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10.04.2019

Der „Erste Hilfe Notfallkoffer“ für DJs

Kleine Helfer von Backup-System über Gaffa bis Stagelight

Wenn man sich als DJ-Einsteiger betätigt, muss man anfangs wirklich eine Menge lernen, ja Lehrgeld bezahlen und damit meine ich nicht, dass man mal den Dancefloor innerhalb weniger Minuten „leer“ spielt oder unvorbereitet auf „neues" Equipment stößt. Vielmehr sind es die vielen kleinen „Katastrophen“, auf die man sich erst einstellen kann, wenn man sie erlebt hat.

Die ersten Diskjockeys hatten es noch gut, sie mussten einfach nur den Weg in den Club finden, die voll ausgestattete DJ-Kanzel betreten und mit den Platten, die dort bereit standen, auflegen. Aber die Plattenaufleger wurden zunehmend kreativer. Zunächst brachten sie eigene Schallplatten mit, später erweiterten sie sogar ihr Repertoire und schufen durch das Mixen von Stücken eigene Kreationen.

Seitdem hat sich viel getan. Im digitalen Zeitalter bringt nicht nur fast jeder seine eigenen Tracks und seine komplette digitale Musiksammlung mit zum Gig, sondern auch sein eigenes Equipment. Und da es mittlerweile viele unterschiedliche Standards gibt, ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass man in die Situation kommt, in der das Setup mit dem des Clubs nicht auf Anhieb kompatibel ist. Es wäre doch zu schade, wenn man die vielen Kilometer vergeblich hinter sich gebracht hätte und nur nicht zum Auflegen kommt, weil die mitgebrachten Kabel in den falschen Steckern münden.

Man kann natürlich im Rahmen der eigenen Naivität noch auf die Gunst des Universums hoffen und darauf vertrauen, dass alles noch irgendwie gut gehen wird. Es soll auch Menschen geben, die mit positiven Affirmationen gute Erfahrungen gemacht haben. In unserem Fallbeispiel würde das in etwa so klingen:

„Danke liebes Universum, dass ich heute hier auflegen und die Crowd rocken darf, obwohl meine Kabel nicht passend sind und keiner hier im Club die passenden Adapter dabei hat.“

Falls man nicht die nötige innere Ruhe und das dazugehörige Vertrauen für diese Maßnahme aufbringen kann, empfehle ich vorausschauendes Packen und weiter zu lesen. Mit folgenden Utensilien im Gepäck bringt den DJ so leicht nichts mehr aus der Ruhe und er/sie ist für die meisten (Un-) Fälle gut vorbereitet.

Gaffa oder „Gewebeklebeband“

Gaffa-Tape ist ein stabiles, starkes Klebeband aus einem faserverstärkten Kunststoff, was auch als „Stage Tape“ (in Österreich auch als „Lasso“) bezeichnet wird. Es bietet zwei Vorteile: Erstens lässt es sich mit den bloßen Händen gut abreißen, zweitens kann man es trotz der enormen Stabilität wieder rückstandslos entfernen. Durch die einfache Handhabung hat es sich besonders auf Bühnen und in den Clubs zur spontanen Fixierung von Kabeln und ähnlichen Arbeiten bewährt. Man kann damit zum Beispiel herumliegende Kabel am Boden fixieren, um Stolperfallen weitestgehend zu vermeiden, da sie ansonsten natürlich gerne von betrunkenen Gästen „genommen“ werden, die dabei das ganze Equipment zu Boden reißen. Auch leichte Wackelkontakte können durch eine Fixierung mit Gaffa-Tape zumindest temporär noch mal behoben werden. „Good old Gaffa“ ist normalerweise schwarz oder silbergrau, mittlerweile aber auch in mehr Farbtönen erhältlich.

Wenn man eigene Kabel dabei hat und sicher gehen möchte, dass diese auch nach dem Gig wieder im eigenen Case landen, empfiehlt es sich, diese z.B. mit TESA 4671 GN, einem fluoreszierendes Gewebeband, welches speziell dafür entwickelt wurde, zu markieren. Um ganz sicher zu gehen, kann man ja noch den eigenen Namen mit einem wasserfesten Stift darauf verewigen. Auch für Markierungspunkte an Mischpulten usw. ist das Klebeband gut geeignet. Es sollte in keinem DJ-Notfallkoffer fehlen! Man bekommt es in jedem Baumarkt oder Musikfachhandel.

Adapter

Da du nie genau wissen kannst, auf welche vorhandene Hardware du bei deinem Gig mit deinem mitgebrachten Equipment stößt, ist es gut, für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. So viele verschiedene Stecker und Anschlüsse gibt es ja nun auch wieder nicht, die im DJ-Sektor zum Einsatz kommen können. Die gängigen Anschlussnormen hierzulande sind 6,3 und 3,5 mm Klinken-, Cinch- und XLR-Buchsen. Ich habe immer ein paar Adapter dabei, um notfalls Cinch- in große Klinkenstecker zu „verwandeln“, sowie Adapter von 3,5 auf 6,3 mm Klinke für meinen Kopfhörer. Der Adapter ist ein Cent-Artikel und gehört mittlerweile in der Regel bei jedwedem Headphone zum Lieferumfang.

