesamt auch nicht so breitbandig klingt wie ohne Wah-Wah-Effekt. Bei einem klassischen Pedal wie dem Cry Baby ist dieser Effekt übrigens nicht so gut zu hören wie bei modernen Pedalen, weil sein weicher Sound mit zunehmender Verzerrung untergeht. Das hat aber auch seinen ganz besonderen Reiz, denn nicht jeder möchte eine starke Fokussierung.

Bei der kurzen Tappingsequenz habe ich die Wippe langsam geöffnet, wobei der kräftige Filter der Silver Machine fast schon so wie ein langsam eingestellter Phaser klingt.

Wenn man das Wah-Pedal in einer Position stehen lässt, kann man den Verzerrungsgrad und die Zerrstruktur des Amps gezielt manipulieren. Man muss allerdings mit Finger- bzw. Zehenpitzengefühl an die Sache herangehen, um den Sweetspot zu finden. Gitarristen wie der bereits erwähnte Michael Schenker haben diesen Effekt oft eingesetzt, um ihrem Solosound mehr Durchsetzungskraft zu geben. Treble Booster bringen zwar einen ähnlichen Effekt, allerdings erzeugen die verwendeten Germaniumtransistoren einen völlig anderen Ton. Dazu kommt die Tatsache, dass Wah-Wah-Pedale nicht nur mit Singlecoils, sondern auch mit Humbuckern problemloser klarkommen.

Hier noch einige Einwürfe und Chords, die mit dem Wah-Effekt tatsächlich etwas vom Charme eines Bläsersatzes erhalten. Ohne den Effekt würde dem Ganzen der nötige Pep fehlen. Um den Effekt zu verstärken, darf man die Wippe aber nicht einfach nur rhythmisch betätigen, sondern öffnet den Sound erst nach dem Anschlagen der Saiten. Diese Sounds habe ich übrigens wieder mit dem Cry Baby aufgenommen.

Fazit

Das Wah-Wah gehört seit Ende der 60er Jahre nicht umsonst zu einem der angesagtesten Brot und Butter-Effekte für Gitarristen. Es hat schließlich dazu beigetragen, die Ausdrucksmöglichkeiten der Gitarre massiv zu erweitern und dem Instrument so etwas wie eine Stimme zu geben. Ohne diesen charakteristischen Effekt würden "Voodoo Child", "Shaft", oder "Money for Nothing", wahrscheinlich nur halb so gut klingen. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren kann man heute unter vielen spezialisierten Geräten wählen. Für welches Modell man sich letztlich entscheidet, bestimmt der persönliche Geschmack und der Kontostand. Dabei muss es nicht immer das teuerste Gerät sein, denn es kommt auch auf die Stilistik an. Metallfacharbeiter brauchen in der Regel Pedale, die stärker fokussieren und einen höheren Q-Faktor haben, damit der Effekt bei hohen Verzerrungen überhaupt hörbar ist. Genau diese Eigenschaft braucht man beim Einsatz in einer Soul- oder Funkband nicht, denn bei cleanen und leicht angezerrten Ampeinstellungen haben weichere Sounds eindeutig die Nase vorn.

Wer gerade auf der Suche nach einem Pedal ist, sollte sich deshalb zur Unterstützung einmal unsere stetig wachsende Testreihe anschauen. Allerdings kommt man in letzter Instanz nicht um ein Anspielen herum, denn bei einem Wah-Wah-Pedal kommt es auch auf das individuelle Spielgefühl an, sprich, die die Reaktion des Potis, den Regelweg und die Länge der Wippe.

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