Hersteller_Electro-Harmonix Gitarre
Test
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20.12.2012

Praxis

Der Wah-Effekt wird rein elektronisch erzeugt, weshalb es auch tatsächlich keine Nebengeräusche gibt. Alles läuft sehr sauber ab, auch das berühmte Potikratzen, das besonders bei Cleansounds extrem nervt, existiert nicht. Man hört höchstens ein leichtes Rauschen, das die angehobenen Höhen mitbringen, aber das ist normal und bei jedem Wah-Effekt vorhanden. Für einen Einblick in den Klang des Crying Tones habe ich einen Akkord gespielt und das Pedal im mittleren Tempo mehrmals über die komplette Bandbreite bewegt. Und so klingt es dann:

Der Effekt klingt sehr gut und läuft sehr gleichmäßig über den kompletten Pedalweg, wobei auch der typische „Wah-Faktor“ vorhanden ist. Manchmal gibt es bei DSP-gesteuerten Wah-Effekten (z.B. in Multieffektgeräten) leichte Ungleichmäßigkeiten in der Effektübertragung, weil der Prozessor schnelle Parameterveränderungen nicht „in time“ verarbeiten kann, aber das ist hier nicht der Fall. Das einzige Problem ist ein rein mechanisches, nämlich die Bewegung des Pedals an sich. Trotz des gummierten Untergrundes bleibt es nicht aus, dass es manchmal beim Spielen nicht hundertprozentig am Platz bleibt und der Effekt durch das dann ungleichmäßige Treten etwas holprig rüberkommt. Das Pedal zeigt sich sehr sensibel und gleichzeitig sehr präzise und beantwortet jede kleine Bewegung mit einer Klangveränderung. Bei einem analogen Modell bleibt etwas mehr Spiel und das lässt einen Gitarristen mit zittrigen Beinen nach vier Minuten „Theme From Shaft“ nicht wackelig klingen. Eine solche Performance könnte hier unter Umständen etwas schwierig werden, vor allem, wenn man noch nicht wirklich mit dem Gerät vertraut ist. Bei schnellen Wah-Bewegungen ist das nicht so dramatisch und eigentlich hörbar nur bei solchen „Wah-Fades“ wie im nächsten Beispiel. Dort ist das Wackeln im vierten Durchgang beim Anfangsakkord zu hören, weil mir das Pedal etwas verrutscht.

Aber das Crying Tone bietet nicht nur Standard Wah-Sounds, sondern zusätzlich einige nette Nebeneffekte. In der fixierten Position (Pedal durchgetreten) erhält man einen effektiven Höhenboost, mit dem man einem etwas muffig klingenden Amp eine Frischzellenkur verabreichen kann. Hier ein Beispiel mit einem Vox AC30, zuerst ohne Wah, dann mit.

Möchte man einen bestimmten Sound festhalten, lässt man bei einem Standard-Wah einfach die Trittfläche in der gewünschten Position stehen. Ganz beliebt sind dabei muffige Sounds mit weit zurückgenommenem Pedal. Mit dem Crying Tone Wah wird diese Vorgehensweise etwas schwierig, weil es ja immer in die Ausgangsposition zurückfällt, und das ist die Stellung, bei der die Höhen gepusht werden. Natürlich könnte man den Fuß darauf legen und versuchen, es in einer klanglich tieferen Einstellung zu halten, um zum Beispiel den Money For Nothing Sound zu erreichen. Aber auch für diesen Fall bietet unser Kandidat eine Lösung: Man kalibriert das Pedal neu, indem man das Gerät leicht nach vorne neigt und zwei Mal in der gleichen Position den Calibration-Taster drückt. Dann gibt das Crying Tone Wah in der Standard-Position den begehrten muffigen Sound aus, der mit einem verzerrten Amp so klingt:

Auch ein sogenannter Square Wah Effekt lässt sich mit einem Kalibrations-Trick einstellen. Dazu gibt es auf der Hersteller-Website einige Videoclips, bei denen das Ganze sehr leicht verständlich erklärt wird. Bei diesem Wah-Sound ist der Regelweg verkürzt und der Effekt springt sehr schnell von muffig auf höhenbetont um. Ein Sound, den man mit einem Standard-Wah nur schwer erzeugen kann.

Zum Abschluss noch einmal ein Sound mit höherer Marshall-Verzerrung, der in allen Zerrbereichen sehr gut klingt und zeigt, dass sich das Pedal bestens mit Amp und/oder Verzerrern verträgt.

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