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Test
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21.08.2017

Akai Professional MPC X Test

Music Production Center

In Kooperation mit Telekom Electronic Beats

AKAI Professional kehrt mit der MPC X zu den Wurzeln zurück. Nachdem man mit den MPCs der letzten Jahre auf die Verbindung von Controller und Computer gesetzt hatte, bietet der Hersteller nun wieder Stand-alone-Geräte an, mit denen sich auch ohne einen Computer Beats produzieren lassen. Neben der mobilen Version MPC Live, die optisch der MPC Touch gleicht, hat AKAI auch wieder ein fettes Studiogerät entwickelt: Die MPC X kombiniert die Bedienoberfläche einer guten, alten MPC-Hardware mit einem großzügigen Touchscreen.

AKAIs neues Schlachtschiff wird durch umfangreiche Anschlussmöglichkeiten und die Aufnahme von Audiotracks zu einem mobilen Recording-Studio, das ohne einen Computer auskommt. Doch reicht das geschlossene MPC-System wirklich aus, um komplette Beats zu bauen, die aktuellen Produktionen gerecht werden? Und für wen lohnt sich die MPC Live gegenüber der MPC X? Mit diesem Review gehen wir der Sache auf den Grund!

Dieser Doppeltest entstand in Kooperation mit Telekom Electronic Beats und Fjaak, die die MPC-X im folgenden Video-Review vorstellen. Im Anschluss folgt dann der Test unserer Autoren.

Details

Allgemeines 

Wie die MPCs der „alten Schule“ kommt die MPC X komplett ohne einen zusätzlichen Computer aus. Darüber hinaus kann sie auch als Controller verwendet werden, um die MPC-Software für PC und Mac zu steuern. Unter der Haube arbeitet ein 1,8-GHz-Quad-Core-Prozessor mit 2 GB Arbeitsspeicher. Ausgeliefert wird die MPC X mit 16 GB internem Speicher, von denen 10 GB bereits mit der Library belegt und nur 6 GB als User-Speicher vorgesehen sind.

Vertraute Bedienoberfläche

Optisch könnte man meinen, dass eine Fusion aus der MPC 5000 und der Touch stattgefunden hätte. Die Bedienoberfläche der Hardware wirkt vertraut und sorgt in Kombination mit einem hochauflösenden 10,1“ LED-Touchscreen für eine gute Übersichtlichkeit. Mit 216 x 139 mm ist das Display in etwa so groß wie ein iPad-Touchscreen in der Standardgröße, wodurch ergonomisch gesehen auch längere Sessions für die Augen noch machbar sind. Im Gegensatz zur MPC Live bzw. Touch kann das Display in acht Neigungsstufen verstellt werden – sehr gut.

Wie es sich für eine MPC gehört, dienen die 16 anschlagdynamischen und druckempfindlichen Pads mit Hintergrundbeleuchtung als Mittelpunkt des Ganzen. Direkt darüber liegen die Modi-Tasten, mit denen man zu den wichtigsten Sektionen gelangt: Hauptmenü, Browser, Step Sequencer, Sampler, X/Y-Feld zur Steuerung der Effekte sowie ein Pad Perform Mode, mit dem sich vordefinierte Skalen und Akkorde spielen lassen – doch dazu mehr im Praxisteil. 

Anders als bei der MPC Touch und der Live verzichtet die MPC X trotz des Touchscreens nicht auf den MPC-typischen Hardware-Workflow. Alle nötigen Bedienelemente zur Bearbeitung der Pads, Banks, Programs und Tracks befinden sich direkt links neben dem Display. Direkt darunter ist die MPC X mit 16 Endlosdrehreglern ausgestattet, die zur Steuerung vieler vordefinierter Parameter dienen. Die LED-Kränze, die bei der Renaissance zum Einsatz kommen, sind bei der MPC X durch wesentlich präzisere OLED-Displays ersetzt worden, die aktuelle Parameter-Werte darstellen. Altbekannte Funktionen wie Note-Repeat, Full-Level, 16-Level, Erase und Latch dürfen hier ebenso wenig fehlen, wie das griffige Datenrad, der Ziffernblock zur direkten Zifferneingabe sowie die Transportsteuerung des Sequenzers.

Rechts des Displays befinden sich Gain-Regler der vier Audio-Inputs. Zwei Level-Meter dienen zum Einpegeln der anliegenden Signale. Die Eingänge lassen sich auch gleich aufnahmebereit, stumm, solo und in den Read/Write-Modus schalten, auch befindet sich hier 48V-Phantomspeisung zur Spannungsversorgung von Kondensatormikrofonen. Zum Monitoring des aufzunehmenden Signals kann zwischen Direct (latenzfrei) oder Main (Abgriff am Output) gemischt werden.

Viele Anschlussmöglichkeiten

Auf der Frontseite bietet die MPC X einen SD-Kartenslot, zwei Fußschaltereingänge, zwei Instrumenteneingänge sowie zwei Kopfhörerausgänge (3,5 und 6,35 mm), die sich zwar gleichzeitig nutzen lassen, jedoch mit nur einem Regler für die Kopfhörerlautstärke auskommen müssen. Hinzu kommt ein Mix-Regler zur Balance zwischen Main-Output (1/2) und Output (3/4).

Rückseitig ist die MPC X sehr umfangreich ausgestattet, um alles rein- oder rauszujagen, was das Herz begehrt. Zur Audioaufnahme stehen zwei XLR/Line-Kombi-Eingänge bereit. Kanäle 3 und 4 können wahlweise mit 6,35mm-Klinke oder aber mit Cinch-Quellen gefüttert werden – so lassen sich auch Plattenspieler recorden. Erdungsklemme und Phono/Line-Switch sind dazu ebenfalls an Bord. Zusätzlich zum Main-Out 1/2, der mit der Abhöre verbunden sein sollte, hält die MPC X drei alternative Stereo-Ausgänge bereit. 

In puncto MIDI-Konnektivität stehen zwei 5-polige Inputs und vier Outputs bereit. Sogar an CV/Gate-Outputs wurde gedacht, von denen acht 3,5mm-Buchsen vorhanden sind, um Synthesizer oder modulare Systeme mit anzusteuern. Zur Erweiterung des internen Speichers stehen neben dem SD-Kartenslot zwei zusätzliche USB-Ports bereit, an die sich USB-Sticks und externe HDDs anschließen lassen. Ein weiterer USB-B-Anschluss dient zum Austausch von Audio- und MIDI-Daten zwischen MPC X und der MPC-Software auf dem Computer.

Software und Sounds inklusive

Zu der bereits installierten Sound-Library stellt AKAI eine ca. 20 GB große Soundpalette zum Download bereit. Darunter finden sich Essential Sound Libraries, viele Software-Instrumente von AIR Music wie Hybrid 3, Xpand!2 sowie die AIR FX Collection Plus. Hinzu kommen AKAIs Legacy Expansions, The Bank, The 809, The Noise und The Wubs sowie Sonivox Virtual Instruments – es wurden also großzügig Sounds beigelegt. Man sollte aber bedenken, dass die Instrument- und Effekt-Plug-ins nur im Controller-Mode in Verbindung mit der Software auf dem Computer genutzt werden können. Die Hardware kann nämlich keine Plug-ins laden. 

Auspacken

Touchscreens sind eine praktische Sache, allerdings auch anfällig für Staub, Schlieren und Kratzer. Ein Mikrofasertuch und ein Touchscreen-Displayschutz liegen daher im Karton bei. Zur Stromversorgung und Verbindung mit einem Rechner sind Netzteil und USB-Kabel im Lieferumfang enthalten. Hinzu kommen Quickstart Guide, Software-Download-Instruktionen und Garantieanweisungen. Durch die bereits installierte Library kann man direkt loslegen.

Das Schmuckstück selbst macht auf Anhieb einen sehr wertigen Eindruck. Die Pads reagieren hervorragend präzise und vermitteln ein angenehmes Spielgefühl. Klasse ist, dass die Pads je nach Anschlagstärke in unterschiedlichen Farben leuchten. Bei den Kits sind die Pads mit einem Farbschema organisiert, wodurch man einen guten Überblick behält. Das Farbschema lässt sich auch an die eigenen Wünsche anpassen. Alle Drehregler weisen einen von AKAI gewohnten Widerstand auf, der gerade noch geschmeidig genug ist, um auch schnelle Parameterverläufe mit einem „Ruck“ zu performen. Die Buttons sind allesamt aus Kunststoff gefertigt und geben beim Betätigen ein leichtes „Knacken“ von sich, was ich aber nicht als besonders störend empfinde. Im Vergleich zur MPC Live hat man bei AKAI auch an die gummierte Handballen-Stütze gedacht, durch die sich die Nutzung wesentlich angenehmer gestaltet. Schauen wir uns im Praxisteil einmal an, was mit der MPC X alles möglich ist.

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