Gitarre Hersteller_Earth_Quaker_Devices
Test
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08.10.2018

Praxis

Sound

Das Arbeiten mit dem Pedal gestaltet sich einfach und sehr übersichtlich. Man wählt mit dem Mode-Drehstufenschalter eines der acht Presets und dreht an den beiden Reglern, bis der Sound passt. Und was einem da an kosmischen Klängen entgegenkommt, ist teilweise sehr abgehoben und besonders für Sounddesigner und Klangtüftler äußerst interessant. Bevor ich die einzelnen Sounds vorstelle, komme ich zu dem für meinen Geschmack einzigen, aber dicken Minuspunkt des Pedals: Wie bereits erwähnt, lässt sich das Originalsignal nur bei einem Preset beimischen. Bei den anderen Modes geht das nicht, weil auch bei einem traditionellen Vibratoeffekt immer das komplette Signal bearbeitet wird. Das Ganze wäre auch kein Problem, wenn der Sound nicht mit einer Verzögerung von etwa 52 Millisekunden aus dem Gerät kommt. Man spielt hier also mit einer spürbaren Latenz, die mich irritiert. Um diese Verzögerung zu messen, habe ich das Gitarrensignal vor dem Pedal gesplittet. Dann habe ich das Direktsignal und das Signal des Pedals gleichzeitig auf zwei getrennte Spuren in Logic Audio aufgenommen. Die genaue Zeitdifferenz kann man hier nicht nur sehen, sondern auch ablesen.

Das Geräusch ist übrigens ein kurzes Anreißen der D-Saite. Im ersten Soundbeispiel hört ihr das Signal bei ausgeschaltetem Pedal und es klingt mono, weil beide Signale identisch sind und gleichzeitig in der Soundkarte ankommen. Mit eingeschaltetem Pedal hört man den zeitlichen Versatz nicht nur mit dem Kopfhörer. Auf der linken Seite liegt das Direktsignal und auf der rechten Seite das des Testpedals.

Im Folgenden stelle ich euch alle Modes des Pedals vor und beginne mit dem sogenannten Sine bzw. Sinus-Modus. Im Vergleich zu den restlichen Modes ist dieser Sound weich und eher gemäßigt. Er ähnelt im weitesten Sinne dem Vibratosound von Vintage-Amps. Bei allen Audiobeispielen hört ihr auch hier zuerst ein kleines Lick ohne Pedal. Danach gibt es mehrere Einstellungen, die euch einen Eindruck davon vermitteln, was man mit den einzelnen Modes alles anstellen kann.

Der Triangle-Modus bietet einen etwas eckigeren Sound, weil der Zyklus von Dreieckswellen einen steileren An- und Abstieg absolviert als die weiche Sinuswelle. Wenn man den Depth-Regler nicht zu weit aufdreht, erhält man auch hier sehr gute Vibratoeffekte. Bei hohen Einstellungen gibts dann wieder einen Eiersound, der aber auch seinen Reiz hat.

Der Ramp-Modus ähnelt dem Triangle-Sound. Allerdings geht die Abwärtsbewegung schneller vonstatten als die Aufwärtsbewegung. Dadurch wirkt der Effekt bei extremen Einstellungen noch abgefahrener und teilweise leicht synthesizerartig.

Der Square-Mode arbeitet mit Rechteckwellen, die, wie schon der Name vermuten lässt, sehr eckig klingen. Der Grund sind die abrupten Tonsprünge - was bei einer Sinuswelle allmählich vonstattengeht, passiert hier ruckartig. Je nach Einstellung klingt das Ganze wie ein Triller oder Hammer-Ons bzw. Pull-Offs.

Der Random-Mode erzeugt zufällige Tonhöhenschwankungen, die teilweise an ein altes Tonbandgerät erinnern, bei dem Andruckrolle und Welle kaputt sind. Schade, dass man hier nicht die Möglichkeit hat, das trockene Signal beizumischen, denn dann bekäme man erstklassige Doubling-Effekte hin.

Env D ist einer der drei Modes, die mit einem Envelope-Filter arbeiten. Während der eigentliche Effekt auf einer Sinuswelle basiert, lässt sich mit der Anschlagsstärke die Intensität der Modulation steuern. Das Ergebnis ist ein sehr lebendiger und dynamischer Vibratosound.

Der zweite Modus, der mithilfe eines Envelope-Filters arbeitet, hört auf den Namen Env R. Der Eingangspegel bzw. die Anschlagsstärke kontrolliert hier die Geschwindigkeit der Modulation. Der Rate-Regler steuert die Eingangsempfindlichkeit, während sich mit Depth die Intensität beeinflussen lässt.

Mein absolutes Lieblings-Preset ist der Env P-Modus. Mit der Stärke des Eingangssignals lässt sich hier die Frequenzmodulation beeinflussen. Je fester man in die Saiten haut, umso tiefer klingt der Ton. Das Ganze hat Ähnlichkeit mit einem heruntergedrückten Tremoloarm, den man nach dem Anschlagen der Saiten allmählich wieder loslässt. Hier lässt sich mit dem Depth-Regler das Originalsignal stufenlos beimischen. Das Ergebnis ist ein wirklich einzigartiger Chorussound. Aber hört selber.

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