Bass Test_Saiten Hersteller_Daddario Hersteller_Hoefner
Test
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11.03.2019

Fazit Vergleichstest Black-Nylon-Saiten

Ein sehr interessantes Hör- und Spielerlebnis kann ich allen Black Nylons durch die Bank bestätigen! Wer auf der Suche nach einem sehr warmen, eher vintage und akustisch ausgerichteten Klang seines Basses ist - sei es nun E-Bass, Fretless oder Akustikbass - dem möchte ich diese ganz spezielle Saitenart als ernsthafte Alternative zu den beliebten Flatwounds ans Herz legen. Mir persönlich gefallen die Haptik, Bespielbarkeit und auch die akustisch natürliche Klangfärbung der Black Nylons im Vergleich zu Flatwounds wesentlich besser, aber das ist natürlich Geschmackssache!

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Unterschiede in der Dicke von Black-Nylon-Saiten

Dafür muss man leider in Kauf nehmen, sich auf etwas dickere Drähte einzulassen, da die Tapewound-Sets im Allgemeinen erst bei einer 50er-G-Saite losgehen, was in diesem Falle bereits als "dünn" zu bewerten ist! Allerdings fühlen sich die Nylons aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigeren Saitenspannung unter den Fingern wesentlich dünner an, als sie es tatsächlich sind. So kam ich als bekennender Fan von 40er-Saiten sehr gut mit den "dünnen" 50er La Bella und D'Addario Tape Wounds zurecht.

Klangliche Unterschiede der Tapewound-Saiten

Die Klangunterschiede der getesteten Sätze zueinander sind gar nicht mal so groß, aber dennoch hörbar. Am deutlichsten unterscheiden sich hierbei der dünne La-Bella-Satz und der sehr dicke Rotosound-Satz, was sicher zu großen Teilen den unterschiedlichen Saitenstärken zuzuschreiben ist. Die La Bellas sind sehr spritzig und höhenlastig, während die Rotos im Tiefmittenbereich ordentlich drücken und im Höhenbereich wesentlich gedämpfter agieren. Wem die La Bellas ZU scharf und die Rotos ZU dumpf sind, der greife zu den Pyramids oder D'Addarios. Auch klanglich liegen diese beiden Sätze irgendwo dazwischen. Die Pyramids (sowie die Höfners) entfalten für mich das ausgewogenste Klangbild. Weil die D'Addarios sehr spritzig agieren, aber mit weniger Spielgeräuschen und nicht ganz so scharfen Höhen wie die La Bellas, tendieren sie mehr in die moderne Ecke mit einem etwas ausgeglicheneren Sound als die La Bellas.

Besonderheiten bei Black-Nylon-Saiten

Bei den Höfner-Saiten habe ich leider erst während des Tests beim Aufziehen festgestellt, dass dies ein Satz für Shortscale-Bässe (76 cm / 30 Zoll) ist. Nach Recherche fand ich heraus, dass der Hersteller zwar auf seiner Website darauf hinweist, dass dieser Satz für den Violin und den Club Bass mit Shortscale-Mensur gemacht ist. Welche Mensur ein Violin oder Club Bass aufweist, wird aber ein "normalsterblicher" Bassist jedoch eher nicht wissen - also aufgepasst beim Kauf! Ich habe die Saiten dann aber dennoch aufgezogen und auf Sattelhöhe etwas Papier unter die Saiten gelegt. Auf diese Weise konnte ich die Höfners mit meinem Longscale-Fender dann doch noch zum Klingen bringen.

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Übrigens: Wie schon in der Bemerkung zum Höfner-Bass im Test weiter oben erwähnt, gehe ich stark davon aus, dass diese Saiten von Pyramid hergestellt werden, da sie sich lediglich in der Farbgebung der Wicklung unterscheiden, ansonsten aber keinerlei Unterschiede aufweisen. Der stolze Preis von 58,- Euro für die Nylons aus dem Hause Höfner ist schon eine Ansage. Dieser lässt sich in meinen Augen kaum rechtfertigen, bekomme ich doch quasi die identischen Pyramids bereits für 41,- Euro. Dazu bietet Pyramid ebenso einen Shortscale-Satz an - und hier wird sogar extra auf den Violin Bass verwiesen! Bei Höfner zahlt man also einen enormen Preis für den Namen und den Kult des Beatles-Basses, der sich als Werbezugpferd dahinter verbirgt. Mehr Geld für mehr Leistung bekommt man deshalb aber in meinen Augen nicht!

Sustainverhalten und Spielgeräusche von Tapewound Strings

Das Sustainverhalten war bei allen Testkandidaten gleich gut mit überraschend leichter Führungstendenz der Rotosounds. Auch in Sachen Ansprache verhalten sich alle Tape Wounds überraschend souverän und äußerst agil. Hier trumpfen natürlich die etwas dünneren Saiten auf, was aber wiederum etwas lautere Spielgeräusche mit sich bringt.

Black-Nylon-Saiten - gibt es einen Testsieger?

Pyramid und La Bella punkten für mich in dieser Kategorie extra, da sie das vielfältigste Angebot bereitstellen. So lassen sich auch Fünf- und sogar Sechssaiter-Bässe mit den Black Nylons bestücken! Ein Testsieger im herkömmlichen Sinne lässt sich für mich nicht festlegen, aber ich kann sagen, dass mir persönlich der Pyramid- und der D'Addario-Satz mit ihrem sehr ausgewogenem Ton und der tollen Bespielbarkeit am besten gefallen haben! Die D'Addarios gewinnen dabei beim Slappen, und die Pyramids erzeugt einen wunderbar warmen Fingerton mit toller akustischer Note und sehr aufgeräumten Bässen. Die Rotosound-Nylons sind etwas für die ganz "starken Jungs" - oder eben für Kontrabassisten, die ja von Natur aus dickere Saiten gewohnt sind und ein kontrabassähnliches Spielgefühl auch beim E-Bass suchen. Eine 65er-G-Saite auf eine 115er-E-Saite möchte erst einmal gebändigt werden, wer sich aber für den Kraftakt mit den dicken Saiten und dem daraus resultierenden stärkeren Saitenzug entscheidet, wird mit einem fetten, tief drückenden Sound belohnt, der einem Kontrabass-Sound tatsächlich am nahesten kommt! In einer Blues-, Jazz- oder Motown-Soulband kann ich mir die Bestückung mit den Rotos daher wunderbar vorstellen!

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Gliederung/Überblick

Für einen kurzen Gesamtüberblick der wichtigsten Merkmale habe ich abschließend noch eine kleine Reihenfolge bzw. Gliederung erstellt. Den Preis habe ich dabei bewusst nicht beachtet, da sich alle Sätze zwischen 37,- und 41,- Euro einpendeln. Lediglich der Höfner-Satz mit seinen 58,- fällt hier aus der Reihe. Wichtig: die Reihenfolge stellt natürlich keine "Rangliste" dar. Die unterschiedlichen Parameter sind höchst individuell und werden von jedem Bassisten sicherlich anders bewertet. Daher ist diese Gliederung nur als Orientierungshilfe bezüglich der unterschiedlichen Kriterien anzusehen.

Kriterien:

  • Saitenstärke: dicke Saiten > dünne Saiten
  • Saitenzug: starker Saitenzug > lockerer Saitenzug
  • Klangausrichtung: dumpfer Klang > "scharfer" Klang
  • Spielgeräusche: wenig Spielgeräusche > viele Spielgeräusche

Meine Reihenfolge der Black-Nylon-Saitenhersteller unter Berücksichtigung der obigen Kriterien lautet wie folgt:

Rotosound (65-115) -> Höfner/Pyramid (55-112) -> D'Addario (50-105) -> La Bella (50-105)

Viel Spaß beim Stöbern und Experimentieren - glaubt mir, es lohnt sich!

Euer Samy Saemann

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