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04.06.2021

Besserer Ton für Handy Videos: Smartphone Recording und Streaming Sound verbessern

Ordentlicher Sound für die Band auch ohne professionelles Kamerateam

Der kreative Output eines Künstlers lässt sich auch durch eine globale Pandemie nicht stoppen. Nicht wenige Musiker und Bands versuchen den Kontakt zu ihrer Fanbase zu erhalten, indem sie in den sozialen Medien ab und an Videos posten, in dem sie über Neuigkeiten berichten oder gar Songs und Konzerte zum Besten geben. Wer dabei nicht auf eine professionelle AV-Crew zurückgreifen kann, nimmt einfach sein Smartphone in die Hand und filmt mit dem, was die Technik hergibt.

Dabei fallen nicht wenige dieser Videos durch ihre schlechte Tonqualität unangenehm auf. Warum ist das so und was kann man ohne großes Budget machen, damit der Ton mit der Video-Qualität gleichziehen kann? Wir haben einige Tipps parat.

Die Diskrepanz ist schon erstaunlich. Während günstige Smartphone-Videos problemlos in Full-HD aufnehmen und die Oberklasse mittlerweile bewegte Bilder in 4K festhält, reicht die Tonqualität oftmals nicht an eine 80er-Jahre Kassettenrekorder-Aufnahme heran. Doch auch diese Hürde lässt sich umschiffen, wenn man denn weiß wie.

Was ist das Problem?

Es gibt zwei Gründe für einen schlechten Handyvideo-Ton. Die in den Handys verbauten Mikrofone sind sehr klein, aber im Grunde nicht wirklich schlecht. Warum die Klangqualität trotzdem nicht rockt, liegt oftmals daran, dass der Abstand zwischen Quelle (Musiker) und Aufnahmegerät (Smartphone) zu groß ist.

Wir kennen die Problematik aus dem Tonstudio. Möchte man einen möglichst fetten Sound bei Aufnahmen erzeugen, dann nutzt man bevorzugt die „close miking“ Technik. Das heißt, man mikrofoniert direkt an der Quelle und nicht mit großem Abstand. Das Problem: Wenn wir mit dem Handy eine Band filmen wollen, dann muss man automatisch einen größeren Abstand halten, um alle Musiker in den Bildausschnitt zu bekommen. Das führt unweigerlich zu einer problematischen „Signal to Noise“ Ratio, welche die Aufnahme von Nebengeräuschen begünstigt.

Was uns direkt zum zweiten Problem führt. Je weiter man mit dem Handy von der Quelle entfernt ist, desto deutlicher werden Nebengeräusche und die Raumakustik mit aufgezeichnet. Stellt euch einen Gig in einer Tiefgarage oder einer ähnlich halligen Umgebung vor. Diese Umgebung wird unweigerlich vom Filmton aufgezeichnet. Daher liegt der erste Tipp auf der Hand.

Mit dem Handy so nah wie möglich an die Schallquelle ran und vermeidet unbedingt hallige Räume für einen Dreh. Je besser die Raumakustik, desto besser der Video-Ton. Wenn es die Wetterlage zulässt, ist ein Open-Air-Szenario immer besser als ein kahler Kellerraum.

Fest verbautes Mikrofon vs. zusätzliches Mikrofon

Das Mikrofon in deinem Handy ist fest verbaut und kann daher nicht unabhängig von der Kamera näher an die Quelle gebracht werden. Aber vielleicht hilft es, das interne Mikrofon zu umgehen?

Das wäre der nächste Schritt. Der Autor nutzt schon länger das Shure Motiv MV88+ Video Kit. In Pre-Pandemie Zeiten nutzte ich das Shure MV88+ für Live-Mitschnitte von Bands, da das Shure Mikro wesentlich besser mit hohem Schalldruck umgehen kann als das integrierte Handy-Mikro.

Das MV88+ wird über ein kurzes Kabel direkt an den Lightning-Anschluss meines iPhone X angedockt und ist dort über eine App als Stereomikrofon während einer Video-Aufnahme als Quelle verwendbar. Ein Kabel für Android-Handys ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten 

Mit Hilfe der Shure App lässt sich die Stereo-Basisbreite verändern, das Mikrofon-Gain justieren und falls notwendig einen EQ und einen Kompressor aktivieren. Mit diesem Setup habe ich eine kleine Interview-Reihe für meinen Haus-und-Hof-Rockclub aufgenommen und das Ergebnis ist für eine low (no) budget Aufnahme klanglich völlig ok und deutlich besser als mit dem iPhone eigenen Mikro.

Dabei beträgt der Abstand zwischen dem Handy mit besagtem Shure Mikro und den Interviewpartnern circa zwei Meter. Hier ein Beispiel auf YouTube.

Wer Einzelpersonen interviewen möchte, für den wäre ein kabelgebundenes Lavalier (Ansteckmikrofon) eine kostengünstige Möglichkeit, einen besseren Sound aufzunehmen. Die Auswahl ist mittlerweile recht groß. 

In die Kategorie „gut & günstig“ fällt das IK Multimedia iRig Mic Lav. Durch die nahe Mikrofonierung klingt das Ergebnis nochmals besser und kann auch bei einer weniger guten Raumakustik noch brauchbare Ergebnisse erzielen. Das Ganze gibt es auch als Funkstrecke, ist dafür natürlich kostenintensiver. Zum Beispiel von der Firma Saramonic mit dem Model Blink 500 B3.

Die größtmögliche Freiheit in puncto „Sound“ bietet dagegen ein Audiointerface, das direkt an das Smartphone andocken kann. Dazu haben wir auf bonedo.de für jede Plattform (iOS oder Android) bereits passende Tipps parat.

Die besten Audio-Interfaces für iOS

Audio-Interface für Android kaufen

Der Autor hat gute Erfahrungen mit dem Audient iD4 MKII gemacht, das sich mit Hilfe eines Apple Camera Connection Kits und einem USB-powered Hub (falls eine dauerhafte Stromversorgung gewünscht ist) direkt an mein iPad Pro anschließen lässt.

Da das Audient Interface auch Phantompower bereitstellt, lassen sich auch hochwertige Kondensatormikrofone verwenden, was die Klangqualität abermals verbessert. Vor allem kann die Kameraaufstellung (Smartphone oder Tablet) unabhängig von der Mikrofonposition gewählt werden, was deutlich mehr Möglichkeiten offeriert 

Resümee

Mit einem überschaubaren Mitteleinsatz lässt sich der Ton eines Smartphone-Videos also deutlich verbessern. Die Fans werden es dem Künstler danken. Derart ausgerüstet lässt sich auch mit übersichtlichem Budget das Ergebnis nachhaltig verbessern und dank der besseren Qualität dürfte der Like-Button ebenfalls häufiger frequentiert werden.

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