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Workshop
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10.02.2013

Kickstart Digital-DJing - Auflegen mit Ableton Teil 2

Ein Workshop für Einsteiger

Teil 2: MIDI-Controller, Mapping, Effekte und Tipps

Im ersten Teil dieses Workshops konntest du bereits einen ersten Eindruck gewinnen, wie Ableton Live als DJ-Tool funktioniert und wie es sich für DJ-Zwecke nutzen lässt. Das Augenmerk lag vor allem auf den Basisfunktionen. Du weißt nun, wie du deine Tracks warpst und hast auch schon einige gängige Effekte kennengelernt, um deine Übergänge spannender zu machen. Gleichzeitig hast du auch bemerkt, dass das Arbeiten mit einer Maus nicht gerade expressiv ist und du schnell an Grenzen stößt, wenn du mehrere Aktionen parallel handhaben möchtest. Heute wollen wir uns damit beschäftigen, wie du aus deinem DJ-Set eine Live-Performance machst.

Hierzu ist vor allem wichtig, dass du nicht mehr auf deinen Computerbildschirm starren musst und krampfhaft versuchst, mit der Maus die Kontrolle zu behalten. Das ist nicht nur nervig für dich selbst, sondern gegebenenfalls auch langweilig für dein Publikum. Es könnte nämlich schnell der Eindruck entstehen, dass du dich gar nicht für deine Crowd auf dem Dancefloor interessierst, sondern nur mit dir und deinem Computer beschäftigt bist. Für Außenstehende ist es schließlich überhaupt nicht nachvollziehbar, was du da eigentlich gerade machst. Und ganz ehrlich, es sieht auch nicht besonders gut aus - im Gegenteil! Um dich aus diesem Dilemma heraus zu bewegen, hilft nur eins: Du brauchst einen MIDI-Controller!

Workshop

MIDI-Controller und Konfiguration: Ein MIDI-Controller empfiehlt sich nicht nur für das taktile Erlebnis beim Auflegen, sondern ebenfalls, um die Bedienung zu erleichtern und zu beschleunigen. Dein Set wird somit fließender und auch wesentlich expressiver. Die Auswahl der für dich passenden Hardware hängt natürlich ganz von deinen individuellen Bedürfnissen ab. Wenn du schon mit Vinyl aufgelegt hast und daran Freude hattest, wirst du vermutlich eine Lösung bevorzugen, die dir eine ähnliche Handhabung ermöglicht. Gleiches gilt für DJs, die an das Auflegen mit CDs gewöhnt sind. Die Auswahl des passenden MIDI-Controllers ist eine ganz persönliche Entscheidung. Das Angebot auf dem Markt ist groß und deckt eine weitreichende Palette ab. Von “Wearable-Tech-Lösungen” oder tragbaren Kontrolleinheiten in Form von Handschuhen, wie die “Musical Gloves” der britischen Künstlerin Imogen Heap, über „simplere“ Standard-Controller, die aus Buttons, Drehreglern und/oder Fadern bestehen, bis hin zu aufwendigen Mix-Stationen mit Scratchpads, die sich vom Aufbau her an analogen DJ-Mixern orientieren. Die nächste Generation der Digital-DJs wird vermutlich eher mit Touchscreen-Controllern wie TouchAble oder auch dem vielversprechenden Push an den Start gehen und auflegen. Ich selbst habe nie mit Schallplatten gemixt, sondern von Anfang an mit einem Rechner aufgelegt und bin mit meinem Korg Nano Kontrol bestens ausgerüstet. Der ist mit seinen Fadern, Panoramareglern und Tastern einfach und komfortabel in der Handhabung, funktioniert ziemlich präzise und ist zudem auch noch erschwinglich.

