Hersteller_Behringer Eurorack-Systeme
Test
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05.11.2020

Praxis

Bedienbarkeit / Terminologie

Da hat man bei Behringer geklotzt, nicht gekleckert und direkt eine große Anzahl an Modulen auf den Weg gebracht. Damit lässt sich bereits ein elaboriertes Modulsystem aufbauen. Die Module vermitteln allesamt einen guten und stabilen Eindruck. Selbst wenn drei Reihen Eurorack-Module jetzt nicht (mehr) so gewaltig ausschauen wie eine legendäre Moog-Schrankwand, so ist die Optik doch schon sehr edel. Schön ist: Die Verkleinerung der Modulgröße ging nicht zu Lasten der Bedienbarkeit. Da ist man dann bei Bedarf eher  etwas in die Breite gegangen. Ein wenig gestört hat mich, dass z. B. beim VCF nur ein Eingang geboten wird und man stets direkt über die Multiples gehen muss, will man nur die Signale zweier VCOs über ein Filter laufen lassen. Aber so ist bereits das Vorbild aufgebaut.

Ungewohnt - ich hatte das beim Test des Sequenzers (Behringer 960 Sequential Controller) bereits anklingen lassen - sind im ersten Moment diverse Bezeichnungen, die jedoch so vom alten Moog-System übernommen wurden. Statt „Resonance“ lesen wir „Regeneration“ und statt „Cutoff“ heißt es „Fixed Control Voltage“ etc. Wenn man es weiß, dann findet man sich nach kurzer Einarbeitungszeit gut damit zurecht. Zudem erscheinen nicht alle Modul-Bezeichnungen auf den ersten Blick ganz logisch.

So mancher mag vielleicht die Verwendung eines S-Triggers etwas sperrig finden, hier hat sich Behringer allerdings konsequent an das Original gehalten. Das zwingt eigentlich nur zum Kauf eines 961er-Interfaces, was ja noch ein paar andere Vorteile bietet, denn man kann damit auch Audiosignale in S- oder V-Trigger verwandeln. Das hilft beispielsweise dann, wenn man eine Drummachine hinzunehmen möchte, die noch gar keine Sync-Funktion aufweist. Oder man erzeugt ein entsprechendes Signal in seiner DAW. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass man bei einem S-Trigger sogar einen Fußschalter als Auslöser verwenden kann.

Wie stabil ist die Stimmung?

Sicherlich immer ein Thema bei alten analogen Systemen: Die Stimmstabilität. Bei den beiden Oszillator-Varianten konnte ich während der Testzeit keine Probleme feststellen. Geprüft habe ich dies 15 Minuten nach dem Einschalten und nachdem das System mehrere Stunden in Betrieb war. 

Verarbeitungsqualität

Die Module erscheinen allesamt sauber verarbeitet und die Regler sind von stabiler Natur. Bei den Wahlschaltern hat man sich für die Moog-typischen Varianten entschieden, wie wir sie schon beim Behringer Model D gesehen haben. Die Regelwege sind allesamt gut gewählt, die Regler verfügen über den nötigen Widerstand, wodurch Einstellungen sehr nuanciert vorgenommen werden können. Gefallen hat mir auch, dass z. B. der Cutoff-Bereich des VCF in drei Stufen wählbar ist. Die Oszillatoren geben auf dem Scope alle ein sauberes Signal ab, außer man geht in die Sättigung, die dann die Schwingung verändert. Das ist allerdings aus klanglicher Sicht ein erwünschter Aspekt.

Alles zusammen, oder geht es auch einzeln?

Module wie die 914 Fixed Filter Bank und ebenso der 960 Sequential Controller (Sequenzer) machen als Einzelmodule in einem anderen Euroracksystem eine Menge Sinn, zumal diese nun wirklich gnadenlos preiswert sind. Gerade die Fixed Filter Bank sollte in keinem Modularsystem fehlen. Im nachfolgenden Klangbeispiel schicken wir Noise in das Filter und zeigen die Soundveränderungen unter Nutzung der zwölf Bänder.

Selbstverständlich lässt sich die Fixed Filterbank zum Verändern von Signalen anderer Klangerzeuger verwenden. Die 914 Fixed Filterbank ist mehr als ein parametrischer EQ, obwohl man sie zu dem Zweck nutzen kann unerwünschte Frequenzen zu eliminieren. Das Modul 914 ist vielmehr ein eigenständiges Eurorack-Tool für eine sehr kreative Klangbearbeitung – und das zu einem Preis von 102 Euro !!! 

Wie Modulationen steuern?

Bei den ersten Patches tauchte dann ganz unverhofft ein Problem auf. CV und Gate von einer Tastatur arbeiten tadellos. Aber was passiert, wenn man jetzt noch mit einem Modulationsrad einen LFO dazu bringen möchte, ein Vibrato zu erzeugen? Das ist gar nicht so einfach, denn an keiner Stelle kann ich die Intensität des LFOs per CV regeln! Ich verwende den Attenuator und drehe dann am Regler, was jedoch nicht das Modulationsrad ersetzt. So muss man festhalten, dass keiner der Abschwächer sich über CV steuern lässt. Also, was tun? Die Lösung ist, einen VCA zu verwenden, der Kontrollspannungen akzeptiert. Hat man nur einen VCA im System, wird die Sache schon schwierig. Hier kann es nur die Empfehlung geben, direkt zwei VCAs zu bestellen. Jetzt könnte man in die Diskussion einsteigen, ob man da nicht besser die Attenuator im CP-35 CV-fähig gemacht hätte, auch wenn das dann nicht dem Original entspricht.

Basissystem zusammenstellen - was wird benötigt?

Für ein Basissystem empfehle ich zwei VCOs, einen VCF (Tiefpass), zwei (!) VCAs (siehe oben) sowie zwei Hüllkurvengeneratoren. Nimmt man dann noch das Interface dazu, bezahlt man für ein geklontes Moog-Modularsystem gerade einmal 604 Euro. Mit Sequenzer und Fixed Filter Bank liegt man bei 850 Euro. Günstiger geht es kaum.

Wie klingt das Behringer System 55?

Erster Eindruck: Es klingt wie ein Moog, mit allen Eigenheiten und das mit aller Wucht. Oszillatoren und Filter arbeiten so, wie man es erwartet.

Hier ein Beispiel eines ganz einfachen Patches: Zwei 921er VCOs, leicht gegeneinander verstimmt, gehen in den Filter und dann in den VCA, die EGs sind sogar deaktiviert. Das klingt schon voluminös. Dann wird am Cutoff und an der Regeneration (Resonance) gedreht. Es ist eigentlich alles da, was man am Moog-Sound mag oder auch hasst. Der Klang ist ungemein breit.

Das Filter arbeitet wie gewünscht und der nötige Druck im Bass kommt nicht zu kurz. Der Behringer System 55 Modular-Synthesizer hat den Hörtest bestanden. Bei den folgenden Klangbeispielen haben wir dann noch verschiedene Patches ausprobiert. Ich bin sicher Moog-Freunde werden ihre helle Freude an diesem System haben.

Behringer System 55 Sound Demo (no talking)

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