Behringer NOX-202 Test

PRAXIS

Die Phono-Preamps klingen klar in den Höhen und druckvoll in den Bässen. Die Vorverstärker sind gut aufeinander abgestimmt, sodass es keine pegeltechnischen oder klanglichen Einbrüche gibt, wenn der DJ sämtliche Register in Sachen Zuspieler (Phono/Line/USB) zieht. Das Mikrofonsignal klingt durchsichtig und rauscharm. Der British-EQ entspricht mit plusminus 12 dB gängigen Standards. Er setzt bei 50 Hz (Bass) und 12 kHz (Hi) an und greift grazil ins Klangbild ein, sodass sich mit ein wenig Feingefühl selbst aus dumpferen oder grelleren Signalen noch einiges herauskitzeln lässt. Für MCs und Moderatoren sehe ich hier keine Einschränkungen. Im Übrigen kann das Effektsignal auch auf den Mikrofonweg angewandt werden.

Audio Samples
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Preamp Nox 202 Preamp Denon X 600 Preamp Vestax PMC05 Pro4 Mikrofon

Aus den beiden Master-Ausgängen ertönt ein warmer Sound mit definierten Höhen und ausgewogenen Mitten. Der Kopfhörerausgang hat zu meiner Überraschung richtig Rumms im Bauch und braucht den direkten Vergleich mit meinem DJM-600 nicht zu scheuen. Nennenswertes Zerren konnte ich auch weit aufgerissen nicht feststellen, vorausgesetzt man übersteuert nicht.  
Workflow-Aspekte
Der Nox-202 ist übersichtlich aufgebaut und weitestgehend intuitiv zu bedienen. Nicht nur die Hauptzielgruppe – meiner Meinung nach Einsteiger und Anwender, die die ersten Klippen bereits gekonnt umschifft haben – wird dies zu schätzen wissen. Die Bedienelemente punkten mit guter Haptik, das Platzangebot geht in Ordnung, die Audioqualität weiß zu gefallen – kurz gesagt: Die Arbeit mit dem Nox macht Spaß. Was mich ein wenig irritiert, ist das Cue-Poti über (nicht unter) dem Cuefader, denn ich bleibe beim Cuemix manchmal mit den Zeigefinger dran hängen. Das stört nicht übermäßig den Ablauf und schon gar nicht die Betriebssicherheit, aber es ist nun mal einfach so. Ferner ist die Positionierung des Reglers für die Crossfader-Curve nicht mein Fall und ich hätte ihn gern noch ein wenig griffiger gesehen.  
Bei den Buttons ist der Druckpunkt nicht wirklich zu ertasten, der Status wird jedoch konsequent durch Beleuchtung angezeigt. Das erinnert mich irgendwie an Allen& Heath, wenngleich sie größere runde Knöpfe verwenden. Nichtsdestotrotz kann man mit den Kill-Buttons richtig Gas geben. Prima.

Fotostrecke: 2 Bilder Drei Tasten für Frequenzkiller…

Szenenwechsel
Wer einen entsprechenden Multicore-Kabelsatz oder eine Breakout-Box besitzt, kann mit einem digitalen Vinyl-System und echten Schallplatten gemischt auflegen, ohne das Vinyl durch die Software zu peitschen. Praktisch, wenn der Nutzer seine X-Tausend Maxis oder LPs noch nicht digitalisiert hat. Das ist unter Umständen gar nicht so teuer, denn es gibt bereits kostenlose DVS-Software wie Mix, die viele Timecodes von Haus aus versteht. Zum Ausprobieren könnte ASIO4ALL in Kombination mit dem Nox und der Notebook-internen Audiolösung herhalten. Das Digitalisieren ließe sich sogar mit dem Behringer vollziehen, denn er kann das Master-Signal via USB an den Verstärker schicken. Mit einem kostenlosen Programm wie Audacity kann man die Quelle abgreifen und sich ergo ein zusätzliches Audiogerät zum Verewigen der analogen Schätzchen sparen. Wenngleich anzumerken gilt, dass das Interface auf dem Mac mit maximal 16 Bit und 48 kHz arbeitet und so nicht an die Klasse einer hochwertigen Recording-Lösung heranreicht. Es kommt halt auch ein wenig auf den Anspruch und natürlich die Investitionsfreude an. Aber für den privaten Rahmen reicht es allemal – der Aufzeichnung eigener Mixsessions steht jedenfalls nix im Wege.
Spezielle ASIO oder Core-Treiber hat der Nox nicht im Gepäck. Wer einfach ein paar Tracks vom Computer einspielen will, dem wird das wohl egal sein. Solange er nicht auf atemberaubende Latenzen angewiesen ist, da sich das Interface unter Traktor auf 40 Millisekunden einstellt. Der anschließende Mix mit USB-, Phono- und Line-Zuspieler verlief absolut störungsfrei. Potentiellen Noxxern, die nicht in eine Traktor-Lizenz investieren wollen (kostet immerhin fast so viel wie der 202-Mixer selbst) sei gesagt, dass man einen Tanzflur zum Beispiel auch mit einer kostenlosen DJ-Software wie dem bereits erwähnten Mixxx recht gut befeuern kann. Für Tante Herthas Fünfzigsten reicht sicherlich auch Winamp oder iTunes. Schade eigentlich, dass der Testkandidat kein Vierkanal-USB-Interface besitzt. Ich glaube, bei knapp 160 Euronen Straßenpreis hätte ich sonst an dieser Stelle wahrscheinlich Freudentränen in den Augen gehabt. Aber mal im Ernst. Hier bekommt man für seine Kohle schon einiges geboten. Daher gleich weiter im Text.  
Effekte
Die Effektabteilung präsentiert sich mit zwölf Klangverbiegern. Vom Band-Echo über Delay, Reverb, Flanger und Filter wird das Areal der Brot & Butter-Effekte serviert

Fotostrecke: 3 Bilder Tap-Taster als Grundlage der beatgenauen Effektsynchronisation.

Das Mischungsverhältnis wird per Fader, der Parameter per Drehregler gesteuert. Mittels Encoder wird das ausgewählte Effektprogramm dem Master, dem Mikrofonkanal oder einem der beiden Kanäle separat zugemischt. Interessanterweise lassen sich manche Effekte zum Beat synchronisieren. Was man daran erkennt, dass der Tempo Button nervös zu blinken beginnt, wenn sie ausgewählt sind. Nun kann der DJ durch manuelles Klopfen auf den Tap-Button die Synchronisationsgrundlage schaffen. Ab dem zweiten Tastenhieb wird ein Mittelwert der Eingaben berechnet. Das klappt soweit sehr gut. Die Auswahl einer Routine erfolgt via Push-Encoder, was eine rote Beleuchtung des aktuell ausgewählten Typs nach sich zieht. Letzter Bestandteil des Effektgeschwaders ist ein Button mit der Aufschrift FX-On. Ihr ahnt sicherlich, welche Funktion ihm zugedacht ist. Hinzufügen möchte ich noch, dass sich die Klangverbieger vorhören lassen. Find ich klasse! – Das gibt Sonderapplaus.  
Mit dem Parameterregler und dem Intensitätsfader geht die Steuerung sehr gut von der Hand. Multi-FX, Kettenschaltung oder Mehrfachzuweisungen sind nicht möglich, was ich in dieser Preisklasse auch nicht erwartet habe. Dry/ Wet-Fader sieht man in letzter Zeit eher selten bei DJ-Mixern. Schade, sie versprühen nämlich einen ganz speziellen Charme. Wer sich nun fragt, warum um alles in der Welt Behringer keinen Encoder fürs Effekt-Timing verbaut hat: Ich denke, das ist in Ordnung, so wie es ist. Denn wahrscheinlich hätte die andere Hälfte des DJ-Lagers aufgeschrien, wenn sie Maximalwert und Nullstellung eines Flangers, Reverbs oder Filters nicht ablesen könnten oder gerasterte Parameterfahrten absolvieren müssten. Apropos Filter: Beim High- oder Lowpass ist Vorsicht geboten, denn diese kommen entsprechend ihres Cutoffs nach kurzer Deadzone in vollem Umfang über den Dry/Wet-Fader. Krasser, als man es hinsichtlich der Skalierung erwartet hätte. Also Vorsicht!  
Generell kann die Effektsektion hinsichtlich des Sounds überzeugen, lediglich das Echo klingt in meinen Augen ein wenig wie durch die Röhre und ist beim Umschalten der Delay-Zeiten etwas dröge. Außerdem ist mir die Nachhallzeit des Reverbs auf den untersten Stufen nicht tight genug und das Reverse Reverb könnte eine geringere Latenz aufweisen. Ist aber sicherlich auch Geschmackssache. Unterm Strich lassen sich die Effekte gut bedienen und sind dancefloortauglich konzipiert. Unliebsame Extremsounds sind jedenfalls nicht zu erwarten.

Audio Samples
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2xCopy Tape Echo Echo Flanger Phaser High Pass Low Pass Auto Pan Vocoder Reverb Reverse Reverb LiM DIST
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Profilbild von Sascha Mussbach

Sascha Mussbach sagt:

#1 - 06.12.2011 um 21:22 Uhr

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Der kommentar ist ganz gut geschrieben und die Bilder aufschlußreich. Aber so richtig weiter bringt er micht nicht. Es wäre nett noch näher auf den fader einzugehen (reicht es kurz zu machen, ein satz: zum scratchen geeignet oder nicht, hat er viel "leerlauf" also wie weit muss man ijhn bewegen bevor das signal anfängt reinzukommen, vileicht wären auch vergleiche ganz nett!)Außerdem: wer will den heut zu tage noch ein seperates x-fader modul? Da waren noch so ein paar sachen, bei denen die ansichten etwas veraltet sind.

Profilbild von peter

peter sagt:

#2 - 07.12.2011 um 14:13 Uhr

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Hallo Sascha.
Meiner Meinung nach ist der butterzarte (der Bursche gleitet, wenn du den Mixer seitlich kippst, von selbst los) Infinium-Fader absolut Scratch-tauglich. Das Signal kommt in Punch-Stellung unmittelbar auf dem ersten Millimeter rein. Was das separate Fadermodul angeht, das ist vielleicht auch eine Frage der Nutzungsplanung.
Besten Gruß
Peter

Profilbild von Ron Maurizio

Ron Maurizio sagt:

#3 - 08.12.2011 um 01:12 Uhr

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Ich habe mir das Mischpult vor einigen Wochen gekauft und kann dem Autoren beipflichten. Der Mixer ist gut zum scratchen geeignet. Infinium Crossfader sollten seit der Rodec Scratchbox ein Begriff sein.

Profilbild von Dennis

Dennis sagt:

#4 - 02.04.2012 um 01:52 Uhr

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Hallo
Ein netter Test, der mich dazu veranlasste, den Mixer zu bestellen...
Jetzt kann ich sagen, dass er leider bei dem Test etwas zu gut bewertet wurde und zu den Nachteilen muss man noch etwas hinzufügen:
1. Effektsektion
Ganz nett, aber mehr als Spielerei ist es nicht. Sie ist zwar intuitiv zu bedienen, aber der Fader für die Intensität setzt leider erst ein bischen verzögert ein und dann kommen die Effekte auch ziemlich prompt. Die Tap-Taste zum Syncen ist auch eine gute Idee, aber man braucht schon ein bischen Übung, um effektiv zu synchronisieren. Witzig klingt es allerdings, wenn man den Flanger damit immer wieder neu startet, knackt aber nach ner Zeit. Wenn man dann noch sieht, dass der Poti für die Taktfrequenz stufenlos und unbeschriftet ist, ist Chaos vorprogrammiert. Wenn der Effekt die Laufzeit überholt, zwitschert es im Lautsprecher ziemlich fies. Einzig gut ist, dass man die Effekte vorhören kann, aber Action ist für mich nach 10 Jahren Auflegen was anderes.
Ausserdem fällt noch auf, dass beim Einschalten der Effektsektion der betroffene Kanal plötzlich klarer und ein wenig lauter klingt.Gerade wenn man Effekte nutzt, um die auslaufende Platte subtil verschwinden zu lassen, ist es ein bischen merkwürdig, wenn diese plötzlich wieder lauter wird.
2. Killswitches
Knacken - mehr gibts dazu nicht zu sagen
3. Klang
Insgesamt sehr hohl. Die Höhen kommen nicht genug raus. Bei sehr basslastigen Tracks hört es sich so an, als wäre permanent Distortion an und der Bass kommt nicht richtig satt an. Der EQ von den beiden Kanälen ist im positiven Bereich nicht stark genug und wenn man beide Kanäle offen hat, verschwinden manchmal einfach ganze Frequenzbereiche. Beispiel: Bass drückt sich von der reinkommenden Platte rein, soll eigentlich über den laufenden Bass und diesen verstärken. Passiert aber nicht, sondern eine der beiden Basslines ist einfach Futsch (vielleicht im Keller oder so, aber nicht in den Boxen), kommt dann beim Killen einer der beiden unregelmäßig wieder. Keine Ahnung woran das liegt, aber vielleicht ist der Verstärker nicht stark genug, oder beide Kanäle laufen über einen.
4. Phono-Vorverstärker
Ich habe nicht die besten TTs aber das rauscht schon ziemlich krass und mehr als bei meinem alten Mixer.Das hört man vor allem an den leiseren Stellen während des Mixens.
5. Line-Fader
Die setzen erst ziemlich spät ein und dann aber voll.Meiner Meinung nach ist der Mixer weder für Anfänger noch für Fortgeschrittene und schon gar nicht für den Club oder seien es nur WG-Parties geeignet. Man stößt ziemlich schnell an seine Grenzen(die des Mixers). Fortgeschrittene sind zu klangverwöhnt und Einsteiger bekommen ne falsche Vorstellung vom professionellen Mixen. Ein paar der genannten Vorteile kann ich durchaus verstehen, aber diese überwiegen keinesfalls die Nachteile.
Da ich nun keinen Mixer mehr habe, nehme ich als nächsten in der Liste den X6 von Numark und hoffe, dass dieser Testbericht von bonedo mehr zutrifft :)Gruss Dennis

Profilbild von Frank Mannteufel

Frank Mannteufel sagt:

#5 - 07.06.2012 um 14:11 Uhr

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Hallo Dennis, ich habe gerade deinen Kommentar gelesen. Auch ich bin Besitzer eines NOX (als Zweit/Ersatzgerät zu einem Pioneer) und sicherlich kann man von einem unter 200 Euro Mixer nicht das gleiche erwarten, wie von einem Hi-End-Gerät, aber in vielen Punkten tust du dem Nox in mein Augen einfach unrecht.Angefangen mit der Effektsektion. Diese sind nicht von Pioneer Qualität, aber für Einsteiger und auch für manchen Fortgeschrittenen absolut brauchbar. Was die Synchronisation angeht: Eine Tap-Taste erfordert immer eine gewisse Übung. Ein fehlende BPM-Anzeige tut dann ihr übriges. Das der Effektfader verzögert einsetzt, liegt an der Natur der Sache eines Faders. Der Intensity Fader arbeitet für mich perfekt und die stufenlose ungerasterte Einstellung des Timings macht kein Chaos, sondern ermöglicht sanft-präzise statt abrupte Steuermöglichkeiten des Timings. Ist halt kein Traktor hier, sondern echte Handarbeit und Gehör gefragt, aber das setze ich bei dir nach zehn Jahren Erfahrung voraus. Das mit dem klarer/lauter beim Einschalten der Effekte kann ich absolut nicht nachvollziehen, tut mir leid.Zu den Fadern. Ich weiss nicht, wie laut du zuhause aufdrehen kannst, bei mir im Party-Keller jedenfalls, wo das Gerät momentan installiert ist, kann ich das. Es ist klar zu hören, dass die Linefader schon bei den ersten beiden Strichen einsetzen! So soll es sein. Das mag auf einem Kopfhörer oder einem Hifi-Verstärker im Wohnzimmer anders klingen ;). Der EQ ist nicht stark genug? Ehrlich, dass kann man bei einer Anhebung von 6dB auch nicht erwarten, oder ?? Dann müsstest du dir schon was mit 12 oder 15 dB zulegen. Genau das will ich zum Beispiel nicht ;) Der nachfolgende Teil ergibt sich daraus. Die meisten Nox-Mixer haben im Übrigen die gleichen Bauteile, und ich habe auch sonst noch nirgendwo gehört, dass sie hohl klingen. Hatte dazu auch die anderen Nox-Berichte auf bonedo gelesen, da ich erst mit dem 303 liebäugelte. Hattest du vielleicht ein fehlerhaftes Gerät bekommen?nfU
Frankmann

Profilbild von Stanley

Stanley sagt:

#6 - 11.06.2012 um 11:37 Uhr

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Thanks for the review.Vielen dank.
Groetjes/Greets, Stanley
Amsterdam

Profilbild von Rene

Rene sagt:

#7 - 28.12.2012 um 15:53 Uhr

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Bei den Behringer Modellen gab es im Aufnahme modus immer ein hoches Grundrauschen!Ist das bei diesem Modell auch der Fall?Bin auch am überlegen mir einen zuzulegen.Danke!

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