Generell gilt: Schaltknöpfe sind super zum Starten und Stoppen von Tracks oder um zwischen den Decks oder Tracks zu wechseln. Drehregler oder Fader leisten gute Dienste beim Ansteuern von Effekten. Bevor dein MIDI-Controller jedoch zum Einsatz kommt, musst du ihn auf jeden Fall konfigurieren. Bei einigen Geräten ist es zunächst erforderlich, einen mitgelieferten Treiber zu installieren. Daher überprüfst du am besten erstmal deine Hardware-Instruktionen. Im nächsten Schritt verbindest du deinen MIDI-Controller mit deinem Computer, was in den meisten Fällen über ein USB-Kabel passiert. Je nachdem, wie dein Controller funktioniert, erhält er jetzt seinen Strom bereits über die USB-Verbindung, wie mein Korg. Bei aufwändigeren Kommandozentralen ist häufig eine externe Stromversorgung erforderlich. Das bedeutet jedoch nichts weiter, als dass du das Gerät an eine Stromquelle anschließen und dann anschalten musst.

Jetzt öffnest du Ableton Live und dann geht es per Shortcut in das Menü “Voreinstellungen” beziehungsweise “Preferences” (“Strg + Komma” unter Windows, “cmd + Komma” beim Mac). Dort klickst du auf den MIDI/Sync-Tab. Bei den MIDI-Ports müsste nun dein Controller erscheinen. Falls der Button „Track“ in der Spalte Input nicht schon aktiviert ist, schaltest du ihn jetzt an. Dann kannst du das Menü wieder schließen. Zum Überprüfen, ob dein MIDI-Controller nun aktiv ist und du damit tatsächlich in Ableton spielen kannst, bewegst du einen der Schalter oder Fader und schaust dabei auf den Bildschirm. Ganz oben rechts in der Ecke blinkt jetzt bei jeder Regler-Bewegung ein kleines gelbes Quadrat. Dein Controller ist startklar! Jetzt kommt das Mapping.

Ableton MIDI-Mapping

Bevor du nun endlich loslegst, musst du dir noch überlegen, welche der Funktionen oder Effekte in Ableton du gern mit dem Controller bedienen würdest. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung und hängt ganz von deinen Bedürfnissen und deinem Geschmack ab. Festgelegte Regeln gibt es für deine Belegung nicht. Was das Mapping in Ableton anbelangt, bietet dir die Software viele Konfigurationsmöglichkeiten. Es kommt also einzig und allein auf deine Intention an. Es empfiehlt sich, den Controller so zu mappen, dass du damit von Player 1 zu Player 2 wechseln und die dort spielenden Clips bei Bedarf an- und ausschalten kannst. Wichtig ist zudem, die Lautstärke jedes einzelnen Players und den Crossfader zu kontrollieren. Auf jeden Fall solltest du auch einen Equalizer wie den „EQ Three“ konfigurieren, um Frequenzen rein oder rauszudrehen - inklusive Killswitches und Panorama.

Je nach Controller gibt es zwei Mapping-Verfahren: manuell oder per Instant-Mapping. Um herauszufinden, wie das bei deinem Modell funktioniert, gehe nochmal in das MIDI/Sync-Menü und klicke auf das Drop-Down-Menü in der ersten Reihe der Spalte “Control Surface” (Bedienoberfläche). Wenn dein Controller Instant-Mapping unterstützt, dann erscheint er hier und du kannst ihn mit einem Klick einfach auswählen. Danach musst du nur noch die MIDI-Ports (Input und Output) auswählen. Die Instant-Mapping-Funktion variiert von Gerät zu Gerät. Bei einigen erfolgt die Zuweisung von Steuerbefehlen per Ableton Remote Script ganz automatisch. Das heißt, jedes Mal wenn du zum Beispiel einen neuen Effekt öffnest, sind die Bedienfunktionen desselben automatisch auf die Regler und Knöpfe deines Controllers gemappt. Das erkennst du an dem blauen Handsymbol, welches dann auf dem Gerät erscheint und dir signalisiert, dass dieses gerade von deinem MIDI-Controller gesteuert wird.

Mein Korg Nano Kontrol unterstützt diese Funktionen leider nicht. Ich muss ihn daher manuell konfigurieren. Dir geht es genauso? Kein Problem! Du gehst wieder in die Einstellungen MIDI/Sync und aktivierst “Remote” für den Input deines Controllers und verlässt das Menü wieder. Jetzt lässt sich fast alles, was du gern in Ableton kontrollieren möchtest, über deinen Controller steuern. Dazu klickst du nun oben rechts in der Ecke auf das MIDI-Symbol, danach auf das, was du gerne befehlen möchtest und dann bewegst du noch den gewünschten Knopf, Regler oder Fader an deinem Controller. Anschließend klickst du nochmal auf den MIDI-Schalter oben rechts und probierst die Funktion direkt aus. So machst du nun Schritt für Schritt weiter, bis alle von dir angedachten Programmfunktionen fernzusteuern sind. Um herauszufinden, welche das im Detail sein sollen, hilft nur: Ausprobieren und damit spielen. Eine mögliche Variante, deinen Controller zu belegen, hast du gerade kennengelernt. Falls du momentan noch keine eigenen Ideen hast, kannst du ja erst mal damit beginnen.

Wie wäre es denn, wenn du einen Start- oder Endpunkt für eine Wiederholschleife setzt und diesen Loop nach Bedarf ein- und ausschaltest? Effekte lassen sich ebenfalls prima per Hand schrauben. Einige der häufig benutzen Vertreter beim Auflegen, wie Delay, Flanger und Phaser, hast du beim letzten Mal bereits kennengelernt. Ebenfalls zur Trickkiste vieler Digital-DJs gehören Filter, Pan und Chorus. Und diese schauen wir uns jetzt einmal an.

Effekte Teil 2

Beginnen wir diesmal mit dem Auto Filter. Dieses hat die Aufgabe, bestimmte Frequenzen aus dem Audiomaterial herauszufiltern. Zum einen bestimmst du die Frequenzen, indem du die Position des gelben Kreises in dem Schaubild verlagerst oder manuell in dem kleinen Kästchen rechts darunter die Kilohertz veränderst. Zudem hast du die Möglichkeit, eine der vier Charakteristiken des Filters einzustellen. Das sind die Buttons links neben der „kHz-Anzeige“. Der erste Button ganz links kommt gern und vermutlich am Häufigsten zum Einsatz: das Low Pass Filter. Es schwächt höhere Frequenzen ab, sodass nur noch die tiefen Bassfrequenzen übrig bleiben und je weiter du dann damit reinfährst umso mehr Höhen kommen dazu. Im Gegensatz dazu steht das High Pass Filter direkt daneben, auch Low Cut Filter genannt. Es macht prinzipiell das Gleiche - bloß umgekehrt – und schwächt alle tiefen Signalanteile ab, sodass nur noch Höhen übrig bleiben. Je weiter du das Filter aufmachst, umso mehr Bässe kommen dazu. Auch dieser Effekt ist sehr beliebt und kann für spannende Übergänge beim Mixen sorgen. Dann gibt es daneben noch ein Filter, das schneidet Höhen und Tiefen ab und lässt nur noch Mitten durch. Zu diesem gehört der Q-Faktor, den du unter der Kilohertz-Anzeige findest. Der Q-Faktor bestimmt die Bandbreite und hierbei gilt: je breiter, umso mehr Frequenzen und je enger, umso weniger Frequenzen gehen noch durch. Außerdem verfügt das Auto Filter bereits über einen integrierten Flanger und Phaser. Mit den vielen verschiedenen Funktionen kannst du schön spielen, vor allem mit deinem MIDI-Controller.

