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Querschläge: Crowdfunding für Musiker?

Crowdfunding, dass ich nicht lache.

Foto: © Fotolia / Montage bonedo
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Dagegen ist Gewinnwarnung als Unwort ja ein Witz. Auf einmal soll, was Straßenkünstler und andere Prekär-Kreative seit Jahrhunderten mehr oder minder alternativlos praktizieren, ein erfolgsversprechendes Geschäftsmodell sein? Für die Anbieter der Crowdfunding-Plattformen – man schätzt sie auf ca. 150 weltweit – ist es das mit Sicherheit. Für alle anderen ist es ein Spiel mit dem Feuer, ein Balance-Akt auf dem schärfsten Teil von Messers Schneide. Denn abgesehen davon, dass eine Crowdfunding-Kampagne anzustoßen und aufzusetzen noch lange nicht garantiert, dass diese auch erfolgreich abgeschlossen wird (hier ein paar Failures) – nur etwa jede dritte Kampagne erreicht das angepeilte Finanzierungsziel – gesellt sich zum monetären Risiko auch die Gefahr eines gewissen Image-Schadens. Ob man in diesem Zusammenhang gar von einem Gesichtsverlust sprechen kann, hängt allein von der Höhe dieses Schadens ab.

Was also veranlasst Kreative aus nahezu allen künstlerischen Bereichen, sich in Sachen Finanzierung auf eine Ebene mit Entkleidungskünstlern zu begeben, deren Finanzierungsobergrenze allein durch die Elastizität ihres String-Tanga-Gummis begrenzt wird? – Ein grundlegendes Missverständnis. Während die Initiatoren einer entsprechenden Kampagne nur eines wollen und brauchen, nämlich Kapital, brauchen und wollen die Crowdfunder etwas ganz anderes, nämlich ein besonders gutes Gefühl. Was dazu nötig ist, variiert: Manchem reicht es, das signierte Album direkt von der Band zugeschickt zu bekommen, andere wollen im Booklet ihren Namen lesen und ein nicht zu vernachlässigender Teil erhebt Anspruch auf kreative Mitbestimmung. Welche Begeisterungsstürme dieser Wunsch nach Einflussnahme auf Seiten der Künstler entfacht, kann man sich vorstellen. Auf kreativen Input von Fans sind die genauso angewiesen wie das Rote Kreuz auf Hilfs-Ideen. Wenn trotzdem davon die Rede ist, Fans und Konsumenten in spe „kreativ zu beteiligen“, dann doch nur, um deren Zahlungsbereitschaft zu erhöhen; ein Kompromiss, den unter idealen Umständen kein Künstler einginge, und erst recht nicht ohne die Vorkasse. Fakt ist: Was die einen am liebsten als zweckgebundene Spende verkaufen, erwerben die anderen in dem Glauben, sie seien Anteilseigner. 

Kaum etwas könnte vom demokratischen Mehrheitsprinzip weiter entfernt sein, als individuelle Kreativität. Genau deswegen funktioniert Crowdfunding. Nur eben nicht im Kreativ-Sektor. Sondern vor allem bei Technologie-Projekten. Was auch damit zu tun hat, dass die Investoren- und Aktionärs-Mentalität hier (Bluetooth-Uhren, Spielkonsolen, Weltraumtourismus) sehr viel besser abgebildet und aufgehoben scheint, als bei Romanen, Skulpturen und Musikvideos. Dazu kommt: Ein im Wortsinn mittelloser Unternehmer mit einer vielversprechenden Geschäftsidee ist um einiges attraktiver als ein darbender Künstler, der in seinem Elend verspricht, dass ihn die Muse bald schon noch küssen wird. Was ihn treibt, ist die existenzielle Notwendigkeit und nicht der Wunsch nach einem Brainstorming mit Fans – als hätten sich Musiker nicht schon vor 30 Jahren über die Einmischung von Label-Offiziellen und anderen gewehrt. Leider kein gutes Verkaufs-Argument. Ganz im Gegenteil: Jeder darf so arm dran sein, wie er will – er muss es nur für sich behalten können. Versucht das mal auf einer Crowdfunding-Plattform – wie die amerikanische Band Orgy gerade schmerzhaft erleben musste!

Unser Kolumnist Thomas Kühnrich ist seit 2011 Redaktionsleiter bei Joinmusic.com. Dieses Online-Magazin und Label-Portal will getreu des Mottos “Good Music Only” eine Anlaufstelle für Labels und Musikinteressierte abseits der Top 20 Playlists sein. Und weil Justizia zwar blind, nicht aber taub ist, gibt sich Joinmusic subjektiv, voreingenommen und parteiisch. Mit News, Track-Tweets, Reviews und Hintergrund-Geschichten informiert das Magazin über Künstler, die den Unterschied machen. Das einzige Genre, das für sie wirklich zählt, heißt „großartige Musik“. Mit diesem Hintergrundwissen gewappnet, wird uns Thomas ab sofort mit seinen “Querschlägen” ein wenig Pfeffer in den Alltag bringen…

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von thomas.kuehnrich

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Profilbild von irgendwer

irgendwer sagt:

#1 - 06.11.2013 um 00:25 Uhr

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Ich glaub ich bin zu blöd um den Text zu verstehen.

Profilbild von Name

Name sagt:

#2 - 06.11.2013 um 17:02 Uhr

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noch irgendwer sagt:

#3 - 08.11.2013 um 23:36 Uhr

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Bernd sagt:

#4 - 15.11.2013 um 00:15 Uhr

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Ich finde Crowdfunding Musiker sollte man überdenken. Viele Musiker arbeiten ja sehr nah an ihrem Publikum.

Profilbild von DIrk

DIrk sagt:

#5 - 15.11.2013 um 19:37 Uhr

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Interessantes Thema, aber holzig geschrieben. Schade!

Profilbild von Tzwaenn

Tzwaenn sagt:

#6 - 17.11.2013 um 20:59 Uhr

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Meinung abgeben find ich ja ok. Etwas aktuellere Daten wären aber angemessen:
http://www.fuer-gruender.de...

Profilbild von Laura

Laura sagt:

#7 - 07.09.2015 um 08:52 Uhr

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Crowdfunding wird mittlerweile in den unterschiedlichsten Bereichen in Anspruch genommen, warum also auch nicht in der Musik. Zum Thema Crowdfunding gibt es auch auf http://www.finanznachrichte... einen sehr interessanten Artikel.

Profilbild von Tellerrandhuepfer

Tellerrandhuepfer sagt:

#8 - 06.10.2015 um 14:18 Uhr

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@ Thomas Kühnrich.....
Dein Artikel über Crowdfunding ist extrem negativ und zeigt leider einen sehr kleinen Tunnelblick . Die Musikindustrie hat sich ja nicht nur in den letzten 10 Jahren extrem geändert sondern ist ständig im Wandel. So ist es auch mit Crowdfundingplattformen und die Art und Weise wie Künstler auftreten.
Durch die Medien YouTube und Facebook und Co verändert sich das Konsumverhalten der Fans, Käufer und ,,Zufallsmusikhörer/ Webmusikuser.
Viele Künstler ..ob Großverdiener oder ,,Überlebenskünstler,, können durch Crowdfunding auch sehr gut Ihre Fanbase testen und die Signale ernstnehmen und als Quelle der Inspiration ansehen.
Wenn man stur seinen musikalischen Stiefel macht und glaubt das sei der einzige Weg reale Kunst zu machen dann hat man eben nicht den Wandel der Zeit kapiert und die neuen Möglichkeiten in den sich rapide schnell verändernden Medien genutzt.
Der Workflow der Künstler muss schneller, professioneller und wesentlich vielfältiger werden. Der Konsument ist in der Masse so..also schnelllebig, googelt alles Neue und will sofort erleben ...und da kommt das Hauptproblem von vielen ,,Künstlern,,:)... Sie machen ja so tolle Musik / Kunst und schießen auf Kommerz...hahahah...und dann...ja aber was verkaufen muss ich schon oder Konzertbesucher sollen zahlen die sie vorher als uncool betiteln...tja...passt halt nicht zusammen und zeugt von Dummheit und Eitelkeit!
Das aber Szenejournalisten nicht über den Tellerrand schauen können...hmmmm...macht mich persönlich traurig . Ich bin der Meinung wir brauchen mehr Visionäre und ein häufiges positives Pushen der Jungen Medien und der neuen Möglichkeiten . Und ja!...man muss schauen wo seine Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Produkten wie mpr3 Playern, Gummibändern und neuen Kosmetikfirmen liegen. Denn diese ,,sinnlosen,,Dinge sind elementar für die Motivation der Gesellschaft und damit auch die Bereitschaft sich Kunst zu kaufen oder sich überhaupt für Kunst zu interessieren und das passiert heutzutage nun mal im Handy, auf dem Klo in der Raststätte in der neuen Uhr mit Webradio und und und ...
Und dann ja auch noch die klassischen Varianten ...Konzerte, Bars, Touren, Festivals..
Und was Orgy angeht....ähhhh na ja ...positive Ausstrahlung geht schon im Kern anders :).... Da laufen eben selbst die härtesten Fans weg. Egal wie man die Musik findet...Fans können nur auf den veröffentlichten Kram Ihrer Idole reagieren.
Aber es könnten ja auch viele neue Fans dazukommen . Andere Musiker und Künstler aus anderen Bereichen haben Immagewandel nicht nur mit einer äußeren Veränderung gekoppelt sondern auch etwas Neues in sich dabei entdeckt. Das nennt man dann wirklich einen Wandel des Künstlers......und ich rede jetzt nicht davon mal den Beat zu ändern und ein angesagtes Sample einzubauen:).Warum hören so viele Künstler nach einer gewissen Zeit des Erfolges auf zu ,,lernen,,...dazu gehört auch ,,ausprobieren,,, mal auf die Schnauze fallen und wieder aufstehen.Das sind doch selbstverständliche Lernprozesse. Warum müssen Journalisten so oft gleich alles bewerten anstatt nur zu hinterfragen. ...ach ja...weil Ihr auch kommerziell seit und nur so die schnelllebigen Leser bei Laune halten könnt?....
Es gibt noch so viele Punkte auf die ich eingehen möchte...aber die Zeit nutze ich jetzt lieber um positive Dinge zu posten und neue Projekte zu entwickeln. Denn nur wer ständig kreiert und wachsam ist kann Freude, Erfolg und Fans ernten.
Und während Du drüber nachdenkst und eine von Eitelkeit angetrieben Antwort mit ,,rechtfertigen,,Charakter schreibst haben schon tausende von jungen ,innovativen Menschen was ,,frische,, rausgebracht und ,,Neue Medien,, genutzt...... die wir erst verstehen lernen müssen??.
Verstehe mich bitte nicht falsch...ich halte Dich für einen durchaus kompetenten Schreiberling aber diese negative ,,Art,, des Journalismusses hat sich ebenfalls durch die ,,Neuen Medien,, verschlimmert und ist durch die Flut von sinnlosen Kommentaren von Halbschlauen nicht hilfreich......so wohl auch meine total ,,dummen,, Notizen zu Deinem ,,Beitrag,,.
So der Kaffe ist ausgetrunken ....mach es gut...Aloha ,
A

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