Hersteller_Arturia
Test
3
03.04.2018

Arturia MiniBrute 2 Test

Semimodularer Analogsynthesizer

Der MiniBrute ist erwachsen geworden

“Der MiniBrute verspricht eines der “heißen” Produkte 2012 zu werden”. So lautete der Anfang des MiniBrute Tests aus dem Jahr 2012, der von der Bonedo Redaktion verfasst wurde. Damals sorgte der französische Mono-Synthesizer für Aufsehen, da dieser von einem klassischen Software Unternehmen vorgestellt wurde, die vorher keine analogen Produkte im Sortiment hatte. Es stellte sich aber schnell heraus, dass Arturia den Nerv der Zeit perfekt getroffen hat: Analog, kompakt und preisgünstig. Auch der Moment der Ankündigung war ein Baustein für den Erfolg, da nur wenige moderne analoge Synthesizer damals in dieser Preisspanne erhältlich waren. Der Trend der nächsten Jahre war geboren: Leistbar und analog sollten sie sein. Kein Wunder, dass viele Musik Unternehmen diesem folgten und Instrumente veröffentlichten, die sogar einigen virtual analogen Plugins preislich Konkurrenz machten. Inzwischen Zeit muss man aber eingestehen, dass dieser erste Versuch nur der Anfang war von weiterem neuen analogen Musik Equipment aus dem Hause Arturia: MicroBrute, MiniBrute S, DrumBrute, MatrixBrute und das erst kürzlich veröffentlichte Audio Interface AudioFuse, erweiterten in den letzten Jahren das analoge Angebot des Unternehmens. 

Angekommen im Heute, einer Zeit, in der wahrscheinlich recht viele Musiker im Besitz eines Mono Synthesizers sind oder waren, hat sich das Blatt in eine andere Richtung gewendet. Dabei hat sich ein zentrales Thema in den letzten drei Jahren in den Vordergrund gedrängt: Modular. Dieses wird heutzutage vor allem mit dem Eurorack Format assoziiert, das von u. a. Dieter Doepfer ins Leben gerufen wurde. Nicht nur kleine Hersteller haben den lukrativen Markt für sich erkannt, sondern auch die Großen. Behringer mit Neutron, Moog mit Mother 32 oder auch Roland mit dem System-1m. Da ist es keine Überraschung, dass auch die Erfinder des ersten MiniBrute in diesem Markt mitmischen wollen. 

Das Ergebnis wurde kurz vor der diesjährigen NAMM Show vorgestellt und trägt den Namen MiniBrute 2 und MiniBrute 2S. Bei den neuen Synthesizern handelt es sich um eine Weiterentwicklung der ersten MiniBrute Generation, die jetzt auf einer neuen semi-modular analogen Architektur basieren. Dabei möchte Arturia zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Musiker erreichen, die einen modernen, analogen Mono Synthesizer suchen, aber auch die ansprechen, die sich in die Eurorack Welt wagen möchten. Ob Arturia das mit dem MiniBrute 2 schafft, soll dieser ausführlicheTestbericht zeigen.

Details

Auspacken

Ist das Paket im Studio angekommen, geht es natürlich sofort ans Auspacken. Zum Lieferumfang gehören neben dem MiniBrute 2 Synthesizer selbst, acht kurze in weißem Stoff ummantelte Patchkabel sowie ein externes Netzteil. Die Länge des Kabels ist ausreichend und es ist solide verarbeitet. Wer sich an den Lieferumfang des ersten MiniBrutes erinnert, beinhaltete dieser orange-silberne Patch Schablonen aus Papier, mit dem man Sounds analog speichern konnte. Das hat sich heute  etwas verändert.

