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Test
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29.07.2013

Behringer CMD 4a Test

Dualdeck DJ-Controller mit Audiointerface

Man höre und staune: Sechs Jahre hat es gedauert, bis nach dem BCD 2000 (aus 2006) und BCD 3000 (aus 2007) ein neues Interface gepowertes Universalwerkzeug für den Software-DJ die fernöstliche Behringer City verlässt, um in der Welt der Controlleristen sein Glück zu versuchen. Erweiterbar durch die CMD-Modul-Familie tritt der CMD 4a nun ins Rampenlicht. Der designierte Deckadance-Controller verfügt über ein integriertes Vierkanal-Audiointerface, zwei (MIDI-) Mixer-Kanalzüge und zwei Deck-Sektionen mit extragroßen, berührungsempfindlichen Jogwheels, die via Umschalter auch die Software-Player drei und vier bedienen. Obendrein befehligt dieses Gerät auch die Effektbataillone, Hotcues und Loops der mitgelieferten Software Deckadance 2 OEM.  

Auf Eingänge verzichtet der Hersteller vollständig, auch ein Mikrofonanschluss ist nicht vorgesehen, aber immerhin kommt der potenzielle Benutzer in den Genuss eines zweiten Abgriffs des  Mastersignals für die Beschallungs- oder Monitoranlage. Das wohl schlagkräftigste Argument dürfte indes der Verkaufspreis von knapp unter 200 Euro sein, denn ein Gerät dieser Größe (nahezu wie ein S4 von NI - Test hier) ist zu diesem Preis eine Seltenheit. Aber auch Numarks Mixtrack Pro (Test hier) mit Serato DJ und American Audios VMS2 (Test hier) mit Virtual DJ oder ein Vestax Spin (Test hier) kratzen knapp an der 200 Euro Marke. Es braucht also etwas mehr als die bloße Existenz und einen guten Preis, um den DJ sein Portemonnaie zücken zu lassen und in den Verkaufscharts an die Spitze zu stürmen. Wird Behringer dies mit ihrem neuesten Baby gelingen?

Details

Der bunt bedruckte Karton gibt folgenden, mit Pappformteilen gegen Stöße beim Transport gesicherten Inhalt frei: einen CMD 4a, ein USB-Kabel, ein Stecker-Netzteil (zum Betrieb Pflicht!), ein dreisprachiges Handbuch mit Installations- und Betriebshinweisen, einen Aufkleber und die Serialcard für Deckadance OEM. Ein Datenträger mit Installations- und Treiberdateien oder Mappings für Traktor, VDJ und Co ist nicht dabei. Leider enthält das Handbuch nur grundlegende Infos und lässt zudem die MIDI-Charts vermissen. Fündig werde ich dann auf der Behringer Website, die einen Windows-Treiber und eine TSI-Datei für Traktor hervorbringt. Hier ein Auszug aus einem Text auf der Website:  

„Compatible with popular DJ software including Native Instruments Traktor*, Serato Scratch Live*, Ableton Live* and any other MIDI-compatible Programs.“  

Das stimmt in sofern, als dass der CMD grundsätzlich ein MIDI-Controller ist und all diese Programme MIDI-Kommandos verstehen. Ihr solltet aber nicht daraus ableiten, dass ihr diese Programme allein mit dem CMD vollständig betreiben könnt, denn für Scratch Live bedarf es eines Rane Interface, genau wie für Traktor Scratch Pro ein Native Instruments A6/A10 erforderlich ist. Serato DJ und Intro funktionieren ebenfalls nicht. Und Eingänge zum Durchschleifen eines DVS hat der Behringer schon gar nicht – so viel dazu. Allerdings kann das Gerät durchaus Traktor Pro, Virtual DJ oder Mixvibes sowie eine ganze Heerschaft anderer Programme befehligen, die über eine MIDI-Learn-Funktion verfügen.

Verarbeitung, Design und Layout

Der CMD ist schon ein richtiger Bolide mit großzügigem Layout und ordentlich Platz zwischen den Bedienelementen, das muss man ihm lassen. Im Detail tummeln sich auf einer Fläche von 502 x 317 mm satte 15 Drehknöpfe, ein Encoder, fünf Fader und 67 Tasten. Und dennoch liegt das Gewicht bei nur knapp 2,7 kg. Sicher, das Case und viele Bedienkomponenten sind aus Kunststoff gefertigt, was auch auf die nicht verschraubten Poti-Stifte und die Jogwheels zutrifft. Dennoch macht das Teil einen robusten Eindruck und suggeriert, dass die Platine und die Audioschnittstellen im Inneren „gut aufgehoben“ sind. Die Jogwheels sind zwar nicht zu 100 Prozent akkurat hinsichtlich ihres Rundlaufs, aber untereinander präsentieren sie ein gleichmäßiges Drehverhalten. Die Potis sind recht griffig, die Fader gleiten im Trockenlauf zweckdienlich über die Leiterbahnen, der überwiegende Teil der halbtransparenten Buttons trägt ein schwarzes Finish mit ausgestanzten Funktionsaufdrucken, die unter Strom farblich hervortreten. Schade, dass Behringer keinen dedizierten Shift-Button verbaut hat, denn dann könnten Benutzer der Vollversion oder anderer DJ-Programme weitere Software-Befehle besser integrieren. Vielleicht möchte man hier dem Vertrieb der eigenen CMD-Module nicht im Wege stehen. Zweitbelegungen konnte ich demnach also nicht ausmachen.

Die auszuübende Druckkraft für die Tasten würde ich als „etwas stärker als üblich“ beschreiben wollen. Einige Buttons quietschen konstruktionsbedingt, wenn ich sie betätige und die größeren Modelle können unter Umständen auch mal verkanten. Das Chassis ist praktischerweise abgerundet, sämtliche Schrauben sitzen vertieft im Gehäuse. Einen positiven Akzent setzen auch die sechs vergleichsweise großen Standfüße, die ein Wegrutschen bei impulsiven Handlungen quasi unmöglich machen.

Front- & Backpanel

An seiner rechten Vorderseite zeigt das Frontpanel lediglich einen 6,3-Millimeter-Klinkenanschluss für den Kopfhörer und den zugehörigen Lautstärkeregler samt Cuemix-Poti. Links ist nichts. Drehe ich den Probanden um 180 Grad, blicke ich auf zwei Stereo-Cinch-Ausgänge, die USB- und Netzteilbuchse und eine Kensington-Lock-Ausfräsung. Das war’s! - Mehr braucht es auch nicht für eine Mixsession.

Aufstellung und Taktik

Wer schon mal mit einem Controller oder klassischer Hardware gearbeitet hat, findet sich sofort zurecht. Doch auch Neulinge werden vom Angebot nicht sofort erschlagen, denn eigentlich ist das, was Behringer hier bietet, inzwischen Gang und Gäbe. Unschwer zu erkennen: Mit den Tasten für Cuepoints, Loops und Effekte schielt der CMD 4a mit einem Auge in die Richtung elektronisch verwurzelter DJs. Da er sich aber im Layout grundsätzlich an herkömmlichen Setups (Player, Mixer, Player) orientiert, ist er auch für alle Mainstream-Deejays, die auf Moderation verzichten können (hier hat man sich in meinen Augen keinen Gefallen getan), sicherlich eine Option.  

Beginnen möchte ich mit dem zentralen zweikanaligen Mischer, der in jedem Zug einen Dreiband-EQ samt Kill-Buttons, eine Vorhörtaste, einen 60 mm langen Line-Fader sowie Load- und FX-Assign-Taster beinhaltet. Unten sitzt der leichtgängige Crossfader. Eine hardwareseitige Kurvenanpassung oder Umkehrung der Blendrichtung für die Flachbahnregler ist nicht implementiert, was primär Scratch-Enthusiasten betrifft.  

Oben unter dem Schriftzug logiert das mit 15 Schritten gut aufgelöste Pegelmeter für die Hauptlautstärke. Zwölf orangene und drei rote Segmente vermitteln ein sicheres Gefühl, ob man übersteuert oder nicht. Leider war es mir bei meiner Testeinheit nicht möglich, die einzelnen Kanäle zum Abgleich „mono“ auf das Pegelmeter zu schicken. In Anbetracht fehlender Gain-Regler, respektive der Auto Gain-Funktion, geht dies in Ordnung. Das mittlerweile fast schon zum guten Ton gehörende Kombifilter vermisse ich hier dennoch.    

Deck-Sektionen

Satte sechs Zoll beträgt der Durchmesser der von Behringer verbauten Jogwheels. Sie unterscheiden zwischen Rand- und Oberflächenkontakt und erlauben somit seitliches Nudging und eben Scratch-Vorgänge, wenn der so betitelte Button eingeschaltet wird und die Hand die Metalloberfläche des Tellers berührt. Für das manuelle Beatmatching steht zudem ein 100 mm langer Pitchfader bereit (ohne Snap-in am Nullpunkt), unter dem es sich zwei Pitch-Bend-Tasten gemütlich gemacht haben. (Key-) Lock schützt vor Tonhöhenschwankungen beim Angleichen der Geschwindigkeiten zweier Tracks. Cue- und Play/Pause bilden zusammen mit der Sync-Taste die Transportsektion. Dann kommen auch schon die Kreativabteilungen.  

Unter dem Teller finden sich acht Hotcue-Taster samt Delete ein, die für meine Begriffe im Auslöseverhalten zu hart sind und zu nah beieinander liegen, um damit ernsthaftes Cuejuggling zu betreiben. Nichts desto trotz sind sie natürlich zum Anfahren von Songpassagen geeignet. Im Norden jeder Decksektion sehe ich ein FX-Bataillon mit vier Drehreglern und Tasten, welche die Parameter der „Klangverwurster“ fernbedienen. Die Loop-Abteilung besteht aus drei Tasten, von denen eine zum Aktivieren der Schleife gedacht ist und die beiden anderen zum Festlegen der Größe. Zu den Decksektionen zählen ferner die Schaltflächen zum Umschalten der Software-Player, die in der typischen Konfiguration A/C und B/D ebenfalls an der rechten und linken Außenflanke der Kommandobrücke zu finden sind. Wenden wir uns nun der mitgelieferten Software Deckadance LE zu.

