Test
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04.05.2016

Denon DJ MC4000 Test

DJ-Controller

Mehr als nur ein Nachfolger

Denon DJ präsentiert mit dem MC4000 den Nachfolger des MC3000 und spendiert ihm für sein anspruchsvolles Erbe separate Zweiband-EQs für zwei Mikrofone, 100 Millimeter lange Pitchfader und auch endlich einen separat regelbaren symmetrischen Booth Out. Größtes Novum ist jedoch die Software-Dreingabe, denn nun hat der Kontrolletti Serato DJ Intro im Gepäck. Im Fokus des Denon Controllers liegt also nun im Wesentlichen das Serato-Universum. Insgesamt wirkt der 4000er zudem erheblich aufgeräumter als alle seine Vorgänger, die das so gar nicht von sich behaupten konnten. Was es sonst noch alles Neues gibt und ob der Partnerwechsel hinsichtlich der Software geglückt ist, erfahrt ihr im folgenden Test.

Details

Die bunte Kartonage gibt neben dem MC4000 den Blick auf folgende Ingredienzien frei: ein leichtgewichtiges Steckernetzteil Marke „Wandwarze“, ein etwa ein Meter langes zertifiziertes USB-2.0-Kabel, einen Download-Hinweis für Serato DJ Intro, der über eine Registrierung bei Denon DJ freigegeben wird, einen Coupon-Code für einen 50-Prozent-Rabbat beim Erwerb von Serato DJ, das fünfsprachige und (wie ich finde) knapp gehaltene Benutzerhandbuch, das ich eher „Kurzanleitung“ nennen würde, sowie die obligatorischen Sicherheitshinweise samt Garantieinformationen.

First contact

So wie bei allen anderen Geräten, die ich von Denon bereits ausgepackt habe, stellt sich auch beim 4000er schnell eine Vertrautheit mit der Gesamtkonstruktion ein, weil sowohl ein näherer Blick auf die verwendeten Materialien beim Chassis und die dort integrierten Bauteile als auch die ersten Trockenläufe auf den vorhandenen Bedienelementen keinerlei Ansatz für berechtigte Kritik offenbaren. Alle Potentiometer weisen den gleichen Drehwiderstand auf, Endlos-Encoder drehen mit einer fein aufgelösten Rasterung, die Jogwheels fühlen sich auf der Case-sensitiven Oberfläche sehr angenehm an, drehen rund und ruhig und vor allem nach Loslassen nicht endlos weiter.

Die Linefader bringen mir beim Schieben einen sehr festen Widerstand entgegen, während der Crossfader auf der Leiterbahn leicht und locker hin und her flutscht. Ähnlich geartet ist der Pitchfader, der zudem eine deutlich spürbare, aber feine Mittenrasterung hat.

Auch die Anschlüsse wecken das User-Vertrauen schnell, denn sie sind alle (deutlich sichtbar) mit dem Chassis verschraubt und nicht nur auf einer innen liegenden Platine. Das Frontpanel und die Bedienoberfläche sind aus einem Stück eloxiertem Stahl mit mattschwarzem Finish gefertigt. Die Bodenplatte, die beiden Seitenteile und das Backpanel sind ebenfalls aus einem Stück und bestehen aus einem harten 2,5 Millimeter dicken stabil-steifen Kunststoff. Insgesamt ein wahrlich gelungener Kompromiss aus Leichtbauweise und Robustheit sowie Solidität und Funktionalität. Chapeau!

Layout

Die Oberfläche ist nahezu symmetrisch arrangiert und zudem ganz klassisch aufgebaut. Nur die oberen Ecken entziehen sich der Achsensymmetrie: Links oben sitzen die Level-Potis und Buttons für die Mics, rechts oben sind die Regler für Master, Monitor und den Aux-In zu liegen gekommen. Zwischen allen Bedienelementen ist nun sehr viel Platz, die Oberfläche wirkt auf mich sehr aufgeräumt und somit sehr intuitiv. Im Zentrum liegt die Mixer-Sektion, die keine echten Audiosignale verarbeitet, sondern ausschließlich MIDI-Controller-Daten per USB an jedwede DJ-Applikation sendet, die MIDI versteht und spricht.

