Gear_DJ-Controller Hersteller_Behringer
Test
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10.07.2013

Praxis

Testfahrt

Nachdem ich den PL-1 - er wird über die USB-Schnittstelle mit Betriebsspannung versorgt - an den Rechner angeschlossen habe, begrüßt mich der Controller mit einer Lightshow, die mir seine Einsatzbereitschaft signalisiert. In DD2OEM wird er nach Aktivierung unter „MIDI Inputs/Outputs“ per manuell auszuführender Auto-Detection eingebunden. Als Audiointerface wähle ich den Clubmixer American Audio 14 MXR im Standard-Modus, wo die zentralen Kanäle 2 und 3 die Signale meiner beiden Softwaredecks wiedergeben. Dieses Pult kann ferner im Controller-Modus betrieben werden, bei welchem es ein Master/Preview-Routing erlaubt und seine Bedienoberfläche als MIDI-Mixer fungiert. Da der Mischer allerdings nicht von DD2 nativ unterstützt wird, muss ich ihn in diesem Fall selbst mappen, was bekanntlich nur mit Image-Lines Vollversion möglich ist (das Mapping findet ihr <media 82985>hier</media>). Denkbar wäre natürlich auch ein Zusammenspiel mit einem vollwertigen Vierkanal-Stereo-USB-Pult, wie dem DJM-850 von Pioneer. Dieses ist jedoch dreimal so teuer wie der 14MXR samt DD2 Vollversion und spielt natürlich in einer anderen Liga. Neben einem klassischen DJ-Mixer macht der PL-1 eine gute Figur – nur schade, dass Behringer nicht an einen Ständer gedacht hat, der meinen Testkandidaten auf Augenhöhe mit dem Pult befördert. Damit haben auch A&H Xone:K2 und Natives X1 zu kämpfen, Letztgenannter jedoch bekommt seitens des Herstellers Unterstützung in Form einer Tasche-Ständer-Kombination oder eines Kunststoff-Bocks. Da passt der PL-1 nicht drauf, aber vielleicht habt ihr ja noch eine alte Zigarrenkiste vom Großvater irgendwo versteckt oder wollt kurzerhand in die Legokiste greifen.

Von Haus aus gemappt mit Play, Pause, Sync, Tap, Scratch, Search, Pitch und Bend kann der PL-1 nicht nur einen analogen Zuspieler ersetzen, sondern dank seiner „Effektsektion“ auch die kreativen Bordmittel einer DJ-Software bedienen. Einziges Manko – das Browsen in der Musikbibliothek ist mit Deckadance OEM nicht möglich. Also entweder das Update kaufen, einen nativ unterstützten „browsenden Controller“ nutzen, oder der Griff zum Mauspad/Keyboard ist vorprogrammiert. Ich möchte allerdings betonen, dass der Preis für die MIDI-Edition mit unter 50 Euro sehr moderat ausfällt und außer dem DVS-Feature identisch mit der teuersten Version ist. Was die Effekte angeht, so dirigiert die erste Riege an der Hardware Dry/Wet und die Effekte 1 bis 3. Der umgebende Leuchtkranz visualisiert die aktuelle Stellung mit 15 Schritten (der Regler in der grafischen Benutzeroberfläche der Software macht etwa 20 „Sprünge“, was einer Feinabstufung bei Effektattributen (mal abgesehen vom Timing-Parameter) von fünf Prozent zulässt. Reihe zwei startet mit zwei Knöpfen, die Loops und Leaps (ohne LED-Kranzbeleuchtung durch DD2OEM) aktivieren und diese in ihrer Länge bearbeiten. Das ist praktisch. Die beiden letzten Rotaries im Bunde widmen sich den Smart-Knobs, darunter folgen die Cuepoints. Fürwahr eine Menge Features im Direktzugriff. Der Pitch-Fader arbeitet akkurat und wird von einer Positions-LED optisch in Szene gesetzt, jedoch hat diese LED noch einen zweiten Nutzen. Sie zeigt nämlich nach einem Player-Wechsel an, wo der alte Wert des betreffenden Faders abzuholen ist, wenn ich den Regler zwischenzeitlich verschoben habe. Praktisch. Mit dem Pitch-Fader manipuliere ich die Geschwindigkeit mit einer Feinauflösung von drei Hundertsteln bei +/-16. Der unsensible Bereich an den Enden beträgt etwa eine halbe Skaleneinteilung.

Die alternative Farbgebung vieler Tasten (auch wenn pink für „Cue“ nicht mein persönlicher Geschmack ist) wirkt sich vorteilhaft darauf aus, zu sehen, was auf einem Layer gerade passiert. Schalte ich beispielsweise auf Player 2, kann ich mit einem Blick erkennen, ob hier gerade ein Track gecued ist oder spielt, ob und wenn dann wie viele Hotcues angelegt sind oder ob der Keylock aktiv ist. Allerdings quietschen die Tasten der Hotcue-Sektion „wie Hulle“, und es gab zunächst noch Optimierungsbedarf im Mapping. Zum Beispiel wollte die Umschaltung der Effekte, Loops und Smart Knobs mit dem Deckswitch in OEM 2.09 nicht gelingen, oder der Browser-Encoder des MM-1 reagiert nach Anschluss des PL-1 plötzlich nicht mehr. Schnurstracks versorgte mich der freundliche Support mit der „2.10-Beta“, die diese Bugs eliminiert und bis zur Veröffentlichung dieser Zeilen auch im Download angeboten werden sollte. Ein besonderes Lob möchte ich den Entwicklern für das simple aber effektive Display mit den Decknummern aussprechen – das sorgt für zusätzlichen Durchblick.

Ein weiteres wahrscheinliches Setup ist die Kombination mit einem Mixermodul wie dem Behringer MM-1 und einem Interface oder dem gerade angekündigten Kontrol Z1, in dessen Bauch auch gleich die Audiohardware schlummert. Im Falle des MM-1 bedient dieser dann die EQs und Kanalfader der Software nebst Crossfader-Zuweisung, Browse-Funktion, den Monitormix sowie die Outputs 1 und 2 und erweist sich als kompetentes Zusatzelement zum MM-1. Ob allerdings eine Kombination aus zwei oder mehr PL-1 mit MM-1, Interface und weiteren CMDs zum Kassenschlager „mutieren“ könnte, ist in Anbetracht eines CMD Studio 4A für gerade mal 199 Euro fraglich.

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