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25.08.2020

Gemini DJ SDJ-4000 Test

DJ-Workstation und Controller

Der Postbote klingelt und übergibt mir ein Paket mit Gemini DJs all-in-one DJ-Workstation SDJ-4000 für den Bonedo.de-Test – zwick mich mal. Bereits zur NAMM 2017 stellte Gemini die DJ-Workstation erstmalig dem Messepublikum vor, einen Dual-Deck USB-Mediaplayer im professionellen Look, ausgestattet mit einem Vollfarbdisplay zur Track und Waveform-Anzeige, einem Standalone-Mixer, Performance-Pads und integrierten Effekten. Das war einige Zeit bevor es erste Ankündigungen für einen Denon DJ Prime 4 oder Prime 2 gab, dem designierten Klassenprimus dieser Produktsparte.

Geminis Konsole erinnert mich hingegen eher an Pioneers XDJ-RX-Workstations. Als Basis für das Track-Management kommt Geminis hauseigene vCase-Software zum Einsatz. Der Preis für das Gerät liegt bei vergleichsweise erschwinglichen 999 Euro. Fast 3,5 Jahre nach Ankündigung ist es nun soweit und das Gerät darf redaktionell genauer begutachtet werden. Kalter Kaffee oder heißes Eisen? Hier erfahrt ihr es …

Details

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Nun ist sie also da, die SDJ-4000 Workstation von Gemini DJ und ich bin ehrlich gesagt ziemlich gespannt, was sich getan hat und ob das, was seinerzeit angekündigt wurde, nun erfolgreich in die Tat umgesetzt wurde. 

Konzept

Das Konzept basiert auf einer DJ-Workstation mit Vierkanal-Mixer und zwei USB-Playern, ausgerüstet mit Farbbildschirm sowie Netzwerk- und MIDI-Funktionalität. Ein Computer ist nicht zwingend nötig, denn die Mischkonsole kann eure Musikstücke „auch so“ abspielen, jedoch habt ihr dann nur rudimentäre kreative Funktionen zur Verfügung. Also nix mit Slicing, Beatgrids, Cuejuggling und Co. Folglich lädt man sich besser die Analyse-Software vCase herunter und lässt den Rechenknecht im Vorfeld die Musiksammlung für den SDJ-4000 vorbereiten.

Erster Eindruck

Im ersten Trockenlauf vermag der Gemini SDJ-4000 bereits positive Akzente zu setzen. Das Gerät ist gut verarbeitet und steht rutschfest auf seinen groß dimensionierten Füßen in Metalloptik, das Design der Konsole weiß durchaus zu gefallen. Die DJ-Zentrale wirkt seitens der verfügbaren Anschlüsse, des Mischpults und der kreativen Bordmittel gut ausgerüstet, die Fader schleifen nicht, die Potis fassen sich gut an und lassen sich geschmeidig drehen und das Jogwheel sollte zum Scratchen und Beatmatchen gleichermaßen taugen. Der Arbeitsraum auf dem Boliden ist angemessen.

Anschlussmöglichkeiten

Die visuelle Erkundungstour führt mich zum Frontpanel, wo sich zwei Kopfhöreranschlüsse in 6,3 mm und 3,5 mm einfinden. Am Backpanel ergeben sich folgende Anschlussmöglichkeiten:

  • 4 x Cinch-L/R inkl. 2x Phono/Line-Switch für Kanal 3 und 4
  • Mike-In-Klinke
  • Mike-In-Combobuchse
  • Ethernet-Link
  • USB-MIDI
  • Master-Out-XLR
  • Master-Out-Cinch
  • Booth-Out-Cinch
  • Strom (inkl. Power-Schalter)

Mixer und Decks

Hier trifft man auf viele liebgewonnenen Features. Angefangen beim Mischer mit langen Kanal- und Master-Pegelmetern, Gain und Dreiband-EQ nebst „Filter-Knobs“, über den auswechselbaren Crossfader mit Kurvenanpassung bis hin zu großen Jogwheels in den Decks, langen Pitchfader und integrierten Effekten.

Klar, dass es auch Autosync mit Master-Deck, Keylock und diverse BPM-Modi (auslesen, berechnen, einklopfen) gibt, damit die Tracks im Gleichschritt galoppieren können. Ebenso gehören Performance-Pads zum guten Ton und diese bringen gängige Modi mit (Hotcue, Loop, Slicer, Roll, Sampler, Sample-Bank, Loop-Slicer, Key-Play).

Und über allem thront die Kopfzeile mit dem 7-Zoll-Display und Direktzugriffstasten, den Navigationselementen, daneben eine Master-FX-Sektion und gegenüber die beiden USB-Einschübe sowie zwei separate Mikrofonwege mit separater Klangregelung für Moderatoren und Sangeskundige. 

Alles drin, alles dran, wie es auf den ersten Blick scheint und ich vermisse erst mal nicht viel im Vergleich zum zuvor genannten „Paten“ und leite daher kurzerhand nach vCase und anschließend  in den Praxisteil über.

vCase

Zunächst lade ich das Programm für Mac herunter und benutze es auf dem MacBook Pro. Wie auch Engine Prime und rekordbox analysiert die Software eure Musikdateien auf BPM, Peaks und Track-Infos, sodass ihr SDJ-4000 kompatible USB-Medien mit dem Computer erstellen und diese auf der DJ-Workstation einsetzen könnt. Das Programm gibt’s kostenlos auf der Gemini-Website. Ihr habt die Möglichkeit, einzelne Tracks, komplette Ordner, Playlisten der Formate m3u, m3u8 und playlist einzulesen. Außerdem können Kollektionen aus anderen Programmen (json, nml, xml) importiert werden und es ist eine Import-Funktion für Engine-Librarys vorhanden. Eure Tracks könnt ihr dann in Playlisten und Smart-Playlists organisieren, Ordner lassen sich direkt als Playlisten importieren, Tracks mit Mehrfachselektion einer Playliste hinzufügen und für „Missing Tracks“ gibt es eine Option der Neuverknüpfung.

Dennoch hätte Gemini meiner Meinung nach noch an der Software feilen können, denn in den punkten GUI, Workflow und Features kann sie nicht mit den beiden Platzhirschen Engine und rekordbox mithalten. Ich hatte bereits zur Ankündigung des SDJ-4000 in 2017 (!) bemerkt, dass es hier in meinen Augen noch reichlich Luft nach oben gibt. Dieser Eindruck hat sich bei mir nicht wirklich geändert, was mich zum Windows i7-Rechner führt: Hier beginnt es schon beim ständigen Aufheulen der Lüfter meines Rechners, obschon es keine Multicore-Analyse gibt, sondern Track für Track vorwärts geht (und der Rechner kann schon deutlich größere Kaliber stemmen, das nur am Rande).

USB-Devices, deren Laufwerksbuchstaben in Windows wechseln, werden in der Library mit Missing-Tracks ausgewiesen. Der Zugriff auf bereits erstellte „vCase“ Datenbanken auf einem Stick ist nicht möglich und das Navigieren in den Wellenformen mittelprächtig. Die Export-, Relocate- und Sortierfunktionen sowie das Tag-System sind grundsätzlich ebenfalls verbesserungsfähig.

Es lässt sich festhalten: Wer nicht viel mit seinen Datenträgern „rumhantiert“, sondern einfach die Sachen vom Laptop auf den Stick schieben will und gut ist: Das funktioniert grundsätzlich und dann können die Tracks mit Beatgrid, Quantisierung und Tags am SDJ verwendet werden. Und schlägt sich das System in der Praxis?

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