Auto Pan

Das ist der Effekt, mit dem der Sound zwischen deinen Lautsprechern oder im Raum hin und her wandert. Auto Pan ist jedoch kein “Rechts-Links-Effekt“, sondern ein Stereo-Klangeffekt, bei dem in kurzen Zeitabständen die Amplitude und daher die Lautstärke des musikalischen Signals moduliert wird. Der „Rechts-Links-Effekt“ ist in Wahrheit eine akustische Illusion, die dadurch entsteht, dass bei einer Stereospur jeweils eine Spur lauter wird, während gleichzeitig die andere Spur leiser wird. Dadurch entsteht der Eindruck, der Sound würde hin und her wandern. Im Auto Pan selbst wird die Lautstärke der jeweiligen Spur durch eine der farbigen Wellenlinien im schwarzen Aktionsfenster kontrolliert. Falls du hier jetzt noch keine Wellenlinien siehst, hast du auf jeden Fall ein oranges „L“ für links und ein gelbes „R“ für rechts, verbunden durch eine gerade Linie im Bild. Bewegst du nun den Amount-Regler unten links, entsteht ein Kurvendiagramm aus zwei ineinander verschlungenen Wellenlinien. Die Lautstärke der linken Spur wird durch die orangene und die der rechten Spur durch die gelbe Wellenlinie symbolisiert und kontrolliert. Die Geschwindigkeit lässt sich über „Rate“ verändern. Wenn du dann noch den Phase-Regler hinzunimmst, verschiebst du damit die Wellenbewegung, sodass beide Spuren gleichzeitig laut und leise werden. Es entsteht ein pulsierendes Tremolo. Die vier Buttons unten rechts sind dazu da, die Wellenform der Lautstärke zu verändern.

Chorus

Dies ist ein schöner und beliebter Zeitverzögerungseffekt zum Modulieren des Sounds. Es ist ein Effekt, der einen Ton so ausprägt, als würde gleichzeitig ein zweiter Ton mitklingen und sich dabei im Raum bewegen. Dieser Eindruck entsteht dadurch, dass eine Kopie des Sounds angefertigt wird, die von der Tonhöhe her minimal von der Originalen abweicht. Der Chorus verzögert diese um einige Millisekunden. Und diese verzögerte Sounddatei wird dann mithilfe des Dry/Wet-Reglers dem Originalsound zugemischt. Dadurch entsteht ein ähnliches Gefühl, wie du es schon beim Flanger kennengelernt hast. Den Dry/Wet-Regler lässt sich natürlich super mit einem der Drehregler deines MIDI-Controllers bedienen. Ist der Regler ganz links, hörst du den Original-Sound ohne Effekt. Je mehr du den Regler rechts rüber drehst, umso mehr Effekt kommt dazu. Der Clou besteht darin, dass der verzögerte Sound beschleunigt und wieder abgebremst wird. Während der Beschleunigung ist die Tonhöhe höher und beim Abbremsen niedriger als beim Originalsound. Es entsteht eine gewollte, leichte Verstimmung. Diese Modulation nimmst du vor, wenn du die Position des gelben Punktes in dem schwarzen Feld veränderst. Zudem steht dir auch ein integriertes Hochpass-Filter zur Verfügung.Es empfiehlt sich auch, mal einige der Presets auszuprobieren, vielleicht ist ja was nach deinem Geschmack dabei. „Laundry“ erzeugt zum Beispiel einen tollen 80ies Factory-Hall Maschinen-Sound.

Spezial-Effekte und Tipps

Einer meiner Lieblingseffekte in Ableton ist im Audio Effect Rack im Folder „Performance and DJ“ zu finden. Der Effekt ist mir gleich aufgefallen, weil er so heißt, wie eines meiner Lieblingslieder aus meiner Teenagerzeit, nämlich der 80er Jahre Hit von Visage: „Fade to Grey“. Mit diesem Effekt kannst du einen Track mit nur einem Panoramaregler ins Unendliche verhallen lassen und dabei ganz viel Space erzeugen. Das kommt daher, dass in dem Effekt gleichzeitig Tiefen und Höhen herausgefiltert und Mitten moduliert werden und parallel dazu das Signal mit einem Delay unendlich vervielfacht wird. Ein sehr guter Effekt für Übergänge in Ambient-Sets und zudem beliebt für Vocals. Sehr schön ist auch das Puremagnetik Effect Bundle des australischen Producers Neon Stereo. Voodoo People und Nu Delhi sind meine Favoriten und machen großen Spaß. Wie du siehst hast du in Ableton als DJ die Möglichkeit, mit unendlich vielen Tracks statt mit den üblichen zwei oder vier Decks aufzulegen. Wenn du dann noch mit einem gut funktionierenden Controller ausgerüstet bist, hast du alle Tools, um eine einzigartige Performance hinzulegen. Der Rest liegt an dir. Also, worauf wartest du noch? Viel Spaß beim Ausprobieren!

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