Deckadance 2 OEM

Mit dem Erwerb des Behringer CMD 4a erhält der Käufer die OEM-Version der DJ-Software Deckadance aus dem Hause Image Line. Deckadance OEM ist eine vollwertige DJ-Lösung, die jedoch um einige Ausstattungsmerkmale der großen Brüder (V2, DVS) beschnitten ist. Was euch die Light-Variante zu bieten hat, sind zunächst mal vier Software-Decks mit farbcodierten Wellenformen, die ihr wahlfrei mit Musikalien der Formate MP3, FLAC, M4A, WMA, WAV, AIFF und OGG befüllen könnt. Zur Orientierung im Track dienen eine Wellenformübersicht mit Cuepoint-Anzeige und eine vergrößerte Ausschnittbetrachtung. Hier kann ich bis zu acht Smart-Panels pro Deck anlegen und zwar für Loops, FX, Cuepoints, Pitch, Key, Grid und DVS. Dazu gesellen sich in der oberen Screen-Hälfte der Mixer und die kreativen Bordmittel. Wie es ich gehört, gibt es auch ein Kombifilter, das – wo sollte es auch anders sein – im Kanal sitzt. Warum Behringer dafür keine Controller verbaut hat, verstehe ich nicht. Das Mixer-Panel kann zugunsten der Funktions-Panels aus dem Fokus weichen, sodass ihr statt dessen eine der folgenden Sektionen im Blick habt: Effekte, Sampler, Vertical-Waves, VSTs, Gross Beat. Viele dieser Tools könnt ihr leider ebenfalls nicht mit dem CMD 4a bedienen, sondern ihr müsst dies entweder mit der Maus erledigen oder euch ein kompatibles Zusatzmodul kaufen, etwa den DC-1 für Gross Beat. In diesem Zusammenhang würde ich empfehlen, wenn es euch nach mehr Features, aber ohne Timecode-Unterstützung dürstet, die 39 Euro für das „kleine“ Update zu investieren. Meines Erachtens ist dies gut angelegtes Geld, denn mit dem Besitz einer Vollversion erhaltet ihr – zumindest war es bisher so – kostenlose Versionsupdates auf den Nachfolger. Neugierig geworden? Hier ist der Testbericht zur Deckadance Vollversion.

Wir bleiben indes weiter bei der OEM-Version, bei welcher der Browser in gewohnter Manier die untere Bildschirmhälfte einnimmt und mit gängigen Tools zum Anlegen von Playlisten oder zum Filtern der Musikbibliothek ausgestattet ist. Für die globale Musikverwaltung (Rechtsklick auf Library), bietet DD die Möglichkeit zum Import von Ordnern (Einzeltitel aktuell nur über Drag & Drop), ein Back-up der Library anzulegen und diese zurückzusetzen. Ich vermisse hier einen manuellen Integritäts-Check mit Update-Funktion für verwaiste oder verschobene Musikstücke. Besonders nützlich bei umfangreichen Musiksammlungen sind die Smart Playlists, denn sie filtern den Datenbestand anhand flexibler Kenngrößen, wobei sich das Ergebnis sortieren und in der Menge beschränken lässt.

Ein Beispiel: Suche bitte nach allen House-Titeln von Roger Sanchez, die bis zum Jahr 2005 veröffentlicht wurden, sortiere diese nach meinen höchsten Bewertungen und beschränke das Ergebnis auf 20 Tracks. Der optional einzublendende File-Browser erinnert ein wenig an Scratch Live und gibt Zugriff auf den Verzeichnisbaum.

Kommen wir, bevor wir in die Arbeitspraxis mit dem CMD 4a einsteigen, noch zu dem, was der OEM-Version fehlt. Das ist zum einen die Unterstützung digitaler Vinyl-Systeme, also sämtliche Funktionen zur Steuerung über Timecode (Vinyl, CD, App) unter Verwendung eines externen Zuspielers. Auch individuelle Editoren für Smart Knobs und  Gross Beat stehen nicht zur Verfügung. Statt dessen gibt es eine stattliche Anzahl an festen Presets – genug, um auf den Geschmack zu kommen. Ferner fehlt die VST-Integration. Das ist einerseits schade, aber gerade für den Anfänger birgt dies vielleicht den Vorteil, dass er sich nicht mit unausgegorener Freeware „herumärgern“ muss, die sein System crashen lässt. Ein Session-Rekorder zum Aufzeichnen der Performance stünde allerdings auch der OEM gut zu Gesicht, denn das „Abhören“ eigener Mixe gehört zum A&O des elektronischen Club-DJs. Letztlich fehlt noch die MIDI-Learn-Funktion zur Re-Konfiguration des Controllers oder weiterer MIDI-Module. Nachstehend einige Screenshots aus der Beipacksoftware.

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