Test
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21.07.2016

Futuresonus Parva Test

Polyphoner Analogsynthesizer

Der Futuresonus Parva begann als ambitioniertes Kickstarter-Projekt. Inzwischen wird der per Crowdfunding gestartete, achtstimmig polyphone, analoge Synthesizer von Entwickler Brad Ferguson in Austin (Texas) in Serie gefertigt und ausgeliefert. Die durchaus beeindruckende Featureliste des Parva und der zugleich recht günstige Preis haben uns natürlich neugierig gemacht. Im Futuresonus Parva Test erfahrt ihr, ob der Desktop-Synth hält, was er verspricht.

Solche Geschichten hört man natürlich gern: Ein Tüftler hat die Idee, einen potenten, polyphonen Analogsynthesizer zu einem günstigen Preis zu entwickeln und findet per Crowdfunding überwältigende Unterstützung für das Projekt. In unserem Interview mit Futuresonus-Gründer Brad Ferguson erfahrt ihr, wie das Projekt begann und welche Ideen in die Entwicklung des Synths einflossen. Nun ist der Parva regulär erhältlich und wer ihn auf der Webseite von Futuresonus bestellt, kann den in Handarbeit produzierten Synthesizer schon bald auf dem Studiotisch stehen haben. Ob sich das lohnt, klären wir in diesem Test.

Details

Konzept

Der Futuresonus Parva ist ein subtraktiver, achtstimmig polyphoner Desktop-Synthesizer mit einem vollständig analogen Audio-Signalweg. Angesichts des eher sparsamen Bedienfelds könnte man versucht sein ihn zu unterschätzen. Unter der Haube arbeitet jedoch eine Klangerzeugung mit sehenswerten Eckdaten: Jede der acht Stimmen verfügt über drei Oszillatoren (DCOs), zwei in Reihe geschaltete Filter, je vier Envelopes und LFOs und eine umfangreiche Modulationsmatrix. Die Steuerung dieser Parameterflut erfolgt digital, wodurch sämtliche Parameter über MIDI ansprechbar sind und auf Wunsch mit einem externen Controller gesteuert werden können. Das Bedienfeld des Parva ist hingegen eher sparsam bestückt (im Interview erklärt Brad Ferguson die Beweggründe dafür).

Ziel war es von Anfang an, einen polyphonen Analogsynth zu einem bemerkenswert günstigen Preis anbieten zu können. Das ist gelungen: Rund 1000 US-Dollar kostet der Spaß. Damit hat Futuresonus etwas verwirklicht, was die "großen" Hersteller im Zuge der rollenden Analogwelle bisher nicht liefern konnten oder wollten: Viele Stimmen für vergleichsweise kleines Geld. 

Gehäuse

Der Futuresonus Parva ist ein Desktop-Synthesizer. Das schlichte, quaderförmige Metallgehäuse macht einen exzellenten Eindruck. Bei einem meiner Besuche in seiner kleinen Manufaktur brachte Brad seine Verärgerung über einen Gehäusezulieferer zum Ausdruck – offenbar enthielt die erste Charge des Gehäuses so viele mangelhafte Exemplare, dass er sich nach einem anderen Lieferanten umsehen musste. Wie dem auch sei: An meinem Testgerät gibt es überhaupt nichts auszusetzen, was die äußerliche Verarbeitung betrifft. Das Gehäuse ist stabil, wirkt hochwertig, kippelt nicht und ist hübsch anzusehen. Die Potis und Encoder machen ebenfalls einen sehr guten Eindruck und haben für meinen Geschmack genau den richtigen Drehwiderstand. Die Anschlussbuchsen auf der Rückseite sind fest mit dem Gehäuse verschraubt. Ich persönlich hätte mich vielleicht über ein etwas zum Benutzer hin angewinkeltes Gehäuse gefreut, damit man das Bedienfeld und die Displays noch besser im Blick hat. Schaut man sich die Geometrie der Hauptplatine und der acht Voice-Boards an, so wird jedoch klar, dass der Parva so kompakt gebaut ist, wie es eben geht.  

Anschlüsse

Auf der Rückseite ist der Parva gut bestückt: Hier finden wir nicht nur einen Stereo Main Out (2x Klinke), sondern auch acht Einzelausgänge für die acht Stimmen. Sehr schön! . Ein Kopfhöreranschluss steht ebenfalls bereit. Weiter geht's mit einer klassischen MIDI-Schnittstelle (In, Out) und zwei USB-Buchsen. Über die mit “USB” betitelte Buchse lässt sich der Parva mit einem Computer verbinden; die Buchse empfängt und sendet USB-MIDI und dient in Verbindung mit der dazugehörigen Software "Parva Util" zum Sichern von Sounddaten auf dem Rechner und zum Aufspielen von Firmware Updates. Interessant und bei einem Synthesizer bislang nur selten anzutreffen ist die “Host”-Buchse. Hierüber kann der Parva selbst als USB-Host arbeiten, sodass man USB-Controller und -Keyboards direkt an den Synthesizer anschließen und mit Strom versorgen kann (class compliance vorausgesetzt). Sehr praktisch! Zu guter Letzt findet man hinten noch den Anschluss für das mitgelieferte 5V-Netzteil und den Netzschalter.

Bedienfeld

Das klar strukturierte Bedienfeld des Parva ist in fünf Reihen angeordnet. Die oberen vier Reihen befassen sich mit den vier Hauptkomponenten der Klangerzeugung: Oszillatoren, Envelopes, LFOs und Filter. Links befindet sich jeweils ein silberner Encoder mit Rasterung und Druckfunktion, mit dem man einerseits das zu bearbeitende Element auswählt (also z.B. Oszillator 1 oder Envelope 3) und andererseits durch die Menüs in den daneben liegenden Displays navigiert. Die OLED-Anzeigen sind zwar klein, lösen aber hoch auf und können daher doch recht viele Informationen gleichzeitig darstellen. Im rechten Bereich findet man Potis, über die man die wichtigsten Parameter im direkten Zugriff hat. In der oberen Reihe (Oszillatoren) sind hier Knöpfe für Range, Feintuning, Schwingungsform und Level zu finden, ganz rechts findet man noch den Regler für die Gesamtlautstärke. Bei den Envelopes warten die vier Potis Attack, Decay, Sustain und Release auf ihren Einsatz und bei den LFOs kann man Rate, Depth und Schwingungsform direkt regeln. In Reihe vier (Filter) findet man schließlich zwei Regler für Cutoff und Resonance. Die fünfte Reihe besteht aus zwei weiteren Encodern (A und B), die unter anderem für die Programmwahl, globale Einstellungen, die Modulationsmatrix und den Multimode zuständig sind.

Der Parva setzt also nicht auf das momentan so populäre Prinzip “ein Regler pro Funktion” – das wäre bei der großen Zahl von Parametern auch kaum umsetzbar gewesen, schon gar nicht bei einem kompakten Desktop-Synth. Stattdessen finden wir hier eine Kombination: Direkter Zugriff auf die wichtigsten Parameter, den Rest muss eine Menüsteuerung richten. Wie gut das in der Praxis funktioniert, werden wir uns natürlich gleich noch ansehen.

Multimode

Der Parva ist nicht nur achtstimmig polyphon, sondern auch achtfach multitimbral und kann im Multimode bis zu acht Patches auf verschiedenen MIDI-Kanälen spielen. Diese Funktion war in den ersten Firmware-Versionen wegen anfänglicher Probleme mit der Stabilität noch abgeschaltet. Seit der neuesten Firmware 0.50 ist der Multimode aber aktiv und scheint bei unserem Testexemplar problemlos zu laufen. Für jeden der acht Slots kann ein Patch ausgewählt und eine Stimmenzahl reserviert werden. Außerdem lassen sich Tastaturbereiche einstellen, sodass man auf Wunsch direkt im Parva Split- und Layerzonen programmieren kann.  

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