Zwischen den Kanälen haben die Browse- und Lade-Controller sowie die Sampler-Sektion, bestehend aus vier Pads und einem Level-Poti, Platz gefunden. Es schließen darunter die Fader an, rechts und links des Mixers sind die Jogwheels untergekommen. Über ihnen logieren die FX-Bataillone und die Autoloops, die beide über je vier Buttons verfügen. Ganz klassisch stehen den Effekten zudem vier Drehregler anheim, davon einer als Endlos-Encoder ausgeführt, um das Taktmaß einzustellen. Unter beiden Handrädern residieren nun vier Pads, die in DJ Intro die Hotcues anlegen, aufrufen und in Kombi mit „Shift“ löschen. Die Transportsektionen, die mit vier Buttons (arrangiert in Reihe) ausgestattet sind und unterhalb der Pads anschließen, schalten den Auto Sync ein und aus, cuen und senden schlussendlich natürlich auch Play/Pause-Befehle.

Was ist anders im Vergleich zum Vorgänger?

Bei einem Blick auf das Layout des Auslaufmodells MC3000 erinnere ich mich wieder an eine sehr dicht besiedelte Bedienoberfläche, die mit deutlich weniger Platz auskommen musste. Nicht so beim MC4000, der nun 505 x 312 x 69 Millimeter misst und ein Gewicht von gut 4 Kilogramm an den Tag legt, was so gerade noch als angemessene Traglast für den Rucksack eines urbanen Deejays durchgeht. Damit ist er mehr als zehn Zentimeter breiter und vier Zentimeter tiefer und zudem ein Kilogramm schwerer als sein Vorgänger. Der gewonnene Platz zwischen den Bedienelementen des 4000ers geht also nachweislich auf Kosten der Transportfähigkeit, was aber in meinen Augen noch zu verkraften ist.

Zudem hat Denon DJ dem Nachfolgemodell nun auch eine Split/Cue-Schaltung und zwei parallel geschaltete Kopfhörerausgänge (3,5/6,35-Millimeter-Klinke) spendiert. Auch die Mikrofon-Sektion hat mit nun zwei „Ins“ statt eines symmetrischen Mikrofoneingangs ein herbes Upgrade erfahren. Darüber hinaus verfügen beide Mics über separate Zweiband-EQs, einem in der Intensität regelbaren "On Board“-Echoeffekt sowie einer fest eingestellten Talkover-Funktion.

Zu den neuen Features zählen unter anderem nun zwei separat regelbare symmetrische Ausgangspaare. Für den Masterbus stehen ein symmetrisches XLR-Paar und ein unsymmetrischer Stereo-Cinch-Out bereit, während das Monitorsignal über zwei symmetrisch beschaltete große Klinkenbuchsen aus dem Interface herausgeführt wird. Während beim Vorgänger noch 60 Millimeter lange Pitch-Fader die Flanken zierten, kommen beim aktuellen Testproband 100-Millimeter-Pitchfader zum Einsatz. Sowohl die Line- als auch der Crossfader scheinen gleich geblieben zu sein, alle sind 45 Millimeter lang.

Dem Rotstift zum Opfer fiel...

... unter anderem die Option, vier Decks zu steuern, die beim MC3000 noch in Kombination mit Native Instruments Traktor Pro durch Wahltasten (Deck A/C bzw. B/D) realisiert wurde, sodass man durch Doppelbelegungen der Kanal-Controller auf die Vier-Deck-Steuerung kam. Mit dem Umstieg auf Serato als Software-Partner entfielen auch die Routing-Buttons für die Effekt-Slots. Bei Serato DJ Intro gibt es die Deck FX 1 und 2, die fest den Decks 1 und 2 zugeordnet sind, so sind die einst verwendeten Routing-Buttons obsolet geworden. Darüber hinaus ist man seitens des Herstellers von dem halbseidenen Line-to-Master-Konzept abgerückt und strich konsequenterweise auch einen der beiden Line-Eingänge, die der MC3000 noch im Angebot hatte. Nun stellt der MC4000 nur noch einen Notfall-Aux-Eingang bereit, der ohne Umwege direkt auf den Master geführt und mit dem Aux-Poti hinsichtlich des Pegels geregelt wird. Bravo!

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