Test
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15.08.2013

Praxis

Oszillatoren und Filter

Ob der Telemark V2 seinem Vorbild, dem Oberheim SEM Modul, klanglich das Wasser reichen kann, kann ich leider mangels direkter Vergleichsmöglichkeit nicht sagen. Doch bei voll analogem Signalweg lässt sich zumindest feststellen, dass die Sägezahn- und Rechteckschwingungen wunderbar weich, sahnig und dick klingen. 

Das 2-Pol-Filter des Oberheim SEM gehört in der Synthesizergeschichte eher zu den zahmeren Vertretern und auch das ihm nachempfundene Telemark-Filter schafft es kaum bis zur Eigenschwingung. Das ist der fluffige Oberheim-Sound. Allerdings verbinde ich diesen eher mit Flächen- oder Brass-Sounds. Deshalb fällt es mir persönlich schwer, da bei einem monophonen Synthesizer ins Schwärmen zu geraten. Dennoch hat natürlich auch diese Klangästhetik ihren Reiz und findet mit Recht ihre Anhänger. Und wer es kräftiger mag, kann mithilfe einiger Patch-Akrobatik und nicht zuletzt mit dem neuen Ringmodulator und Suboszillator auch recht viel Dreck aus dem Telemark V2 herausholen. Im folgenden Beispiel hört man das Filter mit maximaler Resonanzeinstellung. Es folgen als Vergleich der Korg MS-20 und der Moog Prodigy mit vergleichbaren Einstellungen.

Hier hört ihr noch einige Soundbeispiele, bei denen nur der fest verdrahtete Teil des Telemark zum Einsatz kommt:

Patchfeld

Auf der Patch-Seite sind verschiedenste Kombinationen der einzelnen Module und speziellere Modulationszuweisungen möglich. Man kann die Schwingungsformen der Oszillatoren einzeln abgreifen (hier auch Sägezahn und Rechteck gleichzeitig) und über den Mixer-Eingang wieder hinzufügen. Auch die vier Filtertypen sowie die beiden Schwingungsformen des LFOs und Sample+Hold können im Patchfeld simultan genutzt werden. Im Beispiel moduliert eine Rechteckschwingung die Frequenz und gleichzeitig eine Dreieckschwingung den Filter-Cutoff. 

Auch der neue Ringmodulator und der Suboszillator sind über das Patchfeld nutzbar, indem man die Signale der VCOs den entsprechenden Modulen zuführt und das Ergebnis wieder in den Mixereingang patcht. Der Sub liefert Töne eine und/oder zwei Oktaven unter der eingespeisten Grundschwingungsform. Im zweiten Beispiel wird die Cutoff-Frequenz des LP-Filters ringmoduliert.  

In den nächsten beiden Beispielen wurde vom Patchfeld des Telemark auf verschiedene Weisen Gebrauch gemacht.

Interessant wird es auch, wenn man das Patchfeld als Tor zu weiteren Gerätschaften nutzt. So ist der Telemark auch über externe Tastaturen oder analoge Sequencer via CV zu steuern (zum Einsatz kommt das verbreitete 1V/Okt.-Schema). Aber auch bei der Klangerzeugung selbst eröffnen sich durch die CV-Integration mit anderen (modularen) Synthesizern vielfältige Möglichkeiten. Zum Beispiel kann ein anderer Synthesizer über eine Steuerspannung einen weiteren LFO beisteuern, sodass man den Filter-Cutoff mit zwei LFOs modulieren kann (im Beispiel kommt dafür ein Korg MS-20 zum Einsatz):

Doch auch andersherum funktioniert die Kommunikation: Sämtliche ausgegebenen Spannungen sind natürlich extern nutzbar. Wer andere modulare Synthesizer sein Eigen nennt, kann den Telemark dank der vielen Patchmöglichkeiten auf vielfältige Weisen in das Setup integrieren.

Ein kleiner Nachteil ist der erforderliche Pegel des Audioeingangs. Die Maximallautstärke des Kopfhörerausgangs eines iPhones oder des Korg MS-20 erzeugten nur einen leisen bis mittleren Input beim Telemark. Um das Telemark-Filter zur Bearbeitung externer Klangquellen zu nutzen, muss also ein kräftig verstärktes Signal anliegen.

Indem man den Telemark mit einer MIDI-Clock versorgt und den Clock-Ausgang mit dem Triggereingang einer der Hüllkurven verbindet, kann man extern eingespeiste Signale rhythmisch bearbeiten. Hier zwei Beispiele anhand eines in den Synthie geschickten Flächensounds. Im zweiten Beispiel wird das Clock-Signal mit dem Suboszillator-/Teilermodul aufgeteilt: Die halbierte Version steuert die Filterhüllkurve und das geviertelte Clock-Signal die Amp-Envelope.

Bedienung

Der Telemark V2 liefert analogen Purismus: Es gibt keine Speicherplätze, keine umfangreiche MIDI-Einbindung, keine Untermenüs und keinen Schnickschnack, sondern striktes „what you see is what you get“. Dafür ist die Bedienung recht einfach zu durchschauen und das Patchfeld lädt zum Experimentieren ein. Beim Ausprobieren verschiedener Patches wird man häufig mit unerwarteten Sounds belohnt – und das ist ja auch der Reiz an diesem Konzept.

Der Lieferumfang ist allerdings extrem spartanisch: Dass Rackohren als optionales Zubehör erworben werden müssen, finde ich noch verständlich. Dass dem Synthesizer aber weder eine Bedienungsanleitung noch die passenden Patchkabel beiliegen, ist angesichts des recht stattlichen Preises doch etwas dürftig.

Die im Internet verfügbare englische Anleitung erklärt die wesentlichen Elemente des Telemark V2 in knappen Worten, richtet sich aber eher an erfahrene Benutzer. Viele Details muss man sich selbst durch Ausprobieren erarbeiten. Das macht zwar Spaß, aber gerade Anfänger würden sich sicherlich über etwas mehr Informationen freuen, insbesondere im Hinblick auf die Patchmöglichkeiten. Und wie die Zuweisung der CV2 zu einem MIDI-Befehlstyp funktioniert, findet in der Anleitung überhaupt keine Erwähnung, zumindest nicht für die hier getestete, Display-lose Desktopversion. Hier sollte Analogue Solutions dringend nachbessern.

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