Hersteller_dbx_professional_audio
Test
2
08.08.2016

DBX 530 Parametric EQ Test

Equalizer für API Series 500 Lunchbox-System

EQ mit Ecken und Kanten

Wenn ein Hersteller mit einer Palette von einem knappen Dutzend Series-500-Modulen an den Start geht, dann darf ein EQ natürlich nicht fehlen. Dass es sich beim DBX 530 um ein vollparametrisches Design handelt, überrascht nicht. Und zu erfahren, warum das so ist, genügt ein Blick auf die Firmenhistorie von DBX, beziehungsweise auf die Ära der Grundung. Nach dem Firmengründer David Blackmer als „David Blackmer Experience“ getauft, ging DBX 1971 an den Start, und da waren die späten 60er mit Jimi Hendrix’ Eskapaden noch nicht lange her. Damals herrscht Aufbruchstimmung, es war ein Zeitenwechsel in der Musikproduktion zu spüren. Neue Technologien auf Basis der erst kürzlich eingeführten Transistortechnik erlaubten immer größere Detailkontrolle. Um halbparametrische EQs à la Neve oder API zu entwerfen, war DBX ein paar wenige Jahre zu spät dran, und auch wenn die 50er zu diesem Zeitpunkt erst ein gutes Jahrzehnt vorbei waren, scheinen ehrwürdige Röhrenmonster wie der Pultec aus der Perspektive der frühen 70er wie von einem anderen Planeten zu stammen.

Als einer der ersten Anbieter setzte DBX bei Kompressoren auf die noch junge Transistor-VCA-Technik, und ein parametrischer EQ ist die perfekte Entsprechung dafür auf dem Feld der Frequenzbearbeitung. Damals hatte DBX mit dem 900-Standard ein zum API-System konkurrierendes Modulkonzept im Portfolio, und für dieses wurde der 905-EQ angeboten. Heute ist der amerikanische Hersteller auf die API-Linie eingeschwenkt, doch auch die Kassette im Fremdformat basiert vom Layout und den Audioschaltungen her auf dem eigenen 905-Design.

Details

Der Equalizer ist ein Kind seiner Zeit

Dieser EQ ein typisches Konzept für die Zeit, der er entsprungen ist. Der konstruktive Fokus lag hier weniger an den schönfärberischen Eigenheiten der Technik auf der er beruhte (welche damals ohnehin eher als notwendiges Übel angesehen wurden), sondern auf der Kontrolle über den Frequenzgang. Das ursprüngliche Firmenziel diente dem Zweck, Aufnahmen dem „Realismus einer Live-Performance näherzubringen“, und das sah vor, dass man notfalls Frequenzgänge auch gezielt verbiegen müsste. Als dreibändiges, vollparametrisches Design verfügt der heutige DBX 530 daher über drei Bedienelemente pro Band: Pegel/Amplitude, Eckfrequenz und Filtergüte, wobei sich alle drei mit Potis stufenlos durchstimmen lassen. Dabei ist der Equalizer ein reziprokes Design. Das bedeutet, dass Boosts und Cuts dieselben Filterkurven haben und sich damit zumindest theoretisch, beispielsweise den Phasengang außer Acht lassend, mit umgekehrten Einstellungen rückgängig machen lassen. Zudem überlappen sich die Bänder ziemlich weit, was auch komplexere Kurven ermöglicht und ungehinderten Zugang zu allen Frequenzen erlaubt – ein Qualitätsmerkmal jedes ernstzunehmenden parametrischen EQs.

15 dB maximale Amplitude

In Zahlen liest sich das wie folgt: Bassband 20-500 Hz, Mitten 200 Hz – 5 kHz, Höhenband schließlich 800 Hz – 20 kHz. Alle Bänder erlauben eine Amplitude von ±15 dB, was als solider Standard gelten kann. Muss man die 15 dB irgendwo wirklich einmal ausfahren, dann kann das nur bedeuten, dass an anderer Stelle etwas gehörig schiefgelaufen ist. Der Gain-Parameter ist Teil eines doppelkonzentrischen Potis, wobei deren äußerer Ring für die Einstellung der Filtergüte reserviert ist. Mit Werten von 0,9 bis 5 für den Q-Faktor bietet der 530 eine recht breite Palette, die von superweicher Abstimmung bis hin zu recht scharfer chirurgischer Präzision reicht. Eine Mittenrastung bieten die Gain-Potis leider nicht, dafür schaltet ein Klick am Linksanschlag das jeweilige Band in den „Infinite Notch“-Modus, bei dem mit sehr enger Filtergüte eine Absenkung von etwa 40 dB realisiert werden kann. Problemfrequenzen lassen sich damit zuverlässig killen – ein brutales Mittel, zu dem es in Beschallungssituation leider manchmal kaum eine Alternative gibt. 

Eckfrequenzen mit separatem Poti

Es macht konstruktiv auf jeden Fall Sinn, dass die Einstellung der Eckfrequenz mit einem separaten Poti erfolgt und nicht Teil des konzentrischen Bedienelelementes ist. Somit lässt sich dieser Parameter leichter einstellen. Ein großer Vorteil von parametrischen EQs gegenüber den Konsolen-Entzerrern der 60er ist es ja eben gerade, dass die Frequenz stufenlos und punktgenau angesteuert werden kann, mit Poti und nicht per Drehschalter. Dank des Layouts des 530 kann man von diesem Feature auch ungehindert Gebrauch machen.

Shelf- oder Peak-Charakteristik

Schließlich lassen sich die beiden äußeren Bänder noch vom Peaking- in den Shelving-Modus schalten, dann mit einer recht sanften, nicht veränderlichen Güte von 6 dB pro Oktave. Dies trägt dem allgemeinen Einsatzziel von Shelving-Filtern Rechnung, nämlich dem sanften aber bestimmten Verbiegen des gesamten Frequenzganges, etwa wenn ein Signal deutlich zu dumpf oder zu flach geraten ist. Schließlich verfügt das Modul noch über einen Hardwire-Bypass samt LED sowie eine zusätzliche Clip-LED. Spricht diese an, so muss man den Signalpegel, der in das Gerät geschickt wird, extern verringern, da das Modul selbst über keinerlei Möglichkeiten der Gesamtsignalpegelkontrolle verfügt.

IC-Chips in SMD-Technik

Wenig überraschend ist auch der interne Aufbau der Schaltung, abermals mit Blick auf die Ära, in welcher das Vorgängermodul 905 konzipiert wurde. Der 530 arbeitet auf Basis aktiver RC-Filterglieder, und diese werden von IC-Schaltungen angetrieben. DBX setzt hier kostensparend weitgehend auf SMD-Fertigung, und Übertrager findet man in der Kassette ebenfalls nicht – diese waren zur Zeit des Designs des 905 bei vorwärtsdenkenden Companies nicht mehr en vogue. Aufgrund dieser Bauweise ist die Kassette erstaunlich leicht, gibt aber konstruktiv keinen Anlass zu zweifeln. 

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare