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Black Lion Audio Micro Clock MkIII Test

Praxis

Jeder kann Clocking – mit der Micro Clock erst recht

Ein ganz dicker Pluspunkt der Black Lion Audio Micro Clock MkIII ist, dass sie wirklich jeder bedienen kann und dieses Bedienen in kürzester Zeit erledigt ist. Verkabeln, anschalten, Samplerate einstellen. Allenfalls die korrekte Verdrahtung mit Bestandsequipment und der Entzug der jeweiligen Geschwindigkeitshoheit bei den Slaves könnte die eine oder andere Frage bei Neulingen aufwerfen, aber das Problem ist ja nicht BLA-spezifisch, sondern tritt bei allen Clock-Distributions auf.

384 nicht das Ende der Fahnenstange

Eine Taktrate von 384 kHz klingt nach Alleinstellungsmerkmal, doch gibt es tatsächlich auch davon die doppelte Geschwindigkeit, ja sogar die vierfache: 1536 kHz, generiert etwa durch eine gleich teure Mutec-Clock, sind damit genau das Zweiunddreißigfache von 48. Diese Werte machen für eine etwaige Multibit-Wandlung und anschließende Verarbeitung allerdings wenig Sinn, man stelle sich nur den Speicher- und Processing-Aufwand vor… Ach ja, als Geschwindigkeitsreferenz für die anschließende Word-Clock-Synchronisation können ja auch Rubidium-Clocks genutzt werden, die mit 10 MHz flott vor sich hintakten. 

Fotostrecke: 8 Bilder Höchstgeschwindigkeit: BLA Micro Clock Mk III mit 384 kHz
Fotostrecke

Manko: Preis

Stabil hat eine Clock zu sein, und tatsächlich ist das, was man über die BLA erfahren kann, auch definitiv ausreichend. Allerdings verwundert mich doch, dass die Schwarzlöwen so knauserig mit Informationen sind. Gerade bei nicht auf konstanter Temperatur gehaltenen Oszillatoren wüsste man gerne, für welche Betriebstemperaturen die Werte gelten (…in Racks wird es warm) und dergleichen. Mir sind jedoch die Möglichkeiten wichtiger, die sich ergeben. Die Micro Clock hat viele unterschiedliche Ausgangsformate, das ist vorteilhaft. Schade ist aber, dass man außer der typischen nominellen Samplerate keine Veränderungen per Varispeed bewerkstelligen kann. Schließlich ist es genial, ein komplettes Digitalsystem um nur wenige Prozent oder sogar Promille herauf- oder heruntertakten zu können, um dem Sänger das Erreichen eines bestimmten Tons doch noch zu ermöglichen oder fast unbemerkt etwas mehr Fülle in die Vocals zu bringen. Oder mit einem Handgriff die gedoppelte Gitarre etwas gepitcht aufzunehmen, um nachher auch ohne Chorus oder sonstigem Modulationseffekt eine breite Wand hinzubekommen. Schließlich hatten Analogbandmaschinen nicht umsonst eine feine Geschwindigkeitsregelung… Auch Pull-Up und Pull-Down gibt es nicht, notwendig, wenn man komplexen Formatkonvertierungen durch unterschiedliche Timecode-Framerates gegenübersteht. Simultangenerierung unterschiedlicher Samplerates auf Basis der gleichen Masterclock? Auch das geht mit der BLA-Clock nicht – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, die in preislich ähnlichen Regionen zu finden sind. Und tatsächlich: Schaut man einmal auf die Habenseite der Clocks von Mutec, Tascam, Brainstorm oder Rosendahl, sind die Argumente pro BLA deutlich in der Unterzahl. Legt man auf den Preis für die Micro III noch einmal die Hälfte oder weitere tausend Euro drauf, hat man Apogees Big Ben, die DMS von Drawmer oder die Antelope Isochrone im Rack hängen. Also: Die Black Lion ist nicht schlecht, sie ist schlicht zu teuer. Die einfacher ausgestattete Micro Clock MkII war mit gut 500 Euro schon sehr nah an den kleinen, leistungsfähigen Mutec-Clocks und sehr weit vom Einfachst-Taktgeber Syncgen von ART (etwa 150 Euro).

Soundeinfluss

Eine Falle, in die Konsumenten gerne tappen, ist, dass sie glauben, ihr Audio-Interface durch das Anschließen externen einer Clock klanglich aufwerten zu können. Das ist in den wenigsten Situationen der Fall und dann recht sicher ökonomisch der falsche Weg. „Digitalpapst“ Ken C. Pohlman hat die Auswirkung externer Clocks in „Principles of Digital Audio“ hinreichend erklärt. Allerdings kommt man ja um externes Clocking in komplexen Setups nicht herum. In einem Hörtest habe ich die mir zur Verfügung stehenden Geräte in unterschiedlichen Kombinationen verkabelt, um Unterschiede herauszuhören. Unter den Teilnehmern fanden sich Audio-Interfaces von MotU und Focusrite, A/D- und D/A-Wandler von Lavry und diverse Effektgeräte. Quantensprünge gibt es wie zu erwarten keine, auch Klangunterschiede von Wandlern sind ja meist in der analogen Domain begründet. Einen winzigen, wirklich verschwindend kleinen Vorteil in der Tiefendarstellung glaube ich zu hören, wenn nicht der BLA, sondern der Lavry AD11 das MotU 896 mk3 über AES clockt – und der Lavry ist ein zweikanaliger ADC mit guten Mic-Pres und USB-Interface. 

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