Ersatzkabel

Es empfiehlt sich zudem, Ersatzkabel entsprechend deinem Equipment einzustecken, falls mal eines einen spontanen Wackelkontakt bekommt. Ich habe grundsätzlich ein USB-Kabel und zwei große Klinkenkabel dabei, um meine Soundkarte, ein Kontrol1 von Native Instruments, mit dem Clubmixer zu verbinden. Für den Fall, dass es im Club ausschließlich Cinch-Anschlüsse gibt, packe ich noch zwei große-Klinke-auf-Cinch-Kabel dazu. Falls du innerhalb deines Laptops mixt und die Summe direkt aus deinem Laptop herausführst, gehören Miniklinke-auf-Cinch- und Miniklinke-auf-große-Klinke-Kabel zum Marschgepäck und auch Verlängerungskabel machen durchaus Sinn.

Netzstecker

Bringe für alle Geräte, die du nutzt, auch die nötigen Netzstecker mit. Wenn du im Ausland auflegst, solltest du dich über Netzspannungen, Buchsen und Stecker informieren und unbedingt einen passenden Adapter dabeihaben. Diese findest du z.B. bei Globetrotter.

Für Vielreisende empfiehlt sich ein sogenannter Weltreise-Adapter. Diese gibt es mittlerweile sogar mit USB zum Beispiel von Pro+SKROSS.

Bring Licht ins Dunkel

Da es in Clubs meistens ziemlich dunkel ist, empfiehlt es sich, eine kleine Taschenlampe mitzuführen. Unschlagbar und kostenlos ist auf dem Android Markt für Smart Phones die App „Tiny Flashlight“. Mit Hilfe dieser App musst du dein Handy im Notfall nur leicht schütteln und das Kameralicht geht an. Für iPhone-User empfehle ich z.B. die kostenlose Taschenlampe von RIK. Die funktioniert sehr gut und ist vor allem werbefrei!! Wenn du jedoch lieber eine „echte Taschenlampe“ dabei haben willst: Günstig, schön hell und klein ist z.B. die LED Lenser K3 für 11,50 €. Ersatzbatterien nicht vergessen! Für das Geld gibt’s aber auch in der Regel die kleinste Variante von MagLite.

Ein Multitool für alle Fälle Für den Fall, dass du mal einen Stecker abschrauben musst, etwas schneiden, anziehen oder lockern oder dein Jogwheel neu justieren willst.  Was auch immer – es ist schon von Vorteil, ein kleines Werkzeug zur Hand zur haben. Es muss ja nicht gleich ein Leatherman sein, auch wenn dieses Teil natürlich unschlagbar ist und du zum Star des Abends mutierst, wenn du den im Notfall lässig aus dem Ärmel schüttelst. Zur Not tut es auch ein Taschenmesser oder ein paar Schraubenzieher. Ich habe zum Beispiel immer BaseTechs Minischraubendreher-Satz dabei.

iPod/MP3-Player als „Starthilfe“

Das Schlimmste, was dir als digital auflegender Deejay während eines Sets passieren kann ist, dass dir dein Laptop oder dein Controller abstürzt und es mucksmäuschenstill auf der Tanzfläche wird. Keine Angst, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm in Form eines Buh- und Pfeifkonzerts. Und was nun? Nun, du hast zum Glück an wirklich ALLES gedacht und einen iPod oder anderen MP3-Player dabei, den du längst mit dem hiesigen Mixer verbunden hast und einen passenden Track parat, den du gedankenschnell abspielst, während du deinen Rechenknecht bzw. deinen Controller neu bootest – oder?

Backups

Für den Ernstfall ist es hilfreich, eine Kopie von Traktor/Serato/Mixvibes/Virtual DJ/Rekordbox anzufertigen. Je nach Programm ist ein Backup des jeweiligen Programmordners oder der Bibliothek erforderlich. Eine gute Maßnahme ist es zudem, eine Textdatei mit der Seriennummer anzulegen und den aktuellen Installer der Applikation auf der Festplatte zu haben. Auch das Kopieren von CD-Timecode-Dateien kann gelegentlich notwendig sein und dir dein Set retten.

Steck dir für diesen Fall ein paar CD-Rohlinge ein, damit du gegebenenfalls auch vor dem Auftritt noch brennen kannst. Auch Kopien vom Traktor-Mapping und andere Controller-bezogene Dateien wie Treiber und Updates können dir unter Umständen deinen Gig und die Nacht retten. Mit diesem Sonderzubehör in deinem SOS-DJ-Case bist du gut gewappnet für alle möglichen Malheure und vor allem weitestgehend unabhängig, wenn es um schnelles Handeln oder gar „Troubleshooting“ geht. Aber es gibt ja nicht nur technische Notfälle. Deshalb packen wir vorsichtshalber noch eine zweite Tasche mit sonstigen Helferlein...

