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Audient iD4 Test

Praxis

Zusatzfunktionen und versteckte Extras

In der Praxis zeigt das Audient iD4 einige unerwartete Talente in Form von mehr oder weniger versteckten Zusatzfunktionen. So ist der große Lautstärkeregler ganz nebenbei ein Taster, über den sich eine Dim-Funktion schalten lässt, die sowohl den Pegel am Main-Out als auch an den Kopfhörerausgängen um 15 dB absenkt. Aktiviert man dagegen den kleinen iD-Taster, dann wird der Lautstärkeregler zum Scroll-Wheel und verhält sich wie ein Mausrad. So lassen sich alle möglichen Parameter in einer DAW-Software recht komfortabel steuern, und das ist natürlich vor allem hilfreich, wenn man mit einem Laptop unterwegs ist und statt einer Maus das Touchpad verwendet.

Ein Druck auf den iD-Taster macht den Lautstärkeregler zum Scroll-Wheel.
Ein Druck auf den iD-Taster macht den Lautstärkeregler zum Scroll-Wheel.

Auch das Panning der Eingangskanäle ist möglich, wobei ich diese Funktion als etwas exotisch empfinde. Wer zwei Mono-Quellen gleichzeitig aufnimmt, will diese in der Regel beide in der Mitte des Stereo-Panoramas hören. Wer daran doch etwas ändern will, der kann das tun, indem er den Mute- und iD-Taster gleichzeitig drückt und an den Potis für Mic-Gain und DI-Gain schraubt. Dies wirkt sich natürlich nur auf den Monitor-Mix beim direkten Mithören aus und nicht auf die Aufnahmen.

Die beiden Potis für Mic-Gain und DI-Gain können verwendet werden, um die Panorama-Einstellungen der Eingangkanäle beim direkten Mithören anzupassen.
Die beiden Potis für Mic-Gain und DI-Gain können verwendet werden, um die Panorama-Einstellungen der Eingangkanäle beim direkten Mithören anzupassen.

Die beiden LED-Reihen über dem Lautstärkeregler zeigen im Standardbetrieb den Ausgangspegel am Main-Out an. Mein erster Gedanke dazu war, dass Output-Metering zwar ganz nett sein mag, Input-Metering aber doch wichtiger ist, da es eine wesentliche Hilfestellung beim Einpegeln des Signals darstellt. Aber auch Input-Metering ist möglich, und an dieser Stelle kommt der Monitor-Mix-Regler ins Spiel, der zum Mischen der Signale aus den Eingängen und der DAW zuständig ist. Wenn dieser auf Linksanschlag (also vollständig auf „Input“) gestellt wird, dann zeigen die beiden LED-Reihen die Eingangspegel der beiden Eingangskanäle an.

Die Metering LEDs visualisieren je nach Einstellung den Pegel des Stereo-Outs oder der beiden Eingänge.
Die Metering LEDs visualisieren je nach Einstellung den Pegel des Stereo-Outs oder der beiden Eingänge.

Ein erwachsener Preamp

Der Punkt, dass Audient für den Vorverstärker der Kompaktklasse keine minderwertigen Komponenten verwendet, um den Preis niedrig zu halten, macht sich eindeutig bemerkbar. Der interne Preamp verstärkte im Test das Signal aus einem Neumann TLM 103 auf eine nicht ganz so analytische Art wie die Vorverstärker im RME Fireface, gab sich in den Höhen etwas zurückhaltender und verpasste dem Gesang im Gegenzug etwas mehr Wärme. Gerade in Kombination mit dem recht höhenreichen TLM 103 macht sich das hervorragend und ganz nebenbei werden die etwas harten S-Laute entschärft. Das Ergebnis wirkt rund, sehr „musikalisch“ und tendenziell fast ein wenig „british“ wobei man von einer drastischen Färbung nicht reden kann und der Preamp eindeutig noch als Allrounder zu begreifen ist.

Audio Samples
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Vocals Audient iD4 Vocals RME Fireface

Der Instrumenteneingang verrichtet seine Arbeit ebenfalls sehr gut. Im direkten Vergleich zur Referenz aus dem Hause RME erscheint das Signal aus dem iD4 in diesem Fall etwas schlanker, ohne jedoch dünn zu wirken. Es handelt sich dabei allerdings um Nuancen.

Audio Samples
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Fender Rhodes Audient iD4 Fender Rhodes RME Fireface
Das iD4 während der Aufnahme des Fender Rhodes.
Das iD4 während der Aufnahme des Fender Rhodes.

Flexible Einstellungsmöglichkeiten zur Latenz

Das iD4 wurde an einem Windows-Laptop (Intel Core i7-6700 HQ @ 2,6 GHz/8 GB RAM) unter Verwendung von Cubase getestet. Im Vergleich zu anderen USB Audio-Interfaces auf dem gleichen System spielt das kleine Audient, gemessen an den reinen Werten, ganz vorne mit und erzeugt bei einer minimalen Buffersize von 64 Samples und einer Samplerate von 44,1 kHz eine Gesamtlatenz von 4,9 ms.

