Software
Test
10
16.09.2021

Praxis

Lässt sich der Mercury-4 gut bedienen?

Er sieht fantastisch aus und sein GUI füllt auf Wunsch den größten Bildschirm. In der Focus-Ansicht ist sogar jede noch so gute Lesebrille überflüssig. Der Mercury-4 sollte mit seinen überschaubaren Anzahl an Klang- und Effekt-Parametern insbesondere auch den ungeübten Schrauber zum Sounddesign motivieren. Man kann eigentlich nicht viel falsch machen. Die MPE-Controller werden nicht nur unterstützt, sondern anhand einiger Factory Presets kann man dies gleich in der Praxis ausprobieren. Der Browser vereinfacht das Auffinden der Presets und rundet den positiven Eindruck ab. Klares Ja, auch dieses Instrument von Cherry Audio ist sehr gut zu bedienen.

Was bietet der kleine virtuelle Jupiter klanglich? 

Die über 300 Presets bieten einen guten Einstieg. Von Arpeggiator- und Bass-Sounds über Leads und Polysynths bis hin zu Chords und Effekten ist ein guter Stoff vorhanden. Insgesamt zwölf dieser Presets finden sich in den Audio-Demos wieder. Diese Auswahl zeigt, in welche Kerbe der Mercury klanglich schlägt. Er hat einen direkten und durchaus kernig-kraftvollen Sound, der ihn für monotone Linien wie Bass, Leads oder Arp prädestiniert. Nicht zu seinen Stärken gehören weiche und schwebende Pads oder Streicher, was jede Jupiter-8-Emulation deutlich besser hinbekommt. Dennoch lassen sich einige schöne polyfone Sounds mit analogen Drift (Audio Demo „Folklore Trails“) realisieren, wobei auch das „musikalische“ Filter zusagt.

Wo liegen die klanglichen Stärken?

Natürlich ist der Mercury-4 für viele Musikstile einsetzbar. Für Retro- und LoFi-Producer ist er jedenfalls eine dankbare Maschine. Wegen des guten Band-Echo-Effekts und der Möglichkeit, Akkorde im 1-Finger-Modus zu spielen, empfiehlt sich dieser Synthesizer auch besonders für Dub-Techno, Dub-House und verwandte Spielarten elektronischer Musik. Die in diesen Genres typischen Chord-Phrasen lassen sich sogar ziemlich einfach per „Init Sound“ erstellen: Filtern und Hüllkurven-Decay setzen, Tape Echo aktivieren und Tempo-synchronisieren, Moll-Dreiklang per Chord Memory speichern - und sich verführen lassen. Wie sich das bereits nach wenigen Minuten anhören kann, verdeutlichen drei Beispiele, wobei der Chord-Sound der dritten Phrase noch per Arpeggiator getriggert wird.  

Diese drei einfachen User Presets möchten wir keineswegs vorenthalten. Hier geht es zum Download der Mercury-4 Bonedo Presets.

Was könnte verbessert werden?

Ein Wunsch für ein größeres Update wäre neben einem funktionell erweiterten Arpeggiator ein Step-Sequencer. Der Ensemble-Effekt darf gern noch um einen Phaser und Flanger ergänzt werden. Außerdem könnte sich der Mercury-4 insgesamt etwas modulationsfreudiger zeigen. Bitte aber nicht falsch verstehen, dieser Synth ist schon in der Version 1.0 rund geworden.

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