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19.03.2019

Allen Bemühungen zum Trotz - Das Berliner Rockhaus schließt nun doch

Nach jahrelangem Rechtsstreit kündigte der Betreiber nun allen Musikern.

Das anfänglich als sicher geglaubte Happy End bleibt nun doch aus. Das Berliner Rockhaus schließt. Per Post bekamen die Mieter die Information, dass es das Rockhaus schon sehr bald nicht mehr geben wird, womit etwa 1000 Musiker Räume für Proben und Unterricht verlieren. Während auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain mit dem „House of Music“ weitere High-End-Proberäume zur stundenweisen Miete entstehen, verliert die Hauptstadt mit dem Rockhaus nun einen weiteren Ort, an dem sich Kreative ohne Zeitdruck und hohe finanzielle Belastung ausleben, Lehrer ihren Schülern ein Instrument beibringen und Bands sich auf Konzerte vorbereiten können.

Dem Rockhaus drohte zwischen 2016 und 2017 schon einmal das Aus, nachdem es gerichtliche Streitigkeiten zwischen dem Betreiber Dirk Kümmele und dem Eigentümer, der Scharfstein Group aus Berlin, gab. Kurz nach unserem Bericht Anfang 2017 gewann Kümmele in einem Gerichtsverfahren über nicht eingehaltene Brandschutzverordnungen, Räumungsklagen und die Nichteinhaltung von Fristen den Prozess, weshalb die Zukunft des Rockhauses gesichert schien. Doch das Verhältnis von Betreiber und Eigentümer war daraufhin nachhaltig belastet. Durch das laut Betreiber Kümmele nun „nicht mehr tragbare finanzielle und existenzielle Risiko“ kann er keine neuen Streitigkeiten mehr riskieren. Nun steht vor allem die Stadt und damit Berlins Kultursenator Lederer in der Kritik, der bisher nur Lippenbekenntnisse zu neuen Orten für Musiker abgeben konnte. Ob sich das Rockhaus an anderer Stelle wieder aufbauen lässt, wie es der bisherige Betreiber mithilfe der Kulturpolitiker der Hauptstadt erreichen will, ist fraglich. Dirk Kümmele, selbst Musiker, baute das anfänglich brachliegende ehemalige Bürogebäude den Anforderungen entsprechend für rund 250.000 € um, damit Schall- und Brandschutzmaßnahmen gewährleistet werden konnten. Trotzdem standen das Rockhaus und sein Betreiber unter ständigem Beschuss durch den Eigentümer. „Die letzten drei Jahre haben mich viel Kraft und Lebenszeit gekostet und sind auch nicht spurlos an meiner Gesundheit vorbei gegangen.“ schreibt Kümmele in einem Brief an seine Mieter.

Der alte Plattenbau im Stadtteil Lichtenberg bot über zehn Jahre in 186 Räumen Platz für mehr als 250 Bands, während im Rest der Hauptstadt durch Gentrifizierung, Abriss und Neubau der Raum für Bands und Musiker immer kleiner wurde. Nun schließt auch das Rockhaus zum 31.5.2019.

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