Bei einer minimalen Buffersize von 64 Samples liefert das iD4 hervorragende Werte.
Bei einer minimalen Buffersize von 64 Samples liefert das iD4 hervorragende Werte.

Allerdings ist dieser Wert mit Vorsicht zu genießen, denn anders als die meisten anderen Audio-Interfaces bietet das iD4 eine Möglichkeit, Einfluss auf den Host Safety Offset zu nehmen. Dabei handelt es sich um eine Art digitale Knautschzone, die der reinen Ein- und Ausgangslatenz einige Millisekunden hinzufügt, um dem System etwas mehr Spielraum zu geben. Dieser steht bei 64 Samples zwangsweise auf „Minimal“, ist folglich recht gering und das hatte auf dem Testsystem schon bei der Verwendung weniger Effekte vereinzelte Knackser während der Wiedergabe zur Folge. Ein Firmware-Update, das noch mehr Kombinationen aus Buffersize und Host Safety Offset bietet, wäre sicher eine feine Sache.

Fotostrecke: 2 Bilder Die Einstellungen zur Latenz regelt man über ein Icon in der Taskleiste. Der Bereich „Latency“ nimmt Einfluss auf den Host Safety Offset…
Fotostrecke

Aber kein Grund zur Sorge! Bei 128 Samples und der Einstellung „Low“ beim Host Safety Offset schlug sich das Interface sehr gut. Die resultierende Gesamtlatenz lag bei ca. 9,8 ms und damit immer noch im annehmbaren Bereich. Dass die maximal möglichen Einstellungen der Buffersize nach oben sehr offen sind und ein Wert von 8192 Samples möglich ist, wird vor allem Anwender freuen, die umfangreiche Mixes über das kleine iD4 laufen lassen wollen. Die Latenz liegt bei der extremsten Einstellung oberhalb von 400 Millisekunden, und das verschafft dem System sehr viel Zeit für seine Berechnungen und erhöht die Leistung damit beträchtlich.

Fotostrecke: 2 Bilder Bei 128 Samples und einer Gesamtlatenz von knapp 10 ms schnurrte das Testsystem wie ein Kätzchen.
Fotostrecke
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Profilbild von SteveFromBerlin

SteveFromBerlin sagt:

#1 - 03.10.2016 um 14:16 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Kann man die leichte Färbung mit den Geräten von Apogee vergleichen oder ist das nochmal eine ganz andere Hausnummer? Ich finde die direkt eingespielten Beispiele von Rainer Wind immer hervorragend und auf Nachfrage sagte er, er würde ein Apogee Duett benutzen. (Selbstverständlich kommt bei ihm auch sehr viel Klang aus den Fingern ;)

    Profilbild von Alexander Aggi Berger (bonedo)

    Alexander Aggi Berger (bonedo) sagt:

    #1.1 - 04.10.2016 um 07:49 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hi Steve, das ist eine interessante Frage! Ich habe gerade die Files aus unserem Test zum Apogee Duet 2 durchgehört - auch da gibt es Vergleiche zu den Preamps von RME, und das Duet verhält sich in dieser Hinsicht tatsächlich tendenziell ähnlich wie das iD4 und klingt nicht so analytisch und höhenreich. Der Direkteingang (an den du vermutlich deinen Bass anschließen willst) scheint beim Duet allerdings etwas dicker zu klingen als beim iD4. Um das wirklich unterschreiben zu können, müsste ich aber wirklich direkt vergleichen.Und wie du schon sagst: Der Klang in den Fingern und im Instrument ist nicht zu unterschätzen. Ich bin beispielsweise immer wieder beeindruckt, wenn nach meinen eigenen Soundcheck-Versuchen zur Vorbereitung einer Aufnahme ein "richtiger" Gitarrist kommt. Das ändert wesentlich mehr als so eine leichte Färbung durch das Interface :)

    Antwort auf #1 von SteveFromBerlin

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    +1
Profilbild von Alex Abedi

Alex Abedi sagt:

#2 - 19.02.2019 um 14:59 Uhr

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Netter Test, nur leider wird das wichtigste überhaupt nicht angesprochen. Mich persönlich interessierten Preamps in Audio Interfaces nicht. Ein guter Preamp kostet heute auch nicht die Welt und sollte zum Inventar von jedem der ernsthaft Musik macht gehören.Also, wie klingt das Interface? ADDA Wandlung ist neben Latenz wohl das wichtigste Kriterium für ein Audio Interface. Es wird in dem Test mit keinem Wort erwähnt, wie das Teil klingt.

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