Jeder MiniBrute 2 oder 2S beinhaltet einen großen, weißen Umschlag im dem sich das sogenannte Sound Cook Book befindet, ein “Kochbuch” mit 40 Klangrezepten, die den Einstieg erleichtern sollen. Jedes Patch ist hier graphisch in Farbe abgebildet und mit einer Notiz des Sound Designers versehen, der kurz erklärt wie man diesen am besten benutzen kann. Arturia hat aber auch an die Nutzer gedacht, die gerne ihre eigenen Sounds designen und später speichern möchten. Hierzu befindet sich ein Default Patch im Buch, das man beliebig kopieren kann. In Summe gefällt mir die Umsetzung des Sound Cook Buches sehr gut, und sie ist eine sehr gute Starthilfe, vor allem für Synthesizer-Anfänger. Pluspunkte gibt es auch für das ausführliche Manual, das man in diversen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch …) direkt von der Webseite des Herstellers herunterladen kann.

Konzept 

Beim Konzept des MiniBrute 2 bleibt Arturia sich treu und setzt weiterhin auf analoge Technik die in Zusammenarbeit mit Yves Usson entwickelt wurde. Der eher klassische Aufbau des Vorgängers wurde aber massiv überarbeitet und durch eine semi-modulare, analoge Engine ersetzt. Hierzu kommt eine große und komplexe CV/Gate Patch Bay auf der rechten Seite, die es ermöglicht den Synthesizer einfach an Eurorack Systeme anzuschließen. So überlässt man dem Musiker die Entscheidung, wie dieser das Instrument benutzt will: Entweder als ein monofones Instrument mit komplexen Modulationsmöglichkeiten oder als perfekte Einstiegsdroge in die weite Eurorack Welt.

Liebhaber von Presets bei analogen Synthesizer werden auch sechs Jahren nach dem ersten MiniBrute nicht auf ihre Kosten kommen. Kein Display, keine Presets, aber dafür bleibt ein sauberes “One Knob Per Function” Interface Design auch im neuen MiniBrute 2 bestehen. Neu hinzu kommt die Möglichkeit zwischen einer 25-Tasten oder einer neuen Sequenzer Version zu entscheiden. Hier machen die Entwickler den Kunden es relativ einfach, da beide auf der baugleichen semi-modularen, analogen Synth engine basieren. So muss der Interessent nur zwischen Keyboard oder Sequenzer entscheiden. 

Design und Verarbeitungsqualität 

Die Zeiten, als MiniBrute als winzig eingestuft wurde, sind vorbei. Verglichen zum Vorgängermodel hat sich am Aussehen sehr viel getan. Was einem sofort auf den ersten Blick auffallen wird, sind die neuen umfänglicheren Maße. Mit 484 x 336 x 58 mm zählt der neue MiniBrute leider nicht mehr zu den kompaktesten Mono Synthesizern auf dem Markt. Das liegt vor allem daran, dass man nicht das quadratische Design des MiniBrute 1 bei behalten hat, sondern auf ein Rechteckiges umgestiegen ist, das mehr Fläche für Controller, Patch-Bay usw. vorweist. Beim Auspacken fiel mir ein weiterer deutlicher Unterschied auf. Der Vorgänger war bereits mit 4 kg nicht das leichteste Instrumente, konnte aber vor allem mit Wertigkeit überzeugen. Die neue Version übertrifft diese sogar mit 4.8 kg was 0.8 kg zusätzlich sind. Ist aber größer immer besser?

Die Typveränderung des MiniBrute 2 ist meiner Meinung nach voll aufgegangen, und tut dem Instrument gut. So solide das Gehäuse des MiniBrute 1 verarbeitet war, so konnten mich die Knobs und Slider der ersten Version nie wirklich überzeugen. In der semi-modularen Neuauflage sind diese deutlich angewachsen, fühlen sich besser an und besitzen eine bessere Qualität. Auch hat man die Abstände zwischen den einzelnen Controllern vergrößert, wodurch man diese besser bedienen kann. Zur guter Letzt hat man sich von der ungünstigen oberen Position des Pitch & Modwheel verabschiedet und diese nun links unten angebracht. Bleibt die Frage, ob das Redesign des MiniBrute 2 auch zur Verarbeitungsqualität beigeholfen hat.  

