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Test
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01.05.2013

American Audio 14MXR Test

DJ-Mischpult

MIDIlog Clubmixer für Digital-DJs

American Audio 14MXR im bonedo-Test. American Audios neue „MXR“ Mixer-Flotte setzt auf integrierte USB-Audiointerfaces und MIDI-Controller-Funktionalität zur Befehligung einer DJ-Software. Eine Seltenheit in der Preisklasse von unter 300 Euro und ein strategisch wichtiger Schachzug, denn so ist man nicht nur auf Augenhöhe mit den Anforderungen der digitalen DJ-Kultur, sondern auch gut aufgestellt, wenn es um Flexibilität im Arbeitsalltag geht. Am Puls der Zeit zu sein, das ist insbesondere für einen Clubmixer wie meinen heutigen Kandidaten 14MXR wichtig, denn er muss sich gegen eine Vielzahl günstiger und hochpreisiger Konkurrenten mit unterschiedlichen „Alleinstellungsmerkmalen“ durchsetzen, die aufzuzählen sicher eine halbe DIN-A4 Seite ausmachen würde. Wenngleich sie natürlich auch einige Gemeinsamkeiten vorweisen, so zum Beispiel analoge Eingänge für Plattenspieler und CD-Player, symmetrische und nicht symmetrische Ausgänge für Profis und Heim-Equipment, getrennt regelbare Master und Booth-Ausgänge für meist vier Haupt- und zwei Mikrofonkanäle.

Doch American Audio legt noch einen drauf und spendiert jedem Kanal ein kombiniertes Hoch/Tiefpassfilter und Bandbreitensteuerung, einen dedizierten Transport-Tastenblock auf jeder Seite für die Softwaredecks, einen Controller-Modus mit Master-Preview-Routing für die Software und ein Timecode-fähiges USB-Audiointerface. Alles Dinge, für die sonst oftmals das Dreifache und mehr zu berappen ist (Pioneer DDJ-T1, Denon X-1600 oder Rane 68). Eine „kostengünstige Alternative“ wie diese dürfte daher nicht nur den Privatmann interessieren, sondern auch den kommerziellen Anwender, für den Pioneer, Denon oder Rane Gerätschaft salopp gesagt „überdimensioniert“ ist. Hat das 300-Euro-Pult das Potenzial zum Kassenschlager und kann es die Konkurrenzmixer im Rennen um die Gunst der Hobby- und Working-DJs auf die hinteren Plätze  verweisen?

Details

Neben Handbuch und Stromkabel findet man in der Kartonage des 14 MXR eine DJ-Software in Form einer Serial Card für Virtual-DJ LE und darüber hinaus auch ein USB-Kabel zur Verbindung mit einem Computer. Der Mixer hat ein Kampfgewicht von 4,7 Kilogramm und gängiges Clubmaß von 356 x 320 x 85 Millimeter. Sein Metallgehäuse zeigt eine sauber aufgetragene mattschwarze Lackierung und ist ordentlich verarbeitet, nur könnte das Qualitätsmanagement – oder besser gesagt die Entgratung an der Faceplate – bei dem vorliegenden Testmuster besser sein. Drehe ich den Probanden um 180 Grad, blicke ich auf vier etwas kleine Hartplastik-Standfüße, die ruhig einen Tacken voluminöser hätten ausfallen dürfen. Ferner wäre eine Gummierung sinnvoll gewesen, denn bei energischerem Zugriff wandert das Pult tatsächlich über die beschichtete Oberfläche meines DJ-Tisches, was bei den „gummibefußten“ Gerätschaften im Studio nicht der Fall ist. Zum haptischen Erlebnis beim ersten Trockenlauf über Fader und Potis muss ich sagen, dass ich durchaus schon leichtgängigeres Werkzeug unter den Fingern hatte, denn die Equalizer müssen um einiges beherzter gedreht werden, als beispielsweise am DJM-850, was auf Dauer etwas ermüdend ist. Eventuell legt sich das noch über die Zeit. Eventuell ist dies auch eine Frage des Geschmacks. Ferner setzt American Audio traditionell ja auch seinen Fokus auf den Working-DJ, der sein Seelenheil nicht unbedingt in minutenlangem „Frequenz-Blending“ findet.  

Bei den Flachbahnreglern herrscht ebenfalls ein stärkerer Widerstand vor, als bei dem zuvor erwähnten Pioneer, zudem sind sie auch etwas wackeliger geraten, als beim Gegenüber. Der Crossfader hingegen schwebt leichtgängig über die Leiterbahn und kann, anders als seine Kanal-Brüder, im laufenden Betrieb gegen ein Inno-kompatibles Modell ausgetauscht werden. Für die Freunde knallbunter Bonbon-Optik möchte ich erwähnen, dass das Pult aufgrund der Stiftkonstruktion nicht kompatibel zu DJTechTools Chromacaps ist, wenngleich es ohnehin schon fast an Arbeit grenzt, die griffigen, gummierten Equalizer-Mützen vom Stift zu rupfen, da sie aufgrund eines Klebestreifens ziemlich fest auf den Achsen sitzen. Diese sind im Übrigen mit Ausnahme der Crossfader-Assigns (Plastik) aus Metall gefertigt. Dann ertaste ich noch Drehregler mit integrierter Button-Funktion, die konstruktionsbedingt ein wenig wackeliger zum Dienst erscheinen.

Am Backpanel empfängt mich links außen, zusammen mit der Kaltgeräte-Kabelbuchse, der Einschaltknopf für das integrierte Netzteil. Daneben wartet die USB-Schnittstelle auf Verbindung mit dem Rechenknecht. Ihr folgen die Ausgänge, allen voran ein symmetrisches XLR-Paar und ein Stereo-Cinch-Playout für den Master, die einen getrennt regelbaren Cinch-Booth flankieren. Schade finde ich, dass kein Record-Ausgang vorhanden ist und der Hersteller auf Klinkenausgänge verzichtet, doch sollte die Verbindung mit den meisten Verstärkeranlagen in gängigen Einsatzgebieten von Hobbykeller bis Musikkneipe gewährleistet sein.  

Eingangsseitig springen mir zuerst vier Stereo-Signalwege ins Auge, von denen zwei mit Phono-Vorverstärkern bestückt sind, die sich alternativ zum Line-Signal, das an allen vier Buchsen eingespeist werden kann, zuschalten lassen (Dip-Switch). Zwei Erdungsschrauben befestigen die Massekabel der Turntables, damit es nicht zu Brummschleifen kommt. Obschon effektsüchtige Plattenreiter sicherlich zu einem anderen Pult greifen könnten, wenn sie nicht mit einer DJ-Software arbeiten wollen, hätten dem 14er Send/Return-Wege für externe Effektoren wie das Kaoss-Pad gut zu Gesicht gestanden. Doch für 300 Euro darf man wohl nicht alles erwarten.  

Es folgen zwei Mikrofonanschlüsse als Klinken-XLR-Kombobuchsen, die beide an der Hinterseite verbaut wurden. Erneut wandert der Blick zum benachbarten DJM, wo sich der Hersteller für eine Anschlussvorrichtung auf der Oberseite entschieden hat, was einem die Möglichkeit eröffnet, mal eben sein eigenes Mike aus dem DJ-Backpack zu zücken, oben ohne viel Gefummel einzustöpseln und die Meute frohen Mutes mit souligen Gesangseinlagen oder einem Rap zu beglücken. Ach so, das gehört nicht zu euren Gepflogenheiten? Dann Schwamm drüber, ab auf die Bedienoberfläche ...

... ,wo das Pult einen mit den beiden Mikrofongruppen empfängt, die mit je einem Einschaltknopf, einem +/-12 dB Dreiband-Equalizer und einer Talkover-Funktion bestückt sind. Der Reverb-Effekt der Mikrofonsektion des 19MXR hat es leider nicht in den Clubmischer geschafft. Die Mikrofonkanäle arbeiten zwar nicht so rauscharm, wie zum Beispiel bei dem (viermal so teuren) DJM-850, aber für gelegentliche Durchsagen sehe ich keine Probleme, denn mal abgesehen von dem höheren Grundrauschen klingen sie doch recht neutral. Was die Talkover-Funktion angeht, so arbeitet diese mit einer festen Absenkung um -14 Dezibel, ist also nicht durch den Anwender konfigurierbar. Abgesenkt wird auf Tastendruck, unabhängig davon, ob ihr in das Mikrofon sprecht oder nicht. Ich steh zwar mehr auf Schwellwert-abhängiges Ducking, aber mit American Audios Umsetzung lässt sich natürlich gleichfalls arbeiten.

Vier vollständige Kanalzüge mit Gain, „Dreibänder“, Vorhörtaste und 45er-Linefader in der Mixersektion – das ist gängiger Clubstandard. Die Equalizer boosten um maximal 12 Dezibel und verfügen über eine Kill-Funktion, der Gain verstärkt um maximal vier Dezibel. Gar nicht so allgegenwärtig, erst recht nicht in dieser Preisklasse, sind eigenständige Kombifilter (Hi-/Lowpass) und regelbare Bandwith pro Signalweg, wie sie hier vorzufinden sind. Das Filter klingt recht ordentlich und macht gut zu, kann aber, was meinen persönlichen Geschmack angeht, einen Vergleich mit den nachstehend festgehaltenen Aufnahmen aus dem Pioneer-DJM-850 und dem Vermona Actionfilter 2+ nicht standhalten. Muss es aber allein schon aus Sicht des anvisierten Verkaufspreises und der primären Zielgruppen nicht.

Was auf den „MIDIlog“ getauften Kanal geleitet wird, bestimmen die Kippschalter im hohen Norden durch die Positionen USB oder Analog. Wer aber nun hofft, dass er hier vier USB-Stereokanäle frei routen kann, der irrt. Denn im Inneren werkelt ein Vierkanal-USB-Audiointerface (mono) mit einer Auflösung von 16 Bit und einer maximalen Samplingfrequenz von 48 kHz – ergo stehen nur zwei Stereo-Playouts vom Computer zur Verfügung, die am Kanal zwei und drei eingespeist werden. Warum um alles in der Welt ist dann USB an den Kanälen eins und vier aufgedruckt? Das hängt wohl mit dem Controller-Modus zusammen, wo die Stellung der Schalter ausschlaggebend dafür ist, ob die MIDI-Funktionalität für den Kanalzug aktiviert wurde und die zugeordneten Decks mit auf den Master (Software-internes Mixing) geleitet werden. Kanal vier und eins bieten alternativ die Möglichkeit, einen Line-Zuspieler einzubinden. Kanal zwei und drei verarbeiten ebenfalls Linepegel, können aber wahlweise auch Turntable-Signale aufnehmen.  

Zwei der vier Hauptkanäle lassen sich den beiden Seiten des Überblendreglers zuweisen. Das geht in Ordnung, auch wenn manche Clubmischer eine vollständige Zuweisung sämtlicher Kanäle ermöglichen. Der Crossfader kann stufenlos in seiner Flankensteilheit von schnellöffnend bis allmählich ansteigend reguliert werden. Der Cut-in liegt bei knapp drei Millimetern. Eine Umkehrung der Blendrichtung ist nicht möglich und in Anbetracht der Zielgruppe wahrscheinlich auch nicht nötig. Scratcher sollten lieber einen Blick auf den Battlemixer 10MXR werfen, den Bonedo-Autor Detlef Rick in sein Kölner Studio zitiert hat.  

Separate LED-Ketten für die Einzelkanäle suche ich vergebens, doch kann ich den Pegel von mir aktivierter Preview-Kanäle (Cue-Buttons drücken) an der zentralen zehnschrittigen „ampelfarbcodierten“ Master LED-Kette ablesen, die zwischen den Channelfadern sitzt. Und natürlich zeigt sie auch die Ausgabelautstärke an, die der Master-Regler im Zentrum festlegt. „Booth“ zeigt sich für die Monitoranlage zuständig. In der zentralen Vertikalachse haben es sich noch weitere Bauteile gemütlich gemacht, die wir uns im Abschnitt „MIDI-Controller“ genauer ansehen. Rechts unten wäre noch die 6,3-Millimeter-Anschlussbuchse für den Kopfhörer zu erwähnen, deren Regelwerk weiter nördlich aus einem Lautstärke- und einem Cuemix-Poti zum stufenlosen Ineinanderblenden von Master und Preview besteht sowie einer Split-Cue-Taste, die Master und Preview getrennt auf die Ohrmuscheln schickt.

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