Software
Test
3
26.04.2019

Behringer Crave Test

Monophoner Desktop-Synthesizer

Brother 32

Was habe ich mich getäuscht. Zur NAMM 2019 präsentierte Behringer den Crave und ich dachte, es wäre endlich was Eigenes, weil es nicht nach einer 1:1 Kopie bekannter Vintage-Kisten aussah. Aber machen wir uns nix vor: Der Behringer Crave ist eine Moog Mother-32 Kopie – und eine ganz schön billige dazu, also preislich gesehen. Soll uns das stören? Wir werden sehen.

Details

Mono Desktop-Synth

Der Behringer Crave ist ein semi-modularer, monophoner Synthesizer im flachen Desktop-Format. Das Metallgehäuse misst 32 x 16 x 4,5 cm, wiegt 1,3 kg und wurde mit Holzseitenteilen auf Vintage-Look gebracht. 

Aber halt, so alt ist nicht einmal das Vorbild der Kiste, das 2015 erschien und sich Moog Mother-32 nennt?! Der Moog sieht zwar edler aus, der Crave ist trotzdem gut verarbeitet, macht einen robusten Eindruck – und genug Platz zwischen den vielen Potis, Schaltern und Taster hat er auch. Seine Bedienelemente sind außerdem deutlich strukturierter angeordnet. Unentschieden.

Moog vs. Behringer - Round 2

Wie das teure Originalgerät verfügt auch der Crave über 32 Patchpunkte und einen integrierten Sequenzer inklusive Arpeggiator. Wenn das Layout beider Geräte auch unterschiedlich ist, faktisch sind alle Regler in ihrer Funktion identisch. Einzige Halb-Ausnahme: Der dedizierte Sustain-Regler geht zugunsten des Craves. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Integration über das Eurorack-Format – reichlich Patchkabel liegen dem Behringer Karton auch bei. Allerdings handelt es sich bei meinem Testgerät um ein Vorserienmodel – und über den finalen Lieferumfang möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren. 

Versorgt wird die Kiste, wie das Vorbild, über ein mitgeliefertes 12-Volt Netzteil, außerdem gibt es noch eine MIDI-In Buchse. Hinzu kommt sogar ein MIDI-Thru sowie ein USB-MIDI-Anschluss, beides gibt es beim Moog nicht. Ein weiterer offensichtlicher Unterschied ist der Main-Out, der hier als 3,5 mm Klinke ausgelegt ist, wie auch alle Patchpunkte. Beim Moog liegen diese als solide 6,35 mm Klinke vor. Der Crave kommt ferner aus China, der Moog ist „Assembled in USA“. Und das Ganze einmal in UVP-Zahlen: 149,- Euro (Crave) vs. 799,- Euro (Mother-32). Der Straßenpreis des Moogs beträgt zwar mittlerweile „nur noch“ rund 575,- Euro – das ist trotzdem fast das Vierfache.

3340 „Curtis Chip“ VCO, Filter und ein LFO

Genug Vergleiche, ran an das Eingemachte: Da wäre zunächst der Oszillator oben links, basierend auf einem Curtis Chip („3340 VCO“), den auch viele gute alte Vintage-Kisten nutzen. 

Geboten wird ein VCO – und auch nur eine Stimme – und dieser lässt sich in seiner Basis-FREQUENCY sowie seiner SHAPE einstellen. Es stehen Sägezahn sowie ein in seiner Weite regelbarer Puls (PULSE WIDTH) zur Verfügung. Ferner gibt es einen festverkabelten OSC MODulator, der sich bei dem LFO oder dem ENV/OSC bedienen kann und die Frequenz oder Pulsweite anfährt. Gemischt wird am Ende mit MIX, wobei als zweite Zutat ganz klassisch Noise/Ext dient.

Geformt wird der VCO mittels Hüllkurve (ENVELOPE), die ATTACK, DECAY und einen zuschaltbaren SUSTAIN als Parameter kennt. Anschließend greift das Filter, das wahlweise als Low- oder Highpass arbeiten kann und mit CUTOFF und RESSONACE parametrisiert wird. Einen eigenen Envelope für das Filter gibt es nicht, allerdings kann der Cutoff mittels VCF MOD geregelt werden und hierfür der LFO oder der ENVelope als SOURCE hinzugezogen werden. Die Modulation-Polarity kann natürlich ebenfalls festgelegt werden, genau wie dem LFO dessen LFO RATE und SHAPE (Pulse oder Dreieck) einstellbar sind. And, that´s it.

32 Patchpoints und die Utilities

Halt, das war natürlich noch nicht alles! Noch viele weitere Modulationen können über die Patchpunkte im oberen Viertel des Crave vorgenommen werden. Die 18 Inputs sind dabei orange hinterlegt, die 14 Outputs schwarz. Die meisten Buchsen sind selbsterklärend, sodass nur für Mix1, Mix2, VX Mix Input und VC Mix Out der Hinweis anfällt, dass es sich um I/Os des Utilities handelt, mit dem zwei CVs gemischt werden können. Ebenfalls unter den Utilities beheimatet ist die Glide-Funktion. 

Sequenzer

Im untersten Teil des Behringer Crave finden wir außerdem das Keyboard, den 32-Step Sequenzer sowie den Arpeggiator. Gesteuert wird alles mit zehn Funktionstastern und einem Drehregler sowie 13 weiteren, etwas größeren Tastern in Anordnung einer Klaviatur (8 unten, 2 + 3 oben). Mit diesen bedient man dann die einzelnen Steps und kann den Crave auch tonal spielen – ohne Velocity und Aftertouch versteht sich.

Der Sequenzer kennt 64 Speicherplatze sowie einen Step- und Keyboard-Mode und natürlich weitere Funktionen, wie Swing, Length, Accent, Slide, Pause und Transpose. Außerdem gibt es acht LEDs zur Navigation und für den Status. Alle Taster sind hintergrundbeleuchtet und mit Doppelbelegungen versehen.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare