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Test
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01.09.2020

Behringer System 100 Test

Modularer Synthesizer

Shoot-out versus Roland System 100M und Roland System 500

Behringer beteiligt sich an dem momentanen Modular-Hype mit der Wiedergeburt verschiedener legendärer Modularsynthesizer. Gerüchteweise ist der ARP 2500 in der Pipeline, während Moog-Module und die Clones des Roland System 100M-System schon im Handel zur Verfügung stehen. Allerdings stehen längst noch nicht alle angekündigten Module im Regal. Trotzdem haben wir für unseren Test ein leistungsfähiges System inklusive Rack zusammenstellen können.

Details

Kurzer Überblick

Unser Testrack besteht aus dem Dual VCO 112, Dual VCF 121, Dual VCA 130, dem Dual Envelope/LFO 140, Quad Gate/Multiple 173 und dem Eurorack Go Case. Da das Modul 150 (Ring Mod, LFO, Sample & Hold) bei Roland in der 500er Ausführung gar nicht erhältlich ist haben wir dies beim Vergleich außer Acht gelassen und nur bei den Klangbeispielen eingesetzt, die nur das Behringer-System darstellen. Müßig zu sagen, dass alle Systeme analog aufgebaut sind.

Die Module des Behringer System 100 unterscheiden sich vom Original schon in der Größe (Höhe: 23 cm), denn zu Zeiten des alten Roland Systems gab es noch keine Eurorack-Norm. Das kleinere Eurorack-Format (Höhe ca. 13 cm) hat Veränderungen an der Bedieneroberfläche (und natürlich an der Schaltung) der Behringer-Module zur Folge. So wurden manchmal Schieberegler durch Potis ersetzt, um ganz einfach Platz zu sparen. Da kann man mit leben. Da, wo Schieberegler zu finden sind, sind diese wie beim Behringer Odyssey illuminiert.

Zum Vergleich nehmen wir das Roland System 500 in einer vergleichbaren Ausführung heran (allerdings ohne Quad Gate). Der Roland-eigene „Clone“ erschien 2016 und basiert nach eigenen Angaben ebenfalls auf den legendären Modularsynthesizern Roland System 700 und Roland System 100 M, obwohl man sich hier nicht komplett an die alten Vorlagen des 100M gehalten hat.  Wie auch das Behringer System gibt es das Roland System 500 ebenfalls nur im Eurorack-Format. Da wir bei Bonedo die Roland-Variante bereits 2017 getestet haben, werde ich nur auf die Unterschiede zum Behringer bzw. Original hinweisen.

Eurorack Go Case

Das Eurorack Go Case ist ohne Zweifel auf Zuwachs ausgelegt.  Es bietet zwei Reihen à 140 TE und Steckplätze für bis zu 32 Module mit den Abmessungen (H x B x T): 112 x 723 x 311 mm. Ein Netzteil mit 3000 Ampere bei 15 V ist inbegriffen. Das müsste selbst bei Vollbestückung reichen.

Das Rack lässt sich entweder als Desktop-System aufstellen, kann aber dank des rückseitig ausklappbaren Standfußes auch hochkant stehen. Zum besseren Transport gibt es noch einen praktischen Griff. Unser Testaufbau verliert sich fast in den Weiten dieses Racks. Trotzdem sollten User ihr erstes Rack gut dimensioniert auswählen, denn irgendwann kommen immer wieder neue Module hinzu. 

Bei Behringer hat man darüber hinaus sicherlich berücksichtigt, genug Platz für den Einbau der eigenen Komplett-Synths wie Pro-1, Neutron oder Model D zu haben, die sich aus ihrem Desktop-Gehäuse herausnehmen und ins Eurorack schrauben lassen. Der Neutron würde sich z. B. alleine schon mit 80 TE im Rack ausbreiten.

Die Module

Behringer hat sich bei der Modulbezeichnung exakt am Vorbild orientiert, während beim Roland System 500 immer eine ‚5‘ vorweg steht. Im nachstehenden Fall des Dual VCOs wäre das dann das Modul 512.

Behringer Modul 112 Dual VCO

Das Modul 112 - Dual VCO beherbergt zwei identische Oszillatorsektionen. An Schwingungsformen stehen wahlweise (per Schiebeschalter) Dreieck, Sägezahn und Rechteck zur Verfügung. Die Pulsbreite ist variabel als auch modulierbar. Dafür steht dann auch ein Abschwächer zur Regelung der Intensität zur Verfügung.

Zur Anwahl der Oktavlage gibt es einen Regler für 32‘ - 2´, dazu kann der VCO auch noch fein gestimmt werden Da wir ja zwei VCOs im Modul haben, können wir dies auch hard oder soft syncen. Drei Modulationseingänge an der Unterseite runden die Bedienoberfläche ab. Einen Eingang sollte man hier für die CV-Spannung eines Keyboards oder Sequenzers reservieren. Bis auf die Tatsache, dass statt Schieberegler Potis die Dinge regeln, sind das Behringer und das Original-Modul identisch in der Funktionsauswahl. Das entsprechende Roland-Modul ersetzt den Schwingungs-Wahlschaler durch drei separate Ausgänge, so dass man hier die Wellenformen auch parallel nutzen kann.

Behringer Modul 121 VCF

Auch beim Modul 121 VCF haben wir es mit einem Dual-System und damit zwei identischen Filtersektionen zu tun. Jeder Bereich bietet einen 24dB-LowPass mit einem hinzuschaltbaren dreistufigen HP-Filter.

Cutoff und Resonance werden per Schieberegler bestimmt. An der Oberseite befinden sich jeweils drei regelbare Eingänge, z. B. für die beiden VCOs oder auch ein externes Signal. An der Unterseite wurden drei Modulationseingänge für LFOs, Hüllkurve etc. untergebracht. Der Unterschied zum alten 121er-Modul: Die Abschwächer sind als Poti ausgelegt.

Behringer 130 Dual VCA

Das Modul 130 Dual VCA ist das nächste Doppel-Modul der 100er-Reihe.  Beide Amplifier sind identisch und verfügen über drei regelbare Signal- sowie drei regelbare Modulationseingänge (z. B. für Hüllkurve und LFO). Zum Anschluss an weitere Peripherie (Mischpult etc.) gibt es jeweils einen High und ein Low-Ausgang) in Miniklinke. Über den Initial Regler kann man den Synth auch ohne getriggerte Hüllkurve hören. Die Kennlinie ist entweder exponentiell oder linear. Auf Schieberegler wird hier gänzlich verzichtet.

Behringer Modul 140 Dual Envelope/LFO

Das letzte Doppelmodul in dieser Runde, das Modul 140 - Dual Envelope/LFO, beherbergt zwei identische ADSR-Hüllkurvengeneratoren mit jeweils einem Gate-Eingang zwei Envelope Ausgängen sowie einen weiteren mit invertierten Hüllkurvenverlauf. Um den ADSR-Generator auch ohne Tastatur starten zu können, gibt es den roten Knopf mit der Bezeichnung „Manual Gate“. Darunter liegt der Eingang, der in der Regel von einem Keyboard-Gate oder einem Sequenzer-Gate belegt wird.

Das letzte Drittel des Moduls gehört einem LFO mit regelbarer Frequenz (in drei Bereichen wählbar), Delay und der Wahl der Schwingungsform: Sinus, Dreieck, Puls, aufsteigender Sägezahn und absteigender Sägezahn. Auf der Anschlussseite finden wir einen Modulationseingang für die Frequenz, einen Trigger-in sowie zwei Ausgänge mit unterschiedlicher Phase. Das Output-Level kann per Schieberegler von 1/10 auf 100% variiert werden,

Behringer 173 Quad Gate/Multiples

Ein unspektakuläres aber enorm hilfreiches Tool ist das Modul 173 Quad Gate/Multiples. Fangen wir mit den sechs Multiples an. Diese vervielfachen ein Signal, welches in den ersten Anschluss gegeben wird. Bei dem vorliegenden Setup wäre es z. B. sinnvoll auf A1 die CV Spannung vom Keyboard einzugeben und über zwei Ausgänge B1 und C1 diese gleichzeitig auf VCO 1 und 2 zu legen. Von Multiples kann man in einem modularen System nicht genug haben. Oft genug steht man vor dem Problem, eine Steuerspannung mehrfach zuwiesen zu müssen und es stehen nicht genügend Ein- oder Ausgänge zur Verfügung.

Die Quad-Gates erzeugen über eingehende Signale Gates, die man zum triggern des Systems verwendet. So könnte man z. B. einen LFO dazu nutzen, diese Aufgabe zu übernehmen. Aber natürlich kann man hier auch ein Keyboard anschließen. Nutzt man den invertierten Ausgang, dann wird der Ton stets nach Loslassen der Taste erzeugt und verstummt, wenn man eine Taste drückt. Die Funktionen des Moduls sind ausgesprochen vielfältig.

Behringer Modul 150 Ring Mod/Noise/S&H/LFO

Das Modul 150 ist ein Multifunktionsmodul mit Noise Generator, Sample & Hold, Ring Modulator und einem weiteren LFO. Hier haben wir die wichtigsten Modulationsquellen in einem Modul vereint. Der LFO ist identisch mit dem, der auch bei den ADRS-Generatoren zur Verfügung steht. An Rauschen finden wir white und pink noise mit jeweils zwei Ausgängen. 

Der Ring Modulator für metallische Klänge ist dann einfach aufgebaut, zweimal rein und einmal raus. That`s it. Defaultmäßig liegen hier Noise und LFO an, das kann man aber über-patchen. Der Sample&Hold-Generator kann als Klangquelle auf Noise, den LFO, oder aber eine externe Klangquelle zurückgreifen. Dabei sind Clock Rate und Lag Time per Schieberegler steuerbar. Dieser Effekt lässt sich auch von einer externen Quelle synchronisieren (ext. Clock in).

Mit den sechs zur Verfügung stehenden Behringer-Modulen haben wir uns einen absolut funktionstüchtigen Modularsynthesizer zusammengestellt. Damit kann man erst einmal arbeiten. Eine Vielzahl weiterer Behringer-Module steht schon in den Startlöchern, sodass die Palette bald erweitert werden wird. Im Gegensatz dazu hat Roland das System 500 nicht mit weiteren Modulen „gepflegt“.  Da man im Eurorack ja Module beliebiger Hersteller vernetzen kann, ist das jetzt nicht weiter tragisch, sollte aber doch hier Erwähnung finden. 

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