Stift & Block

Es kommt immer mal wieder vor, dass du dir ein paar Notizen machen musst. Vielleicht willst du ja auch nur deine Kabel oder den Mixer bzw. das Gaffa-Tape beschriften. Für einen kleinen Block und einen Stift, am besten noch einen feinen Edding, ist in deinem Notfall-Case auf jeden Fall noch Platz.

Gehörschutz!

Auch wenn das jetzt hier nach einem von Muttis Tipps klingen sollte, musst du dir bewusst sein, dass deine Ohren dein Kapital sind! Wenn du gar nichts mehr oder permanent die Vögel bei 1 kHz zwitschern hörst, weil du dir einen schicken Tinnitus zugelegt hast, ist es spätestens vorbei mit „lustig“. Gehörschutz sollte Pflicht sein, zumindest vor und nach deinem Set! Es gibt mittlerweile eine große Auswahl in verschiedenen Preisklassen. Bei DJs sehr beliebt ist z.B. Musicsave von Alpine, für die man € 19,60 berappen musst oder das Music Safe Set Pro von Sonic für € 23,75. Das sind universelle Systeme aus Silikon, die du mit unterschiedlichen Dämmungsfiltern an deine Anforderungen anpassen kannst. Das ist schon mal ein guter Anfang, aber am klügsten wäre es, wenn du dir bei einem Hörgeräte-Akustiker einen individuell auf deinen Gehörgang angepassten professionellen Gehörschutz anfertigen lässt. Das ist zugegebenermaßen auf den ersten Blick nicht unbedingt billig, aber was sind schon ein paar hundert Euro für „viele Jahre auflegen UND gesunde Ohren?!“

Guafee oder Matetee

Eine Nacht im Club kann unendlich lang werden und nicht immer haben die Betreiber Kaffee, Club-Mate oder „Roten Bullen“ im Angebot. Zumal diese Drinks einem ja auch ziemlich auf den Magen schlagen können. Mein Geheimtipp: Wenn es abzusehen ist, dass die kommende Nacht eine lange wird, ist ein Drink aus dem Bioladen namens Guafee aus 75 Prozent Getreidekaffee und 25 Prozent Guarana-Anteil von Vorteil. Das Getränk besorge ich mir jeden Monat vor meiner nächtlichen Radiosendung. Guafee ist eine gute Alternative zu Bohnenkaffee, schmeckt so ein bisschen wie „Muckefuck“, sprich Getreidekaffee, und hält ziemlich gut wach, ohne das sonst für koffeinhaltige Getränke bekannte Hoch-dann-ganz-tief-Gefühl. Die Wirkung setzt langsam ein und nimmt genauso „smooth“ wieder ab. Einfach in kochendes Wasser einrühren und fertig. Selbstgebrühter Matetee hat eine ähnliche Wirkung, nur dämmt Mate zudem das Hungergefühl, weswegen er wohl auch bei Hackern so beliebt ist. Gute Angebote findest du zum Beispiel bei Metamate.

Apropos Hunger..

Gerade wenn du Marathonsets auflegst, macht es Sinn, sich zwischendurch zu stärken. Als ich früher die ganze Nacht in der Lounge des WMF spielte, hatte ich immer ein paar Nüsse, getrocknete Früchte oder frisches Obst dabei. Den genannten Lebensmitteln ist gemein, dass sie dir unmittelbar neue Energie zuführen. Und noch ein Tipp: Viel stilles Wasser trinken, H2O und Mineralien!

Hatha-Kräuter oder japanisches Heilpflanzenöl

Beim „Dauerauflegen“ kann man sich schon mal Verspannungen einfangen. In diesem Fall kann japanisches Heilpflanzenöl wahre Wunder bewirken. Mich persönlich erfrischt es zudem ungemein. Das Gleiche gilt für Hatha Balsam oder das Hatha Riechfläschchen. Letzteres ist so etwas wie die etwas elegantere Variante von Schnupftabak. Bei Anfällen von Müdigkeit immer mal wieder zücken und tief inhalieren! Hatha gibt es in ausgewählten Bioshops oder online direkt bei Ha-Tha.

Arznei to go

Nicht nur als unbeliebter Nebeneffekt am Tag danach, nein, gerade nach langen Reisen mit Klimaänderungen und Zeitumstellung reagiert unser Körper schon mal mit stechenden Kopfschmerzen. Deshalb ist es immer gut, ein paar Tabletten, von denen du weißt, dass du sie gut verträgst, im Gepäck zu haben. DJs mit einem empfindlichen Magen (z.B. Sodbrennen) sollten auf Reisen ebenfalls gerüstet sein, zum Beispiel mit einem Mittelchen aus Großmutters Apotheke: Natron (Natriumhydrogencarbonat). Damit kannst du für einen ausgeglichenen Basen-Säure-Haushalt deines Körpers sorgen. Immer 15 Minuten vor dem Essen auf leeren Magen trinken! Natron, zum Beispiel von Kaiser gibt es als Pulver oder Tabletten im Drogeriemarkt. Damit kannst du dich z.B. auch waschen und deine Zähne putzen.

So, nun bist du aber für nahezu alle Fälle bestens vorbereitet. Oder habe ich was vergessen? - Dann freue ich mich über neue Anregungen!

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