Ja hat es! Bereits der MiniBrute 1, der damals für 499 € über den Ladentisch ging, hatte bereits eine sehr gute und solide Verarbeitungsqualität für diesen Preispunkt. Er bestand aus einem schönen, dunkel-grauen beschichtetem Aluminum Gehäuse, das leider etwas staubanfällig war. Auch der Nachfolger basiert wieder auf der gleichen Bauart und fühlt sogar etwas hochwertiger an. Für einen optischen Akzent zum grauen Alu Design sorgen heute zwei Holzseitenteile, die den MiniBrute 2 edler ausschauen lassen. Hier führt man die gleiche Designsprache fort, die man bereits beim MiniBrute 1S gesehen hat. 

Auch die Qualität der Bedienelemente wurde stark überarbeitet. Neben den verbesserten Knobs & Slidern, wurden auch das Keybed und die Räder auf der Linken Seite verändert. So verbaut Arturia nun das Keybed aus dem großen Bruder MatrixBrute im MiniBrute 2, was sich deutlich angenehmer spielen lässt. Auch hat man sich von Pitch- und Modwheels aus Plastik verabschiedet und setzt fortan auf Aluminium. Alle diese kleinen Veränderungen haben dazu beigetragen, dass der MiniBrute 2 zu einem deutlich edleren Instrument gewachsen ist. Weg vom Minimalismus, hin zu einem schöneren optischen Gesamterlebnis.

Rückseite 

In der Regel befinden sich auf der Rückseite eines elektronischen Musikinstruments alle nötigen Anschlüsse, die zur externen und internen Kommunikation benötigt werden. Bei beiden neuen MiniBrute 2 Versionen fällt diese Sektion etwas kleiner aus als noch beim Vorgänger, da alle CV /Gate Ein- und Ausgänge in die neue Patch-Bay ausgelagert wurden. Auf der Audioseite sind somit ein Master- und ein Headphone Ausgang übrig geblieben. Schade finde ich, dass der große Audio-Eingang auf der Rückseite Opfer der neuen Patch-Bay wurde und auch in diese integriert wurde. 

Neben den üblichen Audio Verbindungen, gibt es auch noch echte MIDI IN/Out Buchsen und einen USB Anschluss. Wer sich auf eine MIDI Thru Buchse gefreut, wird auch dieses Mal enttäuscht. Aber wer unbedingt mit MIDI Thru arbeiten möchte, kann dies in der MIDI Control Center Software einfach umstellen. Mit dem verbauten USB Anschluss ist es weiterhin möglich den MiniBrute 2 als MIDI Controller zu verwenden und Firmware Updates aufzuspielen. Wie schon beim MiniBrute 1, verbaut Arturia auch hier wieder einen praktischen Ein/Aus Schalten neben dem Stromanschluss. Neu hinzugekommen ist auf der linken Seite über dem Logo ein Anschluss für ein Kensington Schloss. Auch wenn die neue Rückseite auf den ersten Blick etwas puristisch erscheint, war es die richtige Entscheidung diesen Schritt zu einzuleiten, wie man später noch sehen wird.

Interface Design 

Großes Lob geht bereits an die Interface Designer des neuen MiniBrute 2 und 2S. Neben dem klassischen grau-schwarzen Interface mit weißer Beschriftung, wurde dieses in der neuen Version auch etwas klarer und farbenfroher gestaltet. So wurden beispielsweise verschiedene, essentielle Parameter in einer anderen Farbe (Cutoff in Orange, Brute-Faktor in Blau) hervorgehoben. Mit Hilfe blauer Markierungen unter spezifischen Reglern (bsp: LFO 2 unter dem Ultrasaw Anteil) erkennt der Nutzer nun, wie der standard Signalfluss des MiniBrute 2 ist. Dieses ist vor allem sehr hilfreich für all die, die sich weniger mit semi-modularen Synthesizer auskennen, und am Anfang lieber mit einem fixen Audio Routing spielen möchten. 

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare