Eurorack-Module
Test
3
13.12.2018

Praxis

Global und Local Modes

Die eigentlichen Hauptprogramme werden ‚Global Modes‘ genannt und deren verschiedenen Variationen sind hier als ‚Local Modes‘ bezeichnet. Hält man beide Knöpfe gleichzeitig gedrückt, so fängt eine der sechs LEDs an zu blinken. Jetzt kann man sich den eigentlich Modus auswählen. Durch drücken des ‚Mode Select‘ Knopfs wechselt man nun zwischen den sechs verschiedenen Hauptprogrammen. Um den Global Mode wieder zu verlassen, hält man einfach wieder beide Knöpfe gedrückt bis die ausgewählte LED wieder aufhört zu blinken und so befindet man sich wieder im Local Mode.

Hier werden die verschiedenen Variationen des jeweiligen Programms ausgewählt. Wenn man den Mode Select-Knopf einmal drückt, springt man zum nächsten Programm. Drückt man den Knopf schnell zweimal hintereinander, so springt man ein Programm zurück. Das ist eine clevere und praktische Lösung, da man so nicht immer durch alle Programme fahren muss, um zum Vorhergehenden zu wechseln.

Geboten sind zwei Möglichkeiten die jeweiligen Local Modes per Steuerspannungen zu wechseln. Entweder springt der Event Boss zum nächsten Programm, jedes Mal, wenn ein Trigger ankommt, oder man steuert die verschiedenen Programme direkt über CV an. Dazu verwendet man dann keine Trigger, sondern LFOs oder Sequenzer. Global Modes, also die Hauptprogramme, können nicht per Trigger oder CV gewechselt werden.

Die verschiedenen Hauptprogramme

Der erste Global Mode nennt sich ‚Variables‘ und ermöglicht es viele eingehende Gates durchzulassen, oder nicht. So wird z. B. nur jedes 2., 3. oder .4 Gate usw. durchgelassen. Andersrum können auch alle Gates außer dem 2., 3. oder 4. Gate usw. durchgeschleift werden. Die ersten vier Variationen dieses Modus werden also in ‚Block‘ oder ‚Pass‘ unterteilt. Also, entweder ‚lass z. B. jedes fünfte Gate durch‘, oder ‚lass z. B. nur fünf Gates durch‘. Und das gleiche funktioniert auch mit dem Blockieren von Gates. Das ganze läuft immer in Loops von acht Schritten durch. Die letzten beiden der sechs verschiedenen Variationen können zwischen den ersten vier wechseln. Hört sich zunächst kompliziert an, ergibt aber durchaus sehr interessante Variationen. Und das bei gleichmäßig eingehenden Gates, genauso wie bei rhythmischen Geschichten. So erhält man neue Strukturen, die aber immer im Bezug zu den eingehenden Gates stehen und dadurch auch musikalisch wertvolle Ergebnisse liefern.

Nummer zwei sind die ‚Multiples‘ in den Global Modes. Dieser Modus eignet sich am besten für gleichmäßig eingehende Trigger, also Clock Signale. Hierbei wird die Clock geteilt oder multipliziert, wobei die sechs verschiedenen Programme jeweils drei verschiedene Teilungen bzw. Multiplikationen anbieten. 1, 2, 3, 4, 5 oder 1, 2, 4, 6, 8 oder 1, 3, 6, 9, 12.

‚Probability‘ ist der dritte Global Mode. Hier geht es um Wahrscheinlichkeiten. Hierbei wird per Steuerspannung in Prozent eingestellt ob ein Gate durchgelassen wird oder nicht. Bei den ersten beiden Variationen hat man wieder die Auswahl zwischen durchlassen oder blockieren. Bei Variationen 3 und 4 werden Gates miteinander verbunden und die letzten beiden Variationen sind Flip-Flop und invertierter Flip-Flop. Dieses wird auch als ‚Coin Toss‘ bezeichnet, wobei man prozentual einstellen kann wie wahrscheinlich es ist, dass die virtuelle Münze auf einer oder der anderen Seite landet, also Gate oder kein Gate. Das ergibt eine sehr ausführliche Methode der verschieden möglichen Wahrscheinlichkeiten in Zusammenhang mit Trigger-Signalen.

Im vierten Global Mode erhalten wir sechs verschiedene Arten von Logik zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um AND, NAND, OR, NOR, XOR und XNOR. Das sind eigentlich alle üblichen Logiken in der Modularwelt und es würde jetzt den Umfang dieses Artikels sprengen, jede einzelne Logik genau zu erklären. Es ist aber auch nicht nötig,diese mathematischen Funktionen genau zu verstehen, um diese zu verwenden. Hier wird einem durch ein bisschen Experimentieren schnell klar, wie sich die einzelnen Logiken auswirken.

Beim fünften Modus geht es um Phasen. Auch dieser Modus funktioniert am besten mit gleichmäßigen Clock-Signalen, wobei hierbei die einzelnen Trigger per CV zeitlich nach hinten verschoben werden. Die sechs verschiedenen Variationen dieses Modus erlauben dabei quantisierte Verschiebungen oder auch in Prozent eingestellt. Des Weiteren kann man hier Trigger auch in verschiedenen Unterteilungen der eingehenden Clock-Geschwindigkeit verschieben. Auch hier erhält man eine sehr ausgiebige Ausführung der Phasenverschiebung zur Verfügung gestellt. In diesem Modus würde ich auch eher zum Experimentieren raten, als sich den Kopf zu zerbrechen, wo die Unterschiede der einzelnen Variationen liegen. Die Ergebnisse sind hier sehr vielfältig. Besonders wenn man zwischen den verschiedenen Variationen springt, bekommt man sehr interessante rhythmische Muster aus gleichmäßigen Clock Signalen geboten.

Der letzte Global Mode heißt ‚Gates‘. Hier wird der Event Boss mit Gates und Triggern gefüttert, wobei diese verlängert und/oder zusammengefügt werden. Hierbei steuert man per CV wie lange ein Gate anhält. Dieser ist auch der komplizierteste der sechs Modi. So kann man z. B. einstellen bei welcher Anzahl an Triggern das ausgehende Gate anhält, oder mit AND und OR Logik arbeitet, wobei die Trigger mit Steuerspannungen verglichen bzw. zusammengeführt werden. Wie beim ersten Modus, so sind auch hier die letzten beiden Variationen dafür vorgesehen, zwischen den ersten vier umzuschalten. Das klingt jetzt kompliziert und ist es auch. Dafür ergibt dieser Modus besonders interessante und vielseitige Gate-Figuren, wenn man damit z. B. eine ADSR Hüllkurve ansteuert aber die Eingänge nur mit einfachen Triggern füttert.

Viel mehr als Random

Die einzelnen Modi alleine stellen schon sehr viele Möglichkeiten zur Verfügung um alle möglichen Arten von Mustern aus einfachen Trigger und Gates zu erzeugen. Genauso besteht die Möglichkeit komplexe Rhythmen zu vereinfachen, wobei dieses Prinzip interessante und musikalisch wertvolle Variationen liefert. Wenn dazu noch in Betracht gezogen wird, dass per CV zwischen zwei verschiedenen Eingängen gewechselt werden kann, dabei Parameter der Programme beeinflusst werden können und zwischen den Programme an sich gewechselt werden kann, so erscheinen die Möglichkeiten geradezu unendlich.

Dabei ist diese Herangehensweise doch sehr unterschiedlich zu Random Modulen. Am Anfang erscheinen einem die Ergebnisse durchaus zufällig, aber umso mehr man sich mit diesem Modul auseinandersetzt, umso gezieltere Ergebnisse erhält man. Von allen Möglichkeiten einmal abgesehen, kann man den Event Boss auch immer für eher einfache Aufgaben wie Teilungen oder Logik nutzen. Es zwingt einen ja keiner immer in jede Buchse ein Kabel zu stecken.

Audiobeispiele zu Abstract Data ADE-